Schweden: Defensiv stark, doch offensiv nachlässig

Von am 3. Juli 2011 – 11.59 Uhr

Die Schwedinnen feierten den 1:0-Sieg gegen Nordkorea in Augsburg bei der Frauenfußball-WM wie den Gewinn des Weltmeistertitels und Trainer Thomas Dennerby strahlte übers ganze Gesicht, doch das Team wird sich steigern müssen, will man mehr als das Minimalziel Viertelfinale erreichen.

Denn sowohl beim 1:0-Sieg gegen Kolumbien als auch beim Erfolg gegen die Asiatinnen ließ das Team reihenweise Chancen aus, allen voran durch Lotta Schelin.

Training und Spiel zwei paar Stiefel
„Im Training mache ich sie alle rein“, so die Topstürmerin von Olympique Lyonnais gegenüber Womensoccer. „Aber als Stürmerin darf man sich darüber nicht zu viele Gedanken machen, manchmal klappt es, manchmal nicht. Ich bin mir sicher, dass ich und mein Team hier noch weitere Treffer erzielen werden.“ Die schwedische Mannschaft wollte sich die gute Laune nicht durch kritische Fragen zerstören lassen.

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Minimalziel erreicht
Warum man so extrem ausgelassen gefeiert hat? „Wir haben vor dem Turnier gesagt, dass es unser Minimalziel ist, das Viertelfinale zu erreichen. Das haben wir geschafft und wenn man eines seiner Ziele erreicht, ist es doch schön zu feiern.“  Ein Lob hatte sie für das Augsburger Publikum übrig. „Es waren fast 25 000 Leute hier, und es ist unglaublich, wie uns die Deutschen angefeuert haben, wir haben uns gefühlt wie in Schweden.“

Das Spiel in den Griff bekommen
Therese Sjögran, die die Vorarbeit zum Treffer von Lisa Dahlkvist leistete, analysierte: „Wir mussten in den ersten 45 Minuten hart arbeiten, aber in der zweiten Halbzeit haben wir Kontrolle über das Spiel erlangt und Nordkorea hatte nur eine echte Chance, als Thunebro auf der Linie geklärt hat.“ Vor allem dank einer guten Defensivleistung habe man das Spiel gewonnen.

Robuste Defensive
„Wir haben eine starke Viererkette und Hedvig im Tor, das gibt uns Sicherheit. Vor allem die beiden Innenverteidigerinnen haben stark gespielt.“ Dass ihr Team im bisherigen Turnierlauf so viele Chancen liegen ließ, beunruhigt Sjögran nicht. „Wir haben uns eine Menge Chancen herausgearbeitet. Das ist das Wichtigste, der Rest kommt irgendwann von selbst, ich mache mir keine Sorgen.“

Lotta Schelin

Lotta Schelin: Viele Chancen, wenig Effizienz © Marion Kehren / girlsplay.de

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Wichtiger Erfolg
Jessica Landström freute sich über den Erfolg. „Das war das Team, das Land und den Frauenfußball in Schweden gleichermaßen wichtig. Nordkorea war ein starker Gegner, aber wir haben sie müde gespielt und nach und nach mehr Räume bekommen.“ Ihre Frankfurter Teamkollegin Sara Thunebro meinte: „Wir haben zweimal gewonnen und kein Gegentor kassiert. Wir arbeiten gut zusammen und hatten von der ersten WM-Minute an ein gutes Gefühl in der Mannschaft.“

USA-Spiel als Gradmesser
Doch erst im abschließenden Gruppenspiel gegen die USA und dem anschließenden Viertelfinale wird man sehen, was die beiden Auftaktsiege wert waren. „Die USA sind eines der weltbesten Teams, das wird ein gutes Spiel werden“, ist sich Schelin sicher. Doch mit dem Duell um den Gruppensieg wollte sie sich noch nicht näher beschäftigen: „Wir werden sehen, mit welcher Taktik wir zu Werke. Aber es ist toll zu wissen, dass wir das Viertelfinale erreicht haben.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.