Jahresrückblick 2012: die Nationalelf

Von am 23. Dezember 2012 – 11.39 Uhr 8 Kommentare

13 Länderspiele – genauso viele wie im Jahr zuvor – bestritt die deutsche Frauenfußball-Nationalelf im Jahr 2012. Dabei blieb die DFB-Auswahl bei zehn Siegen, drei Remis und einem Torverhältnis von 52:7 ohne Niederlage. Womensoccer lässt das Länderspiel-Jahr noch einmal Revue passieren.

Das Schlüsselspiel des Jahres war das EM-Qualifikationsspiel am 31. März gegen Spanien in Mannheim, denn aufgrund des 2:2 im Hinspiel bestand die Gefahr, bei einer Niederlage möglicherweise die direkte Qualifikation für die EURO 2013 in Schweden zu verpassen.

Jahresrückblick 2012: Bundesliga und DFB-Pokal

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Torgala nach nervösem Start
In der ersten halben Stunde war den deutschen Spielerinnen die Bedeutung der Partie im ausverkauften Carl-Benz-Stadion anzumerken, der selbstbewusste Start der Spanierinnen tat sein Übriges. Doch dann war es Stürmerin Célia Okoyino da Mbabi, die beim 5:0-Sieg mit vier Treffern zur Matchwinnerin wurde und die Zweifel in Luft auflösen ließ, die Einwechslung von Alexandra Popp tat dem deutschen Spiel zudem sichtlich gut. Der Rest der EM-Qualifikation wurde dann mit vier deutlichen Siegen zur Formsache. Bereits vor dem wichtigen Spiel gegen Spanien hatte die deutsche Mannschaft mit dem Sieg beim Algarve Cup ordentlich Selbstvertrauen getankt.

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Die DFB-Elf gewann zum zweiten Mal nach 2006 den Algarve Cup  © Nora Kruse, ff-archiv.de

Sieg beim Algarve-Cup
Aufgrund der verpassten Olympia-Teilnahme kam dem Turnier im Süden Portugals für die DFB-Elf diesmal erhöhte Bedeutung zu, denn es war eine der wenigen Gelegenheiten, sich mit den Topteams der Welt zu messen. Mit einem 4:3-Sieg im Finale gegen Weltmeister Japan holte sich die Auswahl von Bundestrainerin Silvia Neid zum zweiten Mal nach 2006 den Titel. In der unterhaltsamen Partie verspielte die DFB-Elf zweimal eine Führung, ehe Okoyino da Mbabi mit ihrem Treffer in der Schlussminute für die Erlösung sorgte. Zuvor hatte das Team nach den Siegen gegen Island (1:0) und China (1:0) eine starke Vorstellung gegen Schweden geboten (4:0).

Drei Remis gegen Topteams
Die letzten drei Spiele des Länderspieljahres sollten dann noch einmal ein echter Gradmesser werden. In den USA standen zwei Spiele gegen den Weltranglistenersten auf dem Programm, den Abschluss bildete das Duell mit den aufstrebenden Französinnen in Halle an der Saale. Zwar wurde keines dieser drei Spiele gewonnen, doch die drei Remis bestätigten, dass sich die DFB-Elf ein gutes halbes Jahr vor der EURO 2013 in Schweden vor keinem Gegner verstecken muss.

Traumtor von Mittag, Maroszan überragend
Beim ersten Duell mit den Amerikanerinnen in Bridgeview/Illinois erkämpften sich die Deutschen ein 1:1, nach frühem Rückstand durch Abby Wambach gelang Anja Mittag noch in der Anfangsviertelstunde der Ausgleich. Und die DFB-Elf ließ in der zweiten Halbzeit gar hochkarätige Siegchancen aus.  Im zweiten Duell drei Tage später in East Hartford gingen die Amerikanerinnen zweimal in Führung, doch zwei Treffer der bärenstarken Dzsenifer Marozsan sorgten dafür, dass die deutsche Mannschaft beim 2:2 neuerlich ungeschlagen blieb. „Wir waren in diesen beiden Spielen absolut auf Augenhöhe“, so das positive Fazit von Silvia Neid.

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Martina Müller und Inka Grings treten zurück
Licht und Schatten gab es dann im Spiel gegen Frankreich, als die DFB-Elf beim insgesamt leistungsgerechten 1:1 gut begann, aber im Verlauf der Partie oft die notwendige Aggressivität im Mittelfeld vermissen ließ. Mit etwas Glück hätte aber auch in diesem Spiel Deutschland als Sieger vom Platz gehen können. Für Martina Müller war es das 100. und zugleich letzte Spiel im Nationaldress, „der Spagat zwischen Beruf, Nationalmannschaft und Verein ist zuletzt immer schwieriger geworden“, so Müller über die Beweggründe ihres Rücktritts. Zuvor hatte bereits Inka Grings ihren Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt. „Ich habe das Gefühl, jetzt ist der richtige Zeitpunkt. Die jungen Spielerinnen sind in die Bresche gesprungen und haben das wunderbar gemacht. Deshalb kann ich ihnen jetzt beruhigt das Feld überlassen“, so Grings.

Alexandra Popp, Celia Okoyino da Mbabi

Alexandra Popp (li.) und Célia Okoyino da Mbabi bejubeln das 2:0 gegen Spanien © Nora Kruse, ff-archiv.de

Okoyino da Mbabi Spielerin des Jahres
Zur Spielerin des Jahres avancierte Célia Okoyino da Mbabi. Die 24-jährige Stürmerin erzielte im abgelaufenen Länderspieljahr 19 Tore und somit mehr als die Hälfte ihrer 35 bislang im Nationaldress erzielten Tore. Darunter die wichtigen ersten beiden Treffer im EM-Qualifikationsspiel gegen Spanien oder auch der Siegtreffer beim Algarve Cup. Gegen Spanien und in der Schweiz gelangen Okoyino da Mbabi Viererpacks, gegen Schweden und Japan beim Algarve Cup jeweils ein Dreierpack.

Birgit Prinz feiert emotionalen Abschied
Mit einem stimmungsvollen Abschiedsspiel beendete Birgit Prinz vor 6 543 Zuschauern im Frankfurter Volksbad-Stadion ihre einzigartige internationale Karriere und verabschiedete sich von ihren Fans und Mitstreiterinnen. Beim 6:3 (3:2)-Sieg der DFB-Auswahl gegen den 1. FFC Frankfurt gelangen der Rekordnationalspielerin zum Abschluss ihrer Karriere noch einmal zwei Tore, jeweils eines im Dress des 1. FFC Frankfurt, eines im Trikot der Nationalelf.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • enthusio sagt:

    Ich würde mir für die EM 2013 wünschen, dass eine Persönlichkeit wie Tabea Kemme von Silvia Neid in der Nationalmannschaft stärker berücksichtigt wird. Wenn Bernd Schröder mit all seiner Erfahrung eine so junge Spielerin wie sie als Ersatz für Jennifer Zietz zum Kapitän ernennt, sollte wohl an ihrer spielerischen Klasse kein Zweifel bestehen. Im Interview bei soccerdonna macht sie auf mich einen sehr reifen Eindruck: http://www.soccerdonna.de/de/tabea-kemme-niemand-haelt-sich-fuer-etwas-besonderes/news/anzeigen_1910.html

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  • Detlef sagt:

    Die Bundesgöttin und „Mister Potsdam“ haben halt in vielen Dingen meistens sehr unterschiedliche Ansichten!!!

    Jetzt muß TABBI nach ihrer schweren Krankheit erst einmal wieder den Anschluß bei TURBINE schaffen, und dann sieht man weiter!!!

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  • DAWIDenko sagt:

    @ enthusio:
    Vielen Dank für den Link. Ein sehr interessantes Interview.
    Auch wenn keine Nachfrage zu ihrer Gesundheitlichen Situation gestellt wurde, sehr lesenswert.

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  • Wolle sagt:

    Ich habe mir gerade den aktuellen Stand bei der Wahl zur Nationalspielerin de Jahres beim DFB-Fanclub angeschaut.
    Vielleicht kann mir ja hier einer erklären, wer und warum so viele Alex Popp wählen? Mir fällt jedenfalls kein Grund ein womit sie letztes Jahr geglänzt hat. Meine Topspielerinnen waren Celia und Anja, Sie haben Deutschland praktisch allein mit ihren Toren zur EM geschossen. Wenn ich dann sehe das Anja gerade mal 5% bekommt, verstehe ich die Welt nicht mehr.

    […]

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • FFFan sagt:

    @ Wolle:

    Ich hab das vor Weihnachten auch mal eine Zeitlang verfolgt. War schon lustig zu sehen, wie es da innerhalb eines Tages manchmal zu ‚erdrutschartigen‘ Veränderungen kam (noch auffälliger war dies beim „Nationalmannschaftstor des Jahres“)…

    Ernst zu nehmen ist diese ‚Wahl‘ mit Sicherheit nicht!

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  • Winter sagt:

    Alexandra Popp wird in meinen Augen schon lange überschätzt.
    Da werden Dinge und Personen künstlich hochgepauscht.

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  • Detlef sagt:

    @Winter,
    Die Medien brauchen eben solche „Ikonen“, auch wenn das für die „Auserwählte“ meistens eher negativ gewesen ist!!!
    Man denke hier vor allem an Birgit Prinz, Renate Lingor, LIRA BAJRAMAJ und zuletzt vor allem Celia Okoyino da Mbabi!!!
    Sie alle wurden selbst dann noch in den Himmel gehoben, als ihre Leistungen nur noch mittelmäßig (oder schlechter) waren!!!
    Das erzeugt natürlich einen gewaltigen Druck, den eben nicht Jede so einfach verkraften kann!!!

    Poppi ist eine sehr gute Spielerin, die aber noch sehr jung ist!!!
    Und damit unterliegen ihre Leistungen noch größeren Schwankungen als erfahrenen Kickerinnen!!!
    Nach der U-20 WM 2010 wurde sie (vor allem von Galeske & Co) schon zur neuen Birgit Prinz hochgejubelt, was ihr natürlich einen großen emotionalen Rucksack verpasst hat!!!
    Und wenn sie dann mal eine kleine Formkrise hat, und nicht so viele Tore schießt, dann heißt es auf einmal, daß sie „schon lange überschätzt“ wurde!!!

    Ich bin relativ sicher, daß sie sich sowohl in Wolfsburg, als auch in der Natio durchsetzen kann und wird!!!
    Denn wenn Poppi eins ganz besonders gut kann, dann ist es kämpfen!!!

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  • karl sagt:

    @Wolle: Das liegt sicher daran dass sie die juengsten fans hat die auch mehrmals abstimmen. Moeglicherweise stammen all diese stimmen von ein und demselben fan. Einfach cookies fuer fanclub.dfb.de loeschen und blockieren und schon kann man abstimmen sooft man will. Mir waer es halt zu laestig weil man immer die buchstaben und zahlen eingeben muss, aber besonders juengere die in ihrem praktikum grad sonst nix zu tun haben koennen da stundenlang mit wachsender begeisterung waehlen. Meine Topspielerinnen waren auch Celia und Anja. Mit dem Tor hatt ich auch dem 4:3 gegen Japan den Vorzug gegeben, habe aber geschwankt zwichen dem und dem 2:2 gegen die USA. Also alles in allem ist die Wahl eine Farce weil Mehrfachabstimmungen nicht zuverlaessig verhindert werden.

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