Frankfurt will Selbstvertrauen für Lyon-Spiel tanken

Von am 10. Mai 2012 – 14.18 Uhr 15 Kommentare

Der 1. FFC Frankfurt steht am Samstag zum zwölften Mal im DFB-Pokalfinale, acht Mal hat er den Titel geholt – das ist einsamer Rekord im Frauenfußball. Auch gegen den FC Bayern München ist der FFC favorisiert, und die Mannschaft will Selbstvertrauen für das Champions-League-Finale tanken. Doch sie muss aufpassen, mit den Gedanken nicht schon zu früh in eben diesem Endspiel zu sein.

Durch die Niederlage gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am vergangenen Sonntag mussten die Frankfurterinnen alle Hoffnungen auf die Meisterschaft begraben, auch das Erreichen des zweiten Platzes ist nur noch theoretisch möglich. Um in der kommenden Saison in der Champions League zu spielen, müsste Frankfurt am 17. Mai gegen Olympique Lyonnais gewinnen.

Die Top-Teams der Liga ausgeschaltet
Entsprechend hat auch Sandra Smisek vor dem Pokalendspiel Lyon schon im Kopf. „Wir wollen dieses Spiel gewinnen und den ersten Titel einfahren, um uns dann in Ruhe auf das nächste Finale einzustimmen.“ Sie hat mit ihrer Mannschaft im Laufe des Wettbewerbs bereits den VfL Wolfsburg, den 1. FFC Turbine Potsdam und den FCR Duisburg ausgeschaltet. „Es wäre jetzt fahrlässig, das Finale einfach herzuschenken. Dafür haben wir zu viel investiert, zu viel gelitten und uns auch gefreut“, möchte FFC-Trainer Sven Kahlert die Gedanken an Lyon noch aufschieben.

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1. FFC Frankfurt

Frankfurt ist Titelverteidiger und Favorit im Finale. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Große Chance für Bayern München
„Wir haben super Pokalspiele abgeliefert, aber dafür können wir uns nichts kaufen“, sagt Stürmerin Svenja Huth. „Wir müssen den letzten Schritt gehen. Beide Teams werden heiß sein, aber wir wollen natürlich gewinnen.“ Wie sich die Motivation beider Mannschaften am Samstag darstellt, wird eine spannende Frage sein. Jedes Team, das in einem Finale steht, will auch gewinnen. Aber während das Pokalfinale für den FC Bayern die einzige Chance auf einen Titel ist, ist dieser für den FFC, gemessen an der Champions League, eher unbedeutend.

Wichtiges Ziel bereits erreicht
Den wichtigsten Schritt ist Frankfurt mit dem Einzug ins Endspiel gegangen, um sich und seine Sponsoren auf nationaler Ebene, inklusive Fernsehübertragung, zu präsentieren. Hinzu kommen die Prämien, die sich auf 70.750 Euro belaufen. Den Pokal nun auch zu verteidigen, wäre ein nettes Zubrot – mit dem man aber sportlich natürlich Selbstvertrauen für das Spiel gegen die wohl beste Mannschaft Europas tanken möchte.

Mit Pokalsieg im Rücken ins Olympiastadion
„Köln ist wichtig; das ist der nötige Adrenalinstoß, um dann mit Selbstvertrauen nach München zu fahren“, denkt auch FFC-Manager Siegfried Dietrich bereits an das Duell mit Lyon. Mit zwei Niederlagen im Rücken im Münchener Olympiastadion anzutreten, wäre denkbar schlecht für den FFC. Die Mannschaft wolle daher auch „ein bisschen Wiedergutmachung“ für das 1:3 in Potsdam betreiben, so Kahlert.

Sandra Smisek

Frankfurt will Vanessa Bürki (li) abschirmen © Nora Kruse, ff-archiv.de

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Bayern hat gepokert
„Ich habe mit allen noch gespielt, die auch aktuell in München spielen“, sagt Ex-Münchenerin Melanie Behringer. „Sie werden alle sehr heiß sein, und wir müssen gerade auf die schnellen Stürmerinnen achten. Vanessa Bürki und Ivana Rudelic sind immer für ein Tor gut. Wir haben uns in München das ein oder andere Mal schwer getan, aber wir sind gut eingestellt und einfach das bessere Team.“ Aber Kahlert hat in der Vorbereitung auf das Finale bereits beobachtet: „Die haben in allen Spielen gepokert und nicht die Mannschaft auf dem Platz gehabt, die gegen uns spielen wird.“ Und so könnte die Rolle des „Underdogs“ im Spiel gegen ein Team, für das es fünf Tage später um viel mehr geht, noch zum großen Vorteil für die Bayern werden.

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15 Kommentare »

  • waiiy sagt:

    „Köln ist wichtig; das ist der nötige Adrenalinstoß, um dann mit Selbstvertrauen nach München zu fahren“, denkt auch FFC-Manager Siegfried Dietrich bereits an das Duell mit Lyon.

    Das darf man als Verantwortlicher einfach nicht sagen. Wenn die Mannschaft die Einstellung hat, über Köln nach München zu fahren, wird man unter Umständen nicht mehr aus dem Kölner Stadion raus finden.

    Davon abgesehen drücke ich Frankfurt für die CL alle Daumen. Aber wenn ich ehrlich bin (und das kann man leicht feststellen, wenn man sich fragt, auf wen man ein Jahresgehalt setzen würde), dann gebe ich Lyon schon die weitaus größeren Chancen. Von daher ist der Samstag DIE Chance für Frankfurt, die Saison nicht titellos abzuschließen… Dem stimmt übrigens auch bwin zu (Quote Lyon: 1,75 und Quote Frankfurt: 4,25).

    waiiy

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  • Lucy sagt:

    Noch ist der Drops nicht gelutscht… Immer schön langsam Hr. D. 😉

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  • Sheldon sagt:

    Naja, meines Erachtens liegen die Quoten noch deutlicher zugunsten von Lyon (1:8 oder 1:10, würde ich denken).

    Bayern hat am Wochenende gezeigt, wozu sie fähig sind. Man sollte sie ganz und gar nicht unterschätzen, mit 16 Punkten in der Rückrunde klopfen sie ans Oberstübchen in der Liga.
    Und das nicht ohne Grund, denn mit Längert im Tor, Baunach, Schöne und Cross in der Defensive, sowie Feiersinger, Lotzen und Hagen in der Offensive ist da ein Potential, dass in Richtung der Saison 2008/09 geht, vielleicht in der nächsten Saison sogar darüber hinaus!

    Das wird kein Spaziergang, ich erinnere nur an das 1:2 vor drei Wochen! Also, das sollte man erstmal gewinnen, das is schon Aufgabe genug!

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  • FFFan sagt:

    @ Nora:
    „Hinzu kommen die Prämien, die sich auf 70.750 Euro belaufen.“

    Wie setzt sich diese Summe zusammen?

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  • Andreas sagt:

    Das wird tatsächlich alles andere als ein Selbstgänger für Frankfurt. Die Bayern sind gut drauf und ein junges und hungriges Team mit viel Talent und Potential für die Zukunft. Frankfurt täte gut daran, sich voll auf dieses Spiel zu konzentrieren. Denn die Chancen den CL-Titel zu holen sind tatsächlich nicht sehr hoch. Lyon ist auch für mich eindeutiger Favorit.

    Auf jeden Fall finde ich es super, dass mit den Bayern offensichtlich ein zusätzlicher Konkurrent für die Etablierten heranwächst bzw. zurückkommt. Sie waren ja schon mal fast ganz oben. Für die Spannung in der Bundesliga ist das nur gut.

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  • waiiy sagt:

    Erstaunlich, dass es Lira Bajramaj ist, die davor warnt, dass man den Gegner nicht unterschätzen soll und dass Frankfurt diese Saison schon gegen kleinere Gegner gestrauchelt ist (www.kicker.de). Sympatisch…

    waiiy

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  • berggruen1 sagt:

    Glaube kaum, dass Frankfurt Bayern München unterschätzt oder dass es ihnen egal wäre, wie das Spiel ausgeht. Dass aber ein Sieg im DFB-Pokal zusätzliches Selbstvertrauen für das CL-Endspiel schenkt bzw. eine Niederlage durchaus auch einen Knick geben kann, das versteht sich wohl von selbst. Den Männern wird es ähnlich gehen. Sollte der FCB gegen den BVB gewinnen (was ich als BVBler nicht hoffe;-)), könnte das das „Bißchen mehr“ sein, das notwendig ist, um das CL-Finale zu gewinnen, eine Niederlage das „Bißchen weniger“. Dass aber das CL-Finale mit Lyon bei allem Respekt vor dem DFB-Pokalfinale und Bayern München in den Köpfen zumindest im Vorfeld und bei „investigativen“ Journalistenfragen eher im Vordergrund steht, finde ich relativ normal.

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  • gabbo sagt:

    Hoffentlich wissen die Bayern, wie stark der FFC wirklich besetzt ist.

    „Der Kader ist zudem gespickt mit aktuellen und ehemaligen Nationalspielerinnen. Seit letzten Sommer verstärken Simone Laudehr, Babett Peter und Bianca Schmitt die Mannschaft.“

    Quelle:

    Tolle Recherche @BR!
    Wir brauchen hier dringend ein Facepalm-Smiley!

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  • Sheldon sagt:

    @berggruen: Bei den Männern ist es relativ egal! Da dürfte sogar das Pokalendspiel leichter sein als das CL-Endspiel, so wie sich Chelsea diese Saison präsentiert hat (noch schlechter als Frankfurts Damen).

    Ich finde es schön, dass alle schon gedanklich beim nächsten Spiel sind? Denn dann lacht am Ende Bayern, genau wie bei der WM Japan. Und den Frauen würde ich es echt mal gönnen, haben sie sich redlich verdient!

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  • Andreas sagt:

    @gabbo: Das ist echt bezeichnend für das Medieninteresse. Aber in einem finde ich den Artikel gut, nämlich die Aufforderung von SiDi an Hoeness mehr in die Frauenabteilung zu investieren. Das habe ich mich auch schon immer gefragt, warum der FCB nicht eine bessere Frauenmannschaft hat. Das zahlen die doch aus der Portokasse

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  • Micol sagt:

    **„Ich habe mit allen noch gespielt, die auch aktuell in München spielen“, sagt Ex-Münchenerin Melanie Behringer.**

    Das kann doch nicht stimmen, mindestens Hagen und Cross sind neu, und auch Feiersinger ist erst gekommen, als Behringer längst in Frankfurt war. Lotzen nicht auch? Sarah Romert? Nicht mal mit Wimbersky dürfte Behringer noch gespielt haben (auch wenn die momentan natürlich eh verletzt ist.)

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  • berggruen1 sagt:

    @Sheldon: Na, wenn das Pokalendspiel für den FCB leichter ist als das CL-Finale und man 4x hintereinander gegen den BVB verloren hat, dann will ich nicht wissen wie sie im Finale gegen Chelsea untergehen ;-). Nett, dass Du nur den Frauen den DFB-Pokal wünschst :-), da könnte ich mich sogar fast anschließen (eine Restabneigung bleibt).
    Aber wie gesagt, ich glaube nicht, dass die Frankfurterinnen so blöd sind zu glauben, sie gewönnen das Finale mit einem Bein rückwärts. Sie werden sich für 90 (oder 120) Min. schon auf das Spiel konzentrieren können. Die Frage ist eher: wird Herr Kahlert nur Verteidigerinnen und defensive Mittelfeldspielerinnen auflaufen lassen…? Man könnte auch mal über die Alternative: 2 Torhüterinnen nachdenken?

    @gabbo: Ich hoffe, BR hat die Mädels informiert, dass sie am Samstag in Köln sein müssen? 😉 Sehr, sehr hübsch :-).

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  • womensoccerfan sagt:

    @waiiy: naja, sie ist die einzige, die schon gegen lyon gespielt hat und weiß, wie man im cl finale gegen sie verliert^^ deshalb wird sie wohl hoffen, dass man wenigstens den dfb pokal mitnehmen kann (denn sonst wird es noch schwerer, zudem steigt der druck einen titel zu gewinnen)

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  • Sheldon sagt:

    @berggruen: Danke für den Hinweis, ich meine natürlich „schwerer“!

    Zu Behringer: Die Liste ist wie folgt: Gratz, Cross, Puntigam, Lotzen, Wimbersky, Schnaderbeck, Hagen, Romert, Feiersinger, Szarvas

    Schlecht informiert, die Dame! Zumal unter diesen drei der wichtigsten Spielerinnen sind!

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  • Sheldon sagt:

    @Andreas: Genau das meine ich. Genau das will ich nicht sehen. Was passiert, wenn Bayern jetzt mit einem Schlag die Liga aufkauft? Dann gibt es genau dieselben Verhältnisse wie jetzt, nur noch extremer. Es ist den Bayern hoch anzurechnen, dass sie da nicht vor Titelgier die Liga mit ihrem Geld erdrücken, sondern mit viel Geduld dort ein Nachwuchssystem mit Talenten aus der Region (incl. Österreich und Schweiz) und ein paar gut gescouteten Talenten aus aller Welt aufbauen. Sie lassen sich den Frauenfußball seinen Platz im Verein erkämpfen und das ist genau richtig so. Und sie lassen das Team ja nicht ins Messer laufen, ein bisschen Geld gibt es da schon und wenn nötig, wird da auch nachjustiert. Aber zunächst einmal will man, dass die Sparte gut aufgebaut wird und langfristig auf eigenen Beinen stehen kann.

    Denn man sollte nicht vergessen: Bayern ist nicht Wolfsburg! Bayern muss sehr hart um seine Sponsorenverträge kämpfen und die nötigen Ergebnisse vorweisen. Da kann man nicht einfach mal so Geld abzweigen für eine bis jetzt noch unter dem Ruf der Spaßveranstaltung stehenden Sparte.
    Wolfsburg hat einen ewigen Sponsor, der Geld reinpumpt, ohne Erfolge zu erwarten. Das ist wirklich die Portokasse, denn das Geld kommt direkt aus der Firma und nicht aus Verträgen! Das ist ein Bruchteil des alljährlichen Plus, das erwirtschaftet wird.

    Oder um es anders auszudrücken: Jeder, der einen VW kauft, zahlt 40% für den Wagen und 60% für ein Spielergehalt (ein bisschen überspitzt)! So eine Finanzquelle hat Bayern nicht!

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