Birgit Prinz nur noch Edeljoker?

Von am 7. Juli 2011 – 15.32 Uhr 38 Kommentare

Am Dienstag plauderte Bundestrainerin Silvia Neid aus, Kapitänin Birgit Prinz habe sich mental nicht dazu in der Lage gefühlt, gegen Frankreich in der Startformation zu stehen. Nur zwei Tage später sind laut Prinz alle Blockaden gelöst. Doch der Weg zurück in die erste Elf dürfte bei der Frauen-WM verbaut sein.

„Ich habe mich wieder ganz gut sortiert und auch gut trainiert“, erklärte die 214-fache Rekordnationalspielerin am Donnerstag und signalisierte damit, sie nicht zu früh abzuschreiben. „Ich kann die PS wieder auf die Straße bringen“, brachte die 33-Jährige zum Ausdruck, dass sie die vergangenen Tage zur Aufarbeitung und Neu-Fokussierung genutzt hat. „Ich habe mir einfach zu viel Druck gemacht.“

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Kein Platz mehr in der Startelf?
Doch nach dem 4:2-Erfolg der DFB-Elf gegen die Französinnen in Mönchengladbach ist das eingetreten, was bereits vorher zu befürchten stand: Dass nach einer überzeugenden Leistung ohne Prinz der Weg zurück in die Startformation wohl nur noch führen kann, wenn die Mitspielerinnen patzen. Einmal raus, immer raus – dieses Schicksal droht Prinz nun, die mit der Frauenfußball-Weltmeisterschaft im eigenen Land ihrer einzigartigen Karriere einen krönenden Abschluss verleihen wollte.

Prinz rechnet mit Ersatzbank
Mit einem Einsatz von Beginn an im Viertelfinale gegen Japan am Samstag, 20.45 Uhr (live im ZDF) in Wolfsburg rechnet sie nicht. „Wir haben vier Tore geschossen, und es gäbe wenig Grund, in der Offensive etwas zu ändern“, so ihre Einschätzung. Offenherzig verriet Prinz, dass sie die Kritik an ihrer Person hart getroffen hat. „Natürlich habe ich mich angegriffen gefühlt. In der ersten Emotion habe ich mir sogar gedacht: ‚Warum tue ich mir das überhaupt noch an?‘“ Doch schnell kam der Kampfgeist zurück. „Es war eine Option, den Kopf in den Sand zu stecken, eine andere zu versuchen, aufzustehen und zu schauen, was ich für die Mannschaft tun kann.“

Birgit Prinz

Nie wieder Seitenwahl mit Birgit Prinz? © Nora Kruse / FF-Archiv

„Hatte was von einer Hetzjagd“
In zahlreichen Gesprächen mit Teamkolleginnen und Vertrauen verarbeitete sie die nach ihrer Einschätzung ungerechtfertigte und übertriebene Kritik. „Ich stehe dazu, dass die beiden Spiele nicht gut waren, aber es hatte ein bisschen was von einer Hetzjagd. Aber ich konnte das einordnen, ich weiß ja, wie die Presse funktioniert.“  Bei der Verarbeitung half die Erfahrung, die sie vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft in Finnland gemacht hat, als sie ebenfalls in die Kritik geriet. „Vergleichbar ist das aber nicht, denn diesmal war die Kritik grundsätzlicher und hatte eine andere Dimension.“

Mit der Situation arrangiert
Unterstützung erhielt sie von Torhüterin Nadine Angerer: „Wir haben ihr deutlich gemacht, dass sie ein Teil von uns ist und ihre Leit- und Führungsfunktion genauso wichtig ist, wenn sie nicht in der Startformation steht.“ Eine Rolle, an die sich Prinz nun möglicherweise für den Rest der WM gewöhnen muss. „Ich habe mich mit der Situation arrangiert. Natürlich würde ich gerne noch einmal spielen, einen anderen Eindruck hinterlassen und für mich einen positiveren Abschluss finden.“ Doch sollte sie nicht mehr zum Einsatz kommen, will sie ihre Fähigkeiten einbringen und die Mannschaft unterstützen. „Ich habe das dann zu akzeptieren.“

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Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

38 Kommentare »

  • Markus Juchem sagt:

    @MatzeM: Könntest Du bitte kurz ausführen, welche „akuten Star-Allüren“ Du bei Bajramaj ausgemacht hast?

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  • MatzeM sagt:

    @Markus

    Die Medien haben sich auf sie gestürzt, und sie macht es bereitwillig mit. Mit 23, also noch am Anfang der Karriere, eine Autobiographie zu veröffentlichen, ist allgemein auch eher unüblich. Also ich habe sehr den Eindruck, dass sie gern auch abseits des Fußballfeldes im Rampenlich steht. Das ist für mich die Definition von Star-Allüren. O.k., ich entschuldige mich für das „akut“, da war wohl noch der Ärger über einige eigensinnige Aktionen aus dem Frankreich-Spiel dabei.
    Sicher kann sie damit finanziell ordentlich was abgreifen, es sei ihr gegönnt. Aber ich mag ein solches Auftreten eben nicht.

    Matze

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  • ballander sagt:

    @matze: was stört dich denn persönlich daran? wer zwingt dich, die autobiografie zu kaufen und zu lesen? wer zwingt dich, berichte in presse, funk und fernsehen über lb zu verfolgen? was stört dich daran, wenn sie sich ins rampenlicht stellt? zwingt dich jemand, dich daneben zu stellen oder sie anzuschauen? jeder kann sein leben leben wie er es für richtig hält – wie wäre es mit toleranz und gelassenheit?

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  • Markus Juchem sagt:

    @MatzeM: Danke für die Erläuterungen. Ich persönlich definiere Star-Allüren da wohl etwas anders. Ich weiß nicht, ob sie sich wirklich selbst so bewusst ins Rampenlicht gerückt hat, sie wurde dort ja mehr oder weniger ungefragt in Rollenbilder gezerrt (z. B. Thema Integration). Dass sie versucht, aus dieser besonderen Rolle nun auch finanzielles Kapital zu schlagen, ist ja nichts Verwerfliches. Allerdings war und ist der Rummel vielleicht doch ein bisschen zu viel, das haben sie und ihr Management vorher wohl etwas unterschätzt. Aber wenn selbst eine routinierte Birgit Prinz Probleme hat, mit der Drucksituation einer WM umzugehen, sollte man das einer jüngeren Spielerin genauso zubilligen.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Weißt Du, Matze, ich habe mich seinerzeit mehr darüber aufgeregt als Lira sich sinngemäß beschwerte, dass das Schrödersche Training ihr ein Zuviel an Bizeps und ein Zuwenig an Busen beschert hat, was eine Aussage im Radio bei Viola wiedergibt! Auch das sie […] ihren Ex-Trainer […] in der hier auch diskutierten PK inkl. ihn dort mehrfach verlacht und damit verunglimpft und zwar als da schon aktueller Bundesverdienstkreuzträger. Das da Poppi mitgemacht hat, war auch nicht sonderlich schön anzusehen.

    Zur Taktikfrage gegen Japan:Es ist prinzipiell so, dass jede Menge Journalistenfragen, die Antwort bereits beinhalten, obwohl diese klar wie Klossbrühe auf der Hand liegt. Schröder wurde explizit danach gefragt und hat darauf geantwortet, ist doch völlig i.O!
    Ich hätte auf die gleiche Frage geantwortet:Na so, wie die Engländerinnen gegen sie erfolgreich waren, ganz einfach kopieren! Hope Powell hat das genau Richtige getan und Frau Neid braucht sich nur das Spiel ansehen und auf ihre Spielerinnen(-typen) übertragen.

    Dieser Kommentar wurde von der Redaktion in Übereinstimmung mit den Womensoccer-Leitlinien editiert. Die editierten Stellen wurden mit Auslassungszeichen […] markiert.

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  • Ralf sagt:

    @Markus

    Ich schlage SF für’s ‚Pour le Mérite‘ von womensoccer.de vor! 😉

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  • MatzeM sagt:

    Noch mal zum Thema Star-Allüren. Ich scheine da wirklich eine etwas andere Definition als die Mehrheit zu haben. Versteht mich bitte nicht falsch. Der Begriff ist bei mir per se nicht negativ besetzt und bezeichnet das Suchen des Rampenlichts außerhalb des eigentlichen Fachgebiets. Unsympathisch werden Star-Allüren erst dann, wenn sie mit Arroganz einhergehen, aber das ist bei Lira nicht der Fall. Ein paar kleine Allüren darf jeder Fußballer haben. Wäre ja sonst langweilig.

    Ob Lira nun ins Rampenlicht gezerrt wurde oder es selbst gesucht hat, ist eigentlich ziemlich egal. Sie hätte ja auch abblocken können. Aber die Euros liegen für sie auf der Straße und sie nimmt sie mit. Ist ihr gutes Recht und überhaupt nicht verwerflich. Jedoch muss sich jeder, der so handelt, darüber bewusst sein, dass es das Geld nicht umsonst gibt, sondern gewissermaßen die Bezahlung für ein Risiko ist. Nämlich sich – im schlimmsten Fall – dem Gespött der Nation aussetzen zu müssen, wenn es auf dem Platz nicht läuft.
    Gerade bei Liras Spielweise. Wenn sie mit einer schönen Einzelaktion durchkommt und ein Tor fällt, ist das seeehr mannschaftsdienlich, rennt sie sich mit Ballverlust fest, ist es das genaue Gegenteil. Wenn sie mit kaum einem ihrer Dribblings durchkommt, muss sie sich zurücknehmen. Sie kann das durchaus, auch wenn „normal“ mannschaftsdienliches Spiel noch nie ihre ganz große Stärke war. Wenn sie das verlernt hat oder nicht will – Pech gehabt, Bank drücken!
    Kurz: Sie tanzt gerade einen Drahtseilakt, bei dem man auch tief fallen kann. Wenn ihr das mit ihren 23 Lenzen nicht klar sein sollte und sie durch ihre Berater nicht gewarnt wurde, dann trifft Schröders Aussage der Fremdbestimmtheit wohl den Kern der Sache…

    @SF
    Liras verbale Spitzen in Richtung Bernd Schröder sind schon in Ordnung, er nimmt ja auch kein Blatt vor den Mund. SIE darf das, das muss ER abkönnen. Sollte Poppi als Außenstehende wirklich eingestimmt haben (ich habe die PK nicht gesehen), wäre das zumindest schlechter Stil. Aber da sollte ICH jetzt die Klappe halten, schließlich kritisieren wir hier auch in aller Öffentlichkeit… 😉

    Matze

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  • ballander sagt:

    @matze: bis auf einen punkt kann ich das alles unterschreiben.

    „Jedoch muss sich jeder, der so handelt, darüber bewusst sein, dass es das Geld nicht umsonst gibt, sondern gewissermaßen die Bezahlung für ein Risiko ist. Nämlich sich – im schlimmsten Fall – dem Gespött der Nation aussetzen zu müssen, wenn es auf dem Platz nicht läuft.“

    das sehe ich völlig anders. das geld gibt es für die legitimation, filme, interviews oder bücher oder whatever mit ihr zu erstellen und zu verkaufen. nicht mehr und nicht weniger.

    die damit verbundene einwilligung von lira beinhaltet nicht die aussage: „liebe leute, vielen dank für euer interesse, ich werde auch künftig glorreich spielen und ein hervorragender star bleiben/werden“.

    es ist vielmehr so, dass die vertragspartner von lira ihre geschäfte trotz des risikos eingehen, dass es morgen bergab geht.

    insofern ist alles immer nur eine momentaufnahme. niemand, auch wenn er noch so offensiv seinen namen vermarktet, ist damit zum gespött der nation freigegeben, wenn die leistung bergab geht. sie haben nach wie vor den gleichen anspruch auf respekt und achtung ihrer würde wie andere spielerinnen!

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