Olympia: USA gewinnen dramatisches Halbfinale

Von am 6. August 2012 – 23.36 Uhr 57 Kommentare

Die US-Nationalmannschaft steht zum fünften Mal in Folge im Finale der Olympischen Spiele. Der Titelverteidiger gewann ein packendes Halbfinale gegen Kanada mit 4:3 nach Verlängerung, obwohl die Kanadierinnen dreimal in Front gelegen hatten.

Immer war es Christine Sinclair, die für Kanada ins Schwarze traf. Damit war sie die erste Spielerin seit Ragnhild Gulbrandsen 2001, die gegen die USA einen Hattrick erzielen konnte. Doch jubeln durfte am Ende dennoch das Nachbarland.

Olympia: Japan zittert sich ins Finale

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USA überlegen, Kanada trifft
Die US-Amerikanerinnen erwischten im Old Trafford von Manchester den besseren Start und zeigten sich in den ersten zwanzig Minuten deutlich überlegen. Doch genau in dieser Phase gingen die Kanadierinnen in Führung. Nach schöner Vorarbeit von Melissa Tancredi setzte sich Christine Sinclair gegen Rachel Buehler und Lauren Cheney durch und verwandelte zum 1:0 für Kanada.

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Auftrieb für Kanada
Dieses Tor schien der Mannschaft Selbstbewusstsein zu geben; die Elf von Trainer John Herdman erarbeitete sich in der Folgezeit mehr Spielanteile. Insgesamt entwickelte sich eine offene Partie, der man das brisante Nachbarschaftsduell durchaus ansah, denn auf großes Taktieren wurde verzichtet; beide Mannschaften suchten den Weg nach vorn. Die USA hatten bis zur Pause Möglichkeiten zum Ausgleich. Zunächst verfehlte aber Alex Morgans Kopfball den gegnerischen Kasten knapp (31.), kurz darauf ereilte Abby Wambach mit ihrem Flugkopfball das gleiche Schicksal (37.).

Dramatische Viertelstunde
Nach dem Seitenwechsel begannen die US-Amerikanerinnen stark, und in der 51. Minute fiel der Ausgleich durch einen direkt verwandelten Eckball von Megan Rapinoe. Das Spiel war wieder offen, allerdings übernahm der Titelverteidiger mehr und mehr das Kommando. Doch wie schon beim ersten Treffer der Kanadierinnen fiel auch der zweite in einer Phase US-amerikanischer Überlegenheit. Nach einer Flanke von Tancredi köpfte Sinclair in der 68. Minute das 2:1, und danach ging es Schlag auf Schlag. Zunächst schaffte Rapinoe (70.) mit einem Schuss von der Strafraumgrenze das 2:2, aber nur drei Minuten später war es wieder Sinclair, deren Kopfball erneut den Weg ins Tor fand: 3:2 für Kanada.

Alex Morgan und Abby Wambach jubeln

Wieder darf das Sturmduo Alex Morgan (li.) und Abby Wambach jubeln. © Nora Kruse / ff-archiv.de

Umstrittener Elfmeter für die USA
Doch auch diese Führung hielt nur sieben Minuten. Dann traf Abby Wambach per Handelfmeter zum 3:3. Schiedsrichterin Christina Pedersen hatte auf Handspiel entschieden, da Marie-Eve Nault, im Strafraum angeschossen von einem Freistoß Rapinoes, ihren Oberkörper mit den Armen schützte – eine wohl mehr als strittige Regelauslegung. Aber auch in anderen Szenen zeigte sich, dass das Schiedsrichtergespann nicht seinen besten Tag erwischt hatte und leider nicht auf dem Niveau der beiden Teams agierte.

Es ging in die Verlängerung, in deren Endphase die Kanadierinnen konditionell nicht mehr mithalten konnten. Und so war es der finale Angriff der US-Amerikanerinnen, der in der letzten Minute der Verlängerung den Erfolg für den dreimaligen Titelträger brachte. Alex Morgan versenkte nach Flanke der eingewechselten Heather O’Reilly einen Kopfball zum 4:3.

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57 Kommentare »

  • karl sagt:

    @Krissi: Von wegen Daumen runter, eher Daumen hoch. ich seh das genauso wie du. Ich hoffe natuerlich jetzt auch dass das US team das Endspiel gewinnt. Als Endspielgegner waere mir Frankreich zwar lieber gewesen, weil das Spiel dann mehr action versprochen haette, aber es wird sicher auch so ganz gut werden. Das japanische team spielt zwar sehr erfolgreich, aber ich find die irgendwie einschlaefernd. Weis nicht warum, aber vielleicht sind die so erfolgreich weil die auf ihre gegnerischen teams die gleiche wirkung haben wie auf mich.

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  • Sheldon sagt:

    @Bo: Ich würde dich bei der Auslegung von Regel 1 doch einmal darum bitten, mal eine repräsentative Untersuchung dazu durchzuführen! Denn so wäre ja der Fall klar, dass sobald der Torwart den Ball in die Hand nimmt, die 6 Sekunden beginnen.
    Mich würde insbesondere die Anzahl der indirekten Freistöße im Strafraum interessieren, die sich pro Spiel ergebe.

    Ich für meinen Teil finde die Auslegung von Sylvijaa logisch, denn klar hat er auch sonst Anspielstationen, dennoch kommt es ja immer wieder vor, dass Gegner sich im Strafraum postieren, um den Torhüter/die Torhüterin am Abschlag zu hindern. Daher dürfte es logisch sein, dass diese Zeit erst einsetzt, sobald zumindest alle gegnerischen Spielerinnen außerhalb des Sechzehners sind.

    Zu dem Handspiel: Nun, die Regeln sind hier sehr uneindeutig. Denn die Grenzen von Absichtlich und Unabsichtlich sind sehr schwammig definiert.
    Hier sehe ich zumindest drei Unterpunkte, die in der Kombination strittig sind:

    1. Der Ball wird aus kurzer Entfernung und mit hoher Geschwindigkeit geschossen. Die hohe Geschwindigkeit bestand hier auf jeden Fall.

    2. Die Spielerin steht oder springt mit natürlicher Handhaltung.
    Bei dieser Regelung ist nie geklärt worden, gerade in einem solchen Fall, was „natürlich“ ist. Jeder, der schon einmal in der Gefahr stand, von einem Gegenstand am Kopf getroffen zu werden, wird mir bestätigen können, dass er genau solch eine Handbewegung gemacht hat. Kopf zur Seite gedreht und dabei die Hand zum Schutz des Kopfes.

    3. Alles in allem setzt ein absichtliches Handspiel noch immer „die bewusste Handlung“ voraus, durch die sich die Spielerin einen Vorteil verschaffen will. Und hier liegt der finale Knackpunkt: Diese kann Nault nicht unterstellt werden. Denn in dem Moment ging es darum, ihre Gesundheit zu schützen.

    Nimmt man diesen Fall als regulär an, so ergibt sich daraus der nächste Präzedenzfall. Denn dann wird es bald Spieler geben, die ihre Freistöße direkt auf die Köpfe der Gegenspieler zielen. Die Hand darf nicht mehr zum Schutz genutzt werden und so wird es in jedem Fall Handelfmeter geben, da jeder Spieler, der die Aussicht hat, einen Ball aus kurzer Distanz mit über 100 km/h ins Gesicht zu bekommen, genauso reagieren wird wie die Kanadierin.

    @gerd karl: Den „normalen“ Weg gibt es nicht, da diese Regel, die ja immerhin schon seit 2002 besteht, bisher nicht mehr als eine Handvoll Male im internationalen Profifußball angewandt wurde – in 10 Jahren!
    Ich würde vermuten, dass es erst zur Ermahnung kommen muss, zur deutlichen Ermahnung (und in der Halbzeitpause eine Ermahnung wegen Zeitspiel auszusprechen ist schon sehr spektakulär, denn zu einem solchen Zeitpunkt spielt eigentlich noch absolut niemand auf Zeit) und dann, wenn die Torhüterin wirklich deutlichst auf Zeit spielt, zum Freistoß incl. Verwarnung!

    Alles in allem kann man lange darüber streiten. Ich für meinen Teil finde, man sollte Konsequenzen aus dem ganzen Drama ziehen:

    6-Sekunden-Regel abschaffen und Zeitspiel ins Ermessen der Schiedsrichterin legen

    „absichtliches“ Handspiel wieder deutlicher definieren

    In jedem Fall sollte man die Schiedsrichterin zu ihrem eigenen Schutze keine Spiele solcher Wichtigkeit mehr pfeifen lassen und das wird sie auch nicht mehr.
    Neben den obenstehenden sehr umstrittenen Entscheidungen sind dabei noch zwei Dinge entscheidend, die Frau Pedersen in einem sehr, sehr unrühmlichen Licht darstehen lassen:

    1. Das aufreizende Lächeln beim 4:3, das Christine Sinclair beschrieben hat.
    2. Die enorme Nachspielzeit in der Verlängerung. Bei einer Spielzeit von 15 Minuten 3 Minuten Zuschlag zu geben, ist übertrieben viel!

    So oder so, wenn morgen das Finale stattfinden wird, dann wird eine Deutsche als Schiedsrichterin auf dem Platz stehen, die das Regelwerk in- und auswendig beherrscht und sich nicht durch Proteste oder Sympathien lenken lässt.
    Wir werden wie bei der WM auch dann das beste Spiel des Turniers sehen, und zwar, weil Japan seine ganze Klasse präsentieren wird.

    Japan ist übrigens ganz und gar verdient ins Finale eingezogen, denn auch Frankreich hat einen Elfmeter zugesprochen bekommen, und sie haben diese Chance vergeben.

    Insofern freue ich mich auf ein goldenes Japan, ein heulendes Amerika und vllt eine lachende Sinclair 🙂

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  • Jennifer sagt:

    Christine Sinclair und Melissa Tancredi werden im Bronze-Match am Donnerstag spielen. Die FIFA Kommission hat ihre Entscheidung erstmal vertagt.

    http://tinyurl.com/9yjw4lr

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  • Frieda sagt:

    Also wie kommen hier eigentlich alle drauf, das Schiedsrichter/innen Spieler verwarnen MÜSSEN bevor sie eine Karte zeigen oder auf Freistoß entscheiden? Die meisten machen es (auch Frau McLeod und übrigens auch Frau Solo wurden nach übereinstimmenden Aussagen aus beiden Lagern vorgewarnt), es ist aber nicht Pflicht. Wo soll das denn bitte im Regelbuch der FIFA stehen?

    @ Sheldon
    Es ist nicht wichtig wie oft etwas gepfiffen wird, sondern ob es laut Regelwerk so gepfiffen werden kann! Die meisten Schiris entscheiden auf eine gelbe Karte, wenn die Option des indirekten Freistoßes aber regelkonform ist, muss sie auch angewendet werden dürfen.
    Die Auslegung von Sylvijaa ist völlig unlogisch, denn dann könnten Spieler sich weigern den Strafraum zu verlassen und so auch wiederum auf Zeit spielen.

    Bei Handspiel wird der Körperschutz fast nur noch bei Standards gepfiffen. Es ist spannend zu beobachten, wie viele männlichen Profis die Hände bewusst HINTER dem Körper verschränken, auch wenn sie sich in einen scharf geschossenen Ball werfen, denn es wird viel schneller auf Handspiel entschieden als früher und sie wollen keinen Elfmeter riskieren.

    Ich verstehe ja, dass die Kanadierinnen enttäuscht sind. Aber sie verhalten sich momentan wie schlechte Verlierer. Dabei haben sie echt gut gespielt und auch weiterhin die Chance auf eine Medaille

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  • Krissi sagt:

    Weiß eigentlich jemand, ob das Finale morgen irgendwo live übertragen wird?

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  • karl sagt:

    Die ARD uebertraegts als livestream, ich denke das zdf auch, da gibts aber noch keinen Hinweis drauf weil die Liste nur bis morgen Mittag geht.

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  • Markus Juchem sagt:

    @karl: Da ist doch ein Scrollbalken. 😉 Auch das ZDF wird beide Spiele live streamen.

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  • Krissi sagt:

    Danke euch karl und markus 😉

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  • sitac sagt:

    @Frieda: Vielleicht tritt für Stürmer/innen der Torschuss bald in den Hintergrund und man beginnt stattdessen fleißig zu üben, im Strafraum Arme und Hände von Verteidigerinnen abzuschießen.

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  • sitac sagt:

    Nachtrag: Wenn es regelkonform ist, so zu pfeifen, wie es die Norwegerin getan hat, bekommen wir im Fußball Hockey-verhälnisse, wo im Schusskreis ein verteidigender Fuss fast so wertvoll ist wie ein Tor und wo dann folgerichtig gezielt auf Füße geschossen wird.
    PS. Bernd Schmelzer im ARD Livestream fabuliert gerade über Sprerren, Strafen und Sanktionen gegen Sinclair und Tancredi, ohne auf den Anlass, nämlich das skandalöse Pfeifen der Norwegerin, überhaupt einzugehen!?! Hilfe, wo ist Claudia Neumann?? Ich schalte jetzt den Ton ab!!!!

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  • Zaunreiter sagt:

    Ich will diese Pedersen auf jeden Fall nie wieder sehen…

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  • gerd karl sagt:

    heute spielte ich mit meiner amateurmannschaft fussball, mein kumpel steht beim schiri und textet in zu, ich rufe zu ihm, geh weg und lass den schiri in ruhe.
    was sagt mein kumpel der sich eigentlich nicht für frauenfussball interessiert, warum soll ich weggehen, ich mach doch nur einen wambach.
    ich hab mich weggeschmiessen.

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