Frankreich ohne Bompastor nach Deutschland

Von am 14. November 2012 – 19.08 Uhr 13 Kommentare

Frankreichs Nationaltrainer Bruno Bini hat seinen 20 Spielerinnen umfassenden Kader für das Testspiel gegen Deutschland am Donnerstag, 29. November (ab 15.15 Uhr live in der ARD), in Halle an der Saale benannt. Auf der Liste fehlt ein klangvoller Name.

Denn erneut verzichtet Bini erneut aus freien Stücken auf Abwehrspielerin Sonia Bompastor. Die Spielerin von Olympique Lyonnais wurde bereits für die Länderspiele gegen England und die Niederlande nicht nominiert und hatte ihrem Ärger darüber, nicht in einem persönlichen Gespräch über ihre Nicht-Nominierung informiert worden zu sein, in einem Interview Luft gemacht.

Sonia Bompastor

Sonia Bompastor wurde zum dritten Mal in Folge nicht nominiert © Markus Juchem / Womensoccer

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Hälfte der Spielerinnen aus Lyon
Zurück im Kader sind nach ihrer verletzungsbedingten Pause Elise Bussaglia, Wendie Renard und Céline Deville. Der Kader setzt sich Spielerinnen von vier Vereinen zusammen: 10 kommen von Olympique Lyonnais, jeweils 4 von Paris Saint-Germain und Juvisy FCF sowei zwei von Montpellier Hérault SC.

Folgende 20 Spielerinnen wurden nominiert:

Tor: Sarah Bouhaddi, Céline Deville
Abwehr: Laure Boulleau, Sabrina Delannoy, Corine Franco, Laura Georges, Ophélie Meilleroux, Wendie Renard, Julie Soyer
Mittelfeld: Camille Abily, Elise Bussaglia, Kheira Hamraoui, Jessica Houara, Louisa Necib, Sandrine Soubeyrand, Gaetane Thiney
Angriff: Camille Catala, Marie-Laure Delie, Eugénie Le Sommer, Elodie Thomis

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

13 Kommentare »

  • sitac sagt:

    Bruno Bini hat für mich gewaltig an Faszination eingebüßt, nachdem er Olympia ganz prächtig und quasi im Alleingang für die Equipe versaut hat. Damals dachte ich, naja, er will Sandrine Soubeyrand einen würdevollen Abschied bescheren mit Olympia. Sein weiteres Festhalten an ihr und sein Verzicht auf Sonia lässt für mich nur einen Schluss zu: er wird wunderlich und Olympia war kein Ausrutscher.

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  • laasee sagt:

    @sitac

    I now also have doubts about Bini. The exclusion of Bompastor is difficult to understand.
    She is the Captain of Lyon. Lyon players are the core of the National team.

    It does not make sense.

    Also, in the two recent games, England (2:2) and Netherlands (1:1), there is reason for concern.

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  • enthusio sagt:

    Bei Fansoccer gab es vor einiger Zeit eine kurze Zusammenfassung des von Markus Juchem oben erwähnten Interviews zur Nichtberücksichtigung von Bompastor: http://fansoccer.de/6764/dicke-luft-in-frankreich-sonia-bompastor-macht-ihrem-arger-luft/

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  • Sheldon sagt:

    Ich will die Situation um Bompastor nicht bewerten. Klar ist, Bompastor lässt man nicht so einfach zuhause, da muss schon etwas sehr Drastisches vorgefallen sein, über das man in der Öffentlichkeit aus gutem Grund Stillschweigen bewahrt.

    Zu Soubeyrand: Lasst Bini doch machen. Vor der WM haben alle auf ihm rumgehackt wegen Bouhaddi, damals wurde Necib kurzerhand aussortiert, um sie dann doch spielen zu lassen…

    Man muss den Menschen nicht verstehen, doch ich denke, es ist keine Schande, gegen Japan, die USA und ein bärenstarkes kanadisches Team, das mindestens die Silbermedaille verdient hatte, zu verlieren.
    Der Erfolg gibt ihm recht, 4. bei der WM und bei Olympia, Schweden aus dem Turnier geworfen, gegen die 4 besten Mannschaften der olympischen Spiele gespielt, das will sich sehen lassen!

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  • enthusio sagt:

    @ Sheldon:
    Der Erfolg gibt Bini recht ? Welcher Erfolg denn ? Zweimal nur vierte Plätze, keine Medaille bei WM und Olympia, das ist ein Erfolg ? Und dann zwei Unentschieden gegen England und die Niederlande (!!!). Erfolge sehe ich nur bei einer anderen französischen Mannschaft, und die heißt Olympique Lyon mit einer Mannschaftsführerin namens Sonia Bompastor. Bini macht auf mich einen ähnlich kritikfähigen Eindruck wie Silvia Neid, nämlich keinen. Ich frage mich allerdings auch, warum Bompastor in dieser Frage im Kreis der Nationalmannschaft keine erkennbare Unterstützung ihrer vielen Lyoner Mitspielerinnen erhalten hat. Oder habe ich da was nicht mitbekommen ?

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  • Sheldon sagt:

    @enthusio: Genau das meine ich. Wenn die Kapitänin abgesägt wird, dann wird das nicht ohne Grund passieren und ohne Protest der Kolleginnen. Lyon wäre ähnlich stark wie Frankfurt in der deutschen Blütezeit um 2003 vertreten und könnte Bini stürzen (ähnlich wie die Frankfurterinnen Neid oder Theune-Meyer, wenn Prinz damals abgesägt worden wäre).

    Außerdem sehe ich die rasante Entwicklung von Frankreich als ein großes Ausrufezeichen, wofür Bini eine ganz große Menge geleistet hat.
    Schließlich nahm die französische Frauenfußballnationalmannschaft vor 2011 nur einmal bei einer WM teil (2003) und noch nie bei Olympia. Unter Bini kam man zum ersten Mal mit Frankreich bei einer EM ins Viertelfinale und Frankreich gehört zu den großen Favoriten auf den EM-Titel.

    Da ist für mich der 4. Platz bei der WM und Olympia ein Ausrufezeichen und nicht „nur“ ein 4. Platz. Gerade auch wenn man sieht, welche Gegner man hatte.
    Gegen die USA lieferte man bei der WM und Olympia beide Male eine sehr gute Leistung ab, gegen Schweden verlor man bei der WM noch unglücklich durch einen Gewaltschuss, bei Olympia schlug man sie. England spielte man bei der EM spielerisch völlig an die Wand, eine Mannschaft, die 4 Tage zuvor dem späteren Weltmeister keine Chance ließ. Allein die Tore fehlten zu einer Gala. Gegen Japan und Kanada gab es bei Olympia in guten Spielen knappe Niederlagen, Kanada hätte dabei eigentlich im Finale stehen müssen nach dem Skandalspiel gegen die USA.
    In der WM-Vorrunde hat man Kanada regelrecht auseinandergenommen, gegen die Deutschland sich beinahe ein Unentschieden eingehandelt hat.

    Für mich sind das Erfolge, die auf die gute Zusammenarbeit zwischen Lair und Bini (anders als in Deutschland zwischen Neid und Schröder) zurückgehen. Und ich bin mir sicher, dass dieser Weg noch nicht zu Ende ist!

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  • eisbär sagt:

    Bini hätte es eigentlich so einfach. Nimm die Mannschaft von Lyon und für Schelin spielt dann halt Delie.

    Bouhaddi
    Franco, Georges, Renard, Bompastor
    Henry, Abily
    Thomis, Necib, Le Sommer
    Delie

    Dazu hätte er von Lyon noch Deville, Viguer, Bussaglia und Tonazzi und von den anderen Vereinen Boulleau, Meilleroux, Thiney, Catala u.a.
    Wenn Lyon doch so erfolgreich ist und in Europa dominiert, kannst du als Nationaltrainer die komplette Mannschaft in die NM übernehmen und du wärst der absolute Topfavorit zumindest auf den EM-Titel. Dann hast du eine eingespielte Mannschaft, die seit mehr als zwei Jahren kein Spiel mehr in der regulären Spielzeit verloren hat.

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  • Sheldon sagt:

    @eisbär: Die Rechnung geht nicht ganz auf. Denn Delie ist ein ganz anderer Spielertyp als Schelin. Damit kannst du das System von Lyon eben nicht 1:1 übernehmen.

    Außerdem: Lyon mag auf Vereinsebene gut sein, aber Deutschland kann nunmal auf die besten N11-Spielerinnen aus verschiedenen Vereinen zurückgreifen und wäre damit besser als Lyon (in der Theorie zumindest). Übrigens fehlt mir bei dir Bussaglia im Mittelfeld, die für mich deutlich in die N11 gehört.

    Ein weiterer Fakt ist, dass wenn Lyon mal tatsächlich in ne Krise kommen sollte, es dann automatisch mit der N11 bergab geht.

    Dadurch, dass Bini mit Spielerinnen aus verschiedenen Vereinen agiert, sichert er sich ab, einerseits gegen den Vorwurf einer Klientelwirtschaft, andererseits gegen eine Spirale, aus der man nicht mehr herauskommt!

    N11 ist eben noch etwas ganz anderes als Verein! Das kannst du an vielen Spielern wie Podolski beispielsweise sehen!

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  • FFFan sagt:

    @ Sheldon:
    „Der Erfolg gibt ihm recht, 4. bei der WM und bei Olympia (…)“

    So ein großer Erfolg ist das auch wieder nicht, vor allem weil man als Beobachter den Eindruck hatte, dass bei dem Potential, das diese Mannschaft zweifelsohne hat, mehr drin gewesen wäre. Das gilt besonders für die Olympischen Spiele, wo mit Deutschland ja ein starker Konkurrent erst gar nicht dabei war und eine Medaille auch das erklärte Ziel war.

    @ enthusio:
    „Ich frage mich allerdings auch, warum Bompastor in dieser Frage im Kreis der Nationalmannschaft keine erkennbare Unterstützung ihrer vielen Lyoner Mitspielerinnen erhalten hat. Oder habe ich da was nicht mitbekommen?“

    Du hast oben selbst einen Artikel von ‚Fansoccer‘ verlinkt, der wiederum auf ein Interview mit Sonia Bompastor verweist, in dem sie betont, dass sie von ihren Vereinskolleginnen viel Zuspruch erfahren hat.

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  • Sheldon sagt:

    @FFFan: Das mag ja schön und gut sein, dass sie das sagt, allerdings hat man noch keine einzige Stimme der Lyonspielerinnen gehört, die das bestätigt hätte!

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  • Markus Juchem sagt:

    Hinter den Kulissen brodelt es auf jeden Fall gewaltig. Für alle der französischen Sprache Mächtigen zwei Lesetipps:

    1. Joueuses au bord de la crise de nerfs

    http://www.lejdd.fr/Sport/Football/Actualite/Joueuses-au-bord-de-la-crise-de-nerfs-577373

    Kritische Hinterfragung der Arbeit und Methoden Binis

    2. Sonia Bompastor : “ Nous avons été des pionnières “

    Interview mit Bompastor, in dem sie sagt, dass es unter Bini für sie keine Rückkehr in die Nationalmannschaft geben wird.

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  • grammfon sagt:

    @Markus Juchem: Danke für den Hinweis. Das ist ja heftig. Wenn man dem Artikel traut, ist Bini gerade dabei vollständig den Verstand zu verlieren. Was der da für eine bizarre Philosophie hat…

    Um so ironischer daher auch seine Nominierung unter den 3 besten Trainern. Obwohl Kanada in den Olympischen Spielen das Spiel um Bronze gegen Frankreich gewann, wurde Herdman nicht berücksichtigt? So geht’s…

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  • Jennifer sagt:

    @Markus: Danke für die Artikel! Beide Artikel lassen mich jetzt etwas sprachlos zurück.

    Frankreich ist ja bekannt für Konflikte zwischen Trainern und Spieler (die WM 2010 bei den Männern war schon sehr unrühmlich). Ich frage mich, ob dann nach der EM 2013 bei den Frauen so etwas ähnliches geschieht, da der Verband vorher wohl kaum die Reissleine (oder wie das heisst) ziehen wird.

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