Oly-Halbfinale: Wembley-Emotionen und Psychospielchen

Von am 6. August 2012 – 10.36 Uhr 11 Kommentare

Beim Olympischen Frauenfußball-Turnier stehen am Abend die beiden Halbfinals auf dem Programm. Den Auftakt macht im altehrwürdigen Londoner Wembley-Stadion das Duell Frankreich gegen Japan. Danach will Außenseiter Kanada den Favoriten USA stürzen – und Kanadas Trainer John Herdman greift dafür in die Trickkiste.

Im Londoner Wembley-Stadion eröffnen ab 18 Uhr (live in der ZDF-Mediathek) Frankreich und Weltmeister Japan die Jagd auf die Medaillen.

Die beiden Teams dürften ziemlich genau wissen, was sie erwartet, denn erst vor wenigen Wochen trafen sie im Stadion Charléty in Paris in einem Testspiel aufeinander. Am 19. Juli hatten die Französinnen beim 2:0-Sieg gegen den Weltmeister das bessere Ende für sich.

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Testspiel als Muster ohne Wert
Doch heute werden die Karten neu gemischt und die Japanerinnen haben beim 2:0-Sieg gegen Brasilien im Viertelfinale wie schon im Vorjahr bei der WM in Deutschland gezeigt, dass sie auf den Punkt fit und hoch konzentriert sein können. Trainer Norio Sasaki dürfte zudem seine Lehren aus dem Testspiel gezogen und mehr über die französische Spielweise gelernt haben. „Das Ergebnis wird diesmal anders aussehen“, ist sich Weltfußballerin Homare Sawa sicher.

Frankreich entwickelt sich zur Macht
Dass neben dem Weltmeister auch die Französinnen das Halbfinale erreicht haben, dürfte wohl nur die wenigsten überrascht haben. Denn der WM-Vierte hat sich in den vergangenen 12 Monaten kaum eine Blöße gegeben und sich kontinuierlich weiterentwickelt. Doch bei der 2:4-Auftaktniederlage gegen die USA sah man auch, dass der Elf auf höchstem Niveau in einigen Situationen noch eine gewisse Cleverness und Abgebrühtheit fehlt.

Erlebnis Wembley
Die Spielerinnen freuen sich vor allem auf das Erlebnis, im Wembley-Stadion spielen zu dürfen. „Da sind viele Emotionen im Spiel, ich hoffe, der Rasen bringt uns Glück“, so Frankreichs Abwehrspielerin Wendie Renard. Und Trainer Bruno Bini ergänzt: „Das ist ein mythisches Stadion.“ Doch bei aller Euphorie soll eines nicht vergessen werden: „Wir sind vor allem hier, um zu gewinnen“, so Laura Georges.

Alte Bekannte
Ab 20.45 Uhr (live in der ZDF-Mediathek) stehen sich dann im Old Trafford von Manchester Kanada und die USA gegenüber. Und auch dies ist das Duell zweier Teams, die kaum Geheimnisse voreinander haben. Denn das olympische Halbfinale ist bereits das dritte Aufeinandertreffen in diesem Jahr. Ende Januar gab es im Finale der Olympia-Qualifikation in Vancouver einen klaren 4:0-Erfolg der Amerikanerinnen, Ende Juni siegte das US-Team in Sandy mit 2:1. Zudem ist Kanada seit 26 Spielen bei 22 Niederlagen und 4 Remis sieglos gegen das US-Team, den letzten Erfolg gab es beim Algarve Cup 2001 in Portugal.

USA klarer Favorit
Und so gehen die Amerikanerinnen von der Papierform her als klarer Favorit in das Duell mit den Kanadierinnen, auch wenn diese sich unter ihrem neuen Trainer John Herdman sichtlich weiterentwickelt haben. Der eröffnete in der Pressekonferenz am Tag vor dem Spiel das Psychoduell und warf den Amerikanerinnen unlautere Methoden vor.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

11 Kommentare »

  • sitac sagt:

    Lieber Bruno Bini, nimm bitte jetzt sofort die Sarah aus dem Tor. Und dann: bon courage, les bleues!!!

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  • FFFan sagt:

    @ sitac:
    „Lieber Bruno Bini, nimm bitte jetzt sofort die Sarah aus dem Tor.“

    Wegen eines einzigen Fehlers? Das kann ich mir nicht vorstellen.

    P.S.: Claudia Neumann begrüßt im Livestream gerade „die User von womensoccer.de“ 🙂

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  • sitac sagt:

    Finde ich ja überaus freundlich :-). Herzliche Grüße zurück-super Kommentierung, Claudia Neumann. Macht Spaß!

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  • sitac sagt:

    @FFFan: einer zuviel!

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  • FFFan sagt:

    Japan hat es geschafft! Nicht besonders souverän, aber sie haben es geschafft. Sind eben eine echte ‚Turniermannschaft‘. Auf jeden Fall konnten die Japanerinnen zeigen, dass der WM-Titel kein Zufall war.

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  • sitac sagt:

    Schade, schade, schade. Gratulation an Japan, superclever und Glück!
    Alles Gute für’s Finale.

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  • sitac sagt:

    Ich hatte das Gefühl, dass die Schiedsrichterin ein Unentschieden auch gerechter gefunden hätte mit anschließender Verlängerung. Sie konnte sich so gar nicht zum Abpfeifen entschließen 🙂 .

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  • FFFan sagt:

    „…but in the end of the day it’s the USA!“ – dieser Spruch hat sich wieder einmal bewahrheitet. Ein denkwürdiger Fußballabend!!! Jetzt kommt es am Donnerstag zum ‚Traumfinale‘ USA-Japan, die „WM-Revanche“, wenn man so will.

    Mir tut aber Christine Sinclair leid: da macht sie das Spiel ihres Lebens, erzielt in einem olympischen Halbfinale drei (!) Tore, und das auch noch gegen den Erzrivalen USA, und muss am Ende doch als Verliererin den Platz verlassen – das ist hart.

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  • Detlef sagt:

    Mir tun alle Kanadierinnen leid!!!
    Durch eine unfassbare Fehlentscheidung ging das Spiel überhaupt in die Verlängerung!!!
    Der Arm der kanadischen Abwehrspielerin war sogar am Körper angelegt, als sie von der Amerikanerin angeschossen wurde!!!
    Dabei drehte sie sich gleichzeitig noch weg, um den Ball nicht ins Gesicht zu bekommen!!!
    Wie kann man so etwas als absichtliches Handspiel pfeifen???

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  • wrack sagt:

    Japan – Weltmeiterinnen der Chancenverwertung ! Meine Hypothese über den „strategischen Luftangriff“ auf die Asiatinnen wurde nicht nur zur falsifizierten Nullhypothese, die Nelken schießen nun sogar selbst 50% Kopfballtore.
    Frankreich scheiterte nicht allein an individuellen Fehlern (Torhüterin !), sie waren einfach nicht effektiv genug im Angriff für diesen Gegner – um Erfolg zu haben, muss halt jede Chance gegen den WM sitzen. Schade – ist bei der nächsten EM also keine olympische Silber- oder Goldmedaille vertreten…
    Schade, Kanada ! Aber als Trost: Wambach und Co. sind ja auch schon Teams wie Deutschland oder Japan noch von der Schüppe gesprungen – Gewonnnen hat man gegen die erst, wenn das Spiel beendet ist. Das die Ahornblätter es so spannend machen konnten, hätte ich ihnen nicht zugetraut !

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  • Sheldon sagt:

    Ich war enorm überrascht über die Defensivschwächen der USA im gestrigen Spiel. Man muss nur einmal überlegen, dass Kanada noch im letzten Jahr punktlos bei der WM ausgeschieden ist. Sowohl das Kopfballverhalten gegen Sinclair vor dem 2:1 und 3:2 als auch das Zweikampfverhalten vor dem 1:0 waren hochgradig amateurhaft.

    Und überlegt man dann noch, dass das 3:3 ein Geschenk der Schiedsrichterin war und man in der Verlängerung auch nicht bis Unendliche nachspielen lassen muss, dann war der Finaleinzug mehr als glücklich!

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