Die englische Liga startet Netzoffensive

Von am 7. April 2012 – 12.23 Uhr 7 Kommentare

Am Sonntag beginnt die neue Saison der englischen WSL, und auf den Social Media Plattformen erreicht einen derzeit geradezu eine Flut an Einträgen und Videos. Man wolle die interaktivste Liga der Welt werden, sagt Frauenfußball-Chefin Kelly Simmons. Frei nach dem Motto: Wenn über die traditionellen Medien die Öffentlichkeit nicht erreicht werden kann, wird der eigene Kommunikationskanal geschaffen.

Der Job, auf Facebook, Twitter und Co die Liga und die englische Nationalmannschaft zu promoten, war auch schon in der vergangenen Saison mit einer Vollzeitkraft besetzt. Aber jetzt werden die Vereine in die Pflicht genommen – jeder Club hat eine Spielerin benannt, die als Botschafterin auf den digitalen Medien mit Fans und Öffentlichkeit in Kontakt tritt. Grundlage für diesen Schritt ist eine Untersuchung der Medienlandschaft.

Frauenfußballfans auf sozialen Netzwerken
Das Ergebnis der Studie: Die fehlende Berichterstattung über Frauenfußball in den traditionellen Medien treibt die Fans verstärkt auf die sozialen Plattformen im Netz. Unter anderem behauptet der Verband, dass die WSL – auf 1000 Zuschauer gerechnet – siebenmal so viele Google-Suchanfragen habe, wie die Männer. Auch in der Anzahl der Einträge auf Facebook und Twitter lägen die Frauen vorne. Eine Auskunft über die zugrunde liegenden Zahlen und die Durchführung der Studie bleibt der Verband schuldig.

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Interpretationsspielraum
Aber darüber hinaus wird eine weitere interessante Größe genannt. In Zeitungsartikeln komme der Frauenfußball – erneut umgerechnet auf 1000 Zuschauer – auf 40 Artikel, der Männerfußball auf drei. Doch die Schlagzeilen gehörten dreimal so häufig den Männern. Diese Zahlen lassen sich jedoch auch andersherum lesen: Der Frauenfußball ist in den Medien bei weitem nicht so unterrepräsentiert, wie er sich selbst gerne sieht. Gemessen an den relativ niedrigen Zuschauerzahlen hat er sogar eine gute Präsenz.

Jill Scott, Petra Vaelma

Nationalspielerin Jill Scott twittert für Everton. © Nora Kruse

Twitteraccount auf den Trikots
Für den Verband ist die Schlussfolgerung der Studie klar: Die Liga muss auf die digitalen Plattformen, die Spielerinnen müssen Präsenz zeigen. So hat nun jeder WSL-Verein eine Spielerin mit offiziellem Facebook- und Twitteraccount – letzteren tragen sie sogar auf ihren Trikots. Bei Everton ist Jill Scott die neue Botschafterin, die schon während der Weltmeisterschaft mit humorvollen Videotagebüchern auf Youtube ihr Talent für diese Arbeit unter Beweis stellte. „Wenn die Menschen keine Informationen im Fernsehen oder den Zeitungen bekommen können, warum dann nicht auf Twitter?“, fragt sie in ihrer BBC-Kolumne.

Schon in der ersten Saison wurde stark auf die sozialen Medien gesetzt. „Seitdem haben wir die Zahl der Fans innerhalb und außerhalb des Stadions erhöht“, so Simmons.

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Bundesliga hinter ihren Möglichkeiten
Die Untersuchung mag ein paar Fragezeichen aufwerfen, doch mit dem Schritt, die sozialen Plattformen zu „entern“, gehört die WSL zu den Vorreitern im Frauenfußball. Nachbar Republik Irland, der mit seiner Liga gerade in der allerersten Saison steckt, orientiert sich mit den Webaktivitäten sichtbar an den Engländern. Wenngleich die Schritte noch etwas unbeholfen wirken und mehr als deutlich wird, dass die Engländer an dieser Stelle über mehr Personal und Geld verfügen, wurde das Potenzial erkannt. Potenzial, das auch von der Bundesliga und den Vereinen bei weitem noch nicht ausgenutzt wird.

Die „Webbotschafterinnen“ der WSL-Vereine:
Arsenal: Steph Houghton
Birmingham: Laura Bassett
Bristol: Siobhan Chamberlain
Chelsea: Claire Rafferty
Doncaster: Julie-Ann Russell
Everton: Jill Scott
Lincoln: Megan Harris
Liverpool: Aroon Clansey

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7 Kommentare »

  • Timmy sagt:

    Super Sache, so muss es sein. Ich bin auch WSL-Fan auf FBook. Gibt noch genug Ligen deren Webseiten tage- oder sogar wochenlang nicht aktualisiert werden.

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  • PCH01 sagt:

    Tolle Sache…da wir Deutschen uns doch noch `ne Scheibe abschneiden…

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  • Womensoccer sagt:

    PCH01 schreibt:

    Tolle Sache…da wir Deutschen uns doch noch `ne Scheibe abschneiden…

    Kommentar auf Womensoccer.de vom Samstag, 7. April 2012 um 17.12 Uhr

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  • FFFan sagt:

    Auf eine solche „Netzoffensive“ brauchen wir in Deutschland wohl nicht zu hoffen. Einige Bundesligisten scheinen kein Interesse an Öffentlichkeit zu haben und beantworten nicht mal Anfragen von Medien, wie Oliver Zimmermann (‚Framba‘) zu berichten weiß.

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  • Postel sagt:

    @FFFan, Das liegt aber nur daran,das wir Deutschen anscheinend so gestrickt sind das wir nur darauf warten, das uns einer etwas vorsetzt. Und wenn nichts kommt wird genörgelt. Wer hindert uns alle daran den ersten Schritt zu tun, selbst mal was zu initiieren? Egal ob es angenommen wird oder nicht. Ein Bsp. gefällig? Auf FFNews wird seit Wochen ein neuer Livticker beworben, gemacht von den Fans selbst. Jeder Fan ist aufgerufen sich daran zu beteiligen. Rate mal wie viele mitmachen. Vorbildlich möchte ich aber mal den neuen Fanclub aus Bad Neuenahr hervorheben. Die haben die Zeit erkannt. Sie haben sowohl auf FB als auch in einem anderen Forum sich eine Präsenz geschaffen, ohne dauernd Forderungen an den Verein zu stellen. Die machen einfach. Und darin liegt für mich die Zukunft im FF und der Netzwerke. Ich möchte mich gleich bei allen anderen Entschuldigen, die schon in Eigenregie vieles bewegen und ich hier nicht genannt habe und sie gleichzeitig ermuntern weiter zu machen. Dinge zu benennen die nicht funktionieren ist einfach, schwieriger dagegen eigene Lösungen zu haben.

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  • Marcel sagt:

    Soll das jetzt neu sein ?

    Es gibt viele Vereine die schon Twitter und in Facebook aktiv sind hier in Deutschland der Hauptverband sowieso da gibts sogar regelmäßig Videos zur Natio oder Livespiele zu Bulispielen.
    Es gibt auch genug Spielerinnen die Facebook oder Twitter benutzen.
    Also tun wir mal wieder nicht so als würden wir total hinterm Mond leben.
    Noch dazu das als „heiligen Grall“ der Kommunikation abzustempeln ist bedenklich das hat höchstens ünterstützende Wirkung aber um mehr Leute ins Stadion zu bewegen brauch es wesentlich mehr.Brauch man sich ja nur die Facebook-Seite der Bayern-Mädels anzuschauen über 25.000 „Unterstützer“ aber wieviel kommen da wirklich mal zu einem Heimspiel ?!

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  • Detlef sagt:

    @Postel,
    Ich stimme Dir absolut zu!!!
    Die Vereine werden diese Hilfen auch gerne in Anspruch nehmen, da dort in aller Regel noch ehrenamtliche Mitarbeiter beschäftigt sind!!!

    Das es immer noch Vereine gibt, die keine gute Öffentlichkeitsarbeit machen wollen/können, ist natürlich bitter!!!
    Dann muß man sich auch nicht über Zuschauerzahlen von unter 300 beschweren!!!

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