Die Tops und Flops der Woche 49/2011

Von am 6. Dezember 2011 – 16.11 Uhr 19 Kommentare

In unserer neuen Ausgabe blicken wir noch einmal auf das Topspiel im DFB-Pokal-Viertelfinale, freuen uns über Zuwachs im Hause Högner und wundern uns über eine Trainerentlassung in Brasilien.

Tops

Frankfurt deklassiert Potsdam
Vor dem DFB-Pokal-Viertelfinale zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam schien allerorts nur die Höhe des erwarteten Potsdamer Siegs ein Diskussionsthema zu sein. Doch es kam ganz anders, Totgesagte leben bekanntlich länger. Mit einer 5:1-Packung gegen den Deutschen Meister beendeten die Frankfurterinnen eine Durststrecke von vier Pflichtspielniederlagen in Folge. Zwar nur eine Momentaufnahme, aber auch eine Kampfansage, dass mit dem Team von Trainer Sven Kahlert im Jahr 2012 zu rechnen sein wird.

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Dillmann lässt es donnern
Die Turbine-Ehre rettete am vergangenen Wochenende eine Spielerin aus der zweiten Mannschaft. Erica Dillmann, 17-jährige Stürmerin der Zweitvertretung des 1. FFC Turbine Potsdam, zeigte den Großen, wie es geht: Beim 4:0-Sieg im Derby gegen den 1. FC Lübars erzielte sie alle Tore ihres Teams (12., 19., 23., 44.). Womensoccer fragt: Gibt es eigentlich einen Quattrick?

Birmingham in der Champions League
Besser hätte die Nikolaus-Überraschung wohl kaum ausfallen können: Birmingham City LFC, Vizemeister der vergangenen Super League, darf in der Saison 2012/13 an der UEFA Women’s Champions League teilnehmen. Ursprünglich war geplant gewesen, den zweiten Champions-League-Startplatz dem Sieger des laufenden FA-Cup-Wettbewerbs zukommen zu lassen. Birmingham-Chef Steve Shipway meint: „Das ist ein Riesenschritt vorwärts für uns, vor elf Jahren haben wir quasi noch in einem Park gespielt.“

Nachwuchs bei Högners
55 Zentimeter, 3800 Gramm: Markus Högner, Trainer von Frauenfußball-Bundesligist SG Essen-Schönebeck, ist zum zweiten Mal stolzer Vater geworden. Der neue Sprössling der Familie hört auf den Namen Ben. „Wir freuen uns über die Geburt. Mutter und Kind sind wohlauf, hieß es im Hause Högner. Womensoccer gratuliert!

Jena besucht Konzert gegen Rechts
Die erste Mannschaft von Frauenfußball-Bundesligist FF USV Jena hat am Freitagabend mit dem Besuch des Konzertes „Rock’n Roll Arena“ ein Zeichen gegen Rechtsradikalismus und Fremdenhass gesetzt.  Musikgrößen wie Peter Maffay oder Udo Lindenberg hatten zu dem Konzert gegen Rechtsextremismus in Jena eingeladen – insgesamt strömten 50 000 Besucher zu der Veranstaltung.

Flops

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Jubel bei Frankfurt, Frust bei Potsdam

Jubel bei Frankfurt, Frust bei Potsdam © Herbert Heid / girlsplay.de

Potsdam geht in Frankfurt unter
Die 1:5-Niederlage beim 1. FFC Frankfurt war für den 1. FFC Turbine Potsdam und seinen Trainer Bernd Schröder wohl eine der schmerzhaftesten Niederlagen der vergangenen Jahren. Sang- und klanglos ergab sich sein Team nach dem frühen Rückstand in sein Schicksal, der erste von drei möglichen Titeln ist dahin. Das verletzungsbedingte Fehlen einiger Stammspielerinnen konnte nicht kompensiert werden. „Es hat sich gezeigt, dass unsere zweite Reihe nichts entgegenzusetzen hatte“, so Schröder. Doch auch der erste Anzug war an diesem Tag nicht wirklich auf dem Platz.

Leverkusen in Scherben
Sportlich geht Bayer 04 Leverkusen schon eine ganze Weile am Stock. Neun Niederlagen in den ersten zehn Bundesligaspielen, so die verheerende Zwischenbilanz. Da hat nun offenbar auch Trainerin Doreen Meier die Lust verloren. Zudem kritisiert Meier ihre Spielerinnen harsch in der Öffentlichkeit: „Etablierte Spielerinnen wie Lisa Schwab und Turid Knaak haben es momentan nicht verdient, in der Ersten Liga zu spielen“, nahm Meier im Kölner Stadtanzeiger kein Blatt vor den Mund. Noch stärkt der Verein Meier den Rücken, doch wie lange noch?

Enttäuschende Kulisse
 Nur 1 800 Zuschauer sahen am Sonntag im Stadion am Brentanobad den 5:1-Sieg des 1. FFC Frankfurt gegen den 1. FFC Turbine Potsdam – drei Wochen zuvor war das Stadion beim Bundesligaduell beider Teams mit 5 200 Zuschauern noch ausverkauft. Nach der Frankfurter Niederlagenserie war es mit der Treue der Fans offenbar nicht weit her – doch einige werden sich noch heute grämen, auf das Spiel verzichtet zu haben.

Rücktritt vom Rücktritt?
Schnürt Birgit Prinz im Jahr 2012 wieder die Fußballschuhe für den 1. FFC Frankfurt? Schnapsidee oder verfrühter Aprilscherz war unsere erste Reaktion auf die Meldung, dass Prinz ihren Rücktritt vom Rücktritt verkünden könnte. „Wir stehen in Gesprächen“, bestätigte Frankfurts Manager Siegfried Dietrich. Die sagte offenbar nicht gleich kategorisch nein und könnte auf dem Rückweg vom Urlaub in Neuseeland dann doch auch gleich Ariane Hingst aus Australien zurückholen. Hat man beim FFC vielleicht zu oft „Zurück in die Zukunft“ angeschaut?

Brasilien feuert Lima
Zurück in die Zukunft heißt es zumindest bei der brasilianischen Frauenfußball-Nationalmannschaft. Denn dort darf nun wieder Jorge Barcellos das Zepter schwingen, da der Verband den bisherigen Trainer Kleiton Lima entließ. Borcellos hatte die weibliche Seleção bereits bis März 2009 betreut. Doch vielleicht sollten die Brasilianerinnen zwischen den großen Turnier einfach einmal mehr Testspiele bestreiten, dann klappt es irgendwann auch mit Titeln – egal ob mit Borcellos oder Lima.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • Frieda sagt:

    Ich finde das mit den Zuschauern ehrlich gesagt weniger einen Flop als verständlich und auch überhaupt kein Zeichen für Untreue. In Frankfurt muss am Sonntag Land unter gewesen sein. Bis vor Anpfiff, so der Kommentator auf Hr-online, hat es den ganzen Tag geschüttet. Bei den wenigen überdachten Plätzen im Stadion am Brentanobad ist es doch kein Wunder, dass die Leute im Dezember lieber daheim in der Wärme bleiben und im Livestream schauen oder den FSV auf Sky.

    Wenn es einen Flop gibt, dann den, dass es der FFC Frankfurt trotz großer Ambitionen weder Flutlicht, noch ein großes Dach besitzt. Turbine Potsdam profitiert da momentan ja ein wenig von Babelsberg, die für die DFL-Vorschriften umbauen mussten bzw. müssen. So kann man seit dieser Saison eigentlich sicher sein, dass man immer ein trockenes Fleckchen findet.

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  • intersoccer sagt:

    Dass Birmingham direkt qualifiziert ist, überrascht mich doch sehr. Auch wenn es aus meiner Sicht eine gute Entscheidung ist. Weiß jemand, aus welchem Grund nun doch ausschließlich die Liga als Quali herangezogen wird?

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  • Ulf sagt:

    Wenn z.B. Frau Neid noch ein Kind bekommen würde, dann wär´s für mich ggfs. ein Top, aber die Frau des Essener Trainers ? Ist das nicht ein bißchen weit hergeholt ? Die Frau von Ketelaer hat kürzlich auch ein Kind bekommen, warum war das nicht schon ein Top ?
    Haben die sich weniger über das Kind gefreut als in Essen ?
    Das Fallrückziehertor von Popp wäre für mich schon eher relevant
    als Top, meinetwenigen auch, daß ein Behringer-Freistoß nach 1001 Versuchen mal zu einem Tor geführt hat.

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  • Ulf sagt:

    Es hat zwar (noch) nichts mit Kindern zu tun, ist auch über den Tellerrand des Frauenfußballs, aber bemerkenswert ist, daß eine „Jahrhundertsportlerin“ wie Magdalena Neuner am Ende der Saison mit dann gerade einmal 25 Jahren aufhören will.

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  • Detlef sagt:

    @Frieda,
    es war nicht Land unter in Frankfurt, obwohl es vorher und nachher stark geregnet hatte!!!
    Während des Spiels war es erfreulicherweise trocken, erst gegen Ende tröpfelte es leicht!!!

    Es fehlten aber die Frankfurter Stadtangestellten (die WM ist vorbei) und die üblichen Schönwetterfans, die es übrigens auch in Potsdam gibt!!!

    Das mit dem fehlenden Flutlicht stimmt allerdings!!!
    Wenn es zu Verlängerung und eventuell sogar Elfmeterschießen gekommen wäre, wären die Lichtverhältnisse sehr grenzwertig gewesen!!!
    Wenn man kein stationäres Flutlicht hat, könnte man sich für solche Fälle sicher eins ausleihen!!!
    THW und/oder Feuerwehr hätten das entsprechende Equipment!!!

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  • Ulf sagt:

    Das THW hat auch Spürhunde, die SiDi als Talentscouts einsetzen könnte für seine Nachwuchsarbeit.

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  • Ralfi sagt:

    @Wieb Ke: Genau das wollte ich auch sagen.

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  • pinkpanther sagt:

    So sehr ich es begrüße, dass in England jetzt der Ligazweite und nicht der Sieger eines „Glücks-Cups“ für die CL qualifiziert ist, frage ich mich: Müssen nicht vor Saisonstart – schon aus Gründen der Chancengleichheit – die Regeln festgelegt werden, welche Platzierung in welchem Wettbewerb eine Qualifizierung für einen internationalen Wettbewerb nach sich zieht?
    Eine NACHTRÄGLICHE Änderung der Regularien öffnet ja der Willkür Tür und Tor! Aber vielleicht ist ja gerade das im Sinne der UEFA 😉

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  • timmy sagt:

    Klar, eigentlich muss das vor Beginn der Wettbewerbe geregelt sein. Außer den Platz an den Pokalsieger zu geben war vielleicht gar nicht rechtmäßig.
    Vielleicht hatte sich ja auch Birmingham beschwert.

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  • Soccermum sagt:

    Hallo Markus, super das auch mal was aus der 2. Liga kommt. Erica schreibt man aber mit C !!

    Danke und viele Grüsse vom Bodensee

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, Soccermum. Ist korrigiert!

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  • Krissi sagt:

    Ich weiß eigentlich gar nicht, was momentan in der 1. Liga los ist?! Ist es jetzt modern geworden die Spielerinnen in der Öffentlichkeit abzuwatschen (und dann auch noch namentlich im aktuellen Fall!!!) ??? 🙁 Wenn es nicht läuft, muss man sich doch als Trainer bzw. Trainerin auch mal hinterfragen (aktuell Doreen Meier, Leverkusen). Da habe ich kein Versatändnis dafür, dass sind Sachen die gehören, meines Erachtens, intern geklärt! *kopfschüttel*

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  • Sokrates sagt:

    Ein weiterer Top der Woche war die überragende Leistung von Svenja Huth beim Spiel des FFC gegen Turbine. Es war vermutlich das bisher beste Spiel in ihrer jungen Karriere.
    Die Zuschauerzahl in Frankfurt beim Pokalspiel war in der Tat enttäuschend. Sie ist auf das regnerische und unbeständige Wetter am letzten Wochenende, die relativ wenigen überdachten Sitzplätze auf der Haupttribüne (siehe Friedas Kommentar) und die vorangegangenen Niederlagenserien mit schlechten Leistungen zurückzuführen. Mit den fehlenden Beamten und Angestellten der Frankfurter Stadtverwaltung hat die Zuschauerzahl nichts zu tun. Drei Wochen vorher waren auch keine Freikarten an Mitarbeiter der Stadtverwaltung verteilt worden und trotzdem waren 5200 Zuschauer in das brechend volle Stadion gekommen.
    Man sollte auch von Potsdamer Seite anerkennen, dass zum FFC sehr viele Zuschauer auch ohne Freikarte kommen und sogar noch deutlich mehr als zum eigenen Lieblingsverein.

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  • Lucy sagt:

    Das mit den Zuschauerzahlen in Frankfurt ist so total normal. Am Anfang der Saison, besonders nach WM oder EM, strömen sie alle ins Stadion (sehr viele Familien, wo sicher die Kids unbedingt mal die eine oder andere Natiospielerin sehen will). Da ist das Wetter auch noch ganz okay und dieses Mal gab es ja auch schon ziemlich bald interessante Spiele mit WOB und Turbine als Gäste.

    Sobald es kühler und regnerischer wird, lösen sich die Schönwetterfans und Familien allmählich in Luft auf und es läuft wieder alles in gewohnten Bahnen weiter 😉

    Dieses Mal kam sicherlich auch noch hinzu, dass viele (Erfolg-)Fans wieder mit einer Klatsche gegen Turbine gerechnet haben (deutete ja auch alles darauf hin…) und daher gleich zu Hause geblieben sind. 🙁

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  • schmiddi sagt:

    Krissi, Ihrem Statement ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

    Ein absolutes „No-Go“.

    Vielleicht wäre da auch mal eher Selbstkritik angesagt.;-)

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  • Uwe sagt:

    Ich hätte mir als TOP gewünscht, die Leistung von Sandra Smisek im Spiel gegen Potsdam und auch in der gesamten bisherigen Saison zu würdigen. Wie sie mit dem Nachwuchs noch locker mithält, finde ich bewundernswert. Sie ist die einzige Konstante im Frankfurter Spiel in dieser Spielzeit. Da kann man nur den Hut ziehen.

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