Olympia: Japan zittert sich ins Finale

Von am 6. August 2012 – 23.20 Uhr 19 Kommentare

Der japanische Frauenfußball ist weiter auf dem Höhenflug: Nach einem dramatischen Halbfinale vor 61 482 Zuschauern im Londoner Wembley-Stadion setzte sich der Weltmeister am Ende glücklich, aber verdient gegen Frankreich durch. Im Finale kommt es am Donnerstag zu einer Neuauflage des WM-Finales gegen die USA.

Beim 2:1 (1:0)-Sieg erzielte Yuki Ogimi Mitte der ersten Halbzeit die Führung (32.), Mizuho Sakaguchi baute den Vorsprung kurz nach der Halbzeit aus (49.), der eingewechselten Eugénie Le Sommer gelang eine Viertelstunde vor Schluss der Treffer für die Französinnen (76.). Im Finale am Donnerstag treffen die Japanerinnen nun auf die USA, die im zweiten Halbfinale Kanada mit 4:3 nach Verlängerung bezwangen.

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Vorsichtige Anfangsphase
Zunächst entwickelt sich eine taktisch geprägte Partie, in der beiden Teams der Wille anzumerken war, auf keinen Fall in Rückstand geraten zu wollen. Die Japanerinnen standen kompakt in der Defensive und unterbanden so geschickt das Offensivspiel der Französinnen, die ihr Glück mit Distanzschüssen versuchten, so Louisa Necib, die allerdings überhastet vergab (24.).

Bouhaddi-Patzer sorgt für Japans Führung
Japan hatte das Spiel jedoch unter Kontrolle und Trainer Norio Sasaki bewies einmal mehr, dass er seine Elf perfekt auf das Spiel des jeweiligen Gegners anpassen kann. Eine Standardsituation führte zur japanischen Führung: Aya Miyama zirkelte einen Freistoß in den Strafraum, den Frankreichs Torhüterin Sarah Bouhaddi durch die Finger gleiten ließ, Ogimi reagierte am schnellsten und drückte den Ball mit der ersten japanischen Torchance zum 1:0 über die Linie (32.).

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Die japanische Nationalelf hat wie schon bei der WM in Deutschland Grund zum Jubeln © Nora Kruse / ff-archiv.de

Effizientes Japan
Frankreich fand trotz des Rückstands nach und nach etwas besser in die Partie, doch das Plus an Spielanteilen konnten die Bleues nicht in hochkarätige Chancen ummünzen. Ganz im Gegenteil: Kurz nach der Pause bewies Japan erneut seine Cleverness und Effizienz, einen weiteren Freistoß von Miyama beförderte Sakaguchi per Kopf ins Netz (49.) – die französische Defensive hatte sich bei der Aktion eine kollektive Auszeit genommen.

Abily und Le Sommer sorgen für Schwung
Doch mit der Einwechslung von Camille Abily (für Sandrine Soubeyrand ) und Eugénie Le Sommer (für Gaëtane Thiney) nach einer knappen Stunde kam das französische Spiel nach und nach ins Rollen. Chancen von Necib (63., 68. und 71.) sowie eine Schuss von Marie-Laure Delie per Außenrist von der Strafraumgrenze (67.) waren die Vorboten für eine aufregende Schlussphase, die an Dramatik kaum zu überbieten war.

Le Sommer verkürzt, Bussaglia verschießt Elfmeter
Nach schöner Vorarbeit von Delie und Pass von Elodie Thomis vom rechten Flügel stand Le Sommer goldrichtig und erzielte aus zentraler Position aus rund zehn Metern den Anschlusstreffer (76.). Und nur kurz darauf bot sich den Französinnen die Riesenchance zum Ausgleich, als Elise Bussaglia einen von Sakaguchi an Le Sommer verursachten Elfmeter knapp neben den rechten Pfosten setzte (78.). Japan wirkte nun wie ein angeschlagener Boxer, Frankreich drückte weiter aufs Tempo.

Japan übersteht Schlussphase
Corine Franco scheitert mit einem Kopfball (84.) und auch Wendie Renard verfehlte das Gehäuse in der druckvollen Schlussphase nur knapp, die japanische Defensive schwamm nun mächtig (87.). Bei einem schnellen Konter hätte Ogimi für die Entscheidung sorgen können, doch bedrängt von der herbeieilenden Bussaglia traf sie nur den Pfosten (90.). Doch auch in der vierminütigen Nachspielzeit hatte das Team von Trainer Bruno Bini noch die Chance auf den Ausgleich, doch Renard verpasste die letzte gute Gelegenheit (90. +4), so dass es für Frankreich am Donnerstag im Spiel um Platz 3 nun gegen Kanada geht.

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    @qwert: Necib hat doch gerade erst in Lyon bis 2016 verlängert.

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  • qwert sagt:

    „Gerüchten“ Herr Juchem. Ausserdem glaube ich gelesen zu haben, dass Necib zu PSG gewechselt hat.

    Trotzdem, kann man eine Spielerin doch aus einem Vertrag kaufen.

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  • Markus Juchem sagt:

    @qwert: Nein, Necib ist nicht zu PSG gewechselt.

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  • qwert sagt:

    Ja, ich habe eben bei Women Soccer United nach geschaut. Es stimmt, Necib hat bei Lyon bis 2016 verlängert. Allerdings wird sie dort auch als Neuzugang gelistet, was ein Zeichen dafür sein könnte, dass man sich noch in aller letzte Sekunde umentschieden, und doch mit ihr verlängert hat. Demnach war meine wissen nicht aktuell genug gewesen.

    Sorry.

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