Grenzgängerin zwischen Genie und Wahnsinn

Von am 4. Juli 2011 – 15.37 Uhr 5 Kommentare

Halbzeit bei der WM. Es kehren sich die Superteams und Superspielerinnen heraus. Brasiliens Superstar Marta macht deutlich, dass sie nicht umsonst zum fünften Mal hintereinander zur FIFA Weltfußballerin gewählt wurde. Gegen Norwegen traf Marta gleich zwei mal. Spektakuläre Übersteiger, eiskalt abgezogen. Dynamik pur. Marta ist auf dem Weg, Birgit Prinz als Toptorschützin aller Zeiten abzulösen.

Außerdem wird die 25-jährige Brasilianerin zur Spielerin des Spiels gegen Norwegen bestimmt. Sie schleppt die große blaue gerahmte Urkunde nicht ohne Stolz ab.

Marta genießt Pressekonferenz
Während die FIFA immer um nur wenige Fragen und zuerst an die Spielerin des Spiels bittet, damit diese duschen gehen kann, bleibt Marta und genießt die komplette Pressekonferenz. Sie lässt sich fotografieren, gibt den Journalisten Autogramme, lacht und ist bester Dinge. Sie genießt die Öffentlichkeit. Schnell bildet sich eine Traube. Sie verlässt den Raum so ziemlich als letzte. So war das alles gar nicht geplant. Aber das stört die Spielerin nicht. Sie hat soeben zwei Tore erzielt und Brasilien als sechstes Team ins Viertelfinale geschossen.

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Marta

Marta umringt von Journalisten nach dem 3:0 gegen Norwegen © Rainer Hennies

Samba-Feeling in Wolfsburg
Südamerikanisches Flair in Wolfsburg trotz Regens. Gut gelaunt, trommelnd und tanzend machten sich Marta und Co. auf den Weg in die Kabine und sorgten so für gute Stimmung in den Katakomben des Stadions. Noch besser gestimmt kommen sie wieder heraus. Zwei Spiele, zwei Siege. Samba-Feeling. Da trommelt es sich noch leichter. Und mitten drin Marta. Ohne Trommel. Marta spielt Triangel. Warum? Weil die anderen es nicht können, wird kolpoltiert, soll sie gesagt haben.

Marta als Teamplayer
Es ist die einzige Sonderrrolle, die Marta im Team spielt. So bestätigt es Coach Kleiton Lima. Der lobt seine Nummer 10 mit zuckersüßen Komplimenten in den siebten Himmel. „Marta hat keinen Extrasbonus. Sie ist Teamplayer und bestens in die Mannschaft integriert. Sie bleibt auf dem Boden. Das gibt dem ganzen Team Kraft. Ihr Können und ihre Erfahrung sind gut für das ganze Team“, lobt Lima und fährt fort, die Marta-Arie zu singen. „Marta ist eine Künstlerin, bescheiden, brilliant, aber sie ist auch Gott sei Dank eine Brasilianerin.“

Grenzgängerin zwischen Genie und Wahnsinn
So mag es Marta. Für die Pfiffe draußen, die es gibt, weil Marta mit ihrer hohen Geschwindigkeit und besonderen Technik stets Grenzgängerin ist, zwischen Genie und Wahnsinn auf engem Grad stets zwischen Foul und gefoult werden unterwegs ist, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. Pfiffe pflegt sie mit Toren zu beantworten und sagt: „Es ist die Mannschaft, die Spiele gewinnt, keine einzelnen Personen. Alles steht im Dienst der Mannschaft. Da müssen wir uns noch steigern, wenn es gegen Kaliber wie Schweden und die USA geht. Mein Ziel ist es, immer noch besser und noch schneller zu werden und das auch zu zeigen, was ich kann. Das geht nur, wenn ich auf dem Boden bleibe, nicht abhebe.“

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Marta

Marta genießt das Rampenlicht © Rainer Hennies

An Marta scheiden sich die Geister
Marta auf dem Weg zum Antistar? „Nein, ich möchte noch mehr Fans haben als bisher, damit ich noch mehr Frauen und Mädchen inspirieren kann. Und ich möchte Weltmeisterin werden“, sagt sie. Und verrät ganz nebenbei noch etwas unerwartet, wie sie das mit dem Trikottausch hält. „Der Verband hat es und verboten. Wir dürfen am Ende des Spiels in den Kabinen nicht tauschen, wie es vielfach üblich ist. Wir dürfen erst am Turnierende tauschen.“

Lobeshymnen auf Deutschland
Brasiliens Trainer Kleiton Lima entpuppt sich darüber hinaus als wahrer Gentleman. Nicht nur aufgrund der Handküsse für die Volunteers und die Hymnen auf Marta. Auch auf die Frage nach dem WM-Favoriten blieb er galant: „Es gibt nur einen Favoriten: Deutschland. Die konnten sich als WM-Gastgeber am besten vorbereiten und haben auch am meisten in ihre Spielerinnen investiert. Alle anderen werden kämpfen müssen, in etwa auf gleichem Niveau“, meint Lima. Seine norwegische Konkurrentin Eli Landsam meint das ähnlich. Kurz und knapp sagt sie nur ein Wort: „Deutschland.“

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5 Kommentare »

  • Daniela sagt:

    Meines Erachtens hat Marta die Lobeshymnen in dem Artikel und generell in der Presse nicht verdient. das 1:0 gegen Norwegen fiel auf Grund eines vorhergehendes Fouls vom „Top-Star“ Marta. Bis dahin spielten die Norwegerinnen eindeutig besser. Doch nach dem Treffer waren sie sichtlich demotiviert. Leider. Die Pfiffe gegen Marta gab es auch genau wegen dieser Situation und ich fand sie berechtigt. Eine weitere Szene, die mir sehr sauer aufstieß, war ihr schauspierlerisches Können bei einem Foul gegen sie. So Abheben können eigentlich nur männliche Fußballer.
    Natürlich ist Marta eine grandiose Technikerin. Und natürlich liegt es an den Schiris Fouls zu ahnden. Aber ich finde, bei der Wahl von Weltfußballern sollte mal auf das Gesamtpaket geschaut werden. Fairness sollte eine ebensolche Rolle spielen wie Tore erzielen oder Technik. Denn ehrlich gesagt vergeht mir jegliche Begeisterung sobald durch Unfairness gewonnen wird.(deswegen kann ich auch kein Männerfußball mehr schauen) Zumal Brasilien keinesfalls geglänzt hat. Die Tore fielen auf Grund radikaler Fehler der Norweger. Warum standen bei der Wahl zur Weltfußballerin eigentlich keine US-Ladies auf dem Plan? Das ist bisher die Mannschaft, die mich am meisten begeistern konnte bei der WM. (neben Japan und Australien)

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  • Jarmusch sagt:

    Also, dass Marta ‚bescheiden‘ sei, wie ihr Trainer zum Besten gibt, werden eh nur die wenigsten glauben.
    ‚Mehr Mädchen und Frauen für den Fußball inspiriern zu wollen‘ und 5.000 € für eine Autogrammstunde verlangen schließen sich zwar nicht zwingend aus, aber Bescheidenheit sieht anders aus.
    Ich persönlich finde diese Frau schlicht primitiv und ihr ganzer Habitus lässt keinerlei Rückschluß auf auch nur einigermaßen gute Manieren zu.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich unterstelle mal Marta, sie inszeniert sich gern selbst und möchte im Fokus stehen!
    Woran ich das festmache? Ganz simple, in den beiden Spielen ist es geradezu auffällig, das sie immer wieder auf die Riesenbildschirme im Stadion blickt, ob sie dort gerade gezeigt wird und dann kommt prompt der gezielte Blick genau in diese Kamera.
    Schaut das nächste Spiel mal genau hin!

    Übrigens, ist Grenzgängerei nicht verboten und steht unter Strafe?

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  • Fee sagt:

    „„Ich denke, sie ist gestolpert“, sagte Marta, die die Pfiffe ohnehin nicht auf sich bezogen.“

    Quelle: Tagesspiegel

    Marta lebt wohl in ihrer eigenen Welt.

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  • NaviDrH sagt:

    Die brasilianische Entourage ist nach dem Schlusspfiff sofort geschlossen in der Kabine verschwunden und erst wieder mit ihrer peinlichen Trommelperformance aufgetaucht, als das Stadion leer war. Soweit zum Thema „ich möchte noch mehr Fans haben“ – dazu muss man sich erst einmal mit den eigenen Fans (die reichlich in WOB im Stadion waren) auseinandersetzen.

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