„Dachschaden“ durch Kopfbälle?

Von am 24. August 2011 – 10.16 Uhr

Es gehört schon viel dazu, einen Fußball mit dem Kopf abzuwehren. Bei harten Schüssen wird der Kopf ganz schön belastet. Daher hält sich nachhaltig das Gerücht, dass Kopfbälle dem Gehirn schaden. Forscher der Universität Regensburg wollten ganz genau wissen, wie gefährlich Kopfbälle für unsere Hirnleistung sind.
Fußballprofis müssen oft mit dem Vorwurf leben, dass ihr Talent eher auf dem Platz als beim Denken liegt. Daran sollen auch Kopfbälle ihre Mitschuld haben. Ob das stimmt, sei einmal dahin gestellt. Aber wenn ein Kicker nichts im Kopf hat, ist zumindest der Kopfball nicht schuld daran. Das ist das Ergebnis der Forschergruppe um Prof. Dr. Petra Jansen und Diplom-Psychologin Cornelia Rieder vom Institut für Sportwissenschaft an der Universität Regensburg. Sie haben die gesundheitlichen Folgen des Kopfballs genau unter die Lupe genommen.

na_alleswas_dunkel_200x62Wie gefährlich Kopfbälle sind, ob Frauen stärker gefährdet sind als Männer, ob ein Kopfball eine Gehirnerschütterung verursachen kann und ob die kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt werden, waren die Hauptfragen für die Forscher. Um Antworten zu finden, testeten die Wissenschaftler mit 91 Probanden zwischen 19 und 29 Jahren. Davon waren 61 weiblich und 30 männlich. Die Test-Kicker, von denen 24 bereits in einem Verein aktiv kickten, kamen überwiegend von der Universität Regensburg. Im Experiment wurden sie in drei Gruppen eingeteilt: eine „Kopfball-Trainingsgruppe“, eine so genannte „Placebo-Kontrollgruppe“ und schließlich eine „inaktive Kontrollgruppe“.

Fit durch Fußball

Das Spiel mit dem Kopf birgt keine Gefahren ©istockphoto.com/kycstudio

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Köpfen bis der Schädel brummt
Vor dem eigentlichen Kopfball-Test mussten die Probanden einige neuropsychologische Tests durchführen, bei denen ihre Aufmerksamkeitsfähigkeit und die Gedächtnisleistung geprüft wurden. Mit diesen Tests kontrollieren Mediziner schon lange, ob kleinere Schäden oder Beeinträchtigungen des Gehirns vorliegen. Nach einer Woche folgte eine zweite Testreihe. Dabei absolvierte die Testgruppe ein rund 15-minütiges Kopfballtraining. Die Placebogruppe trainierte, ohne Kopfbälle zu machen und die Kontrollgruppe musste gar nichts tun. Im Anschluss daran wurden die neuropsychologischen Tests wiederholt.

Bei der Auswertung der Ergebnisse stellten die Forscher fest, dass sich durch das Köpfen die Testergebnisse nicht verschlechterten. Allerdings klagten die weiblichen Probanden nach dem Kopfballtraining vermehrt über leichte Kopfschmerzen.

Zugegeben, die Studie gibt keine Antworten über Langzeitschäden durch Kopfbälle. Dies ist ohne entsprechende Kontrollwerte auch schwierig bis unmöglich. Die Versuche haben allerdings gezeigt, dass zumindest unmittelbar nach einer großen „Dosis“ Kopfbälle unser Gehirn nicht geschädigt ist. Dies nehmen die Forscher zum Anlass, in einer Langzeitstudie auch die Spätfolgen der Kopfbälle zu untersuchen. Auf diese Ergebnisse werden wir aber noch eine Weile warten müssen.

Die Ergebnisse der ersten Studie wurden in der renommierten Fachzeitschrift „Archives of Clinical Neuropsychology“ (DOI: 10.1093/arclin/acr055) veröffentlicht.

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