Duisburgs Knaller lässt Frankfurts Harmonie bröckeln

Von am 30. Januar 2011 – 14.00 Uhr 12 Kommentare

14 Siege in Folge, Neuverpflichtungen und Vertragsverlängerungen – beim 1. FFC Frankfurt herrschte vor dem Topspiel gegen den FCR 2001 Duisburg eitel Sonnenschein. Doch die überraschende 0:1-Niederlage verhagelte den Frankfurterinnen die gute Laune, in Duisburg wittert man hingegen wieder Morgenluft im Titelrennen.

Der Siegtreffer von Inka Grings in der 71. Minute traf die Frankfurterinnen im Mark und hinterließ sichtlich Spuren. Dzsenifer Marozsán schlich mit unbewegter Miene und hängenden Schultern durch den Frankfurter VIP-Raum, Conny Pohlers stichelte in Richtung Trainer Sven Kahlert und Melanie Behringer erntete öffentliche Kritik – die Harmonie der vergangenen Monate war mit einem Schlag dahin, das Nervenkostüm angekratzt.

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Dabei schien das Team in der ersten Halbzeit unter den Augen von DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger, WM-OK-Chefin Steffi Jones und Bundestrainerin Silvia Neid bei strahlendem Sonnenschein zunächst an die guten Leistungen vor der winterlichen Zwangspause anknüpfen zu können.

Spielszene 1. FFC Frankfurt gegen FCR 2001 Duisburg

Fels in der Brandung: Duisburgs Torhüterin Christina Bellinghoven © Frank Scheuring / girlsplay.de

Faire Angerer, angesäuerte Pohlers
„Da hat man gesehen, dass wir besser Fußball spielen können“, so Torhüterin Nadine Angerer. Doch die taktischen Umstellungen im Duisburger Team brachten Frankfurt sichtlich außer Tritt, erst in der Schlussphase kam mit der eingewechselten Conny Pohlers noch einmal Schwung ins Offensivspiel.

Doch Duisburgs starke Torhüterin Christina Bellinghoven erwies sich als Fels in der Brandung und machte die wenigen hochkarätigen Chancen allesamt zunichte. „Der Sieg der Duisburgerinnen geht schon in Ordnung“, so Angerers Fazit. Eine sichtlich angesäuerte Pohlers kommentierte ihre späte Einwechslung süffisant:„Auch als Joker braucht man eine gewisse Zeit, um ins Spiel zu finden.“

Öffentliche Schelte für Behringer
Auch Trainer Sven Kahlert hielt mit seiner Kritik nicht hinter dem Berg. In der Pressekonferenz kommentierte er die Leistung der in Hörweite stehenden Melanie Behringer auf Anfrage unverblümt als „nicht gut“. Was den Frankfurterinnen blieb, war die Erkenntnis, dass gute Leistungen im Training und Testspielsiege wie das 4:2 gegen Zvezda-2005 im Trainingslager in der Türkei kein tauglicher Gradmesser für den Bundesliga-Alltag sind. Hinzu kamen die Oberschenkelprobleme bei Birgit Prinz, die unter Woche zwei Trainingseinheiten hatte auslassen müssen und deswegen auch gegen Pohlers ausgewechselt wurde.

Grings: „Enorm wichtiger Sieg“
Den erfolgreichen Duisburgerinnen konnte all dies egal sein, sie schienen ihr Glück direkt nach Schlusspfiff noch gar nicht so recht fassen zu können. „Es war ein glücklicher Sieg und ein harter Kampf, denn Frankfurt hat richtig gut gespielt. Aber man muss auch mal solche Spiele gewinnen. Es war enorm wichtig, dass wir uns als Team die drei Punkte erarbeitet und den Anschluss gehalten haben“, so Torschützin Inka Grings, die nach einem schnell ausgeführten Freistoß von Sonja Fuss einen Stellungsfehler von Gina Lewandowski eiskalt ausnutzte. „Das war toll von Sonja herausgespielt und ich habe gesehen, dass die Frankfurter Defensive unaufmerksam war.“

FCR 2001 Duisburg

Der FCR 2001 Duisburg ist zurück im Titelkampf © Frank Scheuring / girlsplay.de

Duisburg siegt mit neuer Taktik
Die taktische Umstellung von einer 4-1-4-1 auf eine 4-4-2-Formation in der zweiten Halbzeit erwies sich für die Duisburgerinnen als entscheidende Maßnahme. „Ich weiß nicht, ob das eine taktische Meisterleistung war“, meinte Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg lachend. „Heute wäre ein Remis sicherlich das gerechte Ergebnis gewesen.“

Knaller macht Titelkampf spannend
Linda Bresonik glaubt, dass der Sieg die Initialzündung für die nächsten Wochen war. „Das war der Knaller, den es gebraucht hat. Wenn wir heute nicht gewonnen hätten, wäre es für uns schwer geworden, was die Champions-League-Teilnahme betrifft. In zwei Wochen werden wir wissen, wo wir stehen.“

Duisburg hat es nun in der Hand, mit einem weiteren Sieg am kommenden Sonntag Spitzenreiter 1. FFC Turbine Potsdam zu überflügeln. Für Frankfurt ist die gute Ausgangsposition im Kampf um die deutsche Meisterschaft nach der Niederlage erst einmal dahin. Der Titel und die Champions-League-Startplätze dürften bis zum letzten Spieltag heiß umkämpft bleiben.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

12 Kommentare »

  • laasee sagt:

    FCR win the 3 points. Now after the game FCR also win the PR game.
    The comments from the FCR people are very modest while people at Frankfurt seem to be fighting each other. The mood music at Frankfurt is now not good.

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  • Webcam sagt:

    Oje, muss man in Frankfurt wirklich unbedingt den FC Bayern des Frauenfußball markieren, schade …

    Der Kommentar von dfb.tv ist merkwürdig parteiisch zugunsten des FFC – v.a. wenn man die angenehm neutrale Berichterstattung der ARD zum Spiel dagegen legt.

    Nebenbei ist es irgendwie erstaunlich, dass Theo 20er offenbar Mitglied bei TP und beim FFC ist, nur nicht beim FCR – könnte er da nicht zumindest Neutralität suggerieren? Als Obervater des FF sollte er das schon, finde ich. D.h. nicht dass ich jetzt einen Zusammenhang herstellen will – das wird mir hier wahrscheinlich sofort unterstellt, ich sehe schon die Kommentare …- das fiel mir dabei nur ein.

    Schade übrigens, dass so ein großes Talent wie Bellinghoven so deutlich zu viel auf die Waage bringt … aber das anzusprechen ist natürlich auch gegen die political correctness …

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  • Ulf sagt:

    apropos nicht pc: es gibt beim FCR noch 2 weitere Spielerinnen mit Übergepäck
    man hat ja z.B. bei Alex Popp gesehen, was ein paar Kilo weniger bewirken können

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  • Michele sagt:

    @Ulf
    Meinst du Anne van Bonn und Barbara Müller?

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  • Schnappa sagt:

    Mit Sonja Fuss hat der FCR auf jeden Fall einen echten Top-Transfer getätigt. Bresonik umd Kiesel müssen jetzt nicht mehr zwangsläufig in der Abwehr aushelfen. Die wird wiederum durch Fuss noch stabiler.

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  • laasee sagt:

    @Schnappa

    You are 100% correct. FCR and Sonja is a very good fit. It is a pity that she went to FC Koln at all. Now she is back and all looks good.

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  • PROBIERSMALMIT... sagt:

    So schön auch Duisburgs Sieg sein mag, das muss schon eine verdammt gute WM werden (Endspielsieg mit 4Toren Unterschied).Wer Bulispiele bei diesen Platzverhältnissen genehmigt, reiht Frauenfussball unter der Rubrik Glücksspiel ein und arbeitet gegen das Bekannt werden dieser Marktlücke. Solange wir in Deutschland nur einen guten Frauen-
    fussballverkäufer haben, darf man bei solchen Plätzen(ebenso Bad Neuenahr-HSV) die fragile Akzeptanz der Sponsoren nicht verspielen. Das müsste auch dem DFB klar sein oder ist ihm nur die Natio wichtig?

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  • sarah sagt:

    @probiersmalmit
    Warst Du in Frankfurt? Der größte Witz war, dass man in der Halbzeit auch noch üner Mikro im gesamten Stadion den Platz gelobt hat! Wen will man denn da blenden. Ich war in Frankfurt und auch in Neuenahr.
    Plätze unwürdig für so wichtige Spiele und Fernsehübertragungen – Guck mal wo die denn spielen müssen….

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  • PROBIERSMALMIT... sagt:

    @sarah:
    Stimmt! Auch für die DFBpokalbegegnung in Neuenahr absolut unwürdige Platzverhältnisse. Das Schlimme ist das Bulispiel mit den Topteams wird auch noch im TV übertragen. Der Stadionkomentar; Volksverarsche! Jetzt stell´ sich mal einer vor, eine Firma möchte einen Werbetat für FF platzieren, die Macher haben doch sofort alte Denkreflexe im Kopf: „Frauen können nicht gerade laufen, geschweige denn eine geraden Ball spielen!“ Und du als Fan redest dir den Mund fusselig wie attraktiv doch Frauenfussball ist.
    Hoffentlich reisst die WM den FF da wieder raus.

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  • timmy sagt:

    In den 50 vorherigen Bundesligaspielen hatte Frankfurt immer mindestens ein Tor geschossen. Was eine Serie.

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  • FFFan sagt:

    …und beim letzten BL-Spiel ohne FFC-Tor hieß der Gegner ebenfalls FCR Duisburg (am 22.11.2008)!

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  • xXx sagt:

    @ timmy

    Stimmt. Tolle Serie. Aber nichts im Vergleich zu Turbines Serie. Turbine Potsdam hat aktuell in den letzten 63 Spielen in Folge immer mindestens ein Tor geschossen.

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