Wambach: „Die Partie gehört zu den Top 3 meiner Karriere“

Von am 11. Juli 2011 – 12.52 Uhr 17 Kommentare

Es war die 113. Minute im Spiel Brasilien gegen USA, da ereignete sich nahezu unbemerkt von den 25 598 Zuschauern im Rudolf-Harbig-Stadion von Dresden die Szene, die der Partie eine entscheidende Wende geben sollte. Abby Wambach klatschte dreimal vehement in ihre Hände und schrie so lauthals ihre Teamkolleginnen an, dass die Energie bis auf die Pressetribüne unter dem Dach zu spüren war: „Come on. One strike!“

Weltklasseflanke von Rapinoe
Die USA warfen noch einmal alles nach vorne und Wambach traf per Kopf zum 2:2, als das Turnier-Aus der Amerikanerinnen in der Nachspielzeit der Verlängerung bereits besiegelt schien. „Das war einfach Weltklasse, wie Megan Rapinoe mir den Ball auf den Kopf gelegt hat, das war mit Abstand die beste Aktion der ganzen WM“, freute sich Wambach über ihren und den Geniestreich ihrer Mitspielerin. „Ich bin so froh, dass ich dieses Tor erzielt habe und damit unserem Team die Chance gegeben habe, noch zu gewinnen.“

Unglaubliches Spiel
Und spätestens, als Shannon Boxx im Elfmeterschießen den ersten Elfmeter souverän verwandelte, war das Momentum der Partie vollends auf amerikanischer Seite geschwappt. Der Rest ist Geschichte, Hope Solo hielt gegen Daiane und die Ex-Frankfurterin Ally Krieger verwandelte den letzten und entscheidenden Elfmeter souverän. „So ein Spiel wie heute habe ich noch nie erlebt“, so eine glückliche Krieger. „Ich wusste vorher gar nicht, dass ich den Elfmeter schießen werde. Pia sagte mir erst kurz vorher: ‚Du bist die fünfte Schützin‘.“

Anzeige

Krieger: „Ein Traum ist wahr geworden“
Für Krieger die einmalige Gelegenheit in ihrem Leben, sich einen festen Platz in der Fußball-Historie zu sichern. „Alle vor mir haben ihre Elfmeter so perfekt verwandelt. Ich musste einfach treffen und es hat geklappt. Ein Traum ist wahr geworden“, freute sie sich, dass ihr erster ausgeführter Elfmeter seit der U16 ihrem Team den Einzug ins WM-Halbfinale bescherte. Wambach konnte es auch eine Stunde nach Spielende noch nicht fassen, dass ihr Team die Partie noch gedreht hatte.

Emotionale Achterbahnfahrt
„Die Partie gehört definitiv zu den Top 3 meiner Karriere, wenn wir Weltmeister werden vielleicht sogar Top 1. Die letzten drei Stunden waren für mich die größte emotionale Achterbahnfahrt meines Lebens. Wir haben heute jede einzelne Spielerin unseres Teams gebraucht, um zu gewinnen und wir wollten auch nicht, dass Rachel Buehler weinend in der Umkleidekabine sitzt und denkt, dass sie wegen ihrer Roten Karten diese WM für uns verloren hat.“

Abby Wambach und Hope Solo

Abby Wambach (li.) bejubelt mit Hope Solo den EInzug ins WM-Halbfinale © Zetbo / Framba.de

Kampfteam USA
Torhüterin Hope Solo versuchte eine Erklärung dafür zu finden, warum sich ihr Team nie aufgegeben hat: „Wir sind ein Kampfteam, ich weiß nicht ob es an unserer Nationalität oder der Geschichte unserer Mannschaft liegt. Einfach mochten wir es noch nie. Was ich an meiner Mannschaft mag, ist, dass man das Vertrauen spüren kann. In der Verlängerung hatten wir das Gefühl, dass noch etwas passieren würde.“

Mit dem Rücken zur Wand am besten
US-Trainerin Pia Sundhage erklärte: „Als Buehler vom Platz ging, haben wir erst richtig angefangen, Fußball zu spielen.“ Woran das lag, konnte auch Wambach nicht so recht erklären. „Wenn man mit dem Rücken zur Wand steht und die Umstände denkbar schlecht sind, scheint das manchmal Kräfte in uns zu wecken, die uns buchstäblich erlauben, außerhalb unserer selbst zu spielen, als wenn wir noch elf Spielerinnen auf dem Platz hätten.“

Brasilien kreativer, aber physisch unterlegen
Bei den Brasilianerinnen trug man die Niederlage mit Fassung. Trainer Kleiton Lima sagte: Das war ein hartes, sehr ausgewogenes Spiel. Wir wussten, dass die USA sehr stark sind und physisch mehr Möglichkeiten haben als wir. Unsere Mannschaft spielt vielleicht etwas kreativer, aber wir konnten uns einfach nicht durchsetzen. Weltfußballerin Marta erklärte: „Ich bin gar nicht so enttäuscht. Wir haben gezeigt, was wir können und hier in 90 Minuten kein Spiel verloren. Im Elferschießen zu verlieren, ist einfach Pech.“ Und Rosana ergänzte: „Das war ein enges Match, am Ende haben wir unglücklich verloren. Es war ein harter Kampf und selbst, als die USA eine Spielerin weniger auf dem Platz hatten, hat das keinen Unterschied gemacht. Wir haben großen Respekt vor ihnen.“

Tags: , , , , , , , ,

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

17 Kommentare »