DFB-Pokalfinale: Gipfeltreffen der Dauerrivalen

Von am 25. März 2011 – 14.00 Uhr 13 Kommentare

Heute um 16.15 Uhr (live in der ARD) duellieren sich im Kölner RheinEnergieStadion die beiden besten deutschen Teams der Saison und Dauerrivalen des vergangenen Frauenfußball-Jahrzehnts im Finale des DFB-Pokals. Dabei geht es für den 1. FFC Frankfurt und den 1. FFC Turbine Potsdam um mehr als reines Prestige.

Denn die Frankfurterinnen wollen mit einem Pokalsieg einem Millionenpublikum beweisen, dass sie nach zwei mageren Jahren nicht nur in der Liga wieder zur Bel Etage gehören.

Der Weg ins Finale

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Und das Team von Trainer Sven Kahlert will den kleinen Makel vergessen machen, dass man trotz einer tollen Bundesligasaison mit einer Tordifferenz von 103:16 und der besten Offensive und Defensive gleichermaßen den deutschen Meistertitel den Potsdamerinnen überlassen musste. „Ich denke, das wird ein offener Schlagabtausch“, so Frankfurts Mittelfeld-Ass Melanie Behringer.

Dietrich: „Sahnehäubchen aufsetzen“
Manager Siegfried Dietrich will der Saison „das Sahnehäubchen aufsetzen“ und Trainer Sven Kahlert fordert von seinem Team „101 Prozent“. Von 1998 bis 2008 standen die Frankfurterinnen zehn Mal in Folge im Endspiel, sieben Mal konnten die Hessinnen die Trophäe bereits gewinnen. Gleich dreimal in Folge traf man dort von 2004 bis 2006 auf Potsdam, dreimal ging der Gegner als Sieger vom Platz. Zwischen den Pfosten der Brandenburgerinnen stand dabei jeweils Nadine Angerer, die in allen drei Partien ohne Gegentreffer blieb: „Ich würde gerne die Vorzeichen tauschen und mit Frankfurt gegen Potsdam gewinnen.“

Wunderlich für Bartusiak
Doch Frankfurt muss zwei Handicaps verkraften: Zum einen muss Kahlert seine Innenverteidigung umstellen, weil Saskia Bartusiak wegen ihrer Gelbsperre nicht zur Verfügung stehen wird. Für sie wird Urgestein Tina Wunderlich zu ihrem elften Pokalfinale kommen. „Wir haben uns aufgrund ihrer Erfahrung und guten Leistungen in der U 23 für Tina entschieden“, begründet Kahlert den mutigen Schritt, die 33-Jährige in den Finalkader aufzunehmen.

Spielpraxis als Turbine-Vorteil
Zum anderen hat die Elf seit dem furiosen 8:2-Sieg gegen den FC Bayern München zum Saisonfinale der Bundesliga fast zwei Wochen kein Pflichtspiel mehr bestritten, während die Potsdamerinnen mit zwei erfolgreichen Viertelfinalspielen in der Champions League gegen den FCF Juvisy (3:0 und 6:2) Selbstvertrauen tanken und im Spiel-Rhythmus bleiben konnten, möglicherweise ein entscheidender Vorteil. „Da haben wir uns weitere Sicherheit für den Samstag geholt“, glaubt auch Turbine-Kapitänin Jennifer Zietz.

Bajramaj und Sarholz wieder fit
Potsdam kann anders als Frankfurt personell aus dem Vollen schöpfen. „Ich bin auf jeden Fall wieder dabei“, verspricht Fatmire Bajramaj nach überstandener Beckenprellung. Und auch Stammtorhüterin Anna Felicitas Sarholz dürfte nach ihrem grippalen Infekt wieder zwischen den Pfosten stehen. „Es wird schwer, aber ich hoffe, dass wir dann noch ein Ass aus dem Ärmel ziehen können“, erklärt Potsdams Trainer Bernd Schröder, der in dem Kräftemessen mit Frankfurt nach wie vor auch ein Duell zweier unterschiedlicher Philosophien sieht.

Potsdam gegen Frankfurt

Frankfurt gegen Potsdam - wer gewinnt den Schlagabtausch? © Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Willkommene Bonusgelder
Gewonnen haben beide Teams unabhängig des Ausgangs allerdings schon durch den Einzug ins Finale. Denn sowohl der 1. FFC Frankfurt als auch der 1. FFC Turbine Potsdam haben sich durch den Finaleinzug bereits 70 750 Euro gesichert, der Sieger erhält noch einen Aufschlag von 20 000 Euro, beide Teams erhalten zusätzlich jeweils 25 Prozent Gewinnbeteiligung, sollte das Finale einen Überschuss abwerfen. Frankfurt und Potsdam sowie die Sponsoren beider Teams freuen sich gleichermaßen über den Bonus Pokalfinale.

Stelldichein der Stars
Und wie schon im Vorjahr, als 26 282 Zuschauer beim ersten Finale nach der Abkopplung aus Berlin ins Kölner Stadion kamen, dürfte es diesmal eine ähnliche Kulisse werden. Im Vorverkauf wurden knapp 20 000 Tickets abgesetzt, aus Frankfurt haben sich 2000, aus Potsdam 500 Fans angesagt. Ein gutes Dutzend deutscher sowie weiterer Nationalspielerinnen aus Schweden, Japan und den USA werden für ein Stelldichein der Stars sorgen und somit einen Vorgeschmack auf die in drei Monaten beginnende Frauen-WM liefern.

Buntes Rahmenprogramm
Rund um das Spiel wird es zudem wie schon im Vorjahr ab 12 Uhr auf den Stadionvorwiesen und rund um die Abelbauten ein buntes Rahmenprogramm geben: Einlagespiele, Mädchenfußballturniere, vielfältige Mitmachmodule, Autogrammstunden auf der Fanmeile und ein attraktives Bühnenprogramm mit Stars wie de Höhner. Tickets sind noch in allen Kategorien verfügbar, sie kosten zwischen 15 Euro (Sitzplatz Kategorie 3) und 30 Euro (Sitzplatz Kategorie 1). Die Tageskassen am Stadion öffnen ab 14.15 Uhr. Zeitgleich ist auch Einlass. An der Nordtribüne haben zwei Kassen bereits ab 12 Uhr geöffnet.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

13 Kommentare »

  • Stonie sagt:

    TP kann aus dem Vollen schöpfen, sehe ich etwas anders! Wenn ich an Nadine Keßler und Jessi Wich denke …

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Meine Erwartungshaltung bzgl. des Pokalfinales konzentriert sich hauptsächlich darauf, dass hier ein FF-Event vor hoffentlich zahlreichen Zuschauern im Stadion und an den heimischen Bildschirmen, in der allseits erwarteten Qualität sowie Torezahl und mit einem letztendlich verdienten, weil besseren Sieger stattfindet.
    Klar habe ich einen Favoriten, aber man mag es kaum glauben, trotz der Chance auf das Double und damit auch auf den Fortbestand der Triple-Hoffnung, hätte ich kein Problem damit, wenn dieser in dem Spiel zu recht unterlegen sein sollte!

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  • Winter sagt:

    Mir geht die Arroganz einer Conny Pohlers in verschiedenen Interviews jetzt schon auf die Nerven. Kann man nur sagen, auch nach Jahren nicht´s gelernt!

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  • Jochen sagt:

    Schließe mich SF an! Als Werbung für den FF hoffe ich nach den letzten schlechten Spielen, die übertragen wurden (1.FFC – FCR, Turbine-Juvisy, FCR – Everton), dass endlich mal ein tolles Spiel echte Werbung betreibt und neue FFFans gewinnt.

    Ich muss allerdings gestehen, dass ich dem Kahlert dies nicht gönne.
    Wenn ich nun wieder im Framba-Interview über seine Tätigkeit mit anschließendem Hinweis die meisten Tore und geringsten Gegentreffer lese:
    „Ich bin sehr zufrieden. Wir haben uns seit meiner Amtübernahme vor anderthalb Jahren Schritt für Schritt verbessert.“
    muss ich gelinde gesagt einmal mehr den Kopf schütteln.

    Der ist doch nicht zufrieden – das glaubt ihm, der so schlecht verlieren kann, niemand – und dieses offensichtliche Eigenlob mit dem geschmacklosen Seitenhieb gegen den Amtsvorgänger finde ich auch bezeichnend.

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  • Lucy sagt:

    Na ja, es ist ja schon wieder besser geworden mit ihm…

    Und warum darf man nicht von Frankfurter Seite auch mal auf die Anzahl der geschossenen Tore oder die am wenigsten rein bekommenen hinweisen ? So etwas wurde doch in den letzten Jahren von Turbineanhängern andauernd angepriesen („beste Abwehr der Liga…“)!!!

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Tja, es immer noch eine Frage der Eigenwahrnehmnung und der Aussendarstellung, und wenn Herr Kahlert in seiner Einschätzung sich selbst in den Mittelpunkt stellt, kann ich nur kontern und schreiben, bei Herrn Schröder ist dies ganz klar und schon immer so gewesen – die Mannschaft! 🙂
    Viele seiner Berufskollegen sehen das ganz genauso.

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  • Michele sagt:

    Sven Kahlert ist ein junger Trainer, der mit Sicherheit noch viel lernen muss. Selbst mir als Anhänger der Frankfurterinnen geht seine Art manchmal auf die Nerven. Was eine Conny Pohlers sagt, sollte man nicht so ernst nehmen.

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  • pinkpanther sagt:

    Was hat Conny Pohlers eigentlich so schlimmes gesagt, dass hier alle so über sie „herfallen“?

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Was jemand so sagt, wenn Frust schieben angesagt ist… 😀
    Ehrlich gesagt, interessiert mich das herzlich wenig, wenn ich daran zurückdenke, wie sie (zusammen mit Wimbersky) gegen ihren Ex-Trainer Schröder geschossen hat, kaum dass sie in Ff. war.

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  • PRObierSMALMIT!!! sagt:

    Conny ist halt eine erfrischend, fech fussballspielende Dame.
    Da kann man keine unterkühlte Wortwahl erwarten.

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  • Detlef sagt:

    Ich bin echt gespannt auf das morgige Spiel!!!
    Natürlich wünsche ich mir einen Sieg der TURBINEN!!!

    Die letzte größere Pause hat den Frankfurterinnen ja nicht gut getan, mal sehen ob sie diesmal an ihre letzten Leistungen nahtlos anknüpfen können???

    TURBINE zeigte zuletzt gegen stark spielende Französinnen eine ordentliche Leistung!!!
    Mal sehen, ob sie dies morgen gegen Mainhatten widerholen können???

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  • FFFan sagt:

    Für mich ist der Ausgang des Spiels völlig offen. Frankfurt hatte seit dem letzten Bundesligaspieltag am 13.3. Pause und ist deshalb möglicherweise etwas frischer als die Turbinen, die in der CL aktiv waren und somit einen gewissen Kräfteverschleiß hatten. Andererseits blieb Potsdam so im Spielrhythmus, was auch ein Vorteil sein kann. Zudem waren die deutlichen Siege gut fürs Selbstvertrauen.

    Tina Wunderlich zurück in der ersten Mannschaft? Ist das nur Nostalgie (sie war bei jedem der bisherigen 10 Pokalendspiele des FFC dabei) oder womöglich gar eine ernsthafte Alternative für die Startelf? Bei all ihrer Klasse bezweifle ich doch, dass sie dem Tempo der Potsdamer Stürmerinnen gewachsen ist, sie war ja schon 2009/10 zu langsam für die Bundesliga. Allein mit Erfahrung lässt sich das schlecht kompensieren.
    Gespannt darf man sein, ob Conny Pohlers (wie von ihr selbst vehement gefordert) von Beginn an spielen wird. Aufgrund der zuletzt gezeigten Leistungen kann Kahlert sie eigentlich nicht aus der Mannschaft nehmen, es sei denn sie passt nicht in sein „taktisches Konzept“…

    Die Zuschauerzahl bewegt sich (erfreulicherweise) auf 20.000 zu, ein neuer Rekord ist diesmal aber nicht geplant. Obwohl die Veranstaltung vom Publikum offensichtlich angenommen wird, scheint der DFB noch nicht restlos überzeugt zu sein, ob es auch in Zukunft beim eigenständigen Frauen-Finale bleibt. Die Äußerungen von Frau Ratzeburg lassen jedenfalls noch einige Skepsis erkennen. Ein Zurück zum ‚Vorspiel‘ kann es aber m.E. nicht geben.

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  • Lucy sagt:

    Sicherlich wurden nur weniger Karten an Familien verschenkt. Und siehe da, wenn sie zahlen sollen, kommen sie nicht… 😉

    So gibt es dann wenigstens nicht ständig so ein Gelaufe auf den Rängen, wenn die Familien kommen, gehen, kommen,… 😉

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