Konkurrenz belebt das Geschäft

Von am 4. Juni 2011 – 17.52 Uhr 5 Kommentare

Neue Spielerinnen, mehr Bewegung, Spielfreude und vier Tore – der Leistungsunterschied im Frauenfußball-Länderspiel gegen Italien war nach dem Seitenwechsel deutlich. „Zwei verschiedene Halbzeiten“ habe man gesehen, so Bundestrainerin Silvia Neid. Und der Konkurrenzkampf im deutschen Team dürfte befeuert worden sein – die jungen Wilden drängen nach vorn.

Mit der Halbzeitpause ging eine zähe erste Spielhälfte zu Ende, vier Auswechselungen brachten neuen Schwung ins Spiel.

Probleme mit kompakten Italienerinnen
Die italienische Mannschaft verfügt schon lange über eine sehr kompakte Defensive, hat dabei aber Probleme im eigenen Spielaufbau – Beobachtungen, die auch in der Begegnung mit der DFB-Auswahl gemacht werden konnten. „Wir haben in der ersten Halbzeit viel ackern müssen“, so Célia Okoyino da Mbabi, die zu diesem Zeitpunkt noch auf der Bank saß. Wenngleich im Spiel nach vorne bei den Italienerinnen nicht viel zusammen lief, stellten sie die deutsche Offensive vor Probleme.

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Birgit Prinz hatte mit einem Pfostenschuss (18.) zwar die Führung auf dem Fuß, doch insgesamt gelang der Spielführerin ähnlich wenig wie Sturmkollegin Inka Grings. Nach der Halbzeitpause wurde das erfahrene Duo durch die „Youngsters“ Okoyino da Mbabi und Alexandra Popp ersetzt – der deutsche Sturm erlebte eine deutliche Belebung.

Célia Okoyino da Mbabi (links) zeigt gegen Italien vollen Einsatz. © Nora Kruse, ff-archiv.de

Wechsel tun deutschem Spiel gut
„In der zweiten Halbzeit haben wir mit neuen Spielerinnen für frischen Wind gesorgt“, so Neid, die neben Okoyino da Mbabi und Popp auch Lena Goeßling und Fatmire Bajramaj in die Partie brachte. Nachdem das 1:0 ein Eigentor gewesen war (32.), traf Popp gleich beim ersten Ballkontakt nach dem Wiederanstoß zum 2:0. „Toll gemacht“, bescheinigte die Bundestrainerin, „dass sie gleich da rein geht, wo es weh tut.“

Deutsches Offensivfeuerwerk
„Unsere Spielerinnen hatten sehr, sehr viel Spaß im Spiel nach vorn“, beobachtete Neid, wie das deutsche Angriffsspiel ins Rollen kam. Bis zu ihrer Auswechselung (67.) zeigte auch Kim Kulig einen starken Auftritt mit intelligenten Pässen, einem guten Auge und deutlich verbesserter Fitness – Lohn der Mühen war das 3:0 nach 62 Minuten, ehe auch Okoyino da Mbabi ihr unermüdliches Spiel nach vorne sieben Minuten später mit dem 4:0 abschloss.

Zweite Elf als echte Alternative
Im Kreis der Nationalmannschaft ist man schon lange stolz auf die Qualität der Spielerinnen, die man von der Bank einwechseln kann, um Positionen gleichwertig zu ersetzen – doch gegen Italien hat die vermeintlich zweite Elf einen besseren Eindruck hinterlassen als die erste. Während im Spiel von Grings relativ wenig Bewegung war, und die Stürmerin eher auf Zuspiele wartete, zeigte sich Popp frischer, präsenter und gefährlicher. Die Torschützenkönigin der U20-Weltmeisterschaft holte sich die Bälle teilweise hinten, absolvierte ein hohes Laufpensum – und das 5:0 ging in der 77. Minute ebenfalls auf ihr Konto. Popp könnte im Sturm mehr als nur eine Einwechselspielerin werden.

Mehr als nur ein Fingerzeig - Alexandra Popp drängt sich auf. © Nora Kruse, ff-archiv.de

„Konkurrenz ist immer gesund“, kommentierte Grings, „und für Alex freut es mich sehr.“ Dass sie selbst dadurch vielleicht das Nachsehen haben könnte, denkt die Stürmerin nicht. „Das gesamte Kollektiv stimmt, und von daher bin ich da völlig entspannt.“

DFB-Team unterstreicht Teamgeist
„Ich glaube, dass es Alex gut getan hat, dass sie nicht von Anfang an gespielt hat. Sie kam ins Spiel, war direkt da, und das ist klasse. Ich weiß nicht, ob das so gegangen wäre, wenn sie von Anfang an gespielt hätte“, so Neid, die nach der Begegnung bemüht war, die Leistung der Startelf nicht unter den Tisch fallen zu lassen. „Die Spielerinnen, die begonnen haben, haben Italien sehr, sehr müde gemacht.“ Es sei ein „Verdienst der ganzen Mannschaft“, denn in der zweiten Halbzeit habe man die Früchte aus der Arbeit der ersten ernten können, antwortete Okoyino da Mbabi ein wenig ausweichend auf die Frage nach ihren Ambitionen auf einen Platz in der Startelf.

Im Kreis der Nationalmannschaft wurde der Teamgeist unterstrichen, und die Bundestrainerin wollte sich verständlicherweise zu diesem frühen Zeitpunkt noch nicht in die Karten schauen lassen. Zwei Länderspiele stehen vor der WM noch an, aber die sich abzeichnende Tendenz ist eine positive: Konkurrenz belebt das Geschäft, und die deutsche Mannschaft verfügt mit ihrer vermeintlich zweiten Garde über echte Alternativen, die sich aufdrängen und den gestandenen Nationalspielerinnen Druck machen.

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5 Kommentare »

  • Webcam sagt:

    Jedenfalls dürfen sich Grings und Prinz mal Gedanken über ihre Laufbereitschaft, Anspielbarkeit und effektives Spiel nach vorne machen, wo das so offensichtlich war und nun in der Presse bedacht wird, das kann nur gut sein.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Es wäre nur allzu gerecht, wenn im kommenden Länderspiel mit umgekehrten Vorzeichen gespielt wird, d.h. die Jungen fangen an und die Alten spielen dann die 2.HZ. 😉

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  • Webcam sagt:

    Genau, gerecht – und man würde eher sehen, woran es wirklich liegt.

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  • FFFan sagt:

    „Es wäre nur allzu gerecht, wenn im kommenden Länderspiel mit umgekehrten Vorzeichen gespielt wird, d.h. die Jungen fangen an und die Alten spielen dann die 2.HZ.“

    Ich könnte mir vorstellen, dass genau das der Plan von Silvia Neid für das Testspiel gegen Holland ist. Zumindest auf einigen Positionen wird es Veränderungen geben. Eventuell bekommt auch Uschi Holl mal wieder etwas Spielpraxis.

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  • Michele sagt:

    Mit Sicherheit wird es am Dienstag Veränderungen geben. Ich glaube aber, dass die Anfangself von gestern wohl fast die selbe ist, die das Eröffnungspiel bestreiten. Es entscheidet sich wohl nur noch zwischen Behringer und Bajramaj wer beginnt.

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