Bundesliga-Hinrunde: die Trainer

Von am 15. Dezember 2011 – 14.57 Uhr 7 Kommentare

Auch unter den Trainerinnen und Trainern der Frauenfußball Bundesliga gab es in der Hinrunde der Saison 2011/12 wie auch bei den Spielerinnen Tops und Flops.

Die Aufsteiger

Högner führt Essen auf Platz 5
Vor der Saison galt die SG Essen-Schönebeck als heißer Abstiegskandidat. Doch nach der Hinrunde liegt die Elf von Trainer Markus Högner auf Platz 5. So trotzte Essen nicht nur dem FCR 2001 Duisburg ein Remis ab, auch Tabellenführer 1. FFC Turbine Potsdam brachte man beim 2:3 nach 2:0-Führung an den Rand einer Niederlage. Dank einer konzentrierten Vorbereitung und geschickten Transfers, wie der von Torhüterin Ursula Holl, stimmen Leistung und auch Moral und Teamspirit. Belohnung: Platz 5.

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Pilipovic macht Freiburg stark
Aufsteiger SC Freiburg gelang unter Trainer Milorad Pilipovic erst die Rückkehr ins Bundesliga-Oberhaus und dann eine starke Hinrunde mit dem überraschendste Ergebnis, ein 1:0-Erfolg gegen den 1. FFC Frankfurt. Der überwiegend aus jungen Spielerinnen bestehende Kader hat sich gut weiterentwickelt, auch wenn das Team vor allem in den Heimspielen unnötig Punkte liegen ließ. „Manchmal fehlt es noch an der richtigen Balance zwischen Defensive und Offensive“, weiß Pilipovic, woran es noch zu arbeiten gilt.

Marco Ketelaer

Marco Ketelaer führte sein Team auf Platz 2 © Volker Nagraszus / girlsplay.de

Ketelaer formt neue Duisburgerinnen
Platz vier hieß das vorrangige Saisonziel von Duisburgs Trainer Marco Ketelaer, doch nach der Hinrunde steht seine Elf auf dem beachtlichen zweiten Platz. Dem 42-Jährigen ist es gelungen, trotz der Abgänge von Spielerinnen wie Inka Grings oder Sonja Fuss sein Team schnell neu zu formieren und ihm ein neues Konzept zu verpassen, an das seine Spielerinnen glauben. So gelang es den gefestigten Duisburgerinnen etwa mit 3:2 in Potsdam zu gewinnen, obwohl die Mannschaft zur Halbzeit mit 0:2 im Rückstand lag.

Die Absteiger

Meier mit dem Rücken zur Wand
Zugeben: Bayer 04 Leverkusen ist nicht zu beneiden, ob seiner zahlreichen verletzten Spielerinnen. Doch gerade in schwierigen Situationen obliegt es einer Trainerin oder einem Trainer, das Team mit ruhiger Hand durchs schwierige Fahrwasser zu steuern. Gelungen ist dies Doreen Meier in der Hinrunde nicht. Öffentlich zweifelte Meier die derzeitige Erstligatauglichkeit von Spielerinnen wie Lisa Schwab und Turid Knaak an. Zehn Niederlagen in elf Spielen sorgten dafür, dass die Werkself auf dem letzten Tabellenplatz überwintert und es eines kleinen Wunders bedürfen wird, um den Abstieg zu verhindern.

Wörle kritisiert Prinzessinnen
Mit öffentlicher Kritik sparte auch Bayern Münchens Trainer Thomas Wörle nicht. Mal bezeichnete er seine Spielerinnen als elf Prinzessinnen, wie nach der 0:1-Niederlage in Essen, nach dem 1:2 gegen Aufsteiger Lok Leipzig unterstellt er ihnen ein Mentalitätsproblem. Sicherlich haben auch in München die Verletzungen von Schlüsselspielerinnen dazu beitragen, dass die Elf auf einem Abstiegsplatz steht. Doch auch die Nervenstärke des Trainers wird in der Rückrunde darüber entscheiden, ob das Team wieder nach oben klettern kann.

Claudia von Lanken muss gehen
Sportlich muss sich Claudia von Lanken, Ex-Trainerin des 1. FC Lok Leipzig, nicht viel vorwerfen lassen. Doch auch sie gehört zu den Verliererinnen der Hinrunde, musste sie doch als einzige unter den 12 Bundesligatrainern in der Hinrunde ihren Posten räumen. In fünf Spielen hatte Von Lanken mit ihrer Elf nur einen Sieg unter Dach und Fach bringen können. Unter dem neuen Trainer Jürgen Brauße gelangen in den nächsten fünf Spielen immerhin zwei Siege. Ob dieser Wechsel notwendig war, kann nur der Verein selbst beantworten.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • rockpommel sagt:

    Eine „billige“ und überflüssige Aktion von Fr. Meier. So versucht sie halt von ihren eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken.

    Fakt: Unter ihr hat sich das Team nicht um einen Mikrometer weiterentwickelt!

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  • uwe sagt:

    Macht mal den Herrn Ketelaer 10 Jahre jünger, dann passt das. 🙂

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  • Markus Juchem sagt:

    oops, danke und sorry Herr Ketelaer!

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  • berggruen1 sagt:

    Mir fehlen bei den „Flops“ zwei Trainer:
    – Sven Kahlert: Wer aus exzellenten Einzelspielerinnen es nicht schafft, eine schlagkräftige Truppe zusammenzustellen und aus einem Leistungsloch herauszuführen, der darf ruhig mitgenannt werden.
    – Colin Bell: Das öffentliche Nachtreten nach Niederlagen war nicht in Ordnung. Wenn Meier und Wörle, dann auch Bell. Sie haben sich nicht mit Ruhm bekleckert. Auch wenn Neuenahr sich wieder gefangen zu haben scheint.

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  • Ralf sagt:

    @rockpommel:

    Unter wem ist denn Leverkusen aufgestiegen?! Ihr den Vorwurf zumachen,dass sich die Mannschaft nicht weiterentwickelt hat, ist echt nicht korrekt. Auch letzte Saison haben die Mädels den Klassenerhalt mit IHR geschafft…

    Sie hat viel für den Verein getan…

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  • Sokrates sagt:

    Ich würde bei Markus Högner nicht nur die gute Saisonvorbereitung und geschickte Transfers, sondern auch seine akribischen Videoanalysen, hervorragende Defensivtaktik und sein Talentscouting hervorheben. Er hat nicht nur Uschi als sehr gute Torhüterin, sondern auch Talente wie Isabelle Wolf und Linda Dallmann nach Essen geholt.
    Kette hat in Duisburg eine offensivere Spielphilosophie mit viel Kombinationsfußball und neuen bzw. jungen Spielerinnen entwickelt, der man auch in Zukunft viel Erfolg wünscht.
    Tom Wörle ist ein sehr junger (zu junger?) Trainer, der vielleicht überehrgeizig, zu ungeduldig und manchmal auch zu streng ist. Wenn er und die Mannschaft die Nerven behalten und die verletzten Spielerinnen zurückkehren, sollte das spielerische Niveau der Bayern-Frauen allerdings ausreichen, um den Abstiegskampf erfolgreich zu bestehen.
    Insgesamt finde ich, dass die Trainer der Buli bisher eigentlich nichts von den richtungweisenden Entwicklungen der WM (vor allem vom japanischen Kurz- und Flachpassspiel mit einer Ballberührung oder dem französischen Two-Touch) übernommen haben. Der deutsche Frauenfußball muss aufpassen, dass er den Anschluss an die absolute Weltspitze in technischer, spielerischer und taktischer Hinsicht nicht verliert.

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  • Detlef sagt:

    Ich möchte mich der Meinung von Ralf anschließen!!!
    Bayer Leverkusen würde wohl kaum in der obersten Spielklasse anzufinden sein, wenn Doreen Meier nicht gewesen wäre!!!
    Ich will jetzt ihre Äußerungen nicht verteidigen!!!
    Aber ihre Qualitäten als Trainerin können so schlecht nicht sein, sonst wären die Leverkusenerinnen gleich wieder abgestiegen!!!

    Ich möchte Bernd Schröder sicher nicht als „Aufsteiger“ titulieren!!!
    Aber da Markus ganz oben von Tops und Flops schrieb, gehört der alte Trainerfuchs ganz sicher zu den TOPS!!!
    Trotz zahlreicher Abgänge von Leistungsträgerinnen, schaffte er es sogar, mit gezielten Verpflichtungen die Qualität des deutschen Meisters noch weiter zu erhöhen!!!

    Ganz großes Lob auch von mir an Marco Ketelaer und Markus Högner!!!
    Ihre Teams hätte ich viel weiter unten (Essen sogar ganz unten) erwartet!!!

    Die Arbeit von Milorad Pilipovic muß man zwar ebenso honorieren, allerdings hatte ich die Breisgauerinnen schon vor der Saison so stark erwartet!!!

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