Nina Aigner: „Ich hatte zehn tolle und aufregende Jahre“

Von am 15. März 2011 – 16.59 Uhr 1 Kommentar

Am Sonntag ging nicht nur die verkürzte Bundesligasaison zu Ende, sondern auch die Karriere von Nina Aigner. Im Interview mit Dr. Helmut Pichler blickt die Österreicherin für Womensoccer auf ihre Zeit beim FC Bayern München zurück und verrät, warum es auch in Zukunft nicht ganz ohne Sport geht.

Womensoccer: Welches Resümee ziehen Sie nach beinahe zehn Jahren im Frauenfußball in Deutschland?

Nina Aigner: Ich hatte zehn tolle und aufregende Jahre mit vielen Hochs und Tiefs, auf die ich gerne zurückblicke. Nicht nur auf den Sport an sich mit allen Erfolgen und Niederlagen, sondern vor allem auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die ich in diesen Jahren erfahren durfte. Auch finanziell muss ich mir im Moment keine Sorgen machen, da ich mir neben dem Fußball ein zweites Standbein erarbeitet und aufgebaut habe. Das lässt mich sehr positiv in die Zukunft blicken.

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Womensoccer: Ihre persönlichen Erfolge können sich wirklich sehen lassen. Deutsche Vizemeisterin 2009 mit dem FC Bayern München, dreimal österreichische Meisterin, um nur einige zu nennen.

Aigner: Erfolge sind subjektiv. Ich messe meine Erfolge eher nicht an den Titeln, die man sammelt, sondern mehr an der Erreichung meiner persönlichen Ziele, die mich mir immer wieder neu gesteckt habe.

Womensoccer: Ein paar Zahlenspiele müssen trotzdem sein: In 176 Meisterschaftsspielen der deutschen Bundesliga haben Sie im Bayern-Dress 107 Tore erzielt. Wenn unsere Rechnung stimmt, gelangen Ihnen in allen 241 Spielen (Meisterschaft, Pokal, Test-und Freundschaftsspiele) für die „Roten“ 221 Volltreffer. Haben Sie selbst Buch geführt über Ihre Treffer?

Aigner: Absolut nicht. Ich wusste nur, dass es etwas mehr als 100 Meisterschaftstore in der deutschen Bundesliga sind. Wenn ich das so höre, fühlt sich das ganz gut an, aber immerhin war es ja auch mein Job, Tore zu schießen. Leider war es in der Saison 2008/09 um ein Tor zu wenig, um Meister zu werden. Schön, dass ich jetzt wenigstens schon wieder darüber lachen kann, auch wenn es auch heute noch manchmal ein wenig weh tut.

Womensoccer: Mit welchen Verletzungen haben Sie sich diese Erfolge erkämpft?

Aigner: Meine Verletzungen sind ein leidiges Thema. Ich glaube, da reicht der Platz gar nicht aus, um alle aufzulisten. Und so blöd es vielleicht klingt – jede Verletzung hatte auch etwas Positives, da ich aus jeder Verletzung etwas gelernt habe. Ich musste mich oft zurückkämpfen, gerade dieser Kampfgeist und die daraus gesammelte Erfahrung helfen mir auch außerhalb des Sports.

Womensoccer: Wie nutzen Sie in Zukunft die viele Zeit, die nach der Fußballerinnenkarriere zur Verfügung steht?

Aigner: Eine gute Frage. Ich freue mich im Moment einfach nur darauf, mehr Zeit für mich zu haben. Dass ich nicht ganz ohne Sport leben kann, liegt auf der Hand. Also drei Tage in der Woche werde ich bestimmt mit Freizeitsport verbringen.

Nina Aigner und Gerd Müller

Nina Aigner freut sich auf ein Tennismatch mit Gerd Müller © privat

Womensoccer: Kehren Sie zu Ihrem ursprünglichen Lieblingssport Tennis zurück?

Aigner: Tennis wird jetzt sicher wieder mehr in mein Leben zurückkehren. Irgendwann werde ich auch den Trainerschein nachholen, aber erst mal möchte ich Tennis als Freizeitsport genießen. Mit Gerd Müller habe ich ja schon ein freundschaftliches Match vereinbart.

Womensoccer: In welche Richtung wird sich der Frauenfußball in Deutschland entwickeln?

Aigner: Mit der WM 2011 im eigenen Land winkt ihm eine große Chance. Die große Frage wird sein, ob der Boom und die Begeisterung rund um die Nationalelf auf die Bundesliga transferiert werden können. Sollte dies nicht gelingen, wird sich an der Stellung des Frauenfußballs nicht viel ändern.

Womensoccer: Und wo sehen Sie den FC Bayern München in einigen Jahren und die jungen Österreicherinnen?

Aigner: Ich denke, die letzten Spiele haben gezeigt, welches Potenzial in dieser jungen Mannschaft steckt und wenn sie in den nächsten Jahren so zusammenbleibt, ist der Meistertitel bestimmt ein realistisches Ziel. Carina (Wenninger), Viki (Schnaderbeck) und Sarah (Puntigam) haben sich speziell in dieser Saison sehr weiterentwickelt und sich in die erste Mannschaft gespielt. Die drei arbeiten sehr professionell und sind charakterlich tolle Mädels. Sie haben mit Sicherheit eine erfolgreiche Zeit vor sich.

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1 Kommentar »

  • labrys sagt:

    ich wünsche Nina Aigner alles gute für ihre Zukunft und danke für so viele Jahre beim FCB 🙂

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