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Die Tops und Flops der Woche 41/2011

Von am 14. Oktober 2011 – 0.40 Uhr 7 Kommentare

Im Mittelpunkt der Tops und Flops stehen in dieser Woche treffsichere Torschützinnen und hoffnungsvolle Talente, aber auch ein explodierender Trainer, ein überforderter Zweitligist und eine unwürdige Rutschpartie.

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Tops

Torrausch der Knipserinnen
Genoveva Anonma und Conny Pohlers liefern sich derzeit an der Spitze der Torschützinnenliste der Frauenfußball-Bundesliga ein packendes Duell und gehören zu den wenigen echten Knipserinnen der Liga. WM-Teilnehmerin Anonma erzielte am Sonntag beim 7:0-Sieg in Jena wie schon eine Woche zuvor gegen Essen erneut drei Tore und hat nach sechs Spielen bereits elfmal ins Schwarze getroffen.

Conny Pohlers

Conny Pohlers traf viermal gegen Leipzig © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Doch auch die Torschützenkönigin der Vorsaison, Conny Pohlers, nimmt langsam Fahrt auf. Sie traf beim 5:1-Sieg des VfL Wolfsburg gegen Leipzig gar gleich viermal ins Netz und hat inzwischen acht Tore in der laufenden Saison erzielt. Das packende Duell der beiden Weltklassestürmerinnen dürfte bis zum letzten Spieltag andauern, wir freuen uns drauf.

Sweet 16
Dass man nicht gleich vier Tore erzielen muss, um einen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen, bewies Isabelle Wolf von der SG Essen-Schönebeck beim 1:1 gegen den FCR 2001 Duisburg. Nur vier Minuten nach ihrer Einwechslung erzielte die erst 16-Jährige ihren ersten Bundesligatreffer. In unnachahmlicher Manier ließ die pfeilschnelle Stürmerin dabei die gestandene Nationalspielerin Annike Krahn alt aussehen. Dabei hatte Wolf noch in der vergangenen Saison ihre Fußballschuhe für Regionalligist SG Lütgendortmund geschnürt. Anschließend meisterte sie noch etwas unbeholfen, aber umso sympathischer, das wohl erste TV-Interview ihrer noch jungen Laufbahn. „Wenn sie weiter hart an sich arbeitet, kann sie eine große Karriere starten“, ist sich ihr Trainer Markus Högner sicher.

Katharina Baunach

Katharina Baunach fasst nach 20-monatiger Pause wieder Fuß © Sandra Kunschke / girlsplay.de

Erfolgs-Comeback
20 Monate lange konnte Katharina Baunach vom FC Bayern München kein Bundesligaspiel bestreiten. Eine hartnäckige Knieverletzung sowie eine Knochenschwäche machten der 22-Jährigen mächtig zu schaffen. Doch nun ist sie wieder gesund und zeigt, dass sie nichts verlernt hat. Beim 1:0-Sieg in Bad Neuenahr erzielte sie am Sonntag den Treffer des Tages, mit einem Freistoßtor Marke „Tor des Monats“, der Ball schlug zentimetergenau im linken Kreuzeck ein. „Ich kann meinem Körper wieder vertrauen, und das ist ein gutes Gefühl“, verriet sie unlängst der Süddeutschen Zeitung. Zwar wird es noch eine Weile dauern, bis sie wieder hundert Prozent ihres Leistungsvermögens erreicht hat, doch Baunach ist auf einem guten Weg.

Frankreichs Liga boomt
In der Frauenfußball-Bundesliga haben sich die Zuschauerzahlen nach der Frauenfußball-WM in Deutschland leicht verbessert, doch voller Neid darf man derzeit ins Nachbarland Frankreich blicken. Dort strömten am vergangenen Samstag zum Duell zwischen EA Guingamp und Olympique Lyonnais 12 263 Zuschauer ins Stade Roudourou. Ein neuer Liga-Rekord, zuvor lag die Höchstmarke bei 5 892 Zuschauer, die sich in der Saison 2009/10 ein Spiel zwischen Juvisy und Paris Saint-Germain im Prinzenpark-Stadion angeschaut hatten.

Ligadebüt mit 13
Am vorigen Samstag erlebte die schwedische Damallsvenskan ein Debüt der besonderen Art. Bei der 1:2-Niederlage von Piteå IF bei Dalsjöfors GoIF wechselten die Gäste in der 88. Minute Ronja Aronsson ein. Das Besondere: Aronsson ist erst 13 Jahre alt. „Das war schon etwas Besonderes“, freute sich Aronsson, der erste Saisonsieg von Dalsjöfors geriet zur Randnotiz. Doch wer glaubt, Aronsson sei die jüngste Damallsvenskan-Spielerin aller Zeiten, muss leider enttäuscht werden. Denn Åsa Pettersson debütierte im Jahr 1995 ebenfalls im Alter von 13 Jahren für AIK – und war dabei etwa einen Monat jünger als Aronsson, die am 20. Dezember ihren 14. Geburtstag feiern wird.

Flops

Colin Bell

Verbaler Rundumschlag: Colin Bell © Sandra Kunschke / girlsplay.de

Trainer außer Rand und Band
Die Website des SC 07 Bad Neuenahr nannte es einen „Knalleffekt auf der Pressekonferenz“, dass Trainer Colin Bell nach der 0:1-Niederlage seines Vereins gegen den FC Bayern München „seinen Emotionen freien Lauf“ ließ. Doch der 50-Jährige wird inzwischen selber wissen, dass es ein Fehler war, öffentlich schwere Kritik an Spielerinnen und Verein geäußert zu haben. Gerade in einer schwierigen Phase kommt dem sportlichen Leiter die Hauptaufgabe zu, einen kühlen Kopf zu bewahren. „Natürlich kann ein Angestellter des Vereins sich öffentlich so nicht äußern, auch wenn es menschlich verständlich ist“, so Bad Neuenahrs Präsident Bernd Stemmeler. Bleibt zu hoffen, dass Bell in den kommenden Wochen bei seinen Spielerinnen die richtigen Töne trifft, um die sportliche Krise zu bewältigen.

Schießbude der Liga
7,2 Gegentore hat der Mellendorfer TV im Schnitt in seinen bisher fünf Spielen der 2. Bundesliga Nord kassiert und ist damit kurioserweise nicht einmal Tabellen-Schlusslicht. Am vergangenen Sonntag setzte es für den Verein eine 1:15-Niederlage bei der zweiten Mannschaft des 1. FFC Turbine Potsdam, gleich sieben von zehn Turbine-Feldspielerinnen konnten sich als Torschützinnen auszeichnen – ein neuer Tiefpunkt für den Aufsteiger in der noch jungen Saison. Zumindest dürfen sich die Mellendorfer damit trösten, dass es nicht allzu viele Leute mitbekommen haben, denn offiziell verirrten sich nur 46 Zuschauer zum Spiel.

Bittere Derby-Klatsche
In der 2. Bundesliga Süd galt der 1. FC Köln vor der Saison zum erweiterten Favoritenkreis. Doch nach der 0:3-Pleite im Derby bei Aufsteiger Borussia Mönchengladbach haben die Kölnerinnen nach dem fünften Spieltag bereits acht Punkte Rückstand auf Tabellenführer VfL Sindelfingen. „Wir haben vorne einfach nicht die nötige Qualität gezeigt, um Tore zu schießen. Wir haben zwar gekämpft, aber erfolglos agiert“, musste Trainer Willi Breuer einräumen. Will das Team im Kampf um den Aufstieg noch ein Wörtchen mitreden, muss schon bald eine Erfolgsserie gestartet werden, am besten bereits im kommenden Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken.

Tyresö verspielt Meisterschaft
Rechnerisch ist zwar noch alles möglich, doch die überraschende 0:1-Niederlage bei KIF Örebro DFF dürfte Tyresö FF wohl die Meisterschaft gekostet haben. Der bisherige Tabellenführer fiel durch die Niederlage auf Platz 3 zurück und ist nun darauf angewiesen, dass Spitzenreiter LdB Malmö sein Heimspiel gegen KIF Örebro DFF verliert, einen eigenen Sieg im Heimspiel gegen Kopparbergs/Göteborg FC vorausgesetzt.

Wasserspiele in Norwegen
Es wird wohl für immer ein Geheimnis von Schiedsrichterin Signe Kvalsvik Rydland bleiben, warum sie am vergangenen Sonntag die Partie der norwegischen Toppserien zwischen Klepp IL und Røa IL angepfiffen hat. Denn von Fußballspielen konnte an diesem Tag im Klepp-Stadion nicht die Rede sein. Teilweise knöchelhoch stand das Wasser auf dem Rasen, die Spielerinnen beider Teams lieferten sich über 90 Minuten eine unwürdige Rutschpartie unter irregulären Bedingungen. Ein  gefährliches Spiel mit der Gesundheit aller Beteiligten und sicherlich keine gute Werbung für den Sport, wie die TV-Bilder eindrucksvoll belegen. Røa-Trainer Geir Nordby machte seinem Protest auf originelle Weis Luft, indem er das Stadion mit Schwimmbrille und Nasenklammer betrat.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

7 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    Als die SG Essen-Schönebeck im Sommer die Verpflichtung von Jacqueline Klasen und Isabelle Wolf bekanntgab, bin ich zunächst davon ausgegangen, dass die beiden Nachwuchsspielerinnen zwar mit den Profis trainieren, aber in der 2.Mannschaft zum Einsatz kommen würden.
    Schließlich handelte es sich um weitgehend unbekannte Spielerinnen, die zuvor mit der SG Lütgendortmund nur in der Regionalliga gespielt hatten und nie für eine der DFB-Auswahlmannschaften (U15, U16, U17) nominiert worden waren. Doch jetzt haben beide schon vier bzw. fünf BL-Einsätze absolviert, teilweise sogar von Anfang an, und dabei überzeugende Leistungen abgeliefert.

    Die sportlich Verantwortlichen bei der SGS scheinen wirklich ein gutes Auge für Talente zu haben!

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  • waiiy sagt:

    Für mich ist die SGS auch wieder ein TOP!

    waiiy

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  • SGS sagt:

    Ich muss zugeben, dass ich meinen Lieblingsverein vor der Saison mit Jena, Leipzig und Freiburg im Abstiegskampf gesehen hätte. Nach Abgängen wichtiger Spielerinnen, bei wenigen, weitgehend unbekannten Neuzugängen (Last-Minute-Transfer Holl mal ausgenommen), hätte ich einfach nicht mehr erwartet. Die positive Entwicklung betrifft nicht nur die Neuzugänge, sondern auch Spielerinnen, die in der Vorsaison kaum überzeugen konnten. Exemplarisch würde ich da unsere beiden Portugiesinnen nennen. Speziell Carole – in der Vorsaison bei ihren wenigen Einsätzen meist ein Unsicherheitsfaktor – strotz neuerdings vor Selbstvertrauen, und liefert ein gutes Spiel nach dem anderen ab. Man könnte die Liste aber noch erheblich weiterführen. Wenn der Trend so anhält – immerhin haben wir alle 3 Großen für die Hinrunde schon hinter uns – wird das ’ne richtig klasse Saison.

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  • Sheldon sagt:

    So schnell kanns in Schweden gehen…

    Zur SGS: Das ist schon ein starkes Stück. Allerdings: Man soll den Tag nicht vor dem Abend loben. Sie haben ein zum Teil noch ziemlich junges Team und noch eine lange Rückrunde vor sich. Zwei Niederlagen und man befindet sich wieder im Abstiegskampf! Lieber noch ein bisschen abwarten mit den Prognosen.

    Und der letzte Flop erinnert mich ein bisschen an 1974, WM-Zwischenrunde^^

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  • FFFan sagt:

    Das Comeback von Katharina Baunach ist auch auf anderen Seiten ein großes Thema:

    http://j.mp/n2ignT

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  • Speedy75 sagt:

    Die mit den Transfers haben die SGS-Verantwortlichen ein gutes Auge bewiesen mal sehen wo diese Mädels in 2 Jahren stehen.

    Das Katharina Baunach wieder so zurückfindet hat mich auch gefreut da wir vor Ihrer Verletzung auch auf einem sehr guten Weg.

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  • Der Hamburger sagt:

    Colin Bell hat vermutlich gute Gründe für seine Kritik und seinen Ärger über das nicht-professionelle Umfeld in seinem Verein. Bad Neuenahr gehört wohl zu den Vereinen, die eher von der Tradition und nicht von einer professionellen Leistungsorientierung leben, um Schröders Unterscheidung aus dem Interview mit den „11 Freundinnen“ aufzugreifen. Aber er hätte seine Kritik und seinen Ärger nicht öffentlich machen dürfen, auch wenn er in der Sache Recht hat.* Allerdings finde ich ihn als Taktiker nicht schlecht. Das Defensivverhalten der gesamten Mannschaft scheint sich verbessert zu haben. Die Ursachen für die sportlichen Probleme liegen woanders: Das Mittelfeld arbeitet zwar defensiv gut, aber es liefert fast überhaupt keine spielerischen Impulse nach vorn und der Sturm besteht de facto nur aus Célia. Der Weggang von Lena Goeßling mit ihren Steilpässen und Standards und der verletzungsbedingte Ausfall der starken Nicole Rolser sind in keinster Weise kompensiert worden – weder durch Ramona Petzelberger noch durch die Neuseeländerin Sarah Gregorius.
    Der Verein muss jetzt die Ruhe bewahren, in den richtungweisenden Spielen gegen die anderen Abstiegskandidaten genug Punkte holen und dann in der Winterpause mit dem Geld des zahlungskräftigen Trikotsponsors ein bis zwei neue Offensivspielerinnen holen.

    * Ich selber habe vor einigen Wochen in Bezug auf einen anderen Verein einen ähnlichen Fehler gemacht, wofür ich mich bei den Betroffenen [und auch bei Markus Juchem für die Unannehmlichkeiten] entschuldigen möchte. Ihr wisst schon, worauf ich mich beziehe.

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