Lyon-Spielerinnen wollen DFB-Elf ärgern

Von am 4. Juli 2011 – 11.04 Uhr 18 Kommentare

Am Dienstag, 5. Juli (20.45 Uhr live in ZDF und Eurosport), geht es in Mönchengladbach zwischen Frankreich und Deutschland um den Sieg in der Gruppe A. Und die Spielerinnen von Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais sind sich im Gespräch mit Womensoccer sicher, ein weiteres deutsches Team ärgern zu können.

Gleich zehn von ihnen haben den Sprung in den WM-Kader von Trainer Bruno Bini geschafft. „Ich glaube zwar, dass Deutschland die beste Mannschaft der Welt ist“, so Spielmacherin Camille Abily. „Aber wir haben ein gute Chance und der Sieg mit Lyon gegen Potsdam hat uns eine Menge Selbstvertrauen gegeben“, spielt sie auf den 2:0-Sieg von Olympique Lyonnais gegen den 1. FFC Turbine Potsdam vor einigen Wochen im Champions-League-Finale in London an.

Riesenspaß gegen Deutschland
Auch Sonia Bompastor, ihre Teamkollegin in Verein und Nationalmannschaft, ist nach den zwei WM-Siegen in den ersten beiden Spielen gegen Nigeria und Kanada optimistisch, zumal bereits ein Remis zum Gruppensieg reichen würde. „Natürlich wird es schwer, aber auch ein Riesenspaß. Wir wissen, dass wir in einem Spiel jedes Team schlagen können, auch wenn sie natürlich schon eine gute Mannschaft haben“, so die Abwehrspielerin.

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Camilly Abily und Sonia Bompastor

Zwei Schlüsselspielerinnen Frankreichs: Camilly Abily (li.) und Sonia Bompastor © Markus Juchem

WPS-Erfahrung
Abily und Bompastor sind auch die beiden französischen Spielerinnen, die in den vergangenen Jahren in der US-Profiliga WPS Erfahrung gesammelt haben. Abily bestritt 18 Spiele für Los Angeles Sol, es folgten 17 Partien für den FC Gold Pride, Bompastor brachte es auf 19 Spiele für Washington Freedom. „Das war für uns eine wichtige Erfahrung“, so Abily. „Vor allem, gegen andere Spielerinnentypen spielen zu müssen.“ Seitdem sieht sie den Fußball mit anderen Augen.

Bompastor: „Kein Geheimfavorit“
„Vorher hatten wir immer ein bisschen Angst, aber die Zeiten sind vorbei und der Sieg in der Champions League hat uns zusätzliches Selbstvertrauen gegeben.“ In der WM-Saison zogen es die beiden vor, in der französischen Heimat zu spielen. „Da hat man keine Reisestrapazen und ist jederzeit für Trainingslager verfügbar“, so Abily. Als Geheimfavorit auf den Titel sieht Bompastor ihre Elf nicht.

Kein Druck aus der Heimat
„Wir wollen einfach unser Bestes geben, dann werden wir sehen. Aber wir sind sicherlich in einer guten Position, denn von uns erwartet niemand besonders viel.“ Allerdings kann das Team auch nicht gerade auf reichlich WM-Erfahrung bauen. Nur einmal, im Jahr 2003 in den USA, nahm Frankreich bisher an einer Weltmeisterschaft teil, nur noch vier Spielerinnen von damals stehen im aktuellen Kader. „Wir haben aber eine Menge Herz und das werden wir auf dem Platz auch zeigen“, verspricht Bompastor.

Frauenfußball in Frankreich im Aufschwung
Mit einem guten Ergebnis gegen Deutschland würde der Frauenfußball im eigenen Land neuen Schwung erhalten. „Es sind schon jetzt mehr Journalisten da, das Sponsoring wird besser und der Frauenfußball gewinnt langsam an Popularität. Ich hoffe, wir können das ganze mit einem Sieg gegen Deutschland noch pushen“, sagt Abily.  Dass gleich zehn Spielerinnen von Champions-League-Sieger Olympique Lyonnais im WM-Kader stehen, hält Bompastor für einen Vorteil.

Sonia Bompastor und Bruno Bini

Sonia Bompastor im Gespräch mit Trainer Bruno Bini © Markus Juchem

Chemie im Team stimmt
„Das ist gut für die Chemie im Team und nach so einer guten Saison kann das nur gut für die Psyche sein.“ Abily sieht in Trainer Bruno Bini den Erfolgsfaktor in ihrem Team. „Ich bin mit ihm schon U19-Europameister geworden. Er ist schon eine Type, ein guter Teammanager und er schafft eine gute Atmosphäre. Und offensiven Spielerinnen lässt er auf dem Rasen alle Freiheiten, die sie brauchen.“

Respekt vor der DFB-Elf
Auch Laura Georges freut sich auf das Duell mit den Deutschen. „Das wird schwierig, denn sie haben auf allen Positionen gute Spielerinnen.“ Ein Erfolg gegen Deutschland wäre etwas ganz Besonderes. „Wenn wir Deutschland schlagen, bin in durch. Dann können wir auch die WM verlieren“, erklärt sie im Scherz. „Spaß beiseite, es ist nicht unser Hauptziel, Deutschland zu schlagen, sie sind kein Feind für uns, aber es wäre schon toll, wenn wir gewinnen.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

18 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Penelope
    Siehst Du, auch die OL-Spielerinnen bringen das diesjährige CL-Finalspiel ins Gespräch, d.h. meine dbzgl. Äußerung, die Du nicht verstehen wolltest, ist doch nicht so weit hergeholt gewesen! 🙂
    Und denen wird u.G. auch bekannt sein, dass Peter die momentan einzige Turbine in der Startelf ist. 😀

    Allerdings hat Bini der BT in dem Punkt, was die Zusammensetzung seines Team anbetrifft, einiges voraus. Er rekutiert nämlich gleich 10 Spielerinnen vom franz. Meister OL. Neid dagegen geht den umgekehrten Weg, da noch 2 Turbinen kurz vor Ultimo gestrichen werden.

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  • laasee sagt:

    @SF

    I am in agreement with you.

    Tomorrow is a massive game for German football and I am very worried.
    I have very little confidence in Frau Neid.
    The 3 months preparation programme has proved to be a disaster.

    The selection of the squad and the starting line up for the first two games shows no intelligence.
    Turbine have been the best German club for the last three years and Babett is the only player included (and then at full back?).
    Germany have only scored 3 goals so far and the uber goalgetter of German football sits on the bench.

    Also, the PR aspects of WM for the German Team have not been good.
    Germany needs a positive outcome tomorrow and Neid needs to get things right.

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  • Jan sagt:

    @SF
    Wofür Du Bini lobst, tadelst Du Neid. Denn beide tun absolut das gleiche: Beide bevorzugen Spielerinnen aus den jeweils spielstärksten Clubs ihrer Ligen, welche in der Saison die beste Abwehr u. den mit Abstand besten Angriff hatten und dort als einzige über 100 Tore erzielten.

    2010 gewann TP das CL-Finale gegen OL erst im eigtl. schon verlorenen 11m-Schießen ; u. 2011… naja. Auch die 3 direkten Saison-Vergleiche Frankfurt-TP sprechen klar gegen TP: 2:1, 1:4, 1:2 – wobei TP zunächst immer in Rückstand geriet. = Alles nicht grad ideale Empfehlungen…

    Welche (z.T. Ex)“Turbine“ sollte Deiner Meinung nach Neid aufstellen? Die formschwachen Mittag u. Bajramaj? Odebrecht? Zietz? die wohl noch zuu jungen Henning, Wesely u. Kemme? oder gar Nagasato?? Einzig Schmidt scheint mir da definitiv aufstellungswürdig. (Dann könnte Bresonik das MF verstärken – bloß, ist das überhaupt gewollt sowie in den Lehrgängen trainiert worden?)

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Jan
    Ich respektiere Deinen Wunsch nach einer Antwort, und sie fällt wie folgt aus:
    1. Habe ich weder Bini gelobt noch Neid getadelt! Das war eine völlig normale und vorallem zutreffende Feststellung darüber, wie unterschiedlich 2 Nationaltrainer verfahren – der eine läßt sein Team auf 10 Spielerinnen des aktuellen Meisters basieren, die andere tut es ganz auffällig eben nicht! Ich kenne weder im FF noch im MF ein gleichgeartetes Beispiel.
    2. Ja, eine gechasste Anja Mittag wäre mir immer noch lieber als das Durchgeschleife einer von A bis Z indisponierten Birgit Prinz. Auch eine Conny Pohlers wäre mir da noch lieber!
    Man braucht sich doch nur mal anschauen, wo der Abfall der Prinzschen Formkurve einsetzte. Das war lange bevor die endgültige Nominierung vorgenommen werden musste. Von daher hätte man noch korrigierend eingreifen sollen bzw. müssen.

    Was Du allerdings mit der absurden Spielerinnenaufzählung, insbesondere mit der von Nagasato bezweckst, lasse es bitte weiterhin Dein Geheimnis bleiben – im Kontext mit FF-Sachverstand steht das aber nicht!

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  • ballander sagt:

    anja mittag, jennifer zietz, viola oderbrecht und anna sarholz hätten definitly in den kader gehört. dann wären auch jessica wich, tabea kemme, nadine keßler und josephine henning in die engere auswahl zu zählen. es ist in der tat so, dass in keinem anderen land der meister derart wenig im nationalkader vertreten ist. das ist eine kläglich missachtung des leistungsprinzips. eine vermeintliche formschwäche oder verletzungspause hat frau neid bei anderen spielerinnen auch unberücksichtigt gelassen. hier wird schlichtweg mit zweierlei maß gemessen.

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  • waiiy sagt:

    Verletzte und formschwache Spielerinnen gehören nicht in den Kader.

    Das habe ich auch für unsere Turbinen so gesehen als da wären: Zietz (fomrschwach), Wich (lange verletzt), Kemme (formschwach), Keßler (lange verletzt). Mittag und Henning waren dabei, haben aber wohl nicht überzeugt (was ich mir auch vorstellen kann, auch wenn ich nicht dabei war). Bei Sarholz bin ich mir auch sicher, dass sie dazu gehört hätte. Und bei Odebrecht bin ich mir nicht wirklich sicher.

    Aber 1. Satz gilt halt auch für andere Vereine…

    waiiy

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  • Markus Juchem sagt:

    @ballander: Auch das sehe ich anders. Von den von Dir genannten dürfen sich meiner Meinung nach maximal zwei beschweren, dass sie nicht bei der WM sind, alle anderen sind zu Recht nicht dabei.

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  • laasee sagt:

    Leaving Anja Mittag out of the final squad now appears to be not very intelligent.
    The main criticism of Anja was about her goal scoring record for Germany.
    Frau Neid then goes with Birgit Prinz as the main striker at WM.
    There is no logic or rational to the decisions of Frau Neid.
    Anja is a very intelligent player and would certainly have been an asset to Germany at WM – especially against Nigeria.

    Why was Poppi preferred over Anja?
    Poppi has played as a defender for FCR for the majority of the games over the last three years.
    Now, Poppi is expected to play as a striker at WM?
    The decision making process of Frau Neid is beyond understanding.

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  • ballander sagt:

    @ waiiy: wie gesagt, es stehen auch im aktuellen kader einige, die als formschwach und lange verletzt zu bezeichnen sind. hier fehlt mir eine einheitliche vorgehensweise. frau krahn lange verletzt, jetzt stammelf. frau prinz absolut formschwach. während andere gleich ganz daheim bleiben dürfen, wird bei frau prinz gar darüber sinniert, ob es eine demütigung wäre, sie in der 2. halbzeit auszuwechseln. das stimmt doch etwas nicht. es zählt einzig und allein die leistung, und das ohne ansehen der person! und zwar für alle gleichermaßen!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Tja, zwischen dem Propagieren von Verfahrensweise, z.B. es gilt das Leistungsprinzip, und der Einhaltung/Umsetzung derselben, liegen eben doch bei so manchen Welten dazwischen!
    Da gilt auch nicht der Satz:Was schert mich mein Geschwafel von gestern!

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  • sitac sagt:

    Als Augenzeuge von USA und Frankreich in Sinsheim hat mir, was die 2. Halbzeit betrifft, Frankreich besser gefallen. Mir gefällt der Fussball, den die spielen. Und die Nigerianerinnen sind auch gegen Frankreich sehr herzhaft, um es positiv zu beschreiben, eingestiegen.
    Dass die Frau Seitz hier nicht gegenüber Nigeria etwas Farbe ins Spiel gebracht hat, wurde vom Publikum hörbar bedauert.

    Man möge es mir nachsehen(sagt ja noch nichts über den Titelgewinn aus), aber für morgen abend rufe ich den Französinnen zu: Allez les bleus!

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  • Jan sagt:

    @SF
    Wie soll es denn bitte anders gehen, als mal konkrete Namen zu nennen, wenn man nicht bloß allgemein rumkritisieren will? (Und sobald mal ein Smilie fehlt, wie bei Nagasato, mag Humor leicht als sarkastisch empfunden werden.)

    Mein ehem. Vermieter in Hannover erzählte mir einst, wie es 1954 war, als Hannover 96 Dt. Meister wurde, und Sepp Herberger dann bei der WM dennoch auf die K’lauterer Spieler setzte (die wohl teils auch in Formtiefs steckten) – was in Hannover verständlicher Weise großen Unmut auslöste. Aber damit wurde er Weltmeister! Und bestimmt sind sich die allermeisten ziemlich einig darin, ob das auch mit den Hannoveraner Meisterspielern gelungen wäre – oder nicht…

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  • laasee sagt:

    I would have had Anja Mittag at WM and also Conny Pohers.
    Birgit Prinz as a midfield player,
    Poppi as a defender.
    Bresonik in midfield.

    Kulig and Faisst would be on holiday.

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  • dadida sagt:

    @sf: klar wird bini, wie wahrscheinlich jeder psychologisch halbwegs disponierte coach, den cl sieg ins spiel bringen. das bedeutet aber nur, dass er den eigenen spielerinnen damit mut machen will und nicht, dass es sich um einen objektiven vorteil handelt. wenn man die logik, die hier manche an den tag legen, weiterspinnt, dann hat frau neid ja eigentlich gar keine andere wahl, als so wenig turbine spielerinnen wie möglich in den kader zu nehmen, denn die haben ja schon bewiesen, dass sie gegen die lyon spielerinnen verlieren 😉

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  • Markus Juchem sagt:

    @dadida: Ich glaube nicht, dass man so naiv ist zu glauben, der Champions-League-Sieg hätten einen objektiven Einfluss auf das Spiel morgen. Aber wie mir z. B. Laura Georges sagte: „Früher haben wir gerackert und gekämpft und am Ende hat immer Deutschland oder ein deutsches Team gewonnen. Jetzt wissen wir, dass wir in der Lage sind, sie zu schlagen, wenn wir selber eine starke Leistung zeigen. Das gibt uns Selbstvertrauen.“

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  • Detlef sagt:

    @dadida,
    man könnte aber auch zu dem Schluß kommen, daß TURBINE POTSDAM das CL-Finale gewonnen hätte, wenn sie die selbe Vorbereitungszeit (mit vollständigem Kader) wie die Natio bekommen hätten!!! 😉

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  • dadida sagt:

    @detlef:
    ja da hast du recht oder um phrasen zu dreschen:
    die wahrheit liegt im auge des betrachters
    wenn meine tant‘ ein z…rl hätt, wär sie mein onkel
    usw. 😉
    aus meiner relativ neutralen sicht find ich es schade, dass ein so tolles team von den leuten schlecht gemacht wird, die es eigentlich trotz vereinsbrille unterstützen sollten. immerhin sind zwei siege eingefahren worden und insgesamt bin ich der meinung, dass der abstand von den anderen nationen eben doch verringert werden konnte. das liegt sicher nicht an der schlechten arbeit der führenden ff-nationen, sondern eben daran, dass viele andere ihr potential früher gar nicht ausgeschöpft haben, bzw. ausschöpfen konnten. jetzt wird halt alles enger und man sollte auch nicht vergessen, dass um gut spielen zu können auch manchmal der gegner mitspielen muss.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @dadida
    Explizit für Dein Verständnis zum Zusammenhang von CL-Finale und dem letzten Gruppenspiel gegen Frankreich:
    Der erste Kommentar oben ist an Penelope gerichtet und sagt eigentlich alles aus.
    Man braucht sich nur die Mühe machen, den auslösenden Penelope-Beitrag zur Kenntnis zu nehmen, denn darin fragte sie mit völligem Unverständnis und absolut negierend, was diese beiden Spiele miteinander zu tun hätten, es würde ja nur eine Turbine in Form von Peters spielen. Durch die Aussagen diverser franz. Spielerinnen zzgl. der von Bini fand ich meine Aussage bestärkt und wollte dies Penelope nur zu verstehen geben – nicht mehr und nicht weniger.
    Soweit zum Hintergrund!

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