Markus Graskamp: „Den Klassenerhalt nicht erkaufen“

Von am 2. Dezember 2011 – 14.17 Uhr 1 Kommentar

Zweitligist FSV Gütersloh 2009 steht zum zweiten Mal in Folge im Viertelfinale des DFB-Pokals. Am Sonntag treffen die Ostwestfälinnen auf den FCR 2001 Duisburg. Womensoccer sprach mit FSV-Trainer Markus Graskamp über das bevorstehende Spiel, die bislang starke Zweitligasaison und die Aufstiegsperspektiven.

Als Ihnen der FCR 2001 Duisburg zugelost wurde: Haben Sie geschluckt oder sich über das Heimspiel gefreut?
Beides. In erster Linie habe ich mich allerdings über das Heimspiel gefreut. Wir wissen, dass uns mit Duisburg ein richtiger Brocken zugelost wurde, aber damit war im Viertelfinale auch zu rechnen. Trotzdem freuen wir uns, mit Duisburg einen attraktiven Gegner zu haben und wollen das Beste daraus machen.

Der FCR war zuletzt sehr gut drauf. Wie stellen Sie Ihre Spielerinnen darauf ein?
Das wird natürlich schwer, aber wir haben einen sehr guten Lauf und müssen sehen, dass wir gut gegen den Ball arbeiten und eine gute Raumaufteilung haben, um es Duisburg so schwer wie möglich zu machen. Das wird eine ganz schwere Kiste, aber ich traue uns  eine ähnlich gute Leistung zu wie im Januar gegen Frankfurt, sodass wir die Zuschauer zufrieden wieder nach Hause schicken können.

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Am zufriedensten sind die allerdings, wenn der FSV gewinnt, und das dürfte schwer werden.
Wir wurden in der letzten Saison mit Standing Ovations vom Platz verabschiedet, weil jeder gesehen hat, dass die Mannschaft bis zum Schluss gekämpft, gut mitgespielt und sich nicht hinten rein gestellt hat. Wenn uns das gegen Duisburg ähnlich gelingt, können wir erhobenen Hauptes vom Platz gehen.

Wie wichtig ist der finanzielle Aspekt? In der Vereinskasse dürften zweimal 10.000 Euro für das Erreichen des Viertelfinals nicht eingeplant gewesen sein.
Bei unserem kleinen Etat macht das Geld vom DFB natürlich gleich einen großen Teil aus, von daher ist das für uns eine sehr schöne Geschichte.

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Das Team von Trainer Markus Graskamp (Mitte) hat sich gezielt verstärkt. © FSV Gütersloh/Henrik Martinschledde

Auch in der Liga läuft es momentan sehr gut für Ihre Mannschaft. Woher kommt der Leistungssprung?
Die Spielerinnen haben sich weiterentwickelt, und es ist uns gelungen, in allen Mannschaftsteilen einen sehr guten Konkurrenzkampf zu haben. Die Mannschaft ist eine Einheit, in der jede 100 Prozent gibt, um im nächsten Spiel wieder dabei zu sein. Darüber hinaus ist unser Kader breiter geworden, wodurch wir auch immer Qualität von der Bank bringen können.

Wo sehen Sie sich im Vergleich zu den Konkurrenten im Aufstiegskampf?
Wir sind alle auf Augenhöhe. Letztlich werden Kleinigkeiten entscheiden und die Form, in der die Mannschaften aus der Winterpause kommen. Die ersten Spiele könnten vorentscheidend sein.

Sowohl Tanja Schulte als auch Jürgen Prüfer schieben die Favoritenbürde derzeit gerne von ihren Teams. Nehmen Sie sie an?
Nein, ich sehe Cloppenburg als klaren Favoriten. Die möchten mit großem Aufwand nach oben und haben das auch so propagiert. Wir haben gesagt, wir wollen so lange wie möglich oben mitspielen. Momentan sind wir gut dabei, und daher gibt es keinen Anlass, unsere Ziele neu zu definieren. Gleichzeitig möchte man natürlich aber auch, wenn man oben steht, das weiter durchziehen und mal aufsteigen. Aber das ist ein langer Weg, und das wissen wir.

Auf absehbare Zeit wäre der Aufstieg aber auch wichtig, um Talente, wie in der Vergangenheit Lena Goeßling und Stephanie Bunte, nicht immer an die Erste Bundesliga abgeben zu müssen.
Das ist ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Wir haben drei aktuelle U19-Nationalspielerinnen. Wenn die sportlich weiterkommen wollen, und das Zeug dazu haben sie, ist das mittelfristig in der zweiten Liga nicht zu realisieren. Von daher wäre es natürlich gut, wenn sie mit uns den Aufstieg schaffen.

Um in der ersten Liga anzukommen, muss auch eine Menge Geld in die Hand genommen werden. Kann der FSV das stemmen?
Ich denke schon, denn die Finanzkraft in Stadt und Umgebung ist vorhanden. Und die erste Liga bietet auch eine andere Perspektive für Sponsoren.  Natürlich muss man trotzdem noch Anstrengungen unternehmen, um sie zu akquirieren und eine reelle Chance auf den Klassenerhalt zu haben. Darüber hinaus muss man aber auch die Spielerinnen bekommen, die über Erstligaerfahrung verfügen. Jede gute Bundesligaspielerin, die beispielsweise bei einem der Top-Vereine spielt, wird sich dreimal überlegen, ob sie wechselt, um gegen den Abstieg zu spielen. Man kann sich den Klassenerhalt nicht erkaufen.

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1 Kommentar »

  • Mika sagt:

    Ich drücke ihnen jedenfalls den Daumen. Was der FSV an Nachwuchsarbeit leistet ist schon klasse.

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