Republik Irland: Schritt für Schritt nach oben

Von am 4. April 2012 – 9.16 Uhr 3 Kommentare

Für die Republik Irland steht am Donnerstag in der EM-Qualifikation ein spannendes Gastspiel in Schottland an; es geht um den zweiten Platz in der Gruppe. Aber Spannung ist auch im eigenen Land geboten: Investitionen in den Mädchenfußball, erstmals eine nationale Liga, gute Ergebnisse der Jugendnationalmannschaften und eine Verdopplung der Aktivenzahlen. Der Frauenfußball nimmt eine rasante Entwicklung. Womensoccer traf Nationaltrainerin Sue Ronan, die einen Einblick in die Arbeit der vergangenen Jahre gibt.

In den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Fußball spielenden Frauen und Mädchen von 10.500 auf 22.000 gestiegen – sehr zu Freude Ronans, schließlich ist sie nicht nur Nationaltrainerin, sondern beim Verband auch für die Ausbildung der Spielerinnen zuständig.

Erstmals eine nationale Liga
„Dafür ist die Liga natürlich immens wichtig“, sagt Ronan. Die Bus Eireann Women’s National League mit sechs Mannschaften hat im November letzten Jahres – mit finanzieller Hilfe der UEFA – den Spielbetrieb aufgenommen und ist die höchste Liga im Land. Das Ligensystem darunter ist kaum zu durchschauen: 31 regionale Ligen, manche spielen im Winter, andere im Sommer. Einige bieten Frauenfußball, andere nur Mädchenfußball. Die Nationalspielerinnen, die im Heimatland aktiv waren und sind, „haben zum Teil in Mickey-Mouse-Ligen gespielt. Sie waren natürlich die besten Spielerinnen ihrer Mannschaft, aber es fehlte an Trainern, und so haben sie ohne regelmäßiges Training einfach nur ihre Spiele bestritten“, blickt Ronan zurück.

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Winterliga
Trotz der bekannten Probleme hat die Einführung der Liga bis 2011 gedauert. „Wir haben gefühlte 100 Jahre darüber gesprochen“, sagt Ronan, aber die ersten ernsthaften Treffen habe es erst 2008 gegeben. Im Folgejahr sei man sich über die Struktur, die Anzahl der Teams und die Saison im Klaren gewesen. Die mutet auf den ersten Blick seltsam an. Andere Länder denken an eine Sommerliga, in Irland geht man in den Winter: November bis April, die nächste Saison vermutlich ab Oktober. „Wir wollten Gaelic Football aus dem Weg gehen.“

Konkurrenz zu Gaelic Football
Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern ist Fußball in Irland nicht die beliebteste Sportart bei Frauen und Mädchen – es ist Gaelic Football. 75.000 weibliche Aktive zählt der Sport. „Er ist Teil unserer Kultur. Gerade in den ländlichen Regionen spielt fast jeder für seine Gemeinde“, sagt Ronan, die eine direkte Konkurrenz zur Nationalsportart sieht, denn „sie nimmt uns Spielerinnen. Beim Gaelic Football sind die Stadien voll, die TV-Präsenz ist gut.“

Sue Ronan

Sue Ronan ist seit 2010 für die Nationalmannschaft verantwortlich. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Viele Spielerinnen im Ausland
Es gilt also, Fußball attraktiver zu machen. „Auch deshalb brauchten wir die Liga: um die Spielerinnen davon abzuhalten, Gaelic Football zu spielen oder das Land zu verlassen.“ Dem Ruf des Auslands sind viele gefolgt. Von den 19 Spielerinnen, die für die Partie gegen Schottland nominiert wurden, spielen gerade einmal fünf in der Heimat. Die anderen hat es nach England, Skandinavien oder die USA gezogen.

Soccer Sisters will Mädchen für Fußball begeistern
Doch die Liga ist nur ein Baustein im Entwicklungsplan, den man 2006 verabschiedet hatte. Wichtig war den Verantwortlichen, Mädchen überhaupt mit Fußball in Kontakt zu bringen. So entstand das Soccer Sisters-Progamm, ein Fußballcamp für Mädchen, das von der FAI-Trainerin geleitet wird. „Früher waren von 100 Kindern bei solchen Camps vielleicht sieben Mädchen – das hat sie nicht wirklich ermutigt weiterzumachen.“

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Soccer Sisters spricht Mädchen zwischen sieben und zwölf Jahren an. Die zumeist einwöchigen Camps finden in den Ferien statt und nutzen das Schulnetz mit den Sporthallen und der vorhandenen Infrastruktur. Die Trainer werden von der FAI bezahlt und am Ende der Camps wird versucht, die Mädchen den Vereinen vor Ort zu vermitteln. Das Konzept gehe auf, so die 48-Jährige. „Die Masse der Fußball spielenden Mädchen hat sich signifikant vergrößert, und es ist eine klare Verbindung zu Soccer Sisters zu erkennen.“

Auch in der U17-Nationalmannschaft, die 2010 Vize-Europameister wurde, standen zwei Spielerinnen, die über das Camp den Weg zum Fußball gefunden hatten. Einmal im Verein, stehen die Chancen mittlerweile gut, leistungsbezogen spielen zu können. Viele Clubs haben Akademien für Spielerinnen zwischen 12 und 18 Jahren. „Aus denen wählen wir die besten für unsere acht Leistungszentren im Land“, sagt Ronan.

Positiv in die Zukunft
Sie blickt optimistisch in die Zukunft, denn der eingeschlagene Weg sei richtig. Die kommende Ligasaison hofft man, mit acht Mannschaften spielen zu können. Gespräche mit Vereinen werden geführt. Aber obwohl die Liga neu und von der europäischen Spitze noch weit entfernt ist, sind die Lizenzanforderungen – sportlich und strukturell – nicht zu verachten. Die Liga nimmt sich ernst, und der Wille ist da. „Es entwickelt sich langsam, aber es wurde schon viel getan, und es gibt noch viel zu tun.“

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