Thomas Wörle: „Werden keine Chelsea-Taktik spielen“

Von am 12. Mai 2012 – 11.02 Uhr 21 Kommentare

Für viele ist der FC Bayern München im heutigen DFB-Pokalfinale gegen den 1. FFC Frankfurt (live ab 16 Uhr im ZDF) nur krasser Außenseiter, doch Bayern-Trainer Thomas Wörle ist optimistisch, dass seine Elf für eine Überraschung sorgen kann.

Unter der Woche setzte der Verein mit der Vertragsverlängerung der beiden Amerikanerinnen Sarah Hagen und Nicole Cross sowie Sylvie Banecki ein kräftiges Signal an die Spielerinnen und das Umfeld, in den kommenden Spielzeiten die Lücke zu den großen Teams nach und nach schließen zu wollen. Und in Gina Lewandowski vom heutigen Pokalgegner soll gar eine frisch gebackene US-Nationalspielerin die Bayern-Abwehr ab der neuen Saison verstärken.

Bayern will nicht mauern
Und nach dem 2:0-Sieg gegen den FCR 2001 Duisburg in der Bundesliga am vergangenen Sonntag geht das Team voller Optimismus in das Spiel gegen den favorisierten 1. FFC Frankfurt. „Frankfurt ist eine Top-Mannschaft und es wird eine superschwere Aufgabe. Aber wir werden nicht nur mauern, sondern auch für Entlastung sorgen und sie beschäftigen müssen“, so Bayern-Trainer Thomas Wörle gegenüber Womensoccer.

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Gesteigertes Selbstvertrauen dank US-Duo
„Wir können nicht 90 Minuten lang hinten eine Mauer aufbauen, irgendwann bekommt man dann zwangsläufig Probleme. Wir werden keine Chelsea-Taktik spielen, sondern sie hier und da beschäftigen, denn sie sind in gewissen Momenten defensiv verwundbar.“ Vor wenigen Monaten steckte sein Team in der Bundesliga noch im Abstiegsstrudel, doch die Verpflichtung der beiden Amerikanerinnen Hagen und Cross hat das Team sichtbar stabilisiert.„Sie sind super Teamplayer und helfen uns.“

Neue Philosophie
Die Verpflichtung der beiden bedeutete auch eine Kehrtwende in der Bayern-Philosophie einzig auf Talente in der Region und im benachbarten Ausland zu setzen. „Wir schauen nicht mehr nur auf Talente, das war lange Zeit so. Aber wir sind gut beraten, neben den jungen Talenten auch gestandene Spielerinnen einzubauen. Es kommt auf die Mischung an, wir werden nach und nach deutlich näher rankommen und die Strukturen verbessern, auch wenn wir uns aus finanziellen Gründen sicherlich schwer tun, deutsche Nationalspielerinnen hierher zu bekommen.“

Frauenfußball - Thomas Wörle

Bayern-Trainer Thomas Wörle will gegen Frankfurt nicht mauern © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Schritt für Schritt nach vorne
Doch mit einem Sieg im aufmerksamkeitsstarken DFB-Pokalfinale könnte der Verein neue Argumente sammeln, ein attraktiver Frauenfußball-Standort zu sein und auch innerhalb des Gesamtvereins die eigene Position weiter stärken. In der Bundesliga verloren die Münchnerinnen das letzte Duell vor wenigen Wochen auf heimischem Platz mit 1:2, doch damals brachte Wörle seine torgefährlichste Stürmerin Hagen erst in den Schlussminuten und ließ auch einige andere Stammspielerinnen auf der Bank.

Hagen und Lotzen sollen es richten
„Wir haben nicht geblufft, sondern einige Spielerinnen wie Hagen oder auch Isabell Bachor geschont, einige Spielerinnen hatten sehr viel gespielt. Vielleicht wollten wir uns auch noch nicht hundertprozentig zeigen, aber das ist eine Kleinigkeit.“

Neben Hagen setzt Wörle seine Offensivhoffnungen auch auf Jung-Nationalspielerin Lena Lotzen. „Seit sie in die Nationalmannschaft berufen wurde, hat sie viel mehr Überzeugung in ihrem Spiel, das hat man gegen Duisburg gesehen.“ Und diese Überzeugung wird auch vonnöten sein, um den 1. FFC Frankfurt ins Wanken zu bringen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

21 Kommentare »

  • Postel sagt:

    Neue Philosophie: So der Aufhänger des mittleren Abschnittes dieses Beitrages. Altbekannte Erkenntniss, doch häufig nicht vollzogen. Für mich zählten die Bayern diese Saison zu den Entäuschungen. Hatte ich sie doch in höheren Tabellenregionen erwartet.
    Aber zum Pokal. Nach dem ich den Beitrag gelesen habe bin ich gespannter den je auf das Spiel. Thomas Wörle und sein Team sind sehr zuversichtlich. Und jetzt kommt mein aber! Wie ging noch mal das Punktspiel in der Hinrunde aus? Da haben die Bayern auch nicht „Gemauert“ und Frankfurt nicht das beste Spiel der Saison abgeliefert. Also, ich mag keinen Tipp abgeben und für mich ist auch keiner Faforit. Ich freue mich nur auf ein schönes Spiel. Das wird es wenn Thomas Wörle mit seinen Ankündigungen nicht doch „geblufft“ hat. Hoffen tue ich, das noch ein paar Besucher ins Stadion pilgern werden.

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  • Sheldon sagt:

    @Postel: Du kannst die Hinrunde bitte nicht als Maßstab nehmen. Vielleicht erinnerst du dich noch an die Verletztenmisere der Bayern?

    Im Vergleich zu dem Spiel ist das heute ne GANZ andere Mannschaft. Denn damals haben folgende Spielerinnen nicht mitgespielt, die ich heute allesamt auf dem Platz erwarte:

    Sarah Hagen, Niki Cross, Katharina Baunach, Rebecca Huyleur und Lena Lotzen

    Vor allen Dingen die Verteidigung ist im Gegensatz zum Vorrundenspiel mit Cross, Baunach, Huyleur und Schöne deutlich stärker besetzt. Natürlich klafft im Mittelfeld immer noch die Lücke, wo in der letzten Saison Puntigam und Wimbersky die Doppel-Sechs gebildet haben (beide verletzt).
    Doch wenn man sieht, dass Bayern in der Rückrunde Frankfurt ein 1:2 abgetrotzt hat, obwohl Hagen und Feiersinger auf der Bank saßen, dann sollte man sich heute auf ein sehr enges und garantiert nicht einfaches Spiel für Frankfurt einstellen!

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  • mas sagt:

    @Sheldon
    für mich wäre eine Frankfurter Niederlage dennnoch eine große Überraschung

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  • Sheldon sagt:

    Die Aufstellungen:

    Frankfurt Schumann – Weber, Bartusiak, Lewandowski, Percival – Behringer, Smisek, Marozsan – Huth, Bajramaj, Garefrekes

    Bayern: Längert – de Pol, Wenninger, Huyleur, Baunach – Cross, Schnaderbeck – Bürki, Feiersinger – Hagen, Bachor

    In etwa so erwartet, Frankfurt vorne heute gut besetzt, muss man Kahlert lassen!

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  • Sheldon sagt:

    Wie war das, mas, eine große Überraschung? Bayern bis jetzt deutlich überlegen!

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  • Detlef sagt:

    Bayern ist die klar bessere Mannschaft, die aber vor dem gegnerischen Tor zu ungenau agiert!!!

    Frankfurt spielt schwach und einfallslos, hatte aber die bisher beste Torchance durch Behringer!!!

    Apropo schwach, auch die Potsdamer Schiedsrichterin mit einer schwachen Leistung!!!

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  • xXx sagt:

    GOOOOOOOOOOOOOOOOAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAALLLLLL

    1:0 für Bayern

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  • Sheldon sagt:

    TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Sarah Hagen nach ner Ecke!!!!

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  • jochen-or sagt:

    Wie in Potsdam gehabt!
    Da schwimmt die Abwehr des 1.FFC – und ganz besonders bei Ecken.
    Die bessere Mannschaft führt!
    Wie soll das nur am Donnerstag enden!

    15.000 Zuschauer – das ist mau!

    Leipzig ruft!

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  • Sheldon sagt:

    TOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOOR! Rudelic nach einem Konter frei vor Schumann! DAS WARS!!!!!

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  • xXx sagt:

    YEEEEEEAAAAH!!!!!

    2:0 … super Bayern … Glückwunsch!

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  • H2O sagt:

    Glückwunsch nach München, ich hätte es ehrlich gesagt Bayern niemals zugetraut gegen den FFC zu gewinnen, wenn es für den FFC um etwas geht.

    Ein positives Ergebnis für den FF in Deutschland. Jetzt aber bitten den Championsleaguetitel holen. 😀

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  • Patrona Bavariae sagt:

    Nicht, dass ich es Konzeptlostrainer Kahlert nicht gönnen würde, aber… jetzt weiß ich nicht wie ich den Satz beenden soll.

    Nachmachen, Männer!

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  • Sheldon sagt:

    Es war überwältigend! Wieso stehen die auf Platz 6??????

    Bayern war in allen Belangen überlegen (10 Euro ins Phrasenschwein)!

    taktisch, technisch, spielgestalterisch, im Zweikampf am Boden und in der Luft, bei den Standards, in der Offensive sowohl bei den Kontern als auch bei herausgespielten Chancen, in der Defensive, ich könnte stundenlang so weiter machen…

    Die überragende Spielerin heute war für mich Niki Cross! Sie hat absolut nix zugelassen und Marozsan, Behringer und Smisek nahezu im Alleingang ausgeschaltet! SAAAAAAAAAAAAGENHAFT!

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  • Detlef sagt:

    Glückwunsch an die Bayern-Ladies!!!
    Das war eine ganz tolle Leistung heute!!!

    Wenn, ja wenn die miese Hinrunde nicht gewesen wäre, hätte es für die Wörle-Truppe zu höheren Ehren reichen können!!!

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  • karl sagt:

    Mal eine andere Frage : In der Berichterstattung wurde vom Etat geredet. Der sei bei Frankfurt 2 Millionen und bei bayern 1 Million. Was muessen die Vereine denn aus dem Etat bestreiten ? Weis das jemand ? Sind das nur Gehaelter fuer Spielerinnen oder ist da auch das Gehalt des Trainers und evtl anderer Betreuer mit drin oder sogar die Kosten fuer Platzwarte , Kassierer etc und Reisekosten vielleicht auch noch ? Was genau beinhaltet ein solcher „Etat“ ?

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  • Sheldon sagt:

    Der „Etat“ einer Mannschaft ist das, wodraus alle Mannschaftskosten des Vereins bestritten werden. Das sind Spielerinnen- und Trainergehälter sowie für die Physiotherapeuten, Platzkosten etc. etc. drin.
    Auch Jugendförderung etc. ist da mitenthalten!

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  • karl sagt:

    Danke Sheldon! Das wuerde ja bedeuten dass bei ca 1,8 millionen, sagen wir mindestens 200k fuer den platz, nochmal 200k reisekosten und nochmal 200k fuer bajramaj nur ca 1,2 milionen fuer alle anderen sagen wir mal 35 Angestellten des Vereins uebrig blieben. Das waeren dann ca 35000 im Jahr pro Person wenns einfach so aufgeteilt wuerde.
    Diese 35000 waeren aber nur die Arbeitgeberbelastung, da wuerden beim einzelnen allenfalls 22000 brutto im Jahr ankommen.
    Kein Wunder dass es da in Frankfurt kriselt.

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  • Sven sagt:

    In Frankfurt wegen Geldmangel kriselt????
    Da kann ich mir ein kopfschütteln nicht verkneifen!
    Was ist denn dann bitte mit den anderen Vereinen????
    Die haben mit sicherheit nicht diesen Etat und so Mannschaften wie Duisburg oder Bayern schaffen es eine tolle und motivierte Truppe auf den Platz zu stellen….

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  • Sheldon sagt:

    Die Rechnung von karl geht allerdings nicht auf. Bei Frankfurt kriselt es da absolut nicht.

    Bajramaj kriegt im Jahr etwa 130.000 Euro und ist damit Topverdienerin, bei allen anderen kann man vielleicht 60.000 als Durchschnitt hernehmen. Das wären knapp 1,2 Millionen an Personalkosten für die Spielerinnen. Der Rasen wird im Jahr nicht mehr als 50.000 Euro kosten, ebenso die Reisekosten (für CHL gibts Reisekostenerstattung).
    Bleiben also noch 500.000 für Trainer, Betreuer, Physio etc und andere Ausgaben.
    Da macht man im besten Fall sogar noch Plus, wenn die Prämien mal ein bisschen komfortabler ausfallen!

    Andere Vereine haben dagegen noch viel weniger Personalkosten. So hat eine Spielerin in Jena beispielsweise ein Monatsgehalt von 500 Euro, das wären 6.000 Euro im Jahr incl. Prämien.

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  • karl sagt:

    Sheldon, du vergisst die Sozialabgaben (Arbeitgeberanteil) . Zwar waere ein Gehalt von 130000 keinesfalls Sozialversicherungspflichtig , allerdings zahlen die Arbeitgeber in der Regel trotzdem die Beitraege bis zur Versicherungsgrenze , waern wir schon bei 170k fuer bajramaj. Die anderen waeren wohl voll Versicherungspflichtig und das waere bei den 60000 eine Arbeitgeberbelastung von insgesamt 80000. Das waeren dann insgesamt eher 1.6 als 1,2 Millionen , ok bleiben immer noch 30000 fuer den Rest, aber das reicht wohl nicht. Ich wollte damit eigentlich nur ausdruecken dasss ich glaube dass gravierende Bezahlungsunterschiede innerhalb einer Mannschaft nicht unbedingt Leistungsfoerdernd sind. Die 500 Euro bei Jena sind eh nur ein Taschengeld wovon keiner wirklich leben kann , aber solange das allen Spielerinnen in der Mannschaft mehr oder weniger gleich geht ist das kein Problem (ausser das die dann alle wenn irgend moeglich nach Frankfurt oder Wolfsburg wollen).

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