Chicago Red Stars stellt Betrieb ein

Von am 14. Dezember 2010 – 1.00 Uhr 15 Kommentare

Die US-Profiliga WPS hat bereits das vierte Team binnen zwei Jahren verloren. Nach Los Angeles Sol, Saint Louis Athletica und FC Gold Pride hat nun auch Chicago Red Stars seinen Rückzug angekündigt, die frühere Bundesligaspielerin Cristiane muss sich einen neuen Verein suchen.

Chicago Red Stars wird in der Saison 2011 aus finanziellen Gründen nicht mehr am Spielbetrieb teilnehmen. Dies gab der Verein am Montag in einer Presseerklärung bekannt.

Investoren verloren
Red-Stars-Chef Arnim Whisler erklärte: „Das war eine sehr schwere und komplexe Entscheidung. Wir waren auf einem guten Weg, aber durch den abrupten Verlust von Gold Pride haben einige unserer geplanten Investoren kalte Füße bekommen, und wir konnten das nicht rechtzeitig kompensieren.“

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Chicago Red Stars

Logo der Chicago Red Stars © Chicago Red Stars

Erfolglose Suche
Die WPS hatte dem Team eine Frist bis zum 15. Dezember gesetzt, Investoren für eine Teilnahme an der kommenden Saison zu finden, doch die Suche verlief erfolglos. Man will nun den Spielerinnen helfen, einen neuen Verein zu finden. Damit verbunden ist die Hoffnung, die Spielerinnen für die Saison 2012 wieder zurückzuholen, denn bis dahin plant man, mit neuen Investoren den Spielbetrieb wieder aufnehmen zu können.

Glaube an WPS nicht verloren
Whisler erklärt weiter: “Wir wollen in Chicago eine ganz besondere Umgebung für Frauenfußball aufbauen und wir hoffen, dass unsere Fans in diesem Übergangsjahr bei uns bleiben werden. Chicago glaubt an die WPS und wird auch weiter helfen, dass die Liga eine Top-Frauenfußball-Marke aufbaut.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • FFFan sagt:

    Tja, es bröckelt …

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  • labrys sagt:

    und schade das es bröckelt…denn wenn der dfb keinen Druck von aussen hat, dann werden sie die Frauen-Buli in Deutschland nie Richtung halbprofitum oder gar Profitum fördern. Ich verstehe echt nicht, warum es so viele Usern Spass macht/ Freude bereitet, das die WPS am bröckeln ist…. Endlich eine Liga, wo die Frauen sich 100% auf den FF konzentrieren können und nicht versuchen müssen, Arbeit, Fussball, Privatleben und co. unter einen Hut zu bringen. Ich will ja nicht, das die Buli 1:1 die WPS kopiert, dafür hat der Fussball in Europa eine zu hohe Bedeutung und GEschichte, doch so kann es in der Buli auch nicht weitergehen

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  • stargirl sagt:

    ich finds echt schade,aber man kann auch nicht erwarten,dass man aus dem nichts ein team aufbauen kann oder eine komplette liga,die von anfang an so viele fans hat,die zb durch ticketverkäufe alle kosten abdecken könnten. Man sollte erstmal klein anfangen und den verein strukturell und vor allem den nachwuchs aufbauen. Wenn man millionen in spielerinnen steckt ,geht man halt irgendwann pleite.

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  • timmy sagt:

    Ich finde die Liga auch komisch. Wenn man sich da mal die Videos anguckt teilweise, da erkennt man keine Fußballlinien, nur bunte Footballfelder. Warum spielen die nicht in kleineren reinen Fußballstadien, das wäre ne Ecke billiger und gäbe bessere Stimmung.

    Das komische Playoffformat wurde auch beibehalten:

    Dabei haben die extra die Fans gefragt und en Menge guter Vorschläge bekommen.

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  • Rainer sagt:

    Ja, das ist schon sehr bedauerlich, zeigt es dem Frauenfußball doch leider seine finanziellen Grenzen auf. Noch (?) lässt sich damit offenbar kein Geld auf breiter Ebene verdienen.
    Ich glaube nun nicht mehr daran, dass sich die WPS als dauerhafte Lösung etablieren bzw. halten wird.
    Ligen in Europa werden wieder attraktiver werden, das mag der einzige Vorteil sein. Wir haben Vereine, die länger existieren werden, weil sie nicht nur von an Gewinn interessierten Unternehmern getragen werden, sondern eben auch von Mitgliedern. Vielleicht ist Ramona Bachmanns Rückkehr nach Umeå ein Zeichen dafür, dass auch die besseren Spielerinnen ihre Zukunft eher hier sehen. Nun steht wieder ein Haufen brillanter Fußballerinnen als „free agents“ da, darunter Katie Chapman, Natalie Spilger, Formiga und (die verletzte) Cristiane.

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  • Nora Kruse sagt:

    Katie Chapman hat sich bereits vor vielen Wochen für eine Rückkehr zu Arsenal entschlossen.

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  • stargirl sagt:

    super,dann fehlen nur noch carney,smith und scott. Dann ist arsenal wieder DIE top mannschaft,die sie mal war. Das ‚bröckeln‘ hat auch was positives.

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  • Detlef sagt:

    Den Zusammenbruch haben viele ja voraus gesagt!!!
    Auch wenn FF in den USA ein Publikumsmagnet ist, kann man dort anscheinend keine Profiliga etablieren!!!

    Man wollte doch eigentlich aus den Fehlern der WUSA lernen, und die WPS besser organisieren!!!

    Aber anscheinend ist Vernunft fehl am Platze, wenn nur das Geld regiert!!!

    @swissie,
    es sollte uns allen zu denken geben, daß nicht einmal in den USA genügend Kohle aufgetrieben werden kann, um Frauen professionell Fußball spielen zu lassen!!!
    Und dort gibt es nicht einmal eine echte Konkurrenz der Herren, um die Gunst der Zuschauer!!!
    Soccer ist in den USA nämlich eine „unmännliche Sportart“!!!

    Dies alles im Kopf, kann man sich in etwa ausmalen, wie lange wir in Europa noch auf solche Strukturen (wie bei der WPS) warten müssen!!!

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  • Mosan sagt:

    Der Verlust von den Red Stars ist höchst bedauerlich. Strukturell war der Verein wohl am besten aufgestellt, doch die neue Regelung vor der Saison einen finanziellen Sicherheitspuffer zur Abwicklung der Saison zu hinterlegen, hat einige Teams vor Probleme gestellt. Gretchen Frage ist hier, ob sich die Besitzer damit selbst ins Bein geschosssen haben, nachdem Saint Louis Athletica während der Saison zusammenbrach, oder diese Neuregelung langfristig doch mehr Stabilität bringt.

    Im Gegensatz zu anderen Teams konnte Chicago seinen Zuschauerschnitt recht stabil auf ordentlichen Niveau halten und war auch in der Außendarstellung Vorreiter (zB Webcasts bei Heimspielen). Die besten Trikots hatten sie sowieso. 😉

    Zur WPS. Jugendarbeit braucht es für die Profiliga im jetzigen Stadium eh nicht, weil der (internationale) SPielerpool groß genug ist und zudem die Highschool/Collegueligen diesen Job erledigen. Wo man sich Gedanken machen muss, ist die Aussendarstellung und Vermarktung sowie einhergehend damit der Aufbau der Fangemeinde. Hier könnte ein lokalerer, regionalerer Ansatz besser sein. Aktuell gibt es sowieso nur Mannschaften an der Ostküste, daher könnte sich diese Ausrichtung fürs erste auszahlen. In der heutigen Lage sollte es ausschließlich nur ums Überleben der Liga gehen.

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  • Jochen sagt:

    Wie bei jedem Unternehmen sollte sich eine Fussballmannschaft aus sich selbst heraus finanzieren. Mit Grausen sehe ich bei den Männern Hasardeure, die sich bereichern wollen (ManU-Liverpool) oder schon anderweitig bereichert haben (Chelsea u. Co. . Die wandeln alle am Rande des Ruins. Leider gilt aber auch hier: Irgendwie wird die Gesellschaft Traditionsvereine – ähnlich wie der Staat die Banken – schon wieder ins Geschäft bringen.
    Es ist nur gesund, wenn in den USA auf die Wirtschaftlichkeit geachtet wird. Dort werden ja sogar die Gehälter begrenzt ( was man mal dem Herrenfussball in Europa empfehlen sollte.)
    So lange wie man im Frauenfussball nicht so viel verdienen kann, dass man davon auch nach dem Ende der Karriere leben kann, sind alle Spielerinnen gut beraten, sich um eine Ausbildung zu bemühen.
    Aktuell kann ich nicht erkennen, dass irgendwo solche Einnahmen erzielt werden können. Dafür ist das Interesse schlicht zu gering. Dabei ist Deutschland ja noch, was das Interesse angeht, weit vorne. Zu mehr als einem Schnitt von 1.500 Zuchauern bei Topvereinen und gelegentlichen Berichten im Regionalfernsehen reicht es dennoch nicht.
    Man kann nur auf eine Verbesserung der Fernsehberichterstattung und mehr Geld von dort hoffen. Immerhin wurde ja das Endspiel in der Championsleague gut angenommen. Mit den 300.000 € dürfte Potsdam einen guten Teil seines Jahresetats gedeckt haben.
    Man kann daher auch keiner Spielerin raten, auf eine Profikarriere zu setzen.

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  • laasee sagt:

    The WPS is based on franchise and that is the big problem. It places money ahead of community roots.
    USA has a very strong college football structure and they would have been better advised in developing professional football from the college base.

    England have adopted the WPS franchise concept for the new „Super League“. That is not good.

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  • Fuxi sagt:

    @laasee
    Dem ist kaum etwas hinzuzufügen.

    Das Hauptproblem des Investoren- bzw. Franchisingsystems ist der fehlende lange Atem. Die Investoren verlangen, dass sich die Liga sofort rentiert. Dabei brauchte selbst die MLS satte 16 Jahre (gegründet 1994), um erstmals in schwarze Zahlen zu kommen. Und die „Star“-Dichte ist dort bei weitem nicht so hoch, wie sie schon per Definition in der WPS sein soll. Den Torschützenkönig der MLS, Chris Wondolowski, kennt hierzulande keine Sau. Aus den Top-10 kennt man gerade drei: Dwayne de Rosario (früher Cottbus), Juan Pablo Angel (Aston Villa) und Conor Casey (BVB, KSC)… Dabei liegt der gesamte MLS-Zuschauerschnitt bei 16.675. Die brauchen 240 Spiele, um die Zuschauerzahl von vier deutschen Bundesligaspieltagen zu kommen – dabei gibt es da mehr als dreimal so viele Einwohner.

    Nein, in den USA geht’s ums „Big Money“. Der Ausbau gewachsener Strukturen ist wohl eine zu große Hürde.

    Aber eins ist mir unklar: Wo spielen eigentlich Collegespielerinnen, wenn sie fertig studiert haben und nicht in der Profiliga landen???

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  • FFFan2 sagt:

    Man sollte aber auch nicht vergessen, dass die Vereine in den USA komplett privat finanziert sind.
    Stellt Euch mal vor, der DFB würde die 180.000€ pro Verein nicht mehr zahlen. Dazu kommt noch die Unterstützung aus staatlichen, bzw. halbstaatlichen Einrichtungen (Uni Jena, Sparkassen, Energieversorger, Bundeswehr). Dann noch die von den Männern subventionierten Bayern, Bayer, HSV und Wolfsburg, die quasi keine Fanbasis haben.
    Ohne diese „Wohltäter“ gäbe es die Bundesliga in der jetzigen Form auch nicht mehr.

    Ich hoffe die WPS schafft es irgendwie noch. Die WM im nächsten Jahr ist sicher sowohl für die WPS als auch für die Bundesliga sehr wichtig. Ob die Männervereine weiterhin 100.000e von Euro in die Frauenmannschaften pumpen wollen, wenn nicht mal 300 Zuschauer bei den Spielen sind, ist doch eher fraglich.

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  • laasee sagt:

    @Fuxi

    I agree with your comments. The main problem for the USA is the lack of football history in their culture.

    @FFFan2

    The English and Germans only make a token gesture to FF. If the men were genuine then Arsenal would play at the Emirates Stadium and FCB would play at the Allianz Arena. Of all the mens clubs in Europe there is only Lyon that show a positive attitude to FF.

    In the Buli the girls have to play on a Sunday morning but the boys have Saturday as their ‚holy‘ time. The game time schedule is not about finance but simply about attitude.

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  • FFFan sagt:

    Es gibt neue Hoffnung für die WPS! Der FC Santos (das Top-Team Südamerikas und neuer Arbeitgeber von Superstar Marta) hat angekündigt, nächste Saison der Liga beitreten zu wollen. Was zunächst wie ein verspäteter (bzw. verfrühter) Aprilscherz anmutet, könnte dem Projekt tatsächlich neuen Auftrieb geben: jetzt müssen nur noch Turbine Potsdam sowie die Spitzenteams aus Asien und Afrika mitmachen und die WPS könnte zur „World League“ ausgebaut werden! 😉

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