Der perfekte Fußballschuh – so muss er aussehen

Von am 12. August 2012 – 10.50 Uhr

Die Fußballschuhe von Stars wie Franck Ribery, Lionel Messi oder Cristiano Ronaldo sorgen immer wieder für Aufsehen. Meist steht dabei mehr das Design der Schuhe im Vordergrund als die Funktionalität. Aber was muss ein guter Fußballschuh eigentlich bieten – außer einem tollen Aussehen?

„Pink ist die Lieblingsfarbe meiner Tochter – und die ist fünf. Zu unserer Zeit wäre das undenkbar gewesen!“ Mit diesen Worten belustigte Franz Beckenbauer die Fußballwelt, als er zu den pinken Fußballschuhen von Bayern-Spieler Franck Ribery befragt wurde. Gerade das Design der Schuhe sorgt immer wieder für Aufsehen. Doch die Schuhe können mehr und müssen mehr können. Sie sollen den Spieler in seinem individuellen Spiel unterstützen und ihn zugleich vor Verletzungen schützen. Außerdem sollen sie das Ballgefühl verbessern und so die Ballkontrolle optimieren. Dem schneller gewordenen Spiel tragen die Fußballschuhhersteller mit immer neuen Entwicklungen Rechnung. Welche Ansprüche muss und sollte man also an einen Fußballschuh stellen?

Der ideale Fußballschuh aus medizinischer Sicht
Neue Stollen und deren Anordnung sorgen für erhöhte Geschwindigkeit, Traktion und Bodenhaftung, vor allem auch bei Seitwärtsbewegungen. Neue Materialien schaffen leichtere Schuhe für schnelles Spiel. Schnelleres Spiel bedeutet auch eine höhere Anforderung an die beteiligten Körperregionen, allen voran die Füße. „Die Fußregion, die beim Fußballspielen am meisten beansprucht wird, ist der Mittelfuß“, erklärt Prof. Dr. med. Markus Walther, Chefarzt im Zentrum für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie der Schön Klinik München Harlaching. „Grund dafür ist, dass der Vorfuß über die Stollen sehr eng mit dem Boden verbunden ist und es gleichzeitig über Sprunggelenk und Unterschenkel zu sehr großen Drehmomenten kommen kann.“, so der Experte weiter.

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Aus medizinischer Sicht werden also an einen Schuh im Fußball einige Anforderungen gestellt. Zentral dabei ist, einen Fußballschuh so zu konstruieren, dass er keinen weiteren als den natürlichen Ausschlag der Gelenke zulässt. „Im Idealfall verfügt ein Fußballschuh über einen stabilen Mittelfußbereich, ist an der Achillesferse so gut gepolstert und verarbeitet, dass er dort nicht reibt, er begrenzt durch seine Konstruktion die Dorsalextension im Zehengelenk.“, so Walther weiter. Letzteres ist vor allem wichtig, um einer häufigen Fußball-Verletzung vorzubeugen: dem so genannten Turf Toe. Der Turf Toe ist, vereinfacht ausgedrückt, eine Überstreckung der großen Zehe, die beispielsweise durch einen Tritt in den Rasen auftreten kann.

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Individualität und Stabilität
Jede Spielposition und jeder Spielertyp stellt andere Anforderungen an einen Fußballschuh, ein Trend zur Individualisierung der Schuhe ist seit einiger Zeit erkennbar. Gerade für Positionen bei denen Geschwindigkeit gefragt ist, wird vor allem auf die Gewichtsreduzierung geachtet. Bedeutet weniger Gewicht aber auch weniger Schutz? Nicht unbedingt, sagt Walther: „Gerade im Bereich der Materialforschung wird hier unglaublich viel getan. Dadurch sind inzwischen leichte Schuhe möglich, die dennoch einen ausreichend großen Schutz und vor allem ausreichend Stabilität bieten. Anders als beim Lederschuh geben synthetische Materialien weniger nach und bleiben so auch bei nassem Rasen stabil und leicht.“

Individuell ist nicht nur die Spielposition, sondern gerade die Füße eines jeden Spielers sind anders. Die Hersteller versuchen inzwischen auch dieser Individualität gerecht zu werden. Zum einen über eine große Modellauswahl, zum anderen über individualisierte Leisten. „Das Konzept mit der größten Vielfalt bietet derzeit adidas mit dem Individualschuhkonzept „mi adidas“. Hier wird aus etwa 250 Leisten pro Schuhgröße derjenige ausgesucht, der beim jeweiligen Spieler am besten funktioniert.“, sagt Walther. „Allerdings steht dabei die Passform im Vordergrund, weniger die medizinische Komponente. Dennoch spielt natürlich beides zusammen: Nur wenn ein Schuh gut passt, kommt auch die Technologie, wie eben die Mittelfußstabilisierung, voll zum Tragen.“ Eine solch große Auswahl hat ihren Preis und ist sicher nicht üblich bei Hobbyspielern. Er muss normalerweise aus einem gewissen Sortiment der Fußballschuhhersteller wählen. Dennoch gibt es einige Punkte, die auch der Amateurspieler beim Schuhkauf beachten kann.

Tipps für Hobbyspieler
Um als Hobbyspieler den richtigen Schuh zu finden, empfiehlt der Experte, sich nicht von Markennamen oder Modellen beeinflussen zu lassen. „Am besten probiert man möglichst viele Schuhe an – verschiedene Modelle, verschiedene Hersteller.“ Auch sollte man nicht nur statisch den Schuh testen. „Gerade das Laufen in einem Fußballschuh gibt wichtige Informationen darüber, ob der Schuh passt. Das ist sogar wissenschaftlich gesehen fast so zuverlässig wie eine Laufbandanalyse.“ Als letztes sollte man noch auf einen stabilen Mittelfußbereich achten. Dazu gibt es folgenden Test: Man nimmt den Schuh hinten an der Ferse und drückt ihn im 45 Grad Winkel auf den Tisch. Dabei schaut man, wo der Schuh knickt. Im Idealfall knickt auf Höhe der Zehengrundgelenke. Keinesfalls sollte er zwischen den Rückfußstollen und den Vorfußstollen knicken. „Gerade das war vor allem früher technisch ein großes Problem: Man musste den Vorfuß und die Ferse stabil machen, da hier die Stollen verschraubt wurden, der Mittelfußbereich war dadurch in der Regel weicher und der Schuh ist dann eben dort geknickt.“ Bei neuen Schuhen sollte dieses Problem allerdings behoben sein.

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