Die Tops und Flops der Woche 43/2011

Von am 24. Oktober 2011 – 12.20 Uhr 7 Kommentare

Im Mittelpunkt der Tops und Flops stehen in dieser Woche eine Rückkehrerin in die Nationalmannschaft und eine Blondine mit Torinstinkt, aber auch einbrechende Einschaltquoten und ein wenig fürsorglicher Trainer.

Tops

Odebrecht feiert Comeback
6 Jahre, 5 Monate und 27 Tage musste Viola Odebrecht warten, doch am Samstag war es soweit: Die Mittelfeldspielerin des 1. FFC Turbine Potsdam feierte beim 3:0-Sieg gegen Rumänien in der EM-Qualifikation ein 13-minütiges Kurz-Comeback im Dress der Nationalelf. Zuvor hatte sie ihr bisher letztes Länderspiel 2005 gegen Kanada bestritten, damals noch unter Bundestrainerin Tina Theune. „Ich wäre nicht abgeneigt“, hofft die 28-Jährige nun auf einen weiteren Einsatz am Mittwoch im Spiel gegen Schweden (ab 17.50 live in der ARD).

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Hoffenheim neuer Tabellenführer
Schon vor Beginn der neuen Saison in der 2. Bundesliga Süd wurde die TSG 1899 Hoffenheim als einer der heißesten Favoriten gehandelt. Und am Sonntag bescherten zwei Treffer von Susanne Hartel dem Team nicht nur einen 2:0-Sieg gegen den 1. FC Köln, sondern dank des besseren Torverhältnisses auch die Tabellenführung, da der bisherige Spitzenreiter VfL Sindelfingen beim starken Aufsteiger Borussia Mönchengladbach nicht über ein 2:2 hinaus kam.

Kamerun löst Olympia-Ticket
Totgesagte leben länger – die Frauenfußball-Nationalelf Kameruns war im Kampf um einen Start bei den Olympischen Spielen 2012 in London sportlich bereits an Äquatorialguinea gescheitert, doch der WM-Teilnehmer wurde von der FIFA wegen des Einsatzes der nicht spielberechtigten Jade Boho vom Wettbewerb ausgeschlossen. Stattdessen durfte Kamerun in zwei Spielen gegen Nigeria antreten und nutzte seine Chance am Samstag mit einem 4:3-Erfolg im Elfmeterschießen im Rückspiel in Yaoundé. Somit hat sich Kamerun erstmals für ein großes, internationales Frauenfußball-Turnier qualifiziert.

Blondine mit Torinstinkt
Die Jüngste im Team wurde zur Matchwinnerin: Beim 3:0-Sieg Dänemarks im EM-Qualifikationsspiel gegen Österreich erzielte die erst 18-jährige Pernille Harder vor 1 695 Zuschauern in Vejle alle drei Treffer ihres Teams (32., 41., 90+2). Und sollte Harder ihre Treffsicherheit in Zukunft weiterhin beweisen, dürfte auch einem baldigen Wikipedia-Eintrag nichts mehr im Wege stehen – dort findet man derzeit nur ein Profil ihrer namensgleichen Badmintonspielerin.

Frauenfußball-Liga in Irland eingeweiht
In der vergangenen Woche wurde in der Republik Irland die am 13. November startende Frauenfußball-Liga eingeweiht. In der durch die finanzielle Unterstützung der UEFA gegründeten The Bus Éireann Women’s National League werden zunächst sechs Teams an den Start gehen. Steffi Jones, Botschafterin des Frauenfußball-Entwicklungsprogramms bei der UEFA meint: “Vereinswettbewerbe sind das Tor zur Nationalmannschaft und sichern dem Frauenfußball eine stabile Zukunft sowie den Mädchen im ganzen Land einen Anreiz.”

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Flops

Jubel der DFB-Elf

Die DFB-Elf hat drei Punkte gewonnen, aber Zuschauer eingebüßt © Sascha Pfeiler / girlsplay.de

Schwindendes Interesse
1,56 Millionen Zuschauer verfolgten am Samstag den 3:0-Sieg der DFB-Elf im EM-Qualifikationsspiel gegen Rumänien, weniger als beim EM-Quali-Auftakt gegen die Schweiz und deutlich weniger als im Jahr vor der Frauenfußball-WM, als regelmäßig zwischen 2,26 und 5,77 Mio. Zuschauer die Auftritte der DFB-Spielerinnen verfolgten. Vor allem beim jungen Publikum fiel das Spiel durch, in der werberelevanten Gruppe der 14 bis 49-Jährigen schauten gerade einmal 300 000 Zuschauer zu, Marktanteil 5,4 Prozent.

Verheizte Schatton
Erst wurde Winfried Klein, Trainer des 1. FC Saarbrücken, wegen unsportlicher Äußerungen gegenüber dem Schiedsrichterteam im Spiel gegen Hoffenheim vom DFB mit einem Innenraumverbot und einer Geldstrafe belegt, dann stellte er beim 1:1 gegen den 1. FFC Frankfurt II zum wiederholten Mal Sarah Schatton auf, obwohl die sich seit längerer Zeit mit einer Knieverletzung herumplagt. Schatton erzielte nach einer Stunde den einzigen Saarbrücker Treffer, doch der Preis war hoch. „Die Schmerzen sind zu groß, es geht so nicht mehr. Sarah wird kommende Woche operiert und für unbestimmte Zeit ausfallen“, so Klein. Bleibt zu hoffen, dass Schatton ein ähnliches Schicksal wie Marina Hegering erspart bleibt, die bis heute an den Folgen einer zu spät auskurierten Fersenverletzung laboriert.

Ernüchterung in Würzburg
Mit großen Ambitionen ging der ETSV Würzburg, Aufsteiger in die 2. Bundesliga Süd, in die Saison. „Wir wollen uns in der Liga etablieren und streben Platz fünf an“, so der Sportliche Leiter Hans-Peter Breunig. Doch nach dem ersten Saisondrittel liegt das Team mit nur einem Sieg aus den ersten sieben Saisonspielen auf Platz 11 und steht somit als Tabellenvorletzter auf einem Abstiegsplatz. Am Sonntag gab es eine 2:6-Heimklatsche gegen den 1. FFC 08 Niederkirchen.

Nigeria verpasst Olympia
Erst verpasste Nigeria die Teilnahme an den All African Games, dann musste das Team von Trainerin Eucharia Uche bei der Frauenfußball-WM in Deutschland bereits nach der Vorrunde die Heimreise antreten. Nun hat die nigerianische Nationalmannschaft einen neuerlichen Tiefschlag hinnehmen müssen, gegen Kamerun verloren die Nigerianerinnen nach Elfmeterschießen das alles entscheidende Qualifikationsspiel für das Olympische Frauenfußball-Turnier in London. Nigeria wird somit erstmals seit 1996 in Atlanta nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen. Damals gab es allerdings noch kein Qualifikationsturnier, die besten acht Teams der Frauenfußball-WM 1995 nahmen automatisch an der erstmaligen Ausgabe des Olympischen Frauenfußball-Turniers teil.

Schweiz im Hintertreffen
Die Frauenfußball-Fans in der Schweiz träumen seit langem davon, dass sich ihr Team erstmals für ein großes internationales Frauenfußball-Turnier qualifizieren kann.  Doch nach der 2:3-Niederlage in Spanien in der EM-Qualifikation dürfte es für die Schweiz auch diesmal schwierig werden, sich die Teilnahme an der Frauenfußball-Europameisterschaft 2013 in Schweden zu sichern. Aber vielleicht gelingt dem Team von Trainerin Béatrice von Siebenthal ein ähnliches Comeback wie in der WM-Qualifikation, wo man durch eine 1:2-Heimniederlage gegen Russland ebenfalls früh ins Hintertreffen geriet, später aber doch noch die Play-offs erreichte.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • Fuxi sagt:

    Komisch, dass man weder in Würzburg noch in Leipzig in der Lage ist, die Verhältnismäßigkeiten zu erkennen. Als Aufsteiger halte ich doch vor der Saison erstmal die Klappe und versuche herauszufinden, wo ich wirklich stehe…?

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  • speedy75 sagt:

    Dass bei ETSV Würzburg dieser steile Aufstieg auch mal einen Rückschlag erleiden kann war fast abzusehen obwohl die sich eigentlich so schlecht vor der Saison nicht verstärkt haben.

    Hoffenheim wird in der 2te Liga Süd zurecht als Aufstiegsfavorit gehandelt. Allerdings sticht dort nicht nur Susanne Hartel heraus sondern auch Christina Arend. Was mich freut ist das sich Sindelfingen so gut hält mit der äußerst jungen Truppe.

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  • Cookie sagt:

    Kein Wunder, dass die Einschaltquoten so schlecht waren. Wieso müssen die Frauen auch zur gleichen Zeit spielen wie die Männer-Bundesliga? Das ist einfach nur dämlich.

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  • Sheldon sagt:

    Wer weiß, vielleicht kann man Pernille Harder im nächsten Jahr ja zusammen mit ihren beiden kongenialen Sturmpartnerinnen Sanne Troelsgaard und Nadia Nadim in der Champions League begrüßen. Mit Skovbakken IK haben sie momentan nur einen Punkt auf Bröndby und Hjörring Rückstand!

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  • Krissi sagt:

    @Cookie: das stimmt´, die Ansetzung ist mE echt unglücklich gewählt – aber ich denke mal, dass in dem Falle wohl Rumänien mehr „Mitspracherecht“ hatte (wenn man überhaupt davon reden kann). Aber soweit ich weiß, hat unsere N11 in nächster Zeit noch so bescheiden schöne Anstoßzeiten 😉 Naja, hilft ja nix, da müssen wir (wie alle anderen Teams auch) durch 🙂

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  • FFFan sagt:

    Ein paar Anmerkungen von mir:

    1. „Ten Years After“:
    Die 6 Jahre, 5 Monate und 27 Tage, die Viola Odebrecht auf ihr 30.Länderspiel warten mußte, sind schon eine außergewöhnlich lange Zeit. Sogar etwas länger als bei Melanie Lasrich (6 Jahre, 5 Monate und 8 Tage zwischen dem 2. und 3.Länderspiel) und bei Inken Becher (6 Jahre, 2 Monate und 27 Tage zwischen dem 7. und 8.Länderspiel). Ein Rekord ist es jedoch nicht.
    Die mit Abstand längste ‚Länderspielpause‘ hatte nämlich Christine Chaladyniak mit sage und schreibe 10 Jahren, 2 Monaten und 15 Tagen (vom 15.4.86 bis 30.6.96). Es waren zugleich die beiden einzigen Länderspiele von Chaladyniak!

    2. „Klein-Klein“ in Saarbrücken:
    Saarbrückens Trainer Winfried Klein hatte am Sonntag beim Spiel gegen den 1.FFC Frankfurt II bekanntlich Innenraumverbot. Trotzdem sah man Winfried Klein während der Partie engagiert am Spielfeldrand Anweisungen geben! Wie das? Nun, der Frankfurter Trainer hat kurioserweise exakt den gleichen Namen. Wahrhaftig ein seltener Zufall!

    3. Nigeria nicht bei Olympia:
    „Nigeria wird somit erstmals nicht an den Olympischen Spielen teilnehmen“ heißt es in dem Artikel. Das ist allerdings nicht ganz richtig. Bei der ersten Veranstaltung dieser Art (1996 in Atlanta) waren die „Super Falcons“ ebenfalls nicht mit von der Partie. Damals war überhaupt kein afrikanisches Team vertreten, weil die FIFA ohne Rücksicht auf einen Kontinentalproporz die acht Startplätze an die Viertelfinalisten der WM 1995 vergab (für England rückte Brasilien nach).

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  • Markus Juchem sagt:

    @FFFan: Wie Du richtig bemerkst, konnte sich Nigeria 1996 gar nicht qualifizieren, ich werde das noch ein wenig genauer herausarbeiten, um es klarer zu machen. Danke!

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