Die Tops und Flops der Wochen 6 und 7/2012

Von am 17. Februar 2012 – 10.49 Uhr 8 Kommentare

In unseren Tops und Flops werfen wir in dieser Woche einen Blick auf eine aufstrebende Nation und auf das Wiedersehen mit früheren Stars. Außerdem beschäftigen wir uns mit Fernsehbildern – und wo diese fehlen – sowie mit dem schwächelnden Nachwuchs.

Tops

Neuseeland im Aufwind
Man staunte nicht schlecht beim Spiel zwischen den USA und Neuseeland, denn lange sah es so aus, als sollten die Neuseeländerinnen die Partie gegen den Vize-Weltmeister für sich entscheiden. Der Treffer von Hannah Wilkinson (49.) war zwar die einzige ernst zu nehmende Chance der „Kiwis“, doch das Engagement und die taktische Disziplin, mit der Neuseeland das Angriffsspiel der Amerikanerinnen gut unterband, war stark. Erst zwei Treffer von Alex Morgan in den Schlussminuten drehten die Partie zugunsten der US-Amerikanerinnen. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass die Neuseeländerinnen, die in ihrem Kontinentalverband konkurrenzlos das beste Team stellen, langsam aber stetig auch zu den Top-Teams aufschließen. Da wird es sich auch bezahlt machen, dass nach der Weltmeisterschaft im vergangenen Sommer gleich mehrere Leistungsträgerinnen in die Bundesliga wechselten und dadurch auf höherem Niveau trainieren und spielen können.

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Rekordnationalspielerin Birgit Prinz (re.) bestreitet ihr Abschiedsspiel in Frankfurt. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Abschiedsspiel für Birgit Prinz
Lange war es nicht sicher, ob Ex-Nationalspielerin Birgit Prinz ein Abschiedsspiel erhalten würde. Über viele Jahre prägte die dreimalige Weltfußballerin den deutschen Frauenfußball und war in der Öffentlichkeit die Identifikationsfigur. Nun trifft die deutsche Nationalmannschaft am Dienstag, 27. März, im Frankfurter Volksbank-Stadion (Bornheimer Hang) auf den 1. FFC Frankfurt. Mit dabei werden auch einige der früheren Spitzenspielerinnen sein, wie Norwegens Weltmeisterin Hege Riise (heute Co-Trainerin der US-Nationalmannschaft), Maren Meinert und Bettina Wiegmann. Eurosport wird die Begegnung ab 18 Uhr live übertragen.

Ein Unterbau für die englische WSL?
In England ist man mit der ersten Saison der WSL, die sich am US-System orientiert, zufrieden. Allen acht Mannschaften wurde in der vergangenen Woche bereits die Lizenz für Saison 2013 erteilt. Bislang ist ein Abstieg aus der WSL nicht möglich, das könnte sich allerdings 2014 ändern, denn der englische Fußballverband überlegt, dann eine zweite Liga einzuführen. Für den Wettbewerb wäre dies nur förderlich, denn ursprünglich hatten sich 16 Teams für die acht WSL-Plätze beworben, und die Nichtberücksichtigung hat manche Aufbauarbeit zunichte gemacht.

Champions League wieder auf Eurosport
Mit dem 1. FFC Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt sind noch beide deutschen Teams in der Champions League vertreten, und die Fans dürfen sich auf Fernsehbilder von den Hinspielen beider Top-Clubs freuen. Eurosport überträgt am Mittwoch, 14. März, um 18 Uhr das Heimspiel der Potsdamerinnen gegen die Russinnen von WFC Rossiyanka aus dem Karl-Liebknecht-Stadion. Einen Tag später ist der Sender live dabei, wenn LdB FC Malmö ab 17 Uhr den 1. FFC Frankfurt empfängt. Ob Eurosport auch die Rückspiele überträgt, ist noch nicht sicher – aber momentan auch nicht ausgeschlossen.

Flops

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Keine Fernsehbilder vom Algarve Cup
Vom Algarve Cup in Portugal (29. Februar bis 7. März) wird man in Deutschland dagegen keine Fernsehbilder sehen. Keiner der Sender plant eine Übertragung, und so wird das Turnier, an dem einige der weltbesten Teams teilnehmen, wohl kaum wahrgenommen werden. Die größte Gruppe deutscher Zuschauer werden nicht die Fernsehzuschauer sein, sondern ein gutes Dutzend deutscher Algarve-Urlauber in einem ansonsten leeren Stadion. Dies war in der Vergangenheit schon anders – sowohl Eurosport als auch das ZDF hatten bereits TV-Teams vor Ort.

Das Kulturverständnis des WDR
In der Sendung „Rockpalast Backstage“ im WDR sitzt Redakteur Ingo Schmoll vor dem Fernseher und erklärt: „Ich dachte ja, die Frauenfußball-WM könnte interessant werden. Aber dann sahen die meisten auf dem Platz männlicher aus als unsere Männer.“ Der interviewte Musiker Thees Uhlmann dreht sich um und fragt: „Ist soviel Sexismus eigentlich noch erlaubt im öffentlich-rechtlichen Fernsehen?“ Antwort: „Ich glaube nicht. Wir schneiden’s auch raus.“ Das hätte der WDR auch mal besser getan, statt es auf der Homepage auch noch in der Kategorie „Kultur“ laufen zu lassen. Auf der anderen Seite zeigt sich dadurch aber auch nur einmal mehr, dass Frauensport in unserer Kultur eben doch häufig mit anderen Augen betrachtet wird und nicht unter dem Leistungsaspekt.

Der deutsche Nachwuchs hinkt
Was die deutsche U20-Nationalmannschaft beim Trainingslager im spanischen La Manga zeigte, war wohl nicht mehr als durchwachsen. Ein Unentschieden gegen Norwegen, eine Niederlage gegen die USA und erst zum Abschluss ein Sieg gegen die Schweiz. Doch wenn man noch eine Etage tiefer blickt und sich die Ergebnisse der U17-Nationalelf anschaut, fragt man sich langsam schon, ob man sich Sorgen um den Nachwuchs in Deutschland machen muss. Im Sommer verpasste die U17 zum zweiten Mal in Serie das Endspiel um die Europameisterschaft. Im Anschluss übernahm Anouschka Bernhard das Traineramt, doch die Ergebnisse blieben durchwachsen. Da dürfen klare Erfolge gegen international drittklassige Israelinnen nicht über Unentschieden und Niederlagen gegen die Niederlande und die USA hinweg täuschen. Und so wird durchaus die Frage aufgeworfen, wie sich die Situation des Nachwuchses in Deutschland angesichts der zunehmenden Internationalisierung der Bundesliga entwickeln wird.

Schweizer Negativserie
Guckt man auf die Deutschen, darf man aber auch einen Blick in die Schweiz riskieren. Die U20-Mannschaft hat sich für die Weltmeisterschaft in Japan qualifiziert – aber trifft das Tor nicht mehr. In den letzten vier Spielen kassierten die Eidgenössinnen 21 Gegentreffer bei keinem einzigen erzielten Tor, zuletzt die 0:5-Niederlage gegen Deutschland. Im Sommer steht die Weltmeisterschaft an, Erinnerungen an die vergangenen Welt-Titelkämpfe werden wach: 0:4, 0:5 und 0:2 hießen dort die Ergebnisse. Die Schweiz hat talentierte Spielerinnen, wie unter anderem Lara Dickenmann und Ramona Bachmann, hervorgebracht, aber es wartet noch viel Arbeit auf Martina Voss-Tecklenburg, die im Sommer die Leitung der Nachwuchs-Akademie übernehmen wird.

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8 Kommentare »

  • Ballerina sagt:

    Wenn Meinungen „Andersdenkender“ ein Flop sind, ist diese Seite der reinste Hohn!

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  • speedy75 sagt:

    Es muss aber schon die Frage erlaubt sein warum bei den Nachwuchsteams wohl ein „Abwärtstrend“ zu sehen ist.
    Fördert man da falsch oder woran liegt’s wohl?

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  • Jennifer sagt:

    Zum Algarve-Cup: Könnte es dennoch Bilder im Internet geben? Oder wird von vornherein niemand hinreisen, der bewegte Bilder übertragen könnte?

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  • Sheldon sagt:

    @speedy: Die Frage ist doch nicht, ob man falsch fördert, sondern ob überhaupt gefördert wird. Lange Zeit konnte man in den Nachwuchsteams von guten Ausbildermannschaften wie Leverkusen, Duisburg, Saarbrücken und Potsdam zehren.

    Bis auf Potsdam sieht es in allen anderen Vereinen düster aus, deswegen kommt dort in der Nachwuchsarbeit absolut nix nach. Auch die Zusammenarbeit zwischen Nationalmannschaften und Vereinen ist eher schwächer als wie von den Vereinen gefordert, stärker geworden…

    Deswegen ist das für mich nur eine nachvollziehbare Konsequenz!

    @Ballerina: […] Dass das Gedankengut, wie es das WDR hier präsentiert hat, gängige Praxis in Deutschland ist, ist nach DER WM doch kein Wunder! Nicht die Politiker sind die schlimmsten, die keine Wahlversprechen machen, sondern die sind die schlimmsten, die Versprechen machen und dann nicht einhalten!
    Genauso ist es beim Fußball oder generell beim Sport auch!
    Damit muss man sich einfach abfinden, seit den ersten regelmäßigen Biathlon-Übertragungen Ende der 90er Jahre hat es 10 Jahre gedauert, bis sich dieser Sport einigermaßen in Deutschland etablieren konnte.
    Und da denkt man sich im Frauenfußball, dass da einfach mal so ein großes Medienevent ausreicht, um alle Menschen umzupolen?
    Da kann ich nur sagen: Wer nicht arbeiten will, der soll auch nicht essen!

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • berggruen1 sagt:

    @Ballerina: Ich nehme mal an, dass Deine Aussage sich auf den WDR bezieht? Man(n) muss ja nicht den Frauenfußball mögen und man darf das durchaus auch sagen, aber die Tatsache, dass der Moderator seine Abneigung gegen den Frauenfußball nicht aufgrund der schlechten Leistungen sondern aufgrund des Aussehens kund getan hat, wahrscheinlich in der Hoffnung auf Lacher und Sympathiebekundungen, wird hier kritisiert und wie ich meine, mit Recht! Hätte er gesagt, dass er sich auf die FF-WM gefreut hat und aufgrund der gezeigten Leistungen sehr enttäuscht war, wäre das etwas anderes gewesen. Ganz nebenbei hat er nicht nur die Frauen diskreditiert, sondern auch die Männer, denn wie weibisch müssen Fußballer ausschauen, wenn die Frauen männlicher sind?

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  • karl sagt:

    Nochmal zur WDR Aussage : Die ist voellig daneben. Ich finde gerade die aktuelle N11 ist doch sehr feminin. Kann sein das das vor 15 oder 20 jahren noch geringfuegig anders war , aber selbst dann waere diese Aussage unterste Schublade, wahrscheinlich billiger Effekthascherei geschuldet. und @ballerina : Natuerlich darf dieser Moderator anders denken. Die Freiheit dazu hat er, allerdings haben wir auch die Meinungsfreiheit um ihn zu kritisieren. Und ich finde Nora Kruse hat auch das Recht diese Aussage als Flop einzuteilen , und ich stimme ihr sogar zu.

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  • Sokrates sagt:

    Die mediale Nichtbeachtung des Algarve-Cup in Deutschland ist ein großes Ärgernis. Ich hatte mich sehr auf die Spiele der Top-Teams aus Japan, den USA, Schweden, Deutschland usw. gefreut. Hoffentlich gibt es Bilder vom Algarve-Cup im Internet – vielleicht wenigstens auf dfb.tv und ussoccer.com.

    Interessant und wichtig finde ich Noras Hinweis auf die Folgen der Internationaliserung der Buli für den deutschen Nachwuchs und Sheldons Verweis auf die Bedeutung der Vereine für eine gute Nachwuchsarbeit von unten. Allerdings ist die Nachwuchsarbeit von Duisburg und Leverkusen (oder Bayern) wie auch die Arbeit der Zweitligisten Sindelfingen und Hoffenheim im Kinder- und Jugendbereich keineswegs so schlecht, wie Sheldon behauptet.
    Schließlich darf man nicht vergessen, dass in einigen anderen Ländern die Nachwuchsarbeit im FF enorm verbessert wurde, so dass der leichte Abwärtstrend des deutschen Nachwuchses mit einem starken Aufwärtstrend in anderen Ländern einhergeht.

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  • Detlef sagt:

    Ich stimme Sokrates absolut zu!!!
    Die Nachwuchsförderung ist in Deutschland schon sehr gut!!!
    Vielleicht hat man sich aber etwas zu lange auf den Lorbeeren vergangener Siege ausgeruht, und nun muß man akzeptieren, daß andere Nationen (Spanien, Island, Frankreich) ihren Rückstand aufgeholt haben!!!

    Zum „Kulturverständnis“ des WDR kann man nur den Kopf schütteln!!!
    Da praktiziert ein von Gebühren lebender ÖR-Sender öffentlichen Sexismus, und kommt damit so einfach durch!!!
    Da muß ich doch mal schauen, ob es den Beitrag auf der HP noch gibt, und dann hagelt es eine Beschwerde beim WDR!!!

    Das die Spiele vom Algarve-Cup nicht übertragen werden ist sehr schade!!!
    Da diese Veranstaltung von allen Teams gerne zu Testzwecken genutzt wird, hätte man die einmalige Möglichkeit, Top-Mannschaften mal in ungewohnten Aufstellungen zu beobachten!!!
    Überträgt denn kein portugiesischer-, oder spanischer Sender, den man sich über Satelit oder Internet ins heimische Deutschland holen könnte???

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