Japan holt sich Weltmeistertitel

Von am 17. Juli 2011 – 23.37 Uhr 42 Kommentare

Japan hat es geschafft: In einem dramatischen WM-Finale haben sich die Japanerinnen gegen die über weite Strecken überlegenen USA nach Elfmeterschießen durchgesetzt. Auch ein zweimaliger Rückstand brachte das Team nicht vom Erfolgsweg ab.

Beim 5:3 (2:2, 1:1, 0:0)-Sieg nach Elfmeterschießen vor 48 817 Zuschauer im FIFA WM-Stadion Frankfurt war es die zur zweiten Halbzeit eingewechselte Alex Morgan, die mit ihrem zweiten WM-Treffer die  US-Führung erzielte (69.). Doch Aya Miyama erzwang die Verlängerung (81.), ehe Abby Wambach per Kopf die USA erneut in Front brachte (104.). Doch Homare Sawa glich erneut aus (116.) und Saki Kumagai verwerteten im Elfmeterschießen den entscheidenden Strafstoß für die Japanerinnen.

Japan unverändert, USA mit zwei Wechseln
Japans Trainer Norio Sasaki vertraute der Formation, die im Halbfinale Schweden mit 3:1 bezwungen hatte. US-Trainer Pia Sundhage nahm zwei Wechsel vor: Rachel Buehler rückte nach Ablauf ihrer Rotsperre für Becky Sauerbrunn zurück in die Innenverteidigung, Megan Rapinoe durfte von Beginn an spielen, für sie musste Amy Rodriguez Platz auf der Ersatzbank nehmen, Lauren Cheney agierte als zweite Spitze neben Abby Wambach.

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Cheney hat frühe Führung auf dem Fuß
Die Partie begann furios, denn die Japanerin Azusa Iwashimizu ließ sich auf der rechten Abwehrseite von Cheney überlaufen, die zog nach innen, Japans Torhüterin Ayumi Kaihori klärte den Schuss nach nur 20 Sekunden. Und die Amerikanerinnen hatten auch die zweite gute Chance, als Rapinoe von links nahe an der Grundlinie scharf nach innen passte, Cheney aber den Ball knapp am Pfosten vorbeischob (8.). Nur Sekunden später setzte sich Abby Wambach erstmals in Szene, ihr Schuss aus 25 Metern ging aber übers Tor (9.).

USA schnüren Japan ein
Die USA drückten gegen etwas müde wirkende Japanerinnen weiter aufs Tempo, Carli Lloyd verzog nach Kopfballablage von Wambach von der Strafraumgrenze (11.). Es ging weiter mit Chancen im Minutentakt, Rapinoe vergab aus sechs Metern nach Vorarbeit von Heather O’Reilly die nächste gute Gelegenheit (12.). Die Japanerinnen überstanden diese Druckphase jedoch unbeschadet, Chancen hatte jedoch weiter nur der Weltranglistenerste, Lloyd (17.) und Rapinoe, die den Außenpfosten traf (18.), scheiterten aber mit ihren Schussversuchen. Es dauerte bis zur 22. Minute, ehe Japan erstmals gefährlich vor das US-Tor kam, Shinobu Ohno verfehlte aber aus 20 Metern das Tor. Die USA hatten Pech, als Wambach mit einem wuchtigen Schuss von der linken Strafraumgrenze nur die Latte traf (28.).

Japan gestaltet Partie ausgeglichener
Nach schönem Steilpass von Ohno hatte Kozue Ando die beste japanische Chance auf dem Fuß, doch Hope Solo konnte sich erstmals auszeichnen und hielt sicher (31.). Cheney setzte einen Kopfball nach weitem Schlag von Kapitänin Christie Rampone nur knapp über die Latte (34.). Eine Ecke von Aya Miyama nahm Nahomi Kawasumi auf, doch ihr Schuss ging übers Tor (38.). Einen Hereingabe in den Strafraum von Ohno verpasste Ando nur knapp, die Japanerinnen waren jetzt etwas besser in der Partie (43.), doch insgesamt ging es für Japan mit einem schmeichelhaften Remis in die Pause.

Morgan trifft Pfosten
Die für Cheney eingewechselte Alex Morgan hatte das 1:0 auf dem Fuß traf aber nach scharfer Hereingabe von O’Reilly aus kurzer Distanz nur den Pfosten (48.). Die Partie nahm langsam wieder Fahrt auf, Lloyd versuchte es von der rechten Strafraumgrenze (52.), Wambach scheiterte aus 18 Metern (53.). Ein toller Pass von Homare Sawa hätte fast für Gefahr gesorgt, doch Ando hob den Ball etwas überhastet über das Tor (62.). Auf der Gegenseite lenkte Kaihori einen Wambach-Kopfball reflexartig über die Latte (64.).

Morgan sorgt für Führung, Japan schlägt zurück
Ein Ballverlust der eingewechselten Yuki Nagasato leitete die US-Führung ein: Rapinoe schlug den Ball weit aus der eigenen Hälfte, Morgan setzte sich gegen Iwashimizu durch, Saki Kumagai kam zu spät und der Newcomer setzte den Ball aus 14 Metern schräg ins Netz (69.). Die Amerikanerinnen schienen nun einem Sieg entgegenzusteuern, doch Japan schlug zurück. Buehler konnte einen Ball unter Druck nicht richtig klären, Ally Krieger legte den Ball auf Miyama auf, die aus kurzer Distanz ausglich (81.). Die Japanerinnen bekamen die zweite Luft, Mizuho Sakaguchi scheiterte nur knapp von der Strafraumgrenze (89.). O’Reilly vergab die letzte Chance der regulären Spielzeit (90.+1).

Wambach mal wieder mit Köpfchen
Die starke Morgan versuchte es mit einem Drehschuss, der sein Ziel knapp verfehlte (95.). Und die Morgan-Show ging weiter. Nachdem eine Rapinoe-Flanke abgeblockt wurde ging Morgan mit dem Ball bis zur Grundlinie durch und legte maßgerecht auf Wambach auf, die mit ihrem vierten WM-Treffer die 2:1-Führung köpfte (104.). Doch Japan hielt dagegen und Sawa wäre fast in aussichtsreicher Position an den Ball gekommen (112.). Das Spiel war nun an Dramatik kaum noch zu überbieten, Rampone musste einen Heber von Yukari Kinga in höchster Not klären (115.).

Als erstes asiatisches Team gewinnt Japan die WM. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Sawa rettet Japan ins Elfmeterschießen
Und dann schlug die Stunde von Sawa: Nach einer Ecke von Miyama hielt die Kapitänin die Hacke hin und traf mit ihrem fünften WM-Treffer zum 2:2 (117.). Wambach wurde auf der Gegenseite am Fünfmeterraum gerade noch am Schuss gehindert (119.). Iwashimuzu sah in der Schlussminute Rot, weil sie Morgan von den Beinen holte (120.). Der anschließende Freistoß brachte nichts ein, es ging ins Elfmeterschießen. Gleich drei Amerikanerinnen versagten die Nerven, die Neu-Frankfurterin Saki Kumagai schoss Japan zum Weltmeistertitel.

Elfmeterschießen

0:0 Kaihori klärt per Fuß gegen Boxx
1:0 Miyama
1:0 Lloyd schießt über das Tor
1:0 Solo hält gegen Nagasato
1:0 Kaihori hält gegen Heath
2:0 Sakaguchi
2:1 Wambach
3:1 Kumagai

Japan – USA 5:3 (2:2, 1:1, 0:0) nach Elfmeterschießen

Japan: Kaihori – Kinga, Iwashimizu, Kumagai, Sameshima – Sakaguchi, Sawa – Ohno (66. Maruyama, 118. Iwabuchi), Miyama – Kawasumi, Ando (66. Nagasato)
USA: Solo – Krieger, Buehler, Rampone, LePeilbet – Boxx, Lloyd – O’Reilly, Rapinoe – Wambach, Cheney (46. Morgan)
Tore: 0:1 Morgan (69.), 1:1 Miyama (81.), 1:2 Wambach (104.), 2:2 Sawa (117.)
Gelbe Karte: Aya Miyama (97.)
Rote Karte:
Iwashimizu (120.).
Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Deutschland)
Zuschauer: 48 817 (ausverkauft)

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

42 Kommentare »

  • kleinschwarz sagt:

    Ich war live im Stadion dabei, ganz großes Kino, unvergeßlich, vielen Dank Japan und USA! Glückwunsch an beide Mannschaften!

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  • Daniela sagt:

    @Rallfb

    Es gab mal bei den Männern bei einer WM ein Spiel, Türkei gegen keine Ahnung. Da gab es selbige Situation – und der Türke hat den Gegner nicht umgenietet (wodurch aber der Siegtreffer für den Gegner fiel) – dafür bekam er dann einen Fairplay-Preis.

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  • karl sagt:

    Am besten waer man suspendiert ab sofort alle Japanjubler aus der N11 …..
    Ich gebe zu dass ich USA Fan bin , und eigentlich haette ich das auch von den deutschen Spielerinnen eher erwartet , und seis nur wegen Abby Wambachs Jublern beim letzten Finale.

    Aber vielleicht sollte man sie erstmal fragen warum sie sich so verhalten haben. Koennte ja auch wegen ner Wette gewesen sein, oder weil ne Torhueterin eher mit anderen Torhuetern mitfiebert und ne potentielle eelfmeterschuetzin eher mit den anderen elfmeterschuetzinnen , wer weis das schon ……

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  • eisbär sagt:

    @ Daniela

    Das war Alpay Özalan bei der EM’96 gegen Kroatien.
    In unzähligen Interviews danach hat er aber immer wieder betont, dass er den Gegner hätte lieber foulen sollen und dafür auf den Preis gerne verzichtet hätte. Vielleicht hat diese Szene auch seine Karriere (negativ) beeinflusst, da er des Öfteren den Fair Play Gedanken auf dem Spielfeld vermissen lassen hat.

    Bei der WM 2010 gab es das Viertelfinalspiel zwischen Ghana und Uruguay als Luis Suarez (Uruguay) ein sicheres Tor von Ghana in der letzten Minute der Verlängerung mit der Hand verhindert hat. Er sah die Rote Karte, aber Ghana verschoss den Elfmeter und anstatt mit 1:2 zu verlieren gewann Uruguay anschließend das Elfmeterschießen und zog ins HF ein.

    Da sollte man der Japanerin keinen Vorwurf machen, denn es war kein brutales Foul. Ich denke sogar, dass sie versucht hat, den Ball zu spielen und unterstelle ihr keine Absicht bei dem Foul.

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  • Bobbele sagt:

    Ich liebe es, wenn Underdogs den vermeintlich übermächtigen Gegner schlagen 😉 Nun ja, es sei denn wir sind dieser übermächtige Gegner 😀

    Aber im ernst: Ich freue mich sehr für das japanische Team. Von den verbliebenen vier Mannschaften im Turnier hab ich es ihnen am ehesten gegönnt, den Pokal mit nach Hause zu nehmen!

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  • Der Hamburger sagt:

    Weiß jemnad, warum Pia Sundhage sechs Minuten vor Ende der Verlängerung Megan Rapinoe vom Platz genommen und durch Tobin Heath ersetzt hat? Megan war nicht nur wieder ein Aktivposten im amerikanischen Mittelfeld und hatte bereits die dritte Torvorlage (neben einem selbst erzielten Treffer) im Turnier gegeben, sondern ist mit ihrer sehr guten Schusstechnik auch die deutlich bessere Elfmeterschützin als die mental nicht so starke Tobin Heath. Ein Elfmeterschießen war zum Zeitpunkt der Auswechselung noch möglich und ist dann bekanntlich auch eingetreten. Wollte Pia eine dribbelstarke Spielerin bringen, die in den letzten Minuten den Ball gut halten kann? War Rapinoe mit ihren Kräften am Ende oder sogar leicht angeschlagen?

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  • Holle sagt:

    Ich gebe Dir recht – sie war auch in diesem Spiel ein Aktivposten, hat in der Anfangsphase mächtig Alarm gemacht und gute Flanken reingebracht. Die Vorlage zum Tor später war absolute Weltklasse. Sie hat dann aber nachgelassen. Mein Eindruck war definitiv, dass sie ausgepowert war. Da die USA zu dem Zeitpunkt in Führung lagen, ging es sicher darum ne frische Spielerin zu bringen und das Ergebnis zu halten. Ich denke nicht,dass Sundhage an ein Elfmeterschießen gedacht hat..

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  • Stefan sagt:

    Irgendwie werd ich das Gefühl nicht los, dass sich die japanische Torhüterin beim ersten Elfmeter von Shannon Boxx zu früh bewegt hat. Was meint ihr?

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  • Markus Juchem sagt:

    @Stefan: Sie darf sich ja auf der Linie bewegen, nur nicht die Linie verlassen.

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  • Stefan sagt:

    Ja, aber ich hatte das Gefühl, dass Ayumi Kaihori die Linie schon verlassen hatte, noch bevor Shannon Boxx ihren Elfmeter schoss. Shannon Boxx lief an, aber noch bevor sie den Schuss abgefeuert hatte, lag Kaihori schon am Boden. Ich weiß nicht, ob der Pfiff der Schiedsrichterin das entscheidende Signal ist, oder der Moment, wo sie schießt. Und vielleicht täusche ich mich auch, ich hatte das Gefühl, eine kleine, aber möglicherweise, entscheidende Unregelmäßigkeit zu bemerken.

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  • henry1 sagt:

    @stefan,
    du hast vollkommen recht, sie hat sich eine nyance zu früh bewegt,
    ich schlage vor, wir starten weltweit eine unterschriftensammlung, um das finale wiederholen zu lassen,
    ach was, lass uns das ganze turnier wiederholen,
    so was unfaires, deutschland einfach raus zu kicken! wo gibts denn sowas!
    irony mode off

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  • Stefan sagt:

    Ja, einfach unfair 😀 Nein, ich gönne es den Japanerinnen wirklich. Ich wollte nur wissen, ob beim Elfmeter alles korrekt war bzw. ob mein Eindruck richtig war.

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