Die Tops und Flops der Woche 46/2010

Von am 24. November 2010 – 12.15 Uhr 19 Kommentare

In dieser Woche stehen ein WM-Neuling, ein treffsicherer Joker und eine viel versprechende Kooperation genauso im Mittelpunkt wie eine versaute TV-Liveübertragung, ein überforderter Bundesligist sowie Informationsdefizite.

Tops

Vorteil Frankfurt
Der 1. FFC Frankfurt hat durch den 4:1-Sieg gegen den 1. FFC Turbine Potsdam am 14. Spieltag nach mehr als zwei Jahren erstmals wieder die Tabellenspitze in der Bundesliga erobert. Für die Frankfurterinnen war es der elfte Sieg in Folge, der dem Team nun einen kleinen Vorteil im Kampf um die Meisterschaft verschafft hat. Doch schon in den nächsten beiden Spielen warten neue, schwere Herausforderungen: beim Auswärtsspiel gegen den SC 07 Bad Neuenahr und dem Heimspiel gegen den FCR 2001 Duisburg.

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Joker Alex Morgan erlöst USA
Im Playoff-Hinspiel zur Frauenfußball-WM 2011 sah es für die USA in Italien lange nach einer gefährlichen Nullnummer aus. Doch in der fünften Minute der Nachspielzeit erzielte die erst fünf Minuten vor Schluss eingewechselte Alex Morgan den Siegtreffer zum 1:0-Erfolg. Für die  schnelle und mit 21 Jahren jüngste Spielerin im Team keine neue Erfahrung. Einen Monat zuvor bewahrte sie ihr Team beim 1:1 gegen China in den Schlussminuten vor der ersten Heimniederlage seit fünf Jahren, bei der U20-WM 2008 erzielte sie einen Treffer beim Finalsieg gegen Nordkorea.

Kolumbien fährt zur WM
Mit dem Einzug ins Halbfinale der U20-WM in Deutschland hinterließ Kolumbien im Sommer ein Ausrufezeichen auf der internationalen Frauenfußball-Landkarte, jetzt legten die Cafeteras noch einen drauf, denn erstmals konnte sich die A-Nationalmannschaft für eine Weltmeisterschaft qualifizieren. Ingrid Vidal löste ihrem Team durch ihren Treffer beim 1:0-Sieg gegen Argentinien im Rahmen der Südamerika-Meisterschaft die Fahrkarte nach Deutschland.

Brigitte neuer Medienpartner der Nationalelf
Wenige Monate vor der Frauenfußball-WM im eigenen Land hat die Nationalelf in der Zeitschrift Brigitte einen neuen Medienpartner im Bereich Frauenzeitschriften gewonnen. Mit einer umfangreichen Berichterstattung aus ungewöhnlichen und exklusiven Perspektiven soll die Vorfreude auf die WM erhöht werden. Die Kooperation beinhaltet auch eine umfassende Anzeigen-Kampagne in den Zeitschriften Brigitte, Brigitte Woman, Brigitte Balance, Gala, Stern und 11 Freunde sowie auf deren Webseiten. Das Thema Frauenfußball wird somit großflächig in den Köpfen der Leserinnen und Leser verankert.

Flops

HR steigt aus Topspiel-Übertragung aus
Die Vorfreude bei den Fans auf das Bundesliga-Spitzenspiel zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem 1. FFC Turbine Potsdam war groß, nachdem HR und RBB Live-Übertragungen im Fernsehen angekündigt hatten. Doch die Freude schlug schnell in Ärger um, als beide Sender nach 15 Minuten in der ersten Halbzeit zur Ankunft von Formel-1-Weltmeister Sebastian Vettel  schalteten und erst Augenblicke vor der Pause zurückkehrten. Von der packenden ersten Halbzeit war somit kaum etwas zu sehen, die beiden Tore wurden nur als Konserve nachgereicht. Fußball-Frust statt Fußball-Lust.

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Essen erneut im Abstiegsstrudel
Eigentlich wollte die SG Essen-Schönebeck mit dem Abstiegskampf in dieser Saison nichts zu tun haben. Doch spätestens seit der 1:2-Heimniederlage gegen den FF USV Jena steckt man mittendrin. Auch unter dem neuen Trainer Markus Högner ist es nicht gelungen, die eigene Leistung zu stabilisieren, zu schwankend sind die Vorstellungen seiner Elf. An den nächsten beiden Spieltagen geht es beim  1. FC Saarbrücken und gegen Bayer 04 Leverkusen, zwei direkte Konkurrenten im Kampf um den Klassenerhalt. Patzer darf sich Essen kaum noch erlauben, denn danach warten fast nur noch Spiele gegen stärkere Gegner.

Spielszene 1. FFC Frankfurt gegen 1. FFC Turbine Potsdam

Kerstin Garefrekes (li.) im Duell mit Babett Peter © Frank Scheuring / girlsplay.de

Herford kann für 2. Liga planen
Im selbst ernannten Endspiel im Abstiegskampf unterlag der Herforder SV dem VfL Wolfsburg sang- und klanglos mit 0:8, nach einer ordentlichen ersten Halbzeit taumelte das Team in Halbzeit zwei bereits der zweiten Liga entgegen. Acht Spieltage vor Saisonende beträgt der Abstand auf einen Nicht-Abstiegsplatz zwölf Punkte, das Abenteuer erste Liga dürfte sich bald erledigt haben. Im Fußball mag vieles möglich sein, doch an einen Klassenerhalt der Westfälinnen mag niemand mehr so recht glauben.

Peinlicher Fauxpas
„Ich denke, für 2011 reichen noch 16 Teams. Der Frauenfußball entwickelt sich aber stetig weiter, man muss schauen, wie es in vier Jahren aussieht. Ich bin sicher: Es wird nicht mehr lange dauern, bis 24 Teams teilnehmen“, sagte Bundestrainerin Silvia Neid unlängst im Interview mit dem Kölner Stadtanzeiger zu einer möglichen Aufstockung des WM-Teilnehmerfelds von derzeit 16 Teams. Dass die FIFA eine Vergrößerung des Teilnehmerfelds auf 24 Länder ab der WM 2015 bereits im Dezember 2009 beschlossen hat, war aber offenbar weder ihr, dem DFB noch der Nachrichtenagentur sid bekannt. Denn sie titelte unter Bezugnahme auf das Interview: „Neid fordert nach 2011 mehr WM-Teilnehmer“.  Zahlreiche Tageszeitungen und auch die DFB-Website druckten die Meldung ab.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Auch nochmal exklusiv für Dich, Markus:
    Die Art und Weise der TV-Übertragung des Spitzenspiels, welche für soviel Frustration gesorgt hatte, ist einzig und allein dem hr zuzuschreiben. Der hr (und niemand sonst) hatte je ein Kamerateams im Brentanobad und in Heppenheim installiert und beide haben über die volle Zeitdauer der jeweiligen Veranstaltung übertragen.
    Das, was am Ende rauskam, war der verantwortlichen hr-Regie geschuldet, die die Hin- und Herschalterei veranlasste.
    Wäre die Übertragung/Aufzeichnung im Brenatobad nicht weitergelaufen, hätte man auch nicht zeitversetzt die Highlights der 1. HZ nachliefern können.
    Der rbb mußte notgedrungen gute Miene zum bösen Spiel machen, denn hätte er, abweichend zum hr, das komplette Spiel ausstrahlen können, wären Letzterem sicher eine stattliche TV-Zuschauerzahl durch dren Umschalten auf rbb abgesprungen, was man erfolgreich zu verhindern wußte..

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  • Markus Juchem sagt:

    @Schenschtschina Futbolista: Das ist mir schon bewusst, aber den Ärger und Imageschaden tragen ja beide Sender davon.

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  • helena sagt:

    Gibt es eigentlich den Versuch seitens der Teams, sich entsprechend dem HR und dem RBB (gleich wer die Verantwortung trägt) in einer scharfen Protestnote gegenüber zu positionieren, dem sich der geneigte Fan anschließen kann? Denn es ist ja nicht nur eine Frage von Frankfurt – Potsdam, sondern des FF insgesamt. Die mangelnde Wertschätzung ist schon frappierend, wenn die Ankunft eines einzelnen Menschen höher bewertet wird als ein vollständiges Fußballspiel.
    Und es wäre doch interessant gewesen zu erheben, wie viele HR-Zuschauer zum RBB gewechselt wären, hätte dieser Sender das Spiel weitergesendet…

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  • Karl sagt:

    Ich habe waehrend der Unterbrechung im HR einfach DFB TV genutzt. Beim Hessischen Fernsehen kann man sich unter folgendem Link beschweren:
    . Ich habe das bereits getan.

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  • Lucy sagt:

    Das haben andere auch schon getan und im FF-Forum die Antwort des HR (anscheinend haben alle die Gleiche bekommen)dort gepostet.

    So von wegen: tut uns leid, waren in der Zwickmühle, zwei sportliche Großereignisse in Hessen gleichzeitig (die Ankunft eines F1-Fahrers in seinem Heimatdorf ist also ein sportliches Großereignis – aha) …usw. blabla…

    Mehr wirst du, Karl, auch nicht bekommen…

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  • Karl sagt:

    Hey Lucy, du hast voellig Recht, eine andere Antwort habe ich auch nicht bekommen, aber je mehr sich da beschweren desto eher wird es das naechste mal besser , jedenfalls kann man wenigstens drauf hoffen.

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  • helena sagt:

    Deswegen fragte ich ja, ob von den BuLi-Vereinen was geplant ist, denn leider sind Einzelaktionen diesbezüglich immer gescheitert…

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Markus
    > @Schenschtschina Futbolista:
    > Das ist mir schon bewusst, aber den Ärger und Imageschaden tragen ja beide Sender davon.

    Sehe ich absolut nicht so, da der rbb völlig schuldlos dran ist und es für die TP-Fans nur gut gemeint hat. Die Verfahrensweise mit der Hin- und Herschalterei war sicherlich bei Beschlußfassung der TV-Übernahme gar nicht aktuell bzw. geplant gewesen.

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  • Oliver sagt:

    Zum peinlichen Fauxpas: Freut mich, dass das noch jemandem aufgefallen ist! Beinahe ebenso „sensationell“ ist derzeit auch die Meldung, dass Ariane Hingst und Birgit Prinz womöglich in Erwägung ziehen, ihre internationale Karriere nach der WM zu beenden…
    Auf der anderen Seite bin ich ja immer wieder froh, wenn sich die Tagespresse um den Frauenfußball bemüht.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Was soll überhaupt diese Meldung mit den ??? darstellen?
    Werden sich jetzt solche Artikel, bloss weil sich jemand angeblich Gedanken, welcher Art auch immer, macht, häufen?
    Wenn über FF schon berichtet wird, dann bitte nicht auf diese Art + Weise! :gähn:

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  • Markus Juchem sagt:

    @Schenschtschina Futbolista: Deinen letzten Kommentar habe ich leider nicht verstanden. Meldung mit drei Fragezeichen, um was geht’s?

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Sorry, da mein Beitrag auf Olivers folgte, war ich den Annahme, man würde den Bezug erkennen. 😉
    Es geht um die vage und eben mit Fragezeichen behaftete, fragwürdige „DFB-Meldung“ unter dem Titel „Hingst und Prinz: Rücktritt nach der WM 2011?“
    bzw. „Hingst und Prinz: Rücktritt nach der WM 2011?“!

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  • Markus Juchem sagt:

    Ah, jetzt hat es auch bei mir geklingelt. Diesen Bezug hat mein Hirn irgendwie nicht hinbekommen. 😉 Die Meldung kam wohl nur zustande, weil die beiden gestern in der offiziellen DFB-PK in Leverkusen waren und wenn schon ein Agentur-Fuzzi den Ortstermin wahrnimmt, muss er halt auch irgendwas möglichst Reißerisches mit nach Hause bringen.

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  • Jarmusch sagt:

    Man (wir Frauenfußballfans) sollte(n) die Übertragung im HR-Fernsehen richtig einordnen.
    Ich wage mal die Behauptung, dass Formel1 ein Vielfaches an Interessenten mehr hat als der Bundesliga-Frauenfußball. Im Sendegebiet des HR wäre der Aufschrei sicher deutlich lauter hörbar gewesen, hätte man die Ankunft von Vettel ignoriert. Was ist da dann schon ein Fußballspiel bei den Frauen. Auch wenn wir hier also von der Richtigkeit unserer Entrüstung überzeugt sind, erscheint das im Großen Ganzen doch eher belanglos.

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  • spoonman sagt:

    Sehe ich ganz genauso.

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  • Ulf sagt:

    Ich verstehe die Aufregung auch nicht. Die Bundesliga hat nur einen Besucherschnitt von 800. Und alle Interessierten konnten die Übetragung immerhin bei DFB-TV verfolgen. Mir persönlich ist die Vettel-Feierei vollkommen egal, aber man sollte zumindest die rosarote Frauenfußball-Brille ruhig mal absetzen. Get a life.

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  • Markus Juchem sagt:

    @Jarmusch, spoonman, Ulf: Ich kritisiere nicht die Live-Übertragung des Vettel-Heimatbesuchs als solche, sondern das Auseinanderreißen und die Hin- und Herschalterei zwischen den Events. Ich hätte mehr Verständnis dafür, wenn z. B. Vettel live übertragen worden wäre, und das Spiel als komplette zeitversetzte Aufzeichnung danach. Mag sein, dass hier die Geschmäcker persönlich unterschiedlich sind. Dieses Hin- und Herspringen zwischen den Events hat mir persönlich oftmals schon bei den Olympia-Übertragungen der Öffentlich-Rechtlichen den Spaß am Zuschauen genommen. Anstatt live bekam man dann vieles als Konserve serviert. Auf eine Live-Übertragung, die so auseinandergerissen wird, wie am Sonntag Frankfurt gegen Potsdam, könnte ich gerne verzichten.

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  • Jan sagt:

    Bestimmt hätten sich Viele schon für 2011 eine WM mit 24 Teams gewünscht, ich eigtl. auch. Dennoch finde ich für die WM in Deutschland 16 Teams besser, weil dadurch die Stadien voller werden: bei 32 Spielen für 16 Teams – gegenüber 52 Spielen für 24 Teams.

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  • Detlef sagt:

    Als ich von der „Konferenzschaltung“ gelesen habe, wußte ich sofort, wer da am Ende den Kürzeren ziehen wird!!!
    Die Ausrede, daß es viel mehr Formel 1-Fans als FF-Fans gibt, lasse ich da nicht gelten, denn es war vorher ganz groß eine Live-Übertragung vom FF-Spiel angekündigt!!!
    Was davon übrig blieb, konnte jeder sehen!!!

    Und so ganz aus der Verantwortung kann man dann den RBB auch nicht nehmen, denn die hätten sich bei ihren hessischen Kollegen ja auch mehr dafür stark machen können, daß es zumindest im brandenburgischen Regionalsender, eine durchgängige Übertragung aus dem Brentanobad gibt!!!

    Übrigens wird sich die „Angst“ beim HR in engen Grenzen halten, da man dort sowieso davon ausging, daß die FF-Fans in der überwältigenden Minderheit sind!!!

    Zum Glück gibt es da noch DFB-TV, wo man sich das Spiel zu jeder Tageszeit noch einmal ansehen kann!!!

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