Frankreich schlägt Weltmeister Japan

Von am 20. Juli 2012 – 11.31 Uhr 36 Kommentare

Die französische Frauenfußball-Nationalelf hat mit einem Sieg gegen Weltmeister Japan eine knappe Woche vor Beginn des Olympischen Frauenfußball-Turniers ihre Ambitionen auf eine Medaille unterstrichen.

Im Pariser Charléty-Stadion kam die Elf von Trainer Bruno Bini zu einem verdienten 2:0 (1:0)-Sieg. Marie-Laure Delie (24.) sowie Wendie Renard (74.) erzielten die Treffer für die Französinnen, die die Partie weitgehend unter Kontrolle hatten. „Das war nur ein Testspiel, Ernst wird es erst in fünf Tagen“, relativierte Frankreichs Trainer Bruno Bini den Erfolg seines Teams.

Führung durch Delie
Eine maßgerechte Flanke von Sonia Bompastor in die Schnittstelle der japanischen Abwehr leitete die Führung ein,  Delie nahm den Ball auf und hob ihn unhaltbar in den Winkel. Doch fast im Gegenzug wäre den Japanerinnen durch Yuki Ogimi der Ausgleich gelungen, doch Sarah Bouhaddi bewahrte mit einer Glanzparade ihr Team vor dem Ausgleich (25.).

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Japan vergibt gute Chancen
Und auch kurz vor der Pause stand den Französinnen das Glück zur Seite, als Homare Sawa nur den Pfosten traf, nachdem Bouhaddi einen Freistoß von Aya Miyama pariert hatte (42.). Und die französische Torhüterin konnte sich ein weiteres Mal auszeichnen, als sie im Duell gegen Ogimi erneut die Oberhand behielt (44.).

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Frankreichs Nationaltrainer Bruno Bini wollte dem Sieg nicht zu viel Bedeutung beimessen © Nora Kruse, ff-archiv.de

Entscheidung durch Renard
Doch insgesamt gelang es den Französinnen gut, das Kombinationsspiel der Japanerinnen zu unterbinden, die über die gesamte Spielzeit gesehen nicht allzu viele Torchancen hatten. Elise Bussaglia scheiterte nur knapp mit einem Schuss (71.), ehe Renard mit einem kraftvollen Kopfball aus fünf Metern nach Ecke von Bussaglia für die Entscheidung sorgte (74.).

Marta glänzt als Vorbereiterin
Auch andere Olympia-Teilnehmer waren in den Tagen zuvor im Testspiel-Einsatz. So kam Brasilien im Schweizer Saviese zu einem 2:1-Sieg gegen Kanada. Formiga verwandelte eine Marta-Ecke kurz vor der Pause zur Führung (44.), in der Nachspielzeit der zweiten Halbzeit glich Christine Sinclair aus, doch im Gegenzug sorgte Einwechselspielerin Grazielle nach erneuter Vorarbeit von Marta für den Sieg der Südamerikanerinnen.

Brasilien gut in Schuss
Drei Tage zuvor hatte sich Brasilien in Chatel-St-Denis auch mit 2:1 (1:0) gegen Kolumbien durchgesetzt.  Den Kanadierinnen war am vergangenen Samstag an gleicher Stelle ein 2:0-Sieg gegen Neuseeland gelungen, die ihrerseits ebenfalls in Saviese 2:1 (2:0) gegen Kolumbien gewannen. Nordkorea kam in Wales zu einem 4:2 (2:1)-Sieg, Kamerun unterlag in Aberdeen gegen Schottland mit 0:2 (0:1).

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

36 Kommentare »

  • sitac sagt:

    @Detlef: unterschätzt mir die Schwedinnen nicht. Wenige Tage vor der WM sagte Lotta Schelin in einem Interview: „Wir haben uns jetzt vor ein paar Tagen getroffen und haben viel Spaß miteinander.“ Wahrscheinlich machen sie es diesmal wieder so. Locker vom Hocker und Vertrauen, dass die Spielerinnen allesamt von fähigen Vereinstrainern perfekt angeliefert werden, ist effizienter als nervtötende ewig lange Zermürbungsvorbereitungen!!

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  • Detlef sagt:

    @wrack,
    Sokrates und ich meinten nun nicht, daß Sasaki absichtlich schlecht spielen ließ, um die Gegner in Sicherheit zu wiegen!!!
    Aber er hat sicher noch einige Asse im Ärmel, die er der Konkurrenz so kurz vor Olympia noch nicht zeigen wollte!!!

    Testspiele vor so wichtigen Turnieren bringen es schon mal mit sich, daß sich „gesetzte Spielerinnen“ etwas zurückhalten (siehe Sawa, Kaihori), um sich nicht noch so kurz vor dem großen Ziel zu verletzen!!!
    Wenn das Turnier dann aber startet, wird jede Akteurin ihr wahres Potenzial zeigen, und 100- oder mehr Prozent abrufen!!!

    Deine „simple Strategie“ der hohen Bälle, hat schon zur WM nicht richtig funktioniert!!!
    Wie ich schon weiter oben schrieb, konnten die Töchter Nippons ihre körperlichen Nachteile gegen wesentlich größere- und robustere Gegner mehr als ausgleichen!!!
    Japans Abwehr kam bei hohen Bällen nur selten ins Schwimmen!!!
    Und das Homare Sawa einige ihrer Tore mit „Köpfchen“ erzielt hat, paßt ebenfalls ins Bild!!!

    @siac,
    Ich glaube das „Locker vom Hocker“ wird der Dennerby-Truppe bei Olympia nicht viel nutzen!!!
    Ich laß mich ja gerne eines Besseren belehren, aber ich glaube sie werden hinten offen sein wie ein Scheunentor!!!

    Es hat sehr lange gebraucht, bis endlich ein Ersatz für die unvergessliche Hanna Marklund gefunden wurde!!!
    Mit Charlotte Rohlin war nun endlich jemand da, der die Abwehr der Tre-Kronors stabilisieren konnte!!!
    Ihre schwere Verletzung ist nun ein harter Rückschlag!!!
    Dazu kommt noch die sehr unsichere Hedvig Lindahl, die bei der WM für mindestens 3-4 dumme Gegentore verantwortlich war!!!
    Die große Frage für Gelb/Blau wird sein, ob sie vorne mehr Treffer schießen können, als sie hinten kassieren werden???

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  • wrack sagt:

    @ Detlef: Dein Satz “…simple Strategie” der hohen Bälle, hat schon zur WM nicht richtig funktioniert!!!“
    Diese Strategie hat vor der WM 2011 funktioniert und hat nach der WM 2011 funktioniert, nur bei dieser WM war sie nicht ausreichend erolgreich. Seit 20 Jahren spielen die Japanerinnen nun so wie sie spielen und sind seit 20 Jahren in der Weltklasse, haben aber nie große Titel geholt. Bei der WM in Deutschland passte endlich alles zusammen, die Bälle gingen am japanischen Tor vorbei und sie haben endlich den Titel verdient. Und plötzlich mit dem WM-Titel reden alle vom „neuen“ japanischen Fußball… Wir werden sehen, wie es bei Olympia wird. Ich krieche hier gern zu Kreuze, wenn Japan keine Kopfballtore bekommt und / oder das Endspiel erreicht.

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  • FFFan sagt:

    @ wrack:
    „Seit 20 Jahren spielen die Japanerinnen nun so wie sie spielen und sind seit 20 Jahren in der Weltklasse, haben aber nie große Titel geholt.“

    Wie definierst du denn eigentlich „Weltklasse“? Japan ist erst seit 2008 dauerhaft unter den ersten Zehn der Weltrangliste und ist vor 2008 auch nie unter die besten Vier von Weltmeisterschaften oder Olympischen Spielen gekommen. Wie können sie da „Weltklasse“ gewesen sein?
    Und dass sich die ‚Nadeshiko‘ in den letzten 20 Jahren fußballerisch nicht weiterentwickelt habe, ist auch eine sehr gewagte These…

    Natürlich sind die Japanerinnen aufgrund ihrer Körpergröße im ‚Luftkampf‘ benachteiligt und haben auch bei der WM 2011 zwei Kopfballgegentore bekommen (Hearn; Wambach), aber das hat sie nicht am Erfolg gehindert. Wo ist der Unterschied zwischen Detlefs Aussage, die Strategie der hohen Bälle habe „nicht richtig funktioniert“ und deiner, sie sei „nicht ausreichend erfolgreich“ gewesen? Im Grunde sagt ihr doch beide dasselbe: dass es gegen Japan eben nicht genügt, eine hohe Flanke nach der anderen in den Strafraum zu schlagen – eine Erfahrung, die auch die deutsche Mannschaft im Viertelfinale machen musste!

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  • wrack sagt:

    @ FFFan: Definitionen sind nicht veri- oder falsifizierbar, bestenfalls normativ. Weltklasse bedeutet für dich: Was ? Vier Teams, die bei den letzten WM unter den letzten Vier waren ? Ich meinte bei meinem Post die über Jahrzehnte permanente Präzenz Japans in den Top 10.
    Der japanische Fußball ist schon seit vielen Jahren schön anzusehen, das Kurzpassspiel keine Erfindung seit 2008, aber die Chancenverwertung und die Tore war immer mau. Ich habe NICHT geschrieben, Japan hätte sich fußballerisch nicht weiterentwickelt (Bitte immer den zu kritisierenden Satz zitieren und nicht eine Interpretation daraus als nicht aufgestellte These unterstellen.), aber ihre Art zu spielen ist grundsätzlich die Gleiche geblieben – was sicherlich mit ihrer durchschnittlichen Körpergröße zu tun hat. Zur Zeit haben sie m.E. eine goldene Spielergeneration. Aber bisher ist der WM-Titel der einzige Titel. Und ich erinnere mich, wie er errungen wurde. Überlegenheit sieht anders aus. Deutschland hat bisher ein (1) Spiel gegen Japan verloren. Und hier dient DIESES EINE Spiel und der Erfolg gegen die USA als Beleg dafür, dass die Strategie nicht funktioniert ?! Das nenne ich mal eine dünne Datenbasis !
    Meine Thesen jedenfalls werden bei der Olympiade auf dem Prüfstand stehen. Und der Weltmeister hat es ohne Deutschland diesmal sogar doch leichter, seinen Triumph von 2011 zu bestätigen und das Endspiel zu erreichen. Ich werde jedenfalls die aus hohen Bällen resultierenden Tore gegen Japan zählen. 🙂

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  • wrack sagt:

    Ups, da muß ich mich korrigieren. Erst seit Ende 2006 sind die Japanerinnen tatsächlich unter den Top 10, seit 2003 unter den Top 15, insofern ziehe ich meine „Jahrzehnte Weltklasse“ zurück. Ich bin tief zerknirscht, hatte das anders in Erinnerung.

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