Jays WM: „Ich würde es den Japanerinnen gönnen“

Von am 17. Juli 2011 – 10.25 Uhr

In der neuesten Ausgabe von Jays WM spricht Bianca Rech über das bevorstehende WM-Finale, arbeitet noch einmal das Abschneiden der deutschen Mannschaft auf und äußert sich zur „Besten Spielerin“ des Turniers.

Hallo zusammen,

ich gebe es gerne zu: Ich habe Japan unterschätzt. Aber so stark hat sie vor dem Turnier wohl niemand eingeschätzt. Unglaublich wie diszipliniert sie ihre Leistung von Spiel zu Spiel abrufen – Japan steht verdient im Finale. Der Schock über das deutsche Ausscheiden sitzt noch immer tief. Ich habe das Spiel mit Freunden in einer Kölner Bar verfolgt und es hatte etwas Surreales. Niemand hätte im Vorfeld daran gedacht, dass das deutsche Team im Viertelfinale scheitern könnte.

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Die deutsche Mannschaft konnte lange nicht an die Leistung anknüpfen, die sie in der Turniervorbereitung gezeigt hatte. Auf den Punkt genau, bei einem K.-o.-Spiel Leistung abzurufen, war –warum auch immer – nicht möglich. Wenn man dann die Vielzahl der Chancen nicht verwertet, trifft irgendwann der Gegner, so ungerecht und hart kann der Fußball eben sein.

Gründe für das Ausscheiden gibt es sicher einige: Wurde die Mannschaft nicht genügend auf diese große Aufmerksamkeit vorbereitet? War die Erwartungshaltung von außen zu groß?  Muss man auch Entscheidungen hinterfragen, wie etwa die Ein- und Auswechslungen? War die WM-Vorbereitung nicht doch zu lange und das Team nicht vielleicht sogar überspielt? Hat der Teamgeist in der Mannschaft hundertprozentig gestimmt?

Ich glaube, es sind viele Fragen, die man sich im Nachhinein stellen kann. Aber für die Beantwortung und Rechtfertigung sind andere zuständig. Grundsätzlich muss man sagen, dass die DFB-Elf nie die Leistung abgerufen hat, die sie im Stande ist zu erbringen.

Jetzt stehen sich also die USA und Japan im Finale gegenüber. Ich hätte mir lieber das Finale USA gegen Schweden gewünscht, weil es ähnliche Spielerinnentypen sind, bei den Japanerinnen ist das etwas ganz anderes. Wenn es die Japanerinnen schaffen, das gleiche Spiel aufzuziehen wie gegen Schweden, auch stark in der Offensive, dann haben sie durchaus auch gegen die Amerikanerinnen Chancen. Die entscheidende Frage die ich mir stelle, wie werden sie mit der Robustheit der USA zurechtkommen? Ich habe keinen klaren Favoriten.

Mein Herz schlägt ein wenig mehr für die Amerikanerinnen, weil sie mit ihren Spielen wie z. B. gegen Brasilien dieses Turnier mit ihrer Leidenschaft und Willen gefüllt, die Fans fasziniert und begeistert haben. Ich würde es aber auch den Japanerinnen gönnen, da sie sehr überzeugende Spiele gezeigt haben.

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Bianca Rech

Bianca Rech verfolgt die WM exklusiv für Womensoccer © privat

Ihr redet Euch wahrscheinlich schon die Köpfe heiß, welche Spielerin zur besten Spielerin des Turniers gekürt werden sollte. Wie zeichnet sich eine beste WM-Spielerin aus? Denn neben der individuellen Leistung zählt sicherlich auch, wer die Mannschaft geführt  hat, eine positive Ausstrahlung zeigte und zum Erfolg des Teams beitragen konnte.

In meinen Top 3 wäre auf jeden Fall Lotta Schelin. Dazu eine Abby Wambach, weil sie ein Leader- und Winner-Typ mit absolutem Willen ist und entscheidende Tore geschossen hat, gerade in der Endphase, obwohl sie zu Beginn Schwierigkeiten hatte, ins Turnier zu finden. Dann ist es für mich auf jeden Fall auch eine Japanerin, z. B. Homare Sawa oder auch Aya Miyama. Ihr wundert Euch vielleicht, dass Marta in meiner Liste fehlt.

Sie gehört für mich nicht zu den Top 3. Sie ist eine Ausnahmefußballerin, denn das, was sie spielerisch auf dem Feld anzubieten hat, ist beeindruckend. Jedoch war ich über ihr Verhalten im  Spiel Brasilien gegen USA schockiert. Aus diesem Grunde ist sie bei dieser WM für mich einer besten Spielerin der Welt nicht würdig – sie kommt für mich absolut nicht in Frage.

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