DFB-Elf: Fast jede darf mit nach Schweden

Von am 19. Juni 2013 – 7.56 Uhr 17 Kommentare

Am Donnerstag wird Bundestrainerin Silvia Neid ihren 23 Spielerinnen umfassenden Kader für die EM in Schweden (10. bis 28. Juli) bekanntgeben. Doch während sonst vor großen Turnieren eine ganze Reihe von Wackelkandidatinnen wie gebannt auf die Entscheidung warten, müssen diesmal vor dem zweiten EM-Vorbereitungsspiel heute Abend gegen Kanada (ab 17.45 Uhr live in der ARD) in Paderborn nur wenige Spielerinnen um die Teilnahme bangen.

Geschrumpfter Kader
Denn  von ursprünglich 28 Spielerinnen des erweiterten EM-Kaders sind nur noch 25 übriggeblieben, so dass am Mittwochabend nur noch zwei Spielerinnen von Neid die unglückliche Nachricht erhalten werden, nicht mit nach Schweden zu dürfen.

Eine Torhüterin muss weichen
Da von den vier Torhüterinnen laut UEFA-Regularien nur drei für das Turnier gemeldet werden können, wird Kathrin Längert vom FC Bayern München oder Laura Benkarth vom SC Freiburg eine der beiden Streichkandidatinnen sein. Bei der Feldspielerin dürfte es sich aller Voraussicht nach um Benkarths Freiburger Teamkollegin Sara Däbritz handeln, die wegen schulischer Verpflichtungen erst zum zweiten EM-Lehrgang zum Team stieß und zudem bereits für einen Lehrgang der U19-Nationalelf vom 29. Juni bis 2. Juli in Frankfurt in Vorbereitung auf die U19-EM in Wales im August nominiert wurde.

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Unheimliche Verletzungsserie
Man darf gespannt sein, ob der DFB-Kader durch die Verletzung von sechs wichtigen Spielerinnen – Verena Faißt, Viola Odebrecht, Alexandra Popp, Linda Bresonik, Kim Kulig, Babett Peter – wie im DFB-Lager erhofft, jetzt noch enger zusammenrücken wird, denn nun werden jüngere, unerfahrene Spielerinnen helfen müssen, die Kastanien aus dem Feuer zu holen, um die lange Erfolgstradition deutscher Frauenfußball-Nationalteams bei Europameisterschaften fortsetzen zu können. Das Team gewann seit 1995 den EM-Titel fünfmal in Folge.

Jetzt erst recht
Mittelfeldakteurin Nadine Keßler meinte auf der Pressekonferenz in der Benteler-Arena in Paderborn am Tag vor dem Spiel gegen Kanada: „Man merkt schon jeden Tag im Training, dass die Mannschaft jetzt erst recht zusammenhält. Wir verlieren unser Ziel nicht aus den Augen. Ich denke, dass die Mischung im Kader passt und wir von allem etwas zu bieten haben. Wir haben trotz der Verletzungen noch sehr viele erfahrene Spielerinnen.“

Jennifer Cramer

Jennifer Cramer dürfte ihren EM-Platz sicher haben © Volker Nagraszus / girlsplay.de

Neid: „Müssen noch enger zusammenrücken“
Und auch Neid erklärt: „Wir müssen als Team noch enger zusammenrücken, das wird auch eine der Hauptaufgaben des dritten Lehrgangs sein. Wir müssen mit der Situation leben und hoffen wirklich inständig, dass es nicht noch mehr Verletzungsprobleme gibt. Wir bleiben zuversichtlich, denn wir wollen trotzdem bei der EM so weit wie möglich kommen.“ Gegen Kanada wird das Team im Vergleich zum 3:0-Sieg gegen Schottland sicherlich bereits eine Schippe drauflegen müssen.

Interessante Mannschaft mit Weltklassestürmerin
„Kanada wird uns auf jeden Fall fordern, vor allem in der Defensive, was Schottland nicht so geschafft hat“, so Neid über eine „sehr interessante Mannschaft“. „Kanada ist sehr robust, variabel und kann gut kombinieren. Sie kommen über ihre Power und sind sehr darauf bedacht, ihre Weltklassespielerin [Christine] Sinclair mit Bällen vor und hinter die Kette einzusetzen.“

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„Yes, we can!“
Unter dem neuen Trainer John Herdman hat das kanadische Team nicht nur die Bronzemedaille beim Olympischen Frauenfußball-Turnier in London, sondern auch mehr Selbstvertrauen in die eigene Stärke gewonnen. Und nun gilt es, einen schlagkräftigen Kader für die Frauenfußball-WM 2015 im eigenen Land zu formen. Herdman fasst das neue Selbstverständnis seines Teams prägnant zusammen: „Inzwischen denken wir nicht mehr: ´Kanada könnte`, sondern ´Kanada kann´.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • waiiy sagt:

    Mich freut es für Cramer, Henning, Maier, Kerschowski, Leupolz, dass sie dabei sind. Sie haben es sich verdient. Vielleicht kann die Eine oder andere ja auch Akzente setzen und so die Chance nutzen, die sich aus dem Ausscheiden anderer Spielerinnen ergibt. Ich würde es ihnen wünschen.

    Für mich bleibt das Halbfinale das Ziel der EM. Ich sehe uns aber nicht als Favorit für den Titel oder das Finale.

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  • Sheldon sagt:

    Eigentlich sollte man gut mit diesem Kader leben können. Er wird beißen müssen bei der EM, das ist klar. Es wird nicht mehr die Übermannschaft Deutschland geben, wie in den Jahren zuvor. Deutschland ist ein Favorit wie auch Frankreich, Schweden, England und Norwegen, nicht mehr unbedingt die alleinige Nr.1!

    Und dennoch: Sollte Kanada heute geschlagen werden, kann man durchaus zufrieden mit der Vorbereitung sein. Neid ist zum Umstellen und zum Ausprobieren neuer Varianten gezwungen, was eigentlich nur positiv sein kann.

    Spannung ist zumindest garantiert, nicht nur, was die Ergebnisse betrifft. Wer weiß, vielleicht gibt es am Ende dann doch eine der drei „L“s, die während des Turniers die ganz große Entdeckung wird. Natürlich neben Leonie Maier, die ihren Stammplatz sicher haben dürfte, auch, weil sie auf 6 Positionen (Außenbahnen offensiv, Außenbahnen defensiv und Innenverteidigung) sehr gut spielen kann und selbst auf der „10“ eine gute Figur machen könnte. Eine der ganz wenigen weltweiten Spielerinnen, die man als „echte Allrounderin“ bezeichnen kann.

    Was sicher ist: Es sind viele Talente dabei, die nun zeigen müssen, dass sie zurecht nominiert sind. Lotzen, Leupolz, Linden, Maier, Marozsan, Cramer, Huth, Wensing – sie alle können und müssen u.U. zeigen, dass sie Führungsspielerinnen sind, auf die Silvia Neid nicht wieder verzichten sollte. Jede von ihnen wird ihre Chance erhalten – es gibt keinen besseren Augenblick, als sie vor den Augen aller Deutschland-Fans zu nutzen.

    Lotzen beispielsweise mit einer ähnlichen Leistung wie bei der U20-WM, wo sie in 6 Spielen 6 Tore schoss, Maier als unverzichtbarer Aktiv- und Kreativposten mit guten Einzelaktionen und gefährlichen Pässen, Marozsan als ihr Pendant, Leupolz und Linden als Wirbel nach Einwechslungen, und Huth, Cramer und Wensing als unaufhörliche und kompromisslose Zweikämpferinnen, die die Abwehr zu Beton machen.

    Alle, da bin ich mir dieses Jahr sicher, haben das Zeug dazu, groß rauszukommen bei dieser EM. Es wäre schön, wenn eine oder zwei ihr Talent auch wirklich zeigen.

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  • Detlef sagt:

    Sheldon schrieb;
    „Lotzen, Leupolz, Linden, Maier, Marozsan, Cramer, Huth, Wensing – sie alle können und müssen u.U. zeigen, dass sie Führungsspielerinnen sind…“

    Bloß nicht!!!
    Es muß in einer Mannschaft auch Indianer geben, und nicht nur Häuptlinge!!!
    Der FFC Frankfurt ist ein mahnendes Beispiel dafür, das es ohne die „Wasserträger“ nun mal nicht geht!!!

    @waiiy,
    ISY ist noch gar nicht sicher dabei!!!
    Außer Däbritz, die wohl sicher zur U19-EM nach Wales fahren soll, wird noch eine andere weichen müssen, und ich tippe stark auf ISY!!!
    Bei den Torhüterinnen wird wohl Längert Zuhause bleiben müssen!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef: Es werden ingesamt nur noch eine Torhüterin und eine Feldspielerin gestrichen. Sollte Däbritz zur U19-EM fahren, stehen alle verbleibenden Feldspielerinnen im EM-Kader.

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  • never-rest sagt:

    @sheldon: Von den jungen Spielerinnen gleich eine Führungsrolle zu erwarten, ist m.E. eher kontraproduktiv. Sie sollen einfach nur mit Begeisterung und Spielwitz ihre zweifellos vorhandenen Qualitäten einbringen. Langfristig könnten allerdings insbesondere Wensing und Meier spielbestimmende Persönlichkeiten in de N11 werden, so sie denn unverletzt bleiben. Kann mir gut vorstellen, dass letzt Genannte zu Stammspielerinnen bei der EM werden und vielleicht sogar ein richtiger Stern am FF-Fußballhimmel in Deutschland aufgeht, den wir noch gar nicht richtig auf dem Radar haben.

    Ich sehe eher die erfahrenen Spieler wie Angerer,Goessling, Keßler und da Mbabi in der Verantwortung, auf dem Platz das Spiel zu lenken und den Jüngeren zu helfen, gerade in kritischen Situationen.

    D. Maroszan sehe ich dagegen nicht unbedingt als zukünftige Leaderin. Ich vergleiche sie eher mit Özil beim MF. Eigentlich ist sie in dem EM-Tunier nach der verpassten WM dran, zu zeigen, was sie als Spielgestalterin kann.

    Heute nach dem Spiel sind wir ein bischen schlauer, wer tatsächlich so weit ist.

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  • Sheldon sagt:

    @Detlef: Es kann in einer Mannschaft nur Führungsspielerinnen geben, wenn du den richtigen Trainer hast.

    Bei den Bayern hast du eigentlich nur Weltklassespieler auf ihren Positionen. Und dennoch funktionieren und harmonisieren sie zusammen. Weil sie mit Jupp Heynckes einen Trainer haben, der versteht, sie alle bestmöglich einzusetzen und mit Sammer einen Sportdirektor, der keine Diven zulässt!

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  • speedy75 sagt:

    Damit ist ja dann auch soweit alles klar denn viele Streichkandidateninnen gibt es ja nicht mehr.
    Mal schauen wie die Mädels sich heute abend im Spiel schlagen.

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  • DAWIDenko sagt:

    Hoffentlich es bleibt jetzt so und keine Spielerin muss noch absagen.
    Bei den Torhüterinnen würde ich ganz klar Längert favorisieren, dass sie mit kommt. Vielleicht sogar als Nummer 2.
    Sie ist sehr gut und auch eine Art Führungsspielerin, die auch mal aneckt. Allerdings ist Nadze sowieso als Kapitänin gesetzt also wird sie auch keinen Stunk machen.
    Ich bin auf jeden Fall gespannt wie sich aus den jetzigen Spielerinnen eine Mannschaft findet. Es aknn ähnlich wie bei der letzjährigen Hndball Wm ein relativ unbekanntes Deutsches Team auftrumpfen zu unser aller Überraschung, oder dieses Jahr ist die EM doch noch zu schwierig für das neuformierte Team das ohne persolnelle Sorgen von Frau Neid sicher nicht so gewollt wäre.
    Auch ohne die sicherlich tragischen Ausfälle der sechs Spielerinnen wäre für mich Deutschland nicht unbedingt der alleinige Favorit früherer Kontinentalturiniere.
    Viele Leistungsträgereinnen sind nicht im Spielrythmus oder außer Form, wie auch hier schon öfters diskutiert.
    Aus meiner subjektiven eingeschränkten Sichtweise fehlt für mich als Alternative klar noch ein Name: Sara Doorsoun, aber gut bisher haben andere eine Chance bekommen und werden jetzt herangeführt.
    Allerdings ist ja gerade das Mittelfeld eine Baustelle trotz vieler guter Akteure. Odebrecht, Kulig, Bresonik nicht dabei Laudehr noch weit zurück, ebenso wie Bajramaj. Auch Deutschlands momentan beste Kessler ist angeschlagen, und hat eine endlos lange Saison hintersich. (3 „Hochzeiten“ in Bundesliga Pokal komplett, und Champions-League komplett, sowie N11+Algarve-Cup)
    Also Sara ist immer eine Belbung für eine Mannschaft, sie kann auf vielen Positionen im Mittelfeld spielen und ist auch wieder Fit.
    Auch andere haben mit der bisheringen Natio wenig Erfahrungen wie Linden oder Leupolz und haben ihre Chance bekommen.
    Sara hat zwar in Potsdam ihren Stammplatz der Hinrunde verloren, allerdings war sie trotzdem noch gut genug für den ersten Anzug und auch andere wie Toni oder Lisa waren mal draußen.
    In Freiburg und Leverkusen ist nun auch nicht der so große Konkurrenzkampf im Kader vorhanden.
    Es geht mir dabei auch nicht um die Aufstockung von Potsdam-Spielerinnen. Bei der EM ist sie das sowieso nicht mehr vertragsrechtlich gesehen!? Außerdem viele Turbinen könnte ich hier für die N11 sowieso nicht vorschlagen 😉

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  • Sheldon sagt:

    @never-rest: Ehrlich, ich finde gerade diese Einstellung bedenklich, dass man immer sagt: Von den jungen Spielerinnen darf man nicht soviel fordern, sie müssen langsam herangeführt werden, das ist alles Quark!

    Wenn eine junge Spielerin N11 spielt, dann darf man etwas von ihr erwarten, um nicht zu sagen, alles! Spielerinnen, von denen man das nicht tut, haben wir schon genug in Deutschland.

    Da sehe ich den mangelnden Konkurrenzkampf in der N11 schon als Problem. Denn jede Spielerin sollte sich eigentlich darüber im Klaren sein, dass sie in Topform sein muss und sich minimal gegen 2 oder 3 Spielerinnen durchsetzen muss, um überhaupt erst einmal im EM-Kader zu sein, und dass sie dann bei der EM auch zeigen muss, wieso sie da steht!

    Eine Spielerin, von der man nichts erwartet und die immer nur bemuttert wird, holt keine Titel. Das hat man bei den Männern der Bayern eindrucksvoll gesehen. Ein Toni Kroos musste da in seiner ersten Saison voll da sein, sonst wäre er gleich wieder weg gewesen. Dieses Denken brauchen wir über kurz oder lang auch in der N11!

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  • Andreas sagt:

    @sheldon: Volle Zustimmung. Auch ich erwarte von den jungen Spielerinnen, dass sie sich zerreissen und die Leistung der einen oder anderen förmlich explodiert. Das ist was wir brauchen, um den Titel zu holen. Und auch für die betreffenden Spielerinnen geht es doch darum, sich auf dieser Bühne zu zeigen.

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  • Till sagt:

    Es ging doch um die Führungsrolle – diese sollte man von den jungen Spielerinnen nicht erwarten.
    Das sie sich aber voll reinhängen und alles für die Mannschaft/den Erfolg geben, dass sollte von einer Nationalsspielerin (allgemein von jeder Spielerin) erwartet werden dürfen und auch von dieser geliefert werden. Klar darf/kann jeder auch mal einen schlechten Tag haben, aber am Einsatz und am Willen DARF es nicht scheitern …

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  • Michele sagt:

    @waiiy

    Woher weißt du, dass diese Spielerinnen alle dabei sind?

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  • waiiy sagt:

    @Michele: Es wird nur eine Feldspielerin aussortiert (auf Grund der Anzahl). Und da es handfeste Anzeichen gibt, dass es Däbritz sein wird, sind folglich die anderen alle dabei.

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  • Zaunreiter sagt:

    Wenn ich das schon wieder alles hier lese…

    Sich zerreissen…explodieren… Jungs, ihr habt noch „Gras fressen“ vergessen *5 Euro in das Phrasenschwein werf*
    „Gras fressen“!
    Ach genau…“11 Freundinnen müsst ihr sein.“ Fehlt nur noch, daß das Pervitin in der Einwegspritze aufgezogen wird.

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  • Michele sagt:

    Warum hat Neid Behringer überhaupt nominiert? Sie bekommt ja nicht mal eine Chance! Am besten sie schickt sie heute nach Hause!

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  • karl sagt:

    @michele: Vielleicht als Geheimwaffe 🙂

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  • wfm sagt:

    @Michele
    Es ist fraglich, dass Neid heute schon ihre Stammformation auflaufen ließ. Laudehr und Bajramaj muss sie bringen, damit sie Spielpraxis bekommen. Huth hat ja z.B. im Spiel gegen Schottland durchaus gut gespielt, dass sie heute nicht kam, lag daher kaum an fehler Leistung, sondern sie wollte weitere Spielerinnen testen. Von daher ist das mit Behringer reine Spekulation. In Frankfurt hat sie z.B. zuletzt durchaus gute Leistungen geboten.

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