USA ziehen ins WM-Finale ein

Von am 13. Juli 2011 – 19.51 Uhr 15 Kommentare

In einem packenden ersten WM-Halbfinale hat sich der Weltranglistenerste USA nach hartem Kampf in Mönchengladbach gegen Frankreich durchgesetzt. Und Abby Wambach spielte beim Erfolg erneut eine zentrale Rolle.

Im FIFA WM-Stadion Mönchengladbach kam das Team von Trainerin Pia Sundhage vor 25 676 Zuschauer zu einem 3:1 (1:1)-Erfolg. Lauren Cheneys Führung (9.) glich Sonia Bompastor aus (55.), Abby Wambach (79.) und Alex Morgan (82.) sorgten in der Schlussphase für die Entscheidung.

Veränderungen in beiden Teams
Frankreichs Trainer Bruno Bini nahm zwei Wechsel vor: Bérangère Sapowicz hütete nach Ablauf ihrer Rotsperre für Celine Deville das Tor, für Sabrina Viguier kam Ophelie Meilleroux in die Partie, nach Wendie Renard bereits die dritte Innenverteidigerin, die im Turnierverlauf auf dieser Position zum Einsatz kam. US-Trainerin Pia Sundhage ersetzte die rotgesperrte Rachel Buehler mit Becky Sauerbrunn.

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Ausgeglichener Beginn
Die Amerikanerinnen hatten unter den Augen von OK-Präsidentin Steffi Jones nach Ecke von Lauren Cheney den ersten Hauch einer Chance, doch Abby Wambach brachte ihren Kopfball nicht unter Kontrolle (6.). Auf der Gegenseite konnte Marie-Laure Delie mit einem Drehschuss nach Vorarbeit von Elisa Bussaglia einen ersten Akzent setzen (7.), kurz darauf musste Hope Solo bei einem 20-Meter-Schuss von Louisa Necib erstmals ihr Können beweisen (8.).

Cheney erzielt Führung
Doch es waren die USA, die einen Auftakt nach Maß erwischten: Heather O’Reilly lief am linken Flügel Laura Georges auf und davon, passte nach innen und Lauren Cheney lenkte den Ball mit ihrem zweiten WM-Treffer zur frühen US-Führung ins Netz (9.).

Frühes Pressing der USA
Die Französinnen waren bemüht, kamen aber nicht recht ins Spiel, weil das Passspiel zu ungenau war und die Amerikanerinnen den Gegner noch in der eigenen Hälfte angriffen. Cheney traf erneut eine gute Ecke hinein, ein Wambach-Kopfball strich knapp am Pfosten vorbei (21.). Bussaglia schloss einen Konter etwas vorschnell ab, Solo hielt den 30-Meter-Schuss sicher (24.).

Frankreich kommt in Schwung
Doch Frankreich kam langsam ins Rollen, Bompastor flankte von links, doch Abilys Schussversuch von der Strafraumgrenze war zu ungenau (25.). Und dann verhinderte Solo gegen Gaetane Thiney den Ausgleich, aus kurzer Distanz dreht die US-Torhüterin den Ball um den Pfosten (26.). Und Frankreich hatte Pech, als Bompastor nach kurzer Freistoß-Ablage von Necib nur die Latte traf (29.).

Wambach im Mittelpunkt
Abily versuchte es aus der Distanz (33.), doch es war Wambach, die nach Flanke von Christie Rampone einen Kopfball nur einen Tick zu ungenau erwischte (34.). Und die US-Stürmerin stand erneut im Blickpunkt, bei ihrem Schussversuch prallten Bompastor und Sapowicz zusammen, beiden konnten aber weiterspielen (36.).

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Le Sommer für Delie
Zur zweiten Halbzeit brachte Bini Flügelflitzerin Eugenie Le Sommer für die blasse Delie, Thiney vergab die erste gute Möglichkeit der zweiten Halbzeit (47.). Frankreich hatte nun mehr vom Spiel, die USA fanden nicht mehr so recht in die Partie. Kapitänin Sandrine Soubeyrand prüfte Solo (53.). Carli Lloyd versuchte es auf der Gegenseite mit einem Schuss aus 20 Metern (54.).

Bompastor gleicht aus
Und dann schlug Frankreich zu: Bompastor hob eine Flanke von links Richtung Strafraum, Thiney und Sauerbrunn irritierten Solo und der Ball schlug im Netz ein (55.). Ein Bussaglia-Schuss ging anschließend nur knapp über das Tor (57.). Die Französinnen hatten inzwischen im Mittelfeld klar die Hoheit übernommen, die starke Bussaglia versuchte es aus der Distanz (65.). Ein Fehler von Solo, die den Ball in die Füße von Le Sommer spielte, hätte fast zum Rückstand geführt, doch die sah die besser postierte Necib nicht und schob den Ball am Tor vorbei (66.).

Abby Wambach

Abby Wambach führte ihr Team auf die Siegerstraße © Zetbo / Framba.de

Wambach mit Köpfchen
Die eingewechselte Megan Rapinoe feuerte einen 30-Meter-Freistoß aufs Tor, Sapowicz konnte nur abklatschen, doch die ebenfalls neu ins Spiel gekommene Alex Morgan stand einen Hauch im Abseits (70.). Die Partie wurde nun zerfahrener und nervöser. Bini setzte jetzt aufs Ganze, brachte Stürmerin Elodie Thomis für Kapitänin Soubeyrand und riskierte damit zu viel. Denn wider den Spielverlauf trafen die Amerikanerinnen: Cheney zirkelte eine Ecke auf den langen Pfosten, Sapowicz griff am Ball vorbei und Wambach sorgte für die schmeichelhafte US-Führung (79.).

K.o. für Frankreich
Frankreich warf nun alles nach vorne, Le Sommers Flugkopfball ging aber am Tor vorbei (81.). Und die Französinnen bezahlten teuer, Morgan traf nach Vorarbeit von Rapinoe mit einem gefühlvollen Heber, Sapowicz machte wieder wegen ihres zögerlichen Herauslaufens eine unglückliche Figur (83.). Doch kurz darauf konnte sie sich bei einem Morgan-Schuss auszeichnen (87.). Doch die unglücklliche Niederlage war besiegelt, die Amerikanerinnen erwiesen sich als

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • intersoccer sagt:

    Schade für Frankreich. Sie hätten es verdient nach dem guten Spiel.

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  • nike75 sagt:

    Tolles Spiel von beiden Mannschaften, hohes Tempo, gute Pässe und am Ende setzen sich die Amis durch. Es hätten beide Mannschaften verdient gehabt, aber es kann halt nur eine weiterkommen.

    Bei dem Spiel wurde noch mal deutlich, dass die deutsche Mannschaft im Halbfinale nichts verloren gehabt hätte.

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  • Jan sagt:

    Die USA nach dem Motto: „Die Letzten werden die Ersten sein.“
    (als Letzter qualifiziert = 1. bei der WM?)

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  • Kay sagt:

    Glückwunsch an die US-Girls zum Einzug ins Finale.

    Was mich persönlich ärgert war der Anblick der sich im Stadion geboten hat, besonders wenn die Kamera aufgezogen hat, man konnte den Eindruck gewinnen die obere Hälfte des Stadions wäre gesperrt gewesen. Ich will jetzt hier keine Diskussion Ost gegen West lostreten, aber wenn ich das heute gesehen habe, muss ich doch ganz klar sagen das die WM-Städte Vergabe sich jetzt wo die deutsche Mannschaft raus ist (an dem gemessen was man gerade eben gesehen hat) eine klare Fehlentscheidung war. Ich denke gerade wenn man Dresden im letzten Jahr bei der U20 WM gesehen hat und auch dieses Jahr wo die Hütte immer voll war, hätte man ohne Probleme Leipzig und ggf. auch Rostock mit reinnehmen können dafür dann Gladbach und Sinnsheim raus. Bin jedenfalls gespannt wie es um den Besuch heute in Frankfurt jetzt noch stehen wird, wenn du bis vor kurzem auf eBay geschaut hast wurde ja versucht unmengen an Tickest für die Partie an den Mann/Frau zu bringen.

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  • Holle sagt:

    Hochklassiges und unterhaltsamens Spiel zweier syppathischer Mannschaften. Frankreich fußballerisch das Beste, was diese WM zu bietet hat(te), allerdings mit Mängeln bei der Chancenverwertung. Hier liegt hingegen neben der körperlichen Robustheit und der mentalen Stärke der Vorteil bei den Amis. Sie heben die kritischen Phasen im Spiel gut überstanden. Rapinoe hat, von der Bank kommend, wieder mal einen entscheidenen Impuls gebracht. Letztendlich ein verdienter Sieg, auch wenn ich Frankreich ebenso den Finaleinzug gegönnt hätte. Ein (im Gegensatz zu Brasilien) sypathischer Verlierer.
    Nun bin ich gespannt auf den zweiten Finalisten!

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  • ballander sagt:

    @kay: in dresden, berlin, leipzig oder rostock wäre die hütte voll gewesen! definitiv! das hat auch nichts mit ost-west, sondern schlichtweg mit der regionalen verteilung zu tun. bei der vielzahl an spielen in dieser geballten region im südwesten ist das ticketinteresse logischerweise irgendwann erschöpft. aber auch das wollte vor der wm ja niemand hören. wer dazu den mund aufgemacht hat, wurde schnell in die ecke gestellt, er würde ost gegen west ausspielen. traurig, einfach nur traurig.ich habe mir karten für das viertelfinale in dresden bestellt völlig unabhängig davon, wer es bis dorthin schafft und obwohl klar war, dass die deutschen dort nicht aufschlagen werden. wie kann es sein, dass man 500 km fahren muss, um noch ein spiel zu sehen? es gab nur die paar gruppenspiele in dresden und das eröffnungsspiel in berlin. berlin hätte gut noch viel mehr spiele vertragen!

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  • kotoraka sagt:

    Schade für Frankreich eine sehr spielstarke und kreative Mannschaft. Gesiegt haben die Amerikanerinnen vorallen mit den kraftvolleren und letztlich direkteren Fußball. Schade weil nochmehr der Zug zu Spielerinnen mit körperlicher Rohbustheit gehen wird. Einmal mehr wurde das Spiel durch einen Torwartfehler entschieden. Den Ball zum 2:1 muß eine Torfrau einfach haben. Allerdings beherrschen 95% der Torfrauen bei hohen Bällen nicht den Fünfmeterraum. Das ist wie Formel 1, ein schönes Rennen aber die Entscheidung fällt in der Boxengasse statt auf der Strecke. In diesem Fall durch die Torfrau. Eigentlich verstehe ich nicht, weshalb die Torfrauen sich weltweit nicht so positiv entwickelt haben wie die Feldspielerinnen.

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  • intersoccer sagt:

    da hast du vollkommen Recht, kotoraka. Bei den Torhüterinnen ist wirklich auffällig, dass nur wenige Spitzenfrauen zu finden sind. Gerade auch bei dieser WM war das bisher zum Teil sehr auffällig.

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  • eisbär sagt:

    Vielleicht hat Bini die Mannschaft um die Finalteilnahme gebracht, indem er auf Bouhaddi verzichtet hat. Frankreich scheint sich in der Weltspitze auf jeden Fall etablieren zu können. Die Amerikanerinnen können spielerisch gegen einige Mannschaften schon nicht mehr dagegen halten. Wenn sie sich in den nächsten Jahren spielerisch nicht weiter entwickeln, so denke ich, wird es schwer für sie, sich an der Weltspitze zu halten.

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  • spocky sagt:

    Allez les Bleues, schade für Frankreich … Die haben mich wirklich teilweise „verzaubert“; aber es gewinnt leider nicht immer der schönere Fußball! Also was die Französinnen technisch gezeigt haben, war wirklich erste Sahne; leider haben sie es versäumt das 2:1 zu machen. Die USA kann sich immer auf Aby Wambach verlassen – ihre Dymanik, Willen u. Kopfballspiel sind schon klasse …
    Mal sehen, wie die USA gegen das tolle System von Japan aussieht …

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  • thomas sagt:

    Pech hatten die Französinnen vor allen Dingen mit der Schiedsrichterin – eine eindeutig legale Situation (denn wenn die Torfrau den Ball auf der flachen Hand balanciert, darf man ihn natürlich wegköpfeln) abgepfiffen, wo es dann eigentlich Elfmeter und rote Karte für Hope Solo hätte geben müssen, zwei weitere mögliche Elfmeter nicht bekommen, ein klares Foulspiel Wambachs wird nicht gepfiffen und aus der stattdessen getretenen Ecke resultiert das 2:1. Ich finde, das Spiel ist verpfiffen worden – bei normaler Schiedsrichterleistung hätte es ansonsten schon vor Wambachs Foul, das den Eckball und das Tor brachte, 3:1 für Frankreich stehen können.

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  • sitac sagt:

    @thomas: vielen Dank für deinen Beitrag. In jeder Hinsicht voll auch meine Meinung. Als ich sah, dass erneut Kirsi HEIKKINEN die Französinnen pfeift, dachte ich, das darf nicht wahr sein. Nach dem Deutschlandspiel, in dem sie ebenfalls meiner Meinung nach eindeutig gegen die Französinnen gepfiffen hat und der roten Karte – berechtigt oder nicht- hätte sie nie und nimmer in diesem Spiel eingesetzt werden dürfen!!!!!! Null Fingerspitzengefühl, null Einfühlung seitens der Fifa!!!!!

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  • eisbär sagt:

    @ thomas

    „eine eindeutig legale Situation (denn wenn die Torfrau den Ball auf der flachen Hand balanciert, darf man ihn natürlich wegköpfeln) abgepfiffen, wo es dann eigentlich Elfmeter und rote Karte für Hope Solo hätte geben müssen,…“

    Sind Sie sich da sicher? Bei der U 17 WM gab es eine ähnliche Situation. Da hat ein Spieler (ich glaub von Kongo) dem gegnerischen Torwart auch den Ball aus der Hand geköpft, als dieser den Ball auf der Handfläche hatte. Es gab Freistoß für den Torwart und die gelbe Karte für den Spieler. Der Kommentator sagte auch, dass das eine Unsportlichkeit des Spielers und die Entscheidung somit korrekt war.

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  • Sven sagt:

    Die Regeln sagen:

    Der Torhüter hält den Ball in den Händen, wenn er
    – den Ball mit beiden Händen festhält oder ihn mit einer Hand gegen eine
    Oberfläche hält (z. B. am Boden, gegen den eigenen Körper),
    – den Ball in der ausgestreckten offenen Hand hält,
    – den Ball auf den Boden prellt oder ihn in die Luft wirft.
    Hat der Torhüter den Ball mit seinen Händen in Besitz gebracht, darf er von einem Gegenspieler nicht angegriffen werden.

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  • eisbär sagt:

    @ Sven

    Danke! Also war die Aktion von der Schiedsrichterin korrekt bewertet, hätte Thiney vielleicht noch die gelbe Karte zeigen können.

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