Hope Solo, das katzenhafte Glamourgirl

Von am 16. Juli 2011 – 10.53 Uhr 3 Kommentare

Am Sonntag stehen sich im Finale der Frauenfußball-WM Japan und die USA gegenüber (ab 20.45 Uhr live in der ARD). Und für die charismatische US-Torhüterin Hope Solo könnte nach zahlreichen Rückschlägen der größte Traum in Erfüllung gehen.

Vier Jahre zuvor bei der Frauenfußball-WM in China lag Solos Karriere in Trümmern. Trainer Greg Ryan hatte sie vor dem Halbfinale gegen Brasilien auf die Bank verbannt, die USA verloren mit 0:4 und Solo wetterte hinterher öffentlich: „Ich hätte alle Bälle gehalten.“ Die Teamkolleginnen mieden sie nun wie der Teufel das Weihwasser. „Das war mental hart für mich, meine Teamkolleginnen und alle anderen. Das war eine harte Lektion, die ich gelernt habe, aber ich bin daran gewachsen“, so Solo im Gespräch mit Womensoccer.

Ein echtes Glamourgirl
Pia Sundhage übernahm das Kommando von Ryan und führte Solo langsam wieder an das Team heran. Mit Erfolg. Und so darf sich Sundhage glücklich schätzen, die wohl weltweit beste Torhüterin in ihren Reihen zu haben. Die 29-Jährige mit den katzenhaft funkelnden grauen Augen ist zudem eine der wenigen glamourösen Figuren, die der internationale Frauenfußball zu bieten hat.

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Hope Solo

Hope Solo, Garant für den US-Erfolg © Markus Juchem / Womensoccer

Schwierige familiäre Verhältnisse
Und ihre Lebensgeschichte ist so außergewöhnlich, dass Hollywood bereits Interesse gezeigt hat, ihr Leben zu verfilmen. Aufgewachsen als Tochter eines Vietnam-Veteranen, der die Kriegserlebnisse als einsamer Obdachloser im Wald verarbeitete, aber keines ihrer Spiele verpasste, hat Solo früh gelernt, was es heißt kämpfen zu müssen. Nahezu das gesamte Jahr 2010 spielte sie mit Schmerzen in der Schulter, ehe sie sich nach langem Hin und Her zur Operation entschloss. Mit Geduld und eisernem Willen kämpfte sie sich zurück. „Ich bin stolz auf meine harte Arbeit und meine Schmerzresistenz“, erklärt sie.

Der schwere Weg zurück
Erst Anfang April kehrte sie bei der 1:2-Niederlage gegen England eine Halbzeit ins US-Tor zurück. „Ich hatte am Anfang Angst, wenn der Ball auf mich zu kam und bin zurückgezuckt, anstatt auf den Ball zuzugehen. Ich hatte noch kein Vertrauen in meine Schulter. Das war das Schwierigste. Erstaunlicherweise hatte ich keine Probleme, das Spiel wieder zu lesen“, beschreibt sie ihren Kampf zurück an die Spitze.

„Karriere nicht ohne WM-Titel“
Doch alle Mühe und Schweiß haben sich gelohnt, denn mit ihrem Teamkolleginnen hat sie am Sonntag in Frankfurt die Chance, einen lang ersehnten Traum in Erfüllung gehen zu lassen, nicht zuletzt weil Solo im Viertelfinale im Elfmeterschießen gegen Brasilien den Strafstoß von Daiane hielt. „Ich möchte meine Karriere nicht irgendwann einmal beenden, ohne einen WM-Titel gewonnen zu haben“, sagt sie voller Entschlossenheit.

Hope Solo

Hope Solo beim Elfmeterschießen gegen Brasilien © Zetbo / Framba.de

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Mehr Respekt für Torhüterposition nötig
Und sie ist sich sicher, dass eine Grundvoraussetzung für einen US-Erfolg gegeben ist. „Man braucht eine gute Torhüterin, um eine WM zu gewinnen. Im Frauenfußball ist es immer noch schwierig, gute Torhüterinnen zu finden. Es wird langsam besser und man schenkt der Position endlich auch den Respekt und die Aufmerksamkeit, den sie verdient.“ Überlegungen, die Ausmaße des Tores im Frauenfußball zu verkleinern, hält sie für absurd.

Defizite bei den Torhüterinnen
„Das ist lächerlich, das brauchen wir auf keinen Fall. Es hängt viel von der Beinarbeit ab, da haben viele Torhüterinnen Defizite und dann haben sie etwa im Duell mit einer Abby Wambach in der Luft keine Chance.“ Es sei aber ganz natürlich, dass der Frauenfußball in diesem Bereich hinter dem Männerfußball noch herhinke. „Dort gab es früher ja sogar dickbäuchige Torhüter.“ Dass sie auf der ganzen Welt Fans hat und bewundert wird, ist Solo wichtig.

Happy End à la Hollywood?
„Das bedeutet mir eine ganze Menge. Ich bin stolz, auf das, was ich tue und stolz, eine der besten Torhüterinnen zu sein. Ich bin sicherlich nicht perfekt, aber am Ende helfe ich meinem Team, Spiele zu gewinnen. Das ist die Kunst Torhüterin zu sein, und daher rührt meine Leidenschaft.“ Und so ist für Solo, die trotz schwieriger familiärer Umstände bereits als 18-Jährige in der Nationalmannschaft debütierte, ganz klar, wer am Sonntag den Rasen als Sieger verlassen wird. „Ich will diese WM gewinnen und die beste Torhüterin der Welt sein!“ Ein Happy End in bester Hollywood-Manier.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • eisbär sagt:

    Ich drücke speziell ihr und Abby Wambach die Daumen, dass sie am Sonntag den WM-Pokal in ihren Händen halten.

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  • fribu sagt:

    Wenn ich den Begriff „Glamour-Girl“ nur lese/höre, wird mir übel. Ich werde morgen schon allein dehalb für Japan sein, weil die ohne „Glamour“-Faktor guten Fußball spielen…

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  • Holle sagt:

    Gegen ein Glamour-Girl ist nix zu sagen, so lange die Leistung stimmt (gelle Lira? 😉 ). Im übrigen könne die Spielerinnen oft nix für solche Attribute – es wäre zu viel verlangt, dass sie sich nen Kartoffelsack über den Kopf stülpen.

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