„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Von am 20. Mai 2012 – 13.01 Uhr 3 Kommentare

Dr. Sahar El-Hawary, das Gesicht des Frauenfußballs in Ägypten, sprach in Berlin auf einer Podiumsdiskussion über den Frauenfußball und die aktuellen Umwälzungen in ihrem Land.

Eigentlich wollte Dr. Sahar El-Hawary, Fußballchefin Ägyptens seit den Anfängen vor rund 15 Jahren, in einer Veranstaltungsreihe der Berliner Frauenfußball-Aktivisten von „Discover Football“ im taz-Cafe über die Rolle des Frauenfußballs im Arabischen Frühling am Nil sprechen. Moderiert von Taz-Redakteurin Doris Akrap und der früheren Nationalspielerin Petra Landers als weiterer Gesprächspartnerin.

Doch dann wartete die 53 Jahre alte Ägypterin, Mitglied des FIFA-Frauenausschusses seit über zehn  Jahren, vor dem Publikum mit einer brandaktuell wirkenden Aussage auf: „In der FIFA-Exekutive wird im kommenden Jahr die erste Frau sitzen. Das ist ein historisches Ereignis.“

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Frauenfußball - Podiumsdiskussion in Berlin

Große Zuhörerschaft im taz-Cafe in Berlin beim Vortrag von Sahar El-Hawary © Rainer Hennies

Bald in der FIFA-Exekutive?
Die erste Frau, so El-Hawary, soll am 22. Mai auf dem FIFA-Kongress in Budapest durch den Präsidenten Joseph S. Blatter bestimmt und später pro forma gewählt werden. Bislang besteht die Exekutive des Weltfußballverbandes aus 24 Mitgliedern. El-Hawary, eine studierte Kommunikationswissenschaftlerin, deren Energie und durchsetzungsstarke Persönlichkeit den Fußball in Ägypten und dem gesamten arabischen Raum in Nordafrika, Nahen Osten und den Golfstaaten entscheidend voran treibt und selbst die Geschicke des Team von Rekordmeister Wadi Degla im Süden Kairos leitet, gilt als aussichtsreiche Kandidatin.

Mutter des ägyptischen Frauenfußballs
Am Nil ist El-Hawary das Gesicht des Frauenfußballs. Die Sportart ist weitgehend akzeptiert. Offiziell im Verband (EFA), der sich zunächst über Jahre gesträubt hatte, gibt es das Nationalteam seit 1999. Es existieren zwei nationale Ligen. „Selbst im hochtraditionellen Ober-Ägypten spielen Frauen und Mädchen Fußball“, berichtet sie. „Jetzt gilt es aufgrund der neuen Verfassung, die auch den Frauen gleiche Rechte gestattet, nach den Parlamentswahlen im Juni, den Frauenfußball in seinen bestehenden Strukturen in den dann entstehenden neuen gesellschaftlichen Bedingungen zu festigen, etwa in Schulen und Großvereinen etablieren.“

Gesellschaftlicher Umbruch
Gerade unter den neuen gesellschaftlichen Bedingungen gebe es viel zu tun. „Wir werden das zu spüren bekommen“, schätzt El-Hawary. „Das ist eine neue Plattform. Man muss jetzt geduldig handeln, wenn man für Nachhaltigkeit zugunsten der Frauen und Mädchen und für ihre Rechte handeln will. Aber für mich gilt: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Für mich ist der Frauenfußball meine persönliche arabische Revolution. Auch über die Landesgrenzen hinaus, um den Nachbarn zu helfen.“

Frauenfußball-Podiumsdiskussion in Berlin

Von links nach rechts: Sahar El-Hawary, Doris Akrap (taz), Petra Landers und Sarah Schlote (Discover Football) © Rainer Hennies

Mit Nachhaltigkeit zum Erfolg
Die Tochter eines inzwischen verstorbenen Schiedsrichters und aus angesehenem Haus, hatte früher keine Gelegenheit zu kicken. Sie begann als Schiedsrichterin und Schritt für Schritt eröffnete sie im Lande den Frauen mehr und mehr Möglichkeiten, Fußball zu spielen. Sport hat gesellschaftliche Dimensionen. Er veränderrt die Rolle der Frau. Fußball ist längst ein approbiertes Mittel, um Gender-Equity durchzusetzen.

Der lange Weg zur Anerkennung
„Meine Anträge beim Fußballverband wurden zunächst regelmäßig abgeschmettert. Aber die Weltmeisterschaften und Olympia halfen enorm, dass der Verband Ende der 90-er Jahre den weiblichen Fußball am Ende doch offizialisierte“, so Sahar El-Hawary, die jahrelang ohne Vereine und Verbandshilfe ihr eigenes Team im eigenen Haus auf private Verantwortung hin rekrutierte und im Garten sportlich ausbildete. Im ersten Nationalteam waren unter anderem Leichtathletinnen und eine Tennismeisterin vertreten.

Politische Dimension
Da staunte sogar Petra Landers. Die Europameisterin von 1989 erzählte, dass sie lange Jahre Fußball „nur zum Spaß spielte“, ehe der Leistungsgedanke über die SSG Bergisch Gladbach, damals die Nummer eins im Lande, sie bis ins Nationalteam führte. „Erst durch Discover Football sind mir die politischen Dimensionen deutlich geworden, die der Frauenfußball hat.“ Landers möchte sich künftig verstärkt in fußballerischer Entwicklungshilfe einbringen.

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3 Kommentare »

  • berggruen1 sagt:

    Danke für den interessanten Bericht! Ich bin neugierig: Hat Frau El-Hawary es als erste Frau in die Fifa-Exekutive geschafft oder ist es doch (traditionell) eine Europäerin geworden?

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  • berggruen1 sagt:

    Danke 🙂

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