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Mandy Islacker: „Wir können immer noch Meister werden“

Von am 10. Dezember 2010 – 22.45 Uhr

Vor der neuen Bundesligasaison kehrte Mandy Islacker vom FC Bayern München zum FCR 2001 Duisburg zurück, wo sie bereits von 2004 bis 2006 aktiv war. Im Interview mit Womensoccer spricht die 22-Jährige über ihre noch engen Kontakte in den Süden, verletzte Teamkolleginnen und die wachsende Akzeptanz des Frauenfußballs.

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Womensoccer: Sie haben drei Jahre lang für Bayern München gespielt, erst im Sommer sind sie nach Duisburg gewechselt. Ist ein Spiel gegen ihren alten Verein trotzdem schon wieder Tagesgeschäft?
Mandy Islacker: Nein, so ein Spiel ist schon noch etwas Besonderes. Ich habe ja zu vielen Spielerinnen noch Kontakt.

Womensoccer: Zu wem denn?
Islacker: Vor allem zu den Baneckis, wir haben erst am Mittwoch telefoniert wegen des Wetters und des Spiels. Ich habe aus Spaß schon mal nach der Aufstellung gefragt (lacht). Ich habe aber auch noch gelegentlich Kontakt zu Ivana Rudelic, Katharina Baunach, Julia Simic, Sandra de Pol oder Sonja Spieler, wir schreiben uns ab und zu.

Womensoccer: Ist es denn dann gar nicht schwer, sie auf dem Spielfeld als Gegnerinnen zu betrachten?
Islacker: Auf dem Spielfeld sind wir Gegner, das kann man schon gut trennen. Da ist jedes Spiel gleich, egal ob eine Freundin vor mir steht oder nicht.

Womensoccer: Im Männerfußball ist häufiger zu beobachten, dass sich ein Spieler nicht richtig freut, wenn er gegen seinen Ex-Verein einen Treffer erzielt. Wie würden Sie es da halten?
Islacker: Ich würde meinen Torjubel nicht bremsen (lacht). Ein Tor gegen den alten Verein wäre für mich eher noch etwas Besonderes.

Mandy Islacker (li.)

Mandy Islacker (li.) trifft in München auf alte Bekannte © Volker Nagraszus / girlsplay.de

Womensoccer: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihre Zeit in München?
Islacker: Die drei Jahre in München waren richtig schön, aber ich bin froh, dass ich wieder im Ruhrpott bin. Es war eine schöne Zeit mit den Bayern, ich habe auch Champions League gespielt. Bitter war, als wir wegen einem Tor die Meisterschaft verpasst haben, es sollte einfach nicht sein.

Womensoccer: Zurück zum DFB-Pokal: Ist dieser Wettbewerb auch aus finanziellen Gründen ein ganz wichtiger?
Islacker: Als Spielerin denke ich über das Finanzielle eher weniger nach. Ich möchte am liebsten in jedem Wettbewerb so lange wie möglich dabei sein. Aber der DFB-Pokal ist schon etwas Besonderes, Duisburg weiß ja, wie es sich anfühlt, ihn zu gewinnen. Deswegen möchte man auch in diesem Jahr unbedingt wieder ins Finale kommen. Das Olympiastadion in Berlin wäre schon ein Traum gewesen, aber auch Köln hat ein schönes Stadion und es ist dort genauso toll, wenn man gesehen hat, wie gut das Finale besucht und was da los war.

Womensoccer: Alle reden derzeit von Frankfurt und Potsdam, kaum einer von Duisburg. Und das, obwohl man in drei Wettbewerben vertreten ist und die Titelchancen noch intakt sind. Ist das ein Vorteil?
Islacker: So ein bisschen denke ich mir das schon. Wir können immer noch Meister werden, es gibt noch wichtige Spiele in der Rückrunde, wie etwa das in Frankfurt. Das sind so entscheidende Spiele, die erst noch kommen werden.

Womensoccer: Man hat also trotz der vielen Verletzungen nie den Glauben verloren?
Islacker: Es ist schon schwer in der Situation, denn es fehlen wichtige Spielerinnen, doch je mehr wir zusammenrücken, desto stärker macht es uns. Wir hoffen auch, dass ein paar Spielerinnen wieder zurückkommen, Hasret (Kayikci) ist bereits wieder im Training und auch bei Steffi (Weichelt) könnte es bald wieder klappen. Bei Mirte (Roelvink) und Annike (Krahn) wird es noch länger dauern.

Womensoccer: Und was ist mit Marina Hegering?
Islacker: Ihre Ferse ist entzündet, vom Schuh eingeschnitten und sieht wirklich übel aus. Sie hat viel Cortison bekommen, ich weiß nicht, wann sie wieder spielen kann.

Womensoccer: Sie haben ja früher schon einmal in Duisburg gespielt, bevor Sie über Essen und München wieder zurückgekehrt sind. Hat sich denn viel verändert?
Islacker: Es gab hier nicht so viele neue Gesichter für mich. Mit vielen Spielerinnen habe ich früher schon zusammengespielt, etwa Linda (Bresonik), Osti (Jennifer Oster), Inka (Grings), Annike (Krahn) oder Simon (Simone Laudehr).

Mandy Islacker

Treffsichere Stürmerin: Mandy Islacker © Sandra Kunschke / girlsplay.de

Womensoccer: Sie tragen einen bekannten Nachnamen, Ihr Opa Franz „Penny“ Islacker machte Rot-Weiß Essen 1955 mit drei Toren beim 4:3-Sieg gegen den 1. FC Kaiserslautern zum Deutschen Meister. Freut es Sie, darauf angesprochen zu werden oder nervt es auch manchmal?
Islacker: In Bayern wurde ich eher selten darauf angesprochen, aber hier im Pott schon. Es sind vor allem die Älteren, die mich fragen, ob ich die Enkelin von Penny Islacker bin. Es nervt mich gar nicht, es freut mich, denn es war ja etwas Schönes, dass es mein Opa soweit geschafft hat.

Womensoccer: Eine letzte Frage: Im DFB sind inzwischen über eine Million Frauen und Mädchen gemeldet, doch bei den Bundesligaspielen herrscht oft gähnende Leere, junge Mädchen haben immer noch eher männliche Stars als Vorbilder. Woran liegt das?
Islacker: Viele wissen immer noch viel zu wenig vom Frauenfußball und dass er auf einem guten Weg ist. Ich versuche immer aktiv im Bekanntenkreis Werbung zu betreiben, auch meine Arbeitskollegen wollen mal zu einem Spiel vorbeikommen. Ich finde, es hat sich vor allem nach der gewonnenen WM 2007 in China schon einiges getan. Es kommen mehr Zuschauer in die Stadien, nach der WM 2011 wird es noch einmal einen Schub nach vorne geben.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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