Die Tops und Flops der Woche 50/2011

Von am 12. Dezember 2011 – 16.49 Uhr 17 Kommentare

Im Blick haben wir in dieser Woche nicht nur zwei formstarke Bundesligisten, eine treffsichere Zweitligaspielerin und eine Neuerung auf der UEFA-Website, sondern auch eine wenig erbauliche WM-Dokumentation und den Gewaltexzess auf einem französischen Fußballplatz.

Tops

Höhenflug von Bad Neuenahr und Wolfsburg
Der SC 07 Bad Neuenahr und der VfL Wolfsburg sind die Teams der Stunde in der Frauenfußball Bundesliga. Nach sieben sieglosen Spielen gewannen die Spielerinnen von der Ahr zuletzt vier Spiele in Folge, nicht zuletzt dank der Treffsicherheit von Nationalspielerin Célia Okoyino da Mbabi. Die Wolfsburgerinnen fuhren gar sechs Siege in Folge ein und sind derzeit bei nur einem Punkt Rückstand auf den Zweitplazierten FCR 2001 Duisburg nur hauchdünn von einem Champions-League-Startplatz für die Saison 2012/13 entfernt.

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Gütersloh dank Jäger auf Aufstiegsplatz
Der FSV Gütersloh 2009 kann weiter vom Aufstieg in die erste Bundesliga träumen. In erster Linie ein Verdienst von Annabel Jäger, denn die erzielte beim deutlichen  5:0-Sieg gegen den BV Cloppenburg gleich vier Treffer (45., 55., 62., 73.) – es war bereits der fünfte Sieg in Folge für die Westfälinnen. Da Spitzenreiter 1. FFC Turbine Potsdam II nicht aufstiegsberechtigt ist, haben die zweitplatzierten Gütersloherinnen derzeit die besten Karten im Kampf um den Aufstieg in die deutsche Eliteklasse.

In Zukunft mehr EM-Teilnehmer
Nach der Aufstockung des WM-Teilnehmerfelds durch die FIFA von 16 auf 24 ab der Frauenfußball WM 2015 in Kanada hat nun auch die UEFA nachgezogen, ab 2017 werden statt 12 erstmals 16 Teams an der EM-Endrunde teilnehmen. Eine folgerichtige Entscheidung, denn die Leistungsdichte im europäischen Frauenfußball nimmt stetig zu. Auch an der U17-EM-Endrunde werden zukünftig mehr Teams teilnehmen. 8 statt 4 heißt die neue Formel ab der Saison 2013/14.

Beneliga rückt näher
Noch wissen wir nicht, ob einer gemeinsamem belgisch-niederländischen Frauenfußball Liga großer Erfolg beschieden sein wird, doch die Grundidee, den Frauenfußball in beiden Ländern durch diese ungewöhnliche Maßnahme voranzubringen, gefällt uns gut. Der belgische Verband gab am Samstag grünes Licht für die Pläne, der niederländische Verband will in einigen Wochen nachziehen, so dass bereits ab der Saison 2012/13 nach einem Grunddurchgang in den jeweiligen Ländern die zweite Saisonhälfte grenzüberschreitend ausgetragen werden könnte.

Genoveva Anonma (li.) im Duell mit Alexandra Popp

Die UEFA widmet sich in Zukunft verstärkt dem Frauenfußball © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

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UEFA rückt Frauenfußball ins Blickfeld
Seit Freitag hat der Frauenfußball auf der offiziellen UEFA-Website einen eigenen Bereich, der direkt aus der Navigation der Homepage angesteuert werden kann. Die neue Rubrik wartet mit Live-Berichterstattung zu sämtlichen Frauenfußball-Partien der Klub-, Nationalmannschafts- und Juniorinnenwettbewerbe der UEFA auf. Darüber hinaus gibt es Artikel, Statistiken, Bildern und Videos über alle Wettbewerbe. Für die Live-Ticker wurde ein eigenes Frauenfußball-Widget kreiert. Hinzu kommen die Spielpläne und Ergebnisse nahezu aller nationalen Frauenligen Europas.

Flops

Frankfurt nach der Hinrunde nur Vierter
Der 1. FFC Frankfurt muss nach dem vierten Bundesligaspiel in Folge ohne Sieg kleinere Brötchen backen. Beim 1:1 im Topspiel beim FCR 2001 Duisburg konnten die Frankfurterinnen zwar ihre Niederlagenserie in der Bundesliga stoppen, doch durch das Remis musste das Team mit dem größten Budget der Liga Meister Potsdam auf acht Punkte davon und zudem den VfL Wolfsburg an sich vorüberziehen lassen.

Cloppenburg kommt erneut unter die Räder
Erst das 0:5 in Herford, dann das 0:5 in Gütersloh – für den BV Cloppenburg kommt es in diesen Wochen knüppeldick. Nach den zwei herben Klatschen liegt das Team von Trainerin Tanja Schulte nur noch auf Platz vier – mit fünf Punkten Rückstand auf den Aufstiegsplatz. Bleibt zu hoffen, dass sich das Team im neuen Jahr wieder fängt, so dass der Aufstiegskampf bis zum Schluss spannend bleibt.

Gewaltexzess in Paris
Ein „Freundschaftsspiel“ zweier französischer Frauenfußball Teams endete am Samstag mit einem Gewaltexzess. Die 17-jährige Noor, vierfache Torschützin beim 6:3-Sieg ihres Teams Saint-Germain-en-Laye FC  gegen Seizième ES, wurde nach Spielende von mehreren gegnerischen Spielerinnen mit Schlägen und Fußtritten traktiert. Ergebnis: Eine zehn Zentimeter lange Wunde am Schienbein, eine Schulterprellung und Lähmungserscheinungen in einer Hand. Der geschockte Trainer Claude Encarnacao erklärte: „Das war pure Gewalt und kein Sport. Ich werde zum Saisonende aufhören.“

Wer bitte ist Nicole Behringer?
Am Samstag fand das Topspiel zwischen dem FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Frankfurt statt. Die Live-Übertragung auf DFB-TV verdiente sich das Prädikat „top“ jedoch nicht. Beharrlich bezeichnete der Kommentator fast eine Halbzeit lang Nationalspielerin Melanie Behringer als „Nicole Behringer“, auch das störende Gegenlicht und einige doppelte Spielerinnen-Interviews am Ende vermittelten nicht gerade einen professionellen Eindruck.

Ein „Nachspiel“ zum Gähnen
Bis Samstag dachten wir, die späte Sendezeit von „Nachspiel – der kurze Sommer der Fußball-WM“ wäre ein Flop. Doch inzwischen sind wir ganz froh, dass der30-minütige Kurzfilm über die Frauenfußball WM ins Nachtprogramm verbannt wurde. Denn der als „exklusiver Blick hinter die Kulissen der Frauenfußball WM“ angekündigte Film liefert weder Erkenntnisse noch große Unterhaltung. So erhält etwa die heimwerkende Ersatztorhüterin Ursula Holl breite Sendezeit, das versteht wohl nur Regisseurin Sung-Hyung Cho. Die glaubt, der Film habe Appetit auf den abendfüllenden Kinofilm „11 Freundinnen“  gemacht, der im Juni starten soll. Unsere Vorfreude hält sich in Grenzen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »

  • uwe sagt:

    Spätestens seit der Reporter damals beharrlich vom „VCR Duisburg“ schwadronierte und das über mehrere Spiele hinweg, schalte ich den Ton ab wenn ich in die Verlegenheit kommen sollte DFB-TV sehen zu müssen.

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  • sascha sagt:

    Also, ich bin sehr zuversichtlich, was „11 Freundinnen“ anbelangt. Nicht so wegen des Appetizers im Nachtprogramm – das war ja wohl auch eher ein notwendiges Übel, Stichwort Vertrag mit dem DFB – sondern aus Kenntnis der bisherigen Werke von Sung-Hyung Cho. Die Frau kann was, und ihre Beobachtungsgabe für ungewöhnliche und absurde Situationen ist brilliant. Es muss ja nicht immer alles Mainstream sein.

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  • Ulf sagt:

    Der wahre Lattenkracher wurde nicht von Nicole Behringer geschossen, sondern vom Heimatsender WDR: „Bis auf Kim Kulig treten die Duisburgerinnen in Bestbesetzung an“.
    http://www.wdr.de/tv/fussballimwesten/sendungsbeitraege/2011/1210/fcr.jpg
    Für die Kommentatoren ist es auch schade, wenn Crnogorcevic nicht spielt. Zumindest Béla Réthy würde auch die richtig aussprechen könen.

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  • uwe sagt:

    @Ulf
    ……und Bellinghoven stand auch nicht im Tor sondern Himmighofen.
    Und wegen diesem 2.30min Schrottberichts wird das Spiel verlegt.

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  • Ulf sagt:

    Das Handelsblatt ist ja auch so eine Gazette, die ihre Auflage nach dem Credo verkauft „Nur schlechte Nachrichten sind gute Nachrichten“. Sei´s drum.
    Heute wird getitelt: „Commerzbank verhandelt über neue Staatshilfen“
    http://www.handelsblatt.com
    Das heißt für den frauenfußballverstehenden Steuerzahler: Ihr dürft als deutsche Bürger für den durch die Commerzbank bezuschußten Saisonetat und durch SiDi getätigten Spielerinnenkäufen vom 1.FFC Praunheim bürgen.
    Frei nach dem Künstler Max Liebermann (der hieß wirklich so):
    „Ich kann gar nicht soviel fressen, wie ich kotzen möchte“

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  • Ulf sagt:

    @ Uwe
    Der WDR-Kommentator neigt offenbar zu Freud´schen Versprechern.
    Wenn Himmighofen im Tor gewesen wäre, dann hätte sie sicher die Finger weggelassen und Duisburg hätte 1:0 gewonnen.

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  • Mini sagt:

    Ehrlich gesagt, kann ich überhaupt nicht verstehen,dass eine verstaatlichte Bank überhaupt noch als Sponsor agieren darf???? Das ist doch totaler Schwachsinn!!!

    Eben genau wegen dem obengenannten: die Steuerzahler finanzieren so dolle Wechsel,die im Endeffekt nichts bringen.
    Was wiederum heißt: rausgeschmissenes Geld.

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  • waiiy sagt:

    @Mini: Diese Frage wurde schon vor langer Zeit gestellt, als Hertha anfing, sich von der Deutschen Bahn sponsern zu lassen. Da hält ja auch der Staat große Anteile.

    waiiy

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  • mrx sagt:

    @Mini: Wo ist denn die Commerzbank bereits komplett verstaatlicht? Der Bund hält derzeit immer noch 25% plus eine Aktie.

    Und zum Thema „der Steuerzahler finanziert den Frauenfußball“ – habt ihr euch einmal beispielsweise die Potsdamer Sponsoren angeschaut?

    Die Deutsche Kreditbank Aktiengesellschaft ist eine Tochtergesellschaft der BayernLB (Bayerische Landesbank), die ihres Zeichen eine Anstalt des öffentlichen Rechts ist. Huch!

    Die Energieversorgung Potsdam GmbH gehört zu 65% der Stadtwerke Potsdam GmbH, wo letztere auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung im Jahr 1999 entstanden ist. Beteiligung der Landeshauptstadt Potsdam ist sage und schreibe 100%. Huch!

    Die AOK Nordost hat den Sitz -huch- in Potsdam und ist Teil der gesetzlichen Krankenversicherung in Deutschland. Huch!

    E.ON edis setzt sich zu 70% e.ON und immerhin fast aus 30% kommunaler Träger zusammen.

    Weitere Sponsoren in der Liste: Mittelbrandenburgische Sparkasse (ist eine öffentlich-rechtliche Zweckverbandssparkasse), Land Brandenburg Lotto GmbH, die Stadt Potsdam selbst, das Land Brandenburg mit dem Ministerium für Bildung, Jugend und Sport…

    Dazu kommt noch die Bundeswehr, die mit ihrer Sportfördergruppe einige Spielerinnen quer-subventioniert.

    Versteht mich nicht falsch: Ich gönne es Potsdam, dass sie sich einen solchen Sponsorenpool zusammenstellen konnten und bin froh, dass die öffentliche Hand unseren Frauenfußball „etwas“ unterstützt. Aber auf die Commerzbank und die Frankfurter schimpfen ist ja einfacher, als sich mit seinem eigenen Verein auseinanderzusetzen. Nur mal so als kleine Nachhilfe 😉

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  • Sheldon sagt:

    @mrx: Ich glaube, die Kritik kommt daher, dass die Commerzbank wohl eine der ersten Banken überhaupt war, die 2008 vom Staat gerettet werden mussten und die sich absolut zerwirtschaftet hatte!
    Sie steht für die Perversion der Bankenkrise schlechthin und musste mit Hunderten von Millionen Steuergeldern gerettet werden, die jetzt nach Frankfurt fließen!

    Das andere ist wahr, aber wenn eine Bank oder ein anderes Unternehmen gut wirtschaftet und dabei nicht völlig zusammenbricht, dann ist das doch auch durchaus legitim und niemand kommt zu Schaden!

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  • Ulf sagt:

    Die Deutsche Bahn hat zwar wie viele andere Konzerne langfristige Verbindlichkeiten (aber auch große Vermögenswerte,z.B. Sachanlagen 38 Mrd.)), macht jedoch operativ Gewinn, 2010 knapp 1,1 Mrd.
    http://www1.deutschebahn.com/ecm2-db-de/gb/konzernabschluß/bilanz.html
    Da kann man vielleicht als Bahn-Kunde meckern, aber kaum als Steuerzahler.

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  • Ulf sagt:

    Was ist eigentlich ein Vollpfosten ?
    http://www.youtube.com/watch?v=ZQ7ibHpAMN4

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  • timmy sagt:

    http://www.ussoccer.com/News/Federation-Services/2011/12/WPS-Sanctioned-as-Division-1-Professional-League-for-2012-Season.aspx Die WPS darf offiziel die erste, ah nee, die Top-Liga bleiben. Auflage sind 2013 dann aber bitte 6 Teams und 2014 8 Teams.

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  • Ralf sagt:

    Laut dem jüngsten Blitz Stresstest fehlen der Commerzbank 5,3 Milliarden Euro.
    Herzlichen Glückwunsch!

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  • Lucy sagt:

    …und daran ist bestimmt der SiDi Schuld !! 😉

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  • karl sagt:

    Genau, die 5,3 milliarden hat die Commerzbank dem SiDi fuer Spielerinnen einkaeufe zur Verfuegung gestellt. Und die Spielerinnen vom 1.FFc Frankfurt schwelgen jetzt mit ihren Millionengehaeltern dermassen im Luxus dass sie darueber das fussballspielen fast vergessen haben und deshalb sind sie im Moment auch nur vierter. Da traut sich halt nur keiner oeffentlich drueber zu reden wegen der Aussendarstellung. 🙂

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