Abby Wambach: „USA gegen Deutschland wäre bestes Finale“

Von am 18. März 2011 – 20.15 Uhr 1 Kommentar

Athletisch, zweikampfstark, torgefährlich – das ist US-Stürmerin Abby Wambach, die in 153 Länderspielen 117 Treffer erzielte. Im exklusiven Interview mit Womensoccer spricht die 30-Jährige über ihre WM-Erwartungen, Probleme im US-Frauenfußball und über ihren Traum, in Europa Fußball zu spielen.

Womensoccer: Frau Wambach, noch 100 Tage bis zur WM in Deutschland. Sind Sie schon aufgeregt?

Abby Wambach: Ich freue mich schon riesig darauf. Steffi Jones ist eine Freundin von mir und ich weiß, dass sie im Organisationskomitee hart dafür arbeitet, Werbung für das Turnier zu betreiben. Der Frauenfußball wächst und es ist fantastisch, dass die WM in Deutschland ausgetragen wird, ich könnte mir keinen besseren Ort dafür vorstellen. Allein der Gedanke, vor einer großen Zuschauerkulisse zu spielen, gibt mir einen Extraschub Energie und ich weiß, dass viele Deutsche in die Stadien strömen werden, um ihr eigenes und auch die anderen Teams zu unterstützen

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Womensoccer: Als Weltranglistenerster gelten die USA natürlich als einer der Top-Favoriten. Doch der letzte WM-Titel der USA liegt 12 Jahre zurück, eine lange Zeit.

Wambach: Das nehme ich wirklich ziemlich persönlich, denn ich habe noch nie einen WM-Titel geholt. Und in diesem Jahr wird es noch schwerer werden, als in der Vergangenheit. Dennoch denke ich, dass wir eine fantastische Chance auf den Titel haben, wenn wir so spielen, wie wir das können und das auch stabil während des gesamten Turniers abrufen.

Womensoccer: In der WM-Qualifikation ist Ihnen das aber nicht wirklich gelungen.

Wambach: Ich will gar nicht nach Ausreden suchen, es gibt eine Menge Gründe, warum wir in die Play-offs mussten. Wir waren am Ende der Saison schon ein bisschen müde, konnten nicht lange miteinander trainieren und auch der Turniermodus ist hart. Das eine Spiel gegen Mexiko hatte eine Riesenbedeutung und genau dort haben wir schlecht gespielt und man muss fairerweise sagen, dass Mexiko verdient gewonnen hat. Die Tage, wo wir locker durch die Qualifikation marschiert sind, sind einfach vorbei, und die Teams haben auch gelernt, wie sie gegen uns spielen müssen. Darauf haben wir uns einzustellen.

Womensoccer: Gegen Deutschland hat Ihr Team aber in letzter Zeit immer gut ausgesehen, die letzten Spiele haben sie allesamt gewonnen.

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Wambach: Wir sind schon stolz auf die Ergebnisse, die wir gegen Deutschland erzielt haben. Aber sie zählen nicht mehr, wenn wir zur WM fahren, denn das ist dann eine ganz andere Sache. Deutschland hat eines der stärksten Teams auf der Welt und es wird seinem Land zeigen wollen, warum das so ist. Sie werden gegen jeden Gegner alles in die Waagschale werfen.

Abby Wambach

Ihr Name steht für Torgefährlichkeit pur: Abby Wambach © Nora Kruse / ff-archiv.de

Womensoccer: Welche Teams sind denn Ihre Favoriten?

Wambach: Deutschland aus einer ganzen Reihe von Gründen, Brasilien hat ein gutes Team und Japan sowie Nordkorea könnten für Überraschungen sorgen. Letztere haben ein sehr solides Team, auch wenn es nicht so im Fokus der Öffentlichkeit steht. Schweden, das uns kürzlich erst geschlagen hat, und Norwegen gehören für mich auch noch zum Favoritenkreis. Viele Teams können an einem einzelnen Tag eine starke Leistung abrufen und besondere Dinge leisten. Jeder kann jeden schlagen, das macht es schwierig, aber eben auch interessant zum Anschauen. Wir wollen einfach noch ein bisschen besser sein als unserer Gegner. Wir schauen nur auf uns und konzentrieren uns ganz auf das erste Spiel. Wenn wir dort ein gutes Ergebnis erzielen, wird uns das einen Kick für den weiteren Turnierverlauf geben.

Womensoccer: Dann haben Sie sich auch inzwischen damit abgefunden, dass sie wieder mal eine schwere WM-Gruppe erwischt haben?

Wambach: Wir hatten schon immer ziemlich schwierige Gruppen. Wir haben keine Kontrolle darüber, welche Teams uns zugelost werden, deswegen werden wir auch nicht weinen und jammern. Wenn das heißt, bereits in der Vorrunde gegen sehr starke Gegner spielen zu müssen, dann ist das halt so. Wir müssen einfach auf alles vorbereitet sein und hoffen, dass wir zeigen können, was wir drauf haben. Wenn man das Finale erreicht, zählt nur noch Herzblut. Ich hoffe, wir können gegen Deutschland spielen, das wäre das beste Finale.

Womensoccer: Die USA haben sich nur auf den letzten Drücker für die WM qualifiziert, die U20 ist bei der WM in Deutschland voriges Jahr im Viertelfinale an Nigeria gescheitert und die U17 hat sich gar nicht erst für die WM qualifiziert. Irgendetwas im US-Frauenfußball scheint schief zu laufen.

Wambach: Die Ergebnisse unserer Juniorinnenteams waren wirklich nicht berauschend. Der US-Verband hat bereits Maßnahmen getroffen und Jill Ellis sowie April Heinrichs verpflichtet, um die Probleme in den Griff zu bekommen. Ich habe bei diesen beiden ein gutes Gefühl, dass sie die USA zurück auf Kurs bringen können.

Womensoccer: Was für Probleme gibt es denn?

Wambach: Das ist gar nicht so leicht zu erklären. Das Spiel verändert sich heute so rasch, es ist ganz anders als vor zwei Jahren. Vor allem als junge Spielerin, die sich noch im Lernprozess befindet, muss man diese Entwicklung mitgehen. Vielleicht gab es einige technische Probleme in unseren Jugendprogrammen, was Trainer, Organisation und auch die Auswahl der Spielerinnen angeht. Aber ich bin mir sicher, das Jill und April das in den Griff bekommen.

Abby Wambach

Abby Wambach (li.) besticht durch ihre Athletik und Zweikampfstärke © Nora Kruse / ff-archiv.de

Womensoccer: Was sagt denn Ihr Gefühl in puncto WPS?

Wambach: In den USA ist es nicht leicht, da gibt es neben Fußball auch noch NASCAR, Baseball, Basketball und vieles mehr. In Europa und vielen anderen Gegenden auf der Welt ist Fußball hingegen die klare Nummer Eins. Unser größtes Problem ist, dass unsere Fans das Spiel überhaupt erst einmal begreifen und dann auch noch genießen müssen, was sie sehen. Dann darf man auch nicht vergessen, dass wir ein Frauensport sind. Sport wird in den USA aber hauptsächlich von Männern angeschaut, und wir tun uns schwer, die Zuschauermassen zu begeistern, die die Besitzer der Vereine gerne sehen würden. Sie wollen Zahlen sehen und ihr Investment muss sich natürlich auch irgendwann rechnen, sie wollen kein Geld verlieren. Wir als Spielerinnen versuchen alles, damit diese Liga funktioniert. Ich weiß, dass die deutsche Bundesliga ein anderes Modell auf Amateurbasis verfolgt, wo die Spielerinnen oftmals am Abend trainieren, da einige von ihnen Jobs haben. Vielleicht müssen auch wir irgendwann diesen Weg gehen, aber im Moment versuchen wir einfach die Dinge am Laufen zu halten und ein Titelgewinn bei der WM würde der Entwicklung nicht schaden.

Womensoccer: Sonst spielen Sie doch einfach mal eine Weile in Europa, wie ihre Teamkollegin Ally Krieger es in Frankfurt gemacht hat.

Wambach: Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen. Einerseits will ich helfen, dass die Liga in den USA ein Erfolg wird, und meinem Land etwas geben, andererseits ist es ein Traum von mir, einmal in Europa zu spielen und zu leben. Vielleicht lässt sich das in ein paar Jahren verwirklichen, denn das steht definitiv auf meiner To-Do-Liste. Ally hat mir viele Geschichten erzählt und es wäre toll, einmal in einem anderen Land zu spielen und neue Dinge zu lernen. Damals haben ja auch viele deutsche Spielerinnen in der WUSA gespielt, ich habe so viel von Steffi Jones über den Fußball gelernt und ich hoffe, sie hat auch ein bisschen was mitgenommen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

1 Kommentar »

  • Steffen sagt:

    Interessant!

    (0)