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Der eine bleibt, der andere geht

Von am 21. Februar 2011 – 10.00 Uhr

Zu Beginn der Saison waren sie gemeinsam aus der Zweiten Bundesliga ins Oberhaus gekommen, gestern haben sich ihre Wege wohl für mindestens ein Jahr getrennt. Während Bayer 04 Leverkusen nach dem 3:2-Sieg beim Herforder SV lautstark den Klassenverbleib bejubelte, flossen beim HSV nach 90 Minuten Abstiegsfight die Tränen.

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Schon vor der Partie war klar, dass sich die Herforderinnen nur im Falle eines Sieges noch Chancen auf den Klassenverbleib erhalten könnte. Doch die Begegnung war ein Spiegelbild der gesamten Saison.

Herford ohne letzte Konsequenz
Die Mannschaft habe das Spiel aufgrund „zu vieler Fehler bei zu wenig eigener Konsequenz“ verloren, so HSV-Trainer Jürgen Prüfer – eine Analyse, wie man wohl auf die gesamte Spielzeit anwenden kann. Der Kader war nominell stärker als beim ersten Bundesligaaufstieg 2008, hat sich jedoch erst zu spät dem Niveau der ersten Liga angepasst. In den letzten Partien haben sich die Herforderinnen zwar gut verkauft, aber „der letzte Schritt fehlt immer wieder“, hadert Prüfer. Doch genau den hat Leverkusen unternommen.

Feride Bakir

Feride Bakir erzielte in Herford den Siegtreffer. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Leverkusen geht früh in Führung
Die Gäste gingen durch Susanne Kasperczyk (18.) und Isabelle Linden (23.) früh in Führung. „Die ersten 25 Minuten waren grausig“, haderte Prüfer. Neuzugang Hannah Bromley hielt die Ostwestfälinnen durch den Anschlusstreffer (25.) aber im Spiel. Nicht mehr im Spiel war in der zweiten Halbzeit Carolin Dej. „Ich habe sie runtergenommen, um sie zu schützen“, erklärte Bayer-Trainerin Doreen Meier die Auswechslung, der die nicht geahndeten Foulspiele von Dej nicht entgangen waren.

Herford macht Druck
Im zweiten Durchgang wurde die Partie für Leverkusen schwieriger, denn Herford machte immer mehr Druck. „Die wollen den Ball, wir scheinbar nicht“, rief eine aufgebrachte Meier ihrer Mannschaft in der zweiten Halbzeit zu. Völlig verdient war der Ausgleich für Herford durch Christin Horst (81.), etwas überraschend in der Schlussminute der Leverkusener Siegtreffer durch Feride Bakir. „Wir haben den Sieg erwürgt“, so Meier.

Aber genau deshalb hat Bayer in Herford den Klassenverbleib besiegelt, während die Gastgeberinnen nur noch theoretische Chancen haben. Leverkusen war nicht minder schlecht in die Saison gestartet, hat jedoch rechtzeitig die Kurve bekommen und die wichtigen Spiele auch nach teils schwierigen Phasen gewonnen.

Doreen Meier

Doreen Meier freut sich mit ihren Spielerinnen über den Klassenerhalt. (c) Nora Kruse

Begegnung mit Endspielcharakter
Je näher das Ende rückte, desto höher kochten die Emotionen. Es entwickelte sich ein Kreislauf aus mehr Foulspielen auf dem Feld, zweifelhaften Abseitsentscheidungen, aufgebrachten Trainern, die immer wieder ihre Coachingzone verließen sowie deutlich zu verstehenden erbosten Rufen von Zuschauern über bestimmte Entscheidungen. Dies alles trug nicht zur Sicherheit des Schiedsrichtergespanns um Verena-Kordula Schultz bei, das einen etwas überforderten Eindruck machte. Man hätte den Schiedsrichterinnen und der Partie vermutlich einen Gefallen getan, wenn ein erfahrenes Gespann zum Einsatz gekommen wäre. Spiele im Abstiegskampf werden erfahrungsgemäß intensiv geführt, versprechen von Beginn an Kampf und stellen mindestens genauso hohe Anforderungen an die Unparteiischen, wie die Spiele an der Tabellenspitze – und dort ist der Einsatz der erfahrenen Schiedsrichterinnen Gang und Gäbe.

Überraschung für die Gäste
„Das ist ein Traum“, so Meier nach 90 Minuten und dem geschafften Klassenverbleib. Auf der Herforder Seite flossen ein paar Tränen, Leverkusen stimmte lautstark „Nie mehr zweite Liga“ ein. Eine Überraschung hatte die Trainerin für ihr Team aber noch parat. Am Abend wurde es in der Bayer-Geschäftsstelle geehrt – verraten wurde dies allerdings erst auf der Heimfahrt.

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