Homare Sawa räumt Ehrungen ab

Von am 18. Juli 2011 – 10.47 Uhr 9 Kommentare

Mit ihrer überragenden Turnierleistung hat sich Homare Sawa nicht nur den WM-Titel gesichert, sondern auch noch zahlreiche Auszeichnungen erhalten.

Denn die 32-jährige Kapitänin wurde von den Medienschaffenden als beste Spielerin des Turniers mit dem Goldenen Ball von adidas ausgezeichnet, darüber hinaus gewann sie auch den Goldenen Schuh von adidas als mit fünf Treffern erfolgreichste Torschützin der Titelkämpfe. Und als ob dem noch nicht genug wäre, gewann Japan auch noch den Fairplay-Preis, daran konnte auch die Rote Karte im Finale in der Schlussminute gegen Azusa Iwashimizu nichts mehr ändern.

Überragende WM-Persönlichkeit
Sawa bestach bei ihrer fünften WM-Teilnahme als Leaderin und Taktgeberin ihres Teams. Sowohl in der Vorwärts- wie auch in der Rückwärtsbewegung war sie gleichermaßen wertvoll für ihr Team. Und in der 117. Minute rettete sie ihre Elf mit dem 2:2 und einem der schönsten Turniertreffer ins Elfmeterschießen, indem die Japanerinnen die Oberhand behielten. „Sie ist Balljägerin, Schaltstation im Spielaufbau und gleichzeitig Goalgetterin. Sie gehört definitiv zu den komplettesten Spielerinnen“, lobt Deutschlands frühere Trainerin Tina Theune, die während des Turniers Mitglied der Technischen Studiengruppe (TSG) der FIFA war.

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Wambach muss sich mit Platz 2 begnügen
Abby Wambach musste sich nicht nur mit dem Vizeweltmeistertitel, sondern auch mit Platz zwei bei der Wahl zur besten Spielerin des Turniers zufrieden geben. Dabei bestimmte sie das Schicksal ihres Teams im Turnier maßgeblich. Gegen Brasilien köpfte sie in der 122. Minute den Ausgleich, der das Team vor dem Viertelfinal-K.o. bewahrte, im Finale erzielte sie ihren vierten WM-Treffer, auch ihren Elfmeter im Elfmeterschießen verwandelte sie sicher. Mit nun 13 WM-Treffern ist sie nun vor Michelle Akers (12 Tore) die beste US-Torschützin der WM-Geschichte, nur einen Treffer hinter den gemeinsam führenden Birgit Prinz und Marta, die beide jeweils 14 Treffer erzielt haben. Für ihre vier WM-Tore erhielt Wambach auch den adidas Bronzenen Schuh als drittbeste Torjägerin des Turniers.

Homare Sawa

Homare Sawa (li.) stach Abby Wambach (Mi.) und Hope Solo aus © Nora Kruse, ff-archiv.de

Untröstliche Solo
Auch Hope Solo konnten die beiden Auszeichnungen nicht über die Enttäuschung des verlorenen Finales hinwegtrösten. Sie wurde nicht nur zur besten Torhüterin des Turniers ausgezeichnet, sondern auch zur drittbesten Spielerin des Turniers. Mit Tränen in den Augen bestieg sie zweimal das Podium, um ihre Trophäen entgegenzunehmen. Erst im dritten Gruppenspiel gegen Schweden musste sie das erste Mal hinter sich greifen, im Elfmeterschießen gegen Brasilien hielt sie den entscheidenden Elfmeter gegen Daiane.

Ungeliebte Marta
Die fünffache Weltfußballerin Marta erhielt in Abwesenheit und unter den gellenden Pfiffen des Publikums den adidas Silbernen Schuh als zweitbeste Torschützin des Turniers, und das, obwohl ihr Team bereits nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten musste. Mit jeweils zwei Treffern in den Spielen gegen Norwegen und Brasilien sowie zwei weiteren Torvorlagen ließ sie ihr Können im Turnier einige Male aufblitzen.

Foord ist beste junge Spielerin
Bereits zwei Tage zuvor wurde die erst 16-jährige Australierin Caitlin Foord zur besten jungen Spielerin des Turniers ausgezeichnet. Sie zeigte unter anderem im Spiel gegen Brasilien gegen Gegenspielerin Marta, dass sie als rechte Verteidigerin bzw. im rechten Mittelfeld ein hoffnungsvolles Talent für die Zukunft ist. „Sie hat das Potenzial, sich zum Prototyp einer modernen Abwehrspielerin zu entwickeln“, so April Heinrichs, TSG-Mitglied und ehemalige U.S.-Nationaltrainerin.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

9 Kommentare »

  • fribu sagt:

    Frau Sawa hat die Titel alle wirklich verdient! Sie wirkt sympathisch, bescheiden und ist vor allem erfolgreich, ohne Glamour-Faktor 🙂

    Der Titel „Drittbeste Spielerin des Turniers“ für Hope Solo ist dagegen etwas schmeichelhaft. Man könnte denken, Schweden und Frankreich hätten nicht am Turnier teilgenommen…

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  • Jennifer sagt:

    Hier noch die Reaktionen der Spielerinnen gem. geführten Interviews. So „untröstlich“ scheinen sie gar nicht zu sein:

    Unter den ersten 4 Teams bei einer Weltmeisterschaft zu sein ist auch etwas Tolles! Deswegen gehen meine Glückwünsche nicht nur nach Japan sondern auch in die USA, nach Schweden und Frankreich.

    Bin sehr froh, dass Homare Sawa als Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde – und nicht Marta (tolle Spielerin, aber ich meine ihre Eskapaden).

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  • FFFan sagt:

    Freut mich, dass Homare Sawa verdientermaßen als beste Spielerin des Turniers ausgezeichnet wurde. Sie dürfte jetzt auch gute Chancen bei der Wahl zur Weltfußballerin des Jahres haben.
    Abby Wambach als zweitbeste Spielerin finde ich auch okay; auf sie war in den wichtigen Spielen immer Verlass.
    Hope Solo sehe ich nicht als drittbeste Spielerin des Turniers. Da kämen für mich eher Lotta Schelin, Sonja Bompastor oder -jawohl!- Marta in Frage. Es ist sogar fraglich, ob sie überhaupt die beste Torhüterin war. Kaihori, Lindahl und Andreia waren m.E. insgesamt nicht unbedingt schlechter.

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  • pinkpanther sagt:

    @FFFan: Von Schweden hab ich mit am Wenigsten gesehen bei der WM, deshalb von meiner Seite ein ? bei Lindahl. Kaihori, ja, da würde ich dir zustimmen. In den Entscheidungsspielen ab VF war sie praktisch fehlerfrei, ihr hätte ich unbedingt den Handschuh gegeben.
    Andreia für mich schon allein wegen des Patzers im VF NICHT, als sie in der entscheidenden Szene an Rapinoes Flanke vorbeigeseegelt/zu spät gekommen ist und somit Wambach den Ausgleich ermöglicht hat.
    Aber bei der Wahl zur besten Spielerin/Torhüterin zählt auch das Auftreten einer Spielerin dazu (deswegen Marta auch zu Recht nicht in den Top 3) und da hat Hope Solo bestimmt Pluspunkte gesammelt. Kaihori ist zwar keineswegs negativ aufgefallen, sondern hauptsächlich als tolle Sportlerin, aber vielleicht fehlt ihr dann einfach doch der „Glamourfaktor“ einer Hope Solo. Ich hätte übrigens trotzdem Kaihori den goldenen Handschuh gegeben 😉

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  • Detlef sagt:

    @FFFan,
    Also Du hättest „Pannen-Hedvig“ zur besten Torhüterin gewählt???

    Dann hätte ich ja noch eher an NATZE gedacht!!! 😉

    Hope Solo war sicher weit weg von einer Weltklassetorhüterin!!!
    Aber insgesamt gesehen, geht ihre Wahl dann auch in Ordnung!!!

    Es ist wiedermal typisch, daß keine einzige Abwehrspielerin in die engere Wahl zur „Besten Spielerin der WM“ gezogen wurde!!!
    Hier hätten durchaus eine Charlotte Rohlin, eine Laura George, oder auch eine BABETT PETER stehen können!!!

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  • Markus Juchem sagt:

    @Detlef: Ist halt das Schicksal der Abwehrspielerinnen, dass sie normalerweise nur auffallen, wenn sie Fehler machen. Und so gerne ich Laura Georges mag, in den entscheidenden Spielen hat sie sich auch einige gravierende Patzer geleistet, deswegen kann ich persönlich ihre Berufung ins FIFA-All-Star-Team nicht ganz nachvollziehen und auch nicht Deine Erwägung, sie in die engere Wahl zur „Besten Spielerin der WM“ aufnehmen zu wollen.

    Hope Solo war sicherlich auch noch nicht wieder bei 100 Prozent, aber außer Kaihori (ab der K.-o.-Runde) gab es sonst keine Torhüterin, die bei der WM wirklich positiv aufgefallen ist.

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  • Markus Juchem sagt:

    @pinkpanther: Andreia ist auf der Linie keine schlechte, aber beim Herauslaufen und in der Luft hat sie große Schwächen, unter anderem wegen ihrer schlechten Beinarbeit. Das war nicht nur beim Wambach-Tor der Fall. Anders als Du sehe ich Marta unter den Top 3, weil ich der Meinung bin, dass man die sportliche Leistung vom Rest trennen muss, wir wählen schließlich nicht das „beste Vorbild der WM“ oder die „fairste Spielerin der WM“. Für Ordnung auf dem Platz haben die Schiedsrichterinnen zu sorgen. Es ist nicht die Aufgabe der Medienvertreter, das Verhalten auf dem Platz zu bewerten bzw. im Nachhinein abzustrafen.

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  • Detlef sagt:

    @Markus,
    Es ist kein Schicksal, sondern pure Nichtachtung dieses Mannschaftsteils!!!
    Man sagt Abwehrspielern ja gerne nach, daß sie nur destruktive Arbeit verrichten!!!1
    Aber die moderne Interpretation einer Abwehrspielerin sieht eben nicht nur die reine Abwehrarbeit, sondern auch das Einschalten in die Offensive mit vor!!!
    Und hier waren vor allem Georges und PETER herausragend!!!
    Auch die japanische Außenverteidigerin Kinga gefiel mir übrigens sehr gut!!!

    Markus schrieb; „Hope Solo war sicherlich auch noch nicht wieder bei 100 Prozent, aber außer Kaihori (ab der K.-o.-Runde) gab es sonst keine Torhüterin, die bei der WM wirklich positiv aufgefallen ist.“

    Richtig, und deswegen halte ich ja ihre Ernennung zur besten Torfrau des Turniers auch für gerechtfertigt!!!

    Ich muß zu NATZES Ehrenrettung noch anmerken, daß sie außer bei ihrem groben Schnitzer in der 108. Minute des VF, kaum Fehler gemacht hat!!!
    Bei den beiden Gegentoren gegen Frankreich habe ich lange überlegt, ob ich ihr da eine Mitschuld gebe, denn der Ball kommt zweimal an die 5m Grenze!!!
    Aber eine Torfrau muß sich auch auf ihre Vorderleute verlassen, und ihnen vertrauen können!!!

    Zu Marta habe ich die selbe Meinung wie Du!!!
    Es wurde ja nicht das beste Vorbild für die Jugend gesucht, sondern die beste Spielerin!!!
    Einen Fair-Play-Pokal wird Marta wohl niemals gewinnen!!!

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  • FFFan sagt:

    @ Detlef:
    „@FFFan,
    Also Du hättest “Pannen-Hedvig” zur besten Torhüterin gewählt???“

    Das hab ich nicht gesagt. Ich schrieb, dass sie insgesamt nicht schlechter war als Solo.
    Lindahl hat zwar im Halbfinale entscheidend gepatzt, in den übrigen Spielen aber solide bis starke Leistungen gezeigt. Solo war auch nicht fehlerfrei: an dem Gegentreffer im Halbfinale trägt sie eine Mitschuld und auch im Viertelfinale und im Endspiel wirkte sie gelegentlich unsicher.

    Den goldenen Handschuh hätte m.E. am ehesten Kaihori verdient.

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