Sara Thunebro, die Spätberufene

Von am 3. Mai 2011 – 9.48 Uhr

Erst im Alter von 24 Jahren debütierte die Schwedin Sara Thunebro in der A-Nationalmannschaft. Doch seitdem ist die Abwehrspielerin vom 1. FFC Frankfurt ein fester Bestandteil ihres Teams. Für die Frauen-WM in Deutschland hat sie sich viel vorgenommen.

„Ich freue mich schon darauf, in meiner zweiten Heimat eine WM zu spielen“, so Thunebro gegenüber Womensoccer. „Organisation und Stimmung werden gut sein, viele Zuschauer werden das Turnier verfolgen, das wird ein großes Fest“, ist sich die 32-Jährige sicher. Im Alter von sechs Jahren begann sie gemeinsam mit ihrer Zwillingsschwester das Fußballspielen, nebenher betrieb sie aber auch andere Sportarten wie Tennis, Golf, Handball und Turnen. „Aber Fußball hat mir am meisten Spaß gemacht“, erinnert sie sich.

Aufgeben verboten!
Mit 15 fand sie sich erstmals in einer schwedischen Auswahlmannschaft wieder. Doch dort musste sie ernüchtert feststellen: „Ich war nicht so gut und nicht der große Star, ich saß nicht selten nur auf der Bank. Aber ich war läuferisch stark und hatte den unbändigen Willen, besser zu werden.“ Und so arbeitete sie sich beharrlich nach oben, denn: „Aufgeben kam für mich nie in Frage, ich habe den Fußball immer geliebt.“

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Sara Thunebro

Sara Thunebro (re.) im Spiel gegen England bei der EURO 2009 © Nora Kruse / ff-archiv.de

Spätes Debüt in der Nationalelf
Doch es sollte noch ein steiniger Weg werden, bis sie 1999 für Djurgården ihr Debüt in der Damallsvenskan gab und am 30. Januar 2004 bei der 0:3-Niederlage gegen die USA von Trainerin Marika Domanski-Lyfors erstmals in der A-Nationalmannschaft aufgestellt wurde. „Bis heute ist das ein unbeschreibliches Gefühl.“ Zuvor bestritt sie 32 Länderspiele in der U23. „Ich habe viel von den älteren Spielerinnen gelernt, jetzt gehöre ich selbst zu den alten Abwehrspielerinnen“, sagt die Allrounderin augenzwinkernd, die sich sowohl auf der linken als auch auf der rechten Außenbahn zuhause fühlt.

Großes Selbstbewusstsein
Bei der Frauen-WM in Deutschland will sie nun den ganz großen Coup landen. „Wir haben eine gute Mannschaft und wenn alles klappt, können wir alle anderen Teams schlagen, dieses Selbstbewusstsein haben wir“, so Thunebro. Doch bei den vergangenen großen Turnieren gab es für die schwedische Nationalmannschaft nur wenig zu ernten, bei der vergangenen WM 2007 in China scheiterte man sogar bereits in der Vorrunde.

Die Crux der kleinen Details
„Wenn wir wüssten, woran wir immer wieder scheitern, wären wir wohl schon längst Weltmeister geworden. Wir reden viel über alles und ich weiß, dass wir in der Lage sind, die WM zu gewinnen. Aber da müssen auch die kleinen Details stimmen. Aber wir haben alles, was es braucht: einen guten Trainer, eine gute Mannschaft und ein gutes Team im Hintergrund. Ich hoffe, dass es dieses Jahr klappt.“

Sara Thunebro

Träumt vom WM-Titel: Sara Thunebro © Nora Kruse / ff-archiv.de

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Traumfinale Schweden gegen Deutschland
In Gedanken hat sie sich bereits ausgemalt, wie die Frauen-WM verlaufen soll. „Mein Traum ist es natürlich, in Frankfurt zu spielen, das heißt, zumindest das Halbfinale zu erreichen, ein Finale gegen Deutschland wäre natürlich noch besser.“ Denn Deutschland ist in den vergangenen Jahren zu ihrer zweiten Heimat geworden.

Mentalitätsunterschiede
„Ich habe hier viel gelernt, viele kleine Sachen sind anders, die Mentalität vollkommen unterschiedlich. Manchmal ist es hier nach meinem Empfinden zu hart, in Schweden müsste man dagegen manchmal härter zu sich selbst sein“, skizziert sie die Unterschiede beider Länder. „Ari [Ariane Hingst] und Natze [Nadine Angerer]machen immer Witze über die Harmonie in Schweden.“

Stirnband zur Freude der Oma
Auch bei der Frauen-WM 2011 in Deutschland werden die Zuschauer Thunebros Markenzeichen bewundern dürfen. „Das Stirnband ist für meine Haare, ohne es kann ich nichts sehen und keinen Fußball spielen.“ Doch der praktische Nutzen ist gleich doppelt: „Meine Oma freut sich sehr über das Stirnband, weil sie mich dann im Fernsehen besser erkennen kann. Sie ruft dann immer ganz freudig: ‚Ich kann Dich sehen‘.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.