Jubel in Bad Neuenahr und Freiburg

Von am 8. November 2011 – 13.13 Uhr 5 Kommentare

Frauenfußball-Bundesliga paradox hieß es am vergangenen Sonntag, denn im FCR 2001 Duisburg und dem 1. FFC Frankfurt strauchelten gleich zwei Topteams am selben Tag. Verantwortlich dafür waren ausgerechnet Tabellenschlusslicht SC 07 Bad Neuenahr und Aufsteiger SC Freiburg.

1 104 Zuschauer sahen im Apollinarisstadion, wie das bisherige Kellerkind SC 07 Bad Neuenahr den favorisierten FCR 2001 Duisburg mit 2:0 (0:0) in den Schranken wies. 18 Mal in Folge hatte das Team von der Ahr gegen den Gegner verloren, am 3. Oktober 2002 beim 2:1-Erfolg letztmals die Duisburgerinnen bezwungen. Doch diesmal war es soweit: Sarah Gregorius sorgte mit ihren Treffern in der 80. und 87. Minute für ausgelassenen Jubel.

Klasseleistung
“ Das war eine Klasseleistung meiner Mannschaft. Über 1100 Zuschauer bei einem Tabellenletzten, die uns dann auch noch so unterstützen, ist einfach nur noch schön. Aber wir müssen nun in Leipzig nachlegen“, freute sich Bad Neuenahrs Trainer Colin Bell, der aber den Blick bereits wieder auf die nächste Partie richtete.

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Auch gegen die Kleinen gewinnen
Doch der Sieg gegen Duisburg könnte die Initialzündung gewesen sein, die der SC 07 Bad Neuenahr gebraucht hat. Dennoch wird das Team erst noch beweisen müssen, dass es nicht nur in Spielen punkten kann, in die es als Außenseiter geht, sondern auch Partien gewinnen kann, wenn es gilt, selber das Spiel zu machen.

Boschert lässt Freiburg jubeln
Nicht weniger groß war die Freude im Breisgau, nachdem der SC Freiburg gegen den 1. FFC Frankfurt zu einem überraschenden 1:0 (0:0)-Erfolg kam. Kerstin Boschert gelang kurz vor Schluss der goldene Treffer (89.). Wie Bell wollte auch SC-Trainer Milorad Pilipovic keine einzelne Spielerin hervorheben.

Kerstin Boschert

Kerstin Boschert sorgte mit ihrem Treffer für den Überraschungssieg gegen Frankfurt © Sandra Kunschke / girlsplay.de

Sieg war glücklich, aber nicht unverdient
„Das war heute eine geschlossene Mannschaftsleistung. Diesen Sieg hat sich die Mannschaft mit einer taktisch disziplinierten und engagierten Leistung erkämpft. Nach dem Spielverlauf können wir sicherlich nicht von einem verdienten, aber einem glücklichen Sieg sprechen. Wir haben uns das Glück in diesem Spiel erarbeitet und Glück gehört im Sport nun einmal dazu.“ Doch er warnte davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. „Wir dürfen nicht den Fehler machen und uns auf diesem Spiel ausruhen. Das wäre gefährlich.“

Benkarth im Rampenlicht
Vor 1 600 Zuschauern im Möslestadion hatte Freiburg mehrfach Glück, gegen den favorisierten Champions-League-Teilnehmer nicht in Rückstand zu geraten, doch eine starke Torhüterin Laura Benkarth hielt ihr Team mehrfach im Spiel, unter anderem beim gehaltenen Foulelfmeter von Melanie Behringer. Und die Gastgeberinnen hatte Glück, dass ein Treffer von Kerstin Garefrekes wegen einer vermeintlichen Abseitsstellung von Dzsenifer Marozsan nicht anerkannt wurde. Doch auch Frankfurt hatte Glück, dass ein elfmeterwürdiges Foul von Gina Lewandowski an Marina Makanza nicht gepfiffen wurde.

Die Konkurrenz wittert Morgenluft
Der Frauenfußball-Bundesliga und der Aufmerksamkeit für die Liga können derartige Überraschungsergebnisse nur gut tun. Und auch bei der Konkurrenz haben die Patzer von Frankfurt und Duisburg neuen Kampfgeist geweckt. „Natürlich sieht man das nicht ungern, wenn Spitzenmannschaften auch mal Federn lassen“, freute sich Ralf Kellermann, Trainer des viertplatzierten VfL Wolfsburg. Und so brachte es Stürmerin Conny Pohlers auf den Punkt:Duisburg ist schlagbar, Frankfurt ist schlagbar, ich hoffe, Potsdam lässt auch noch ein paar Punkte und dann sind wir eigentlich fast wieder oben mit dran.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

5 Kommentare »

  • sisyphos sagt:

    „20 Mal in Folge hatte das Team von der Ahr gegen den Gegner verloren, am 14. Oktober 2001 beim 2:2 letztmals einen Punkt geholt.“
    Wenn Du EINEN Punkt betonst, Markus, so ist das sicher richtig 😉 . Aber ein knappes Jahr später (am 03.10.02) hat Bad Neuenahr allerdings noch einmal mit 2:1 gegen den FCR gewonnen.

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, sisyphos, ist korrigiert.

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  • FFFan sagt:

    @ Markus:

    Dadurch verringert sich natürlich auch die Zahl der in Folge verlorenen (Pflicht-)Spiele auf 18 (17x Bundesliga, 1x DFB-Pokal)!
    So oder so: für den SC 07 ist es das Ende einer langen Durststrecke gegen einen Gegner, gegen den es in der Vergangenheit einige denkwürdige Heimpleiten gab (0-8; 1-9).

    Nicht ganz so lange musste der SC Freiburg warten. Das 1-0 am Sonntag war schon der dritte Heimsieg gegen Frankfurt (in insgesamt 10 Bundesliga-Jahren). Den ersten gab es am 29.03.2006 (damals noch nicht im Mösle-Stadion, sondern auf dem „Bergmattenhof“ in Sexau), was seinerzeit große Euphorie auslöste (wie man auch an der Überschrift des Spielberichts bei ‚Fansoccer‘ unschwer erkennen kann 😉 ): http://j.mp/rU1sJi

    Rund drei Jahre später triumphierten die Breisgauerinnen erneut und versetzten den Titelhoffnungen des FFC einen empfindlichen Dämpfer, just nachdem diese zuvor den Tabellenführer Bayern München gestürzt hatten!
    Eine Spielerin war auf Freiburger Seite bei allen drei Heimsiegen dabei: SC-‚Urgestein‘ Kerstin Boschert, die diesmal für den Siegtreffer sorgte!

    Soso, Wolfsburg frohlockt also bereits wieder, aber auch sie müssen am kommenden Sonntag erst mal im „Mösle“ bestehen…

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  • waiiy sagt:

    Wenn ich nach den Ergebnissen gehe, scheint Nadine Keßler das Heft langsam immer mehr in die Hand zu nehmen. Das tut der Offensive natürlich richtig gut, wenn sie das schafft. Dann kann man durchaus noch das ein oder andere Achtungszeichen und vielleicht auch einen 3. (wenn es gut läuft 2.) Platz von Wolfsburg erwarten. Ich denke, für Platz 1 wird es sich nicht ausgehen, da die Konstanz dann doch bei den anderen 3 Vereinen auf die gesamte Spielzeit höher ist.

    Aber in der kommenden Saison sollte man Wolfsburg auf dem Zettel haben, wenn dort nicht wild alles durcheinander gehauen wird. Am Ende der Saison sollte man sich nur punktuell (jüngere Spielerinnen im Sturm an die beiden Arrivierten heranführen) verstärken und das Gerüst der Mannschaft beibehalten.

    waiiy

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  • Markus Juchem sagt:

    Danke, FFFan. Wie heißt es doch so schön: Trau keiner Statistik, die du nicht selber gefälscht hast. 😉

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