Lübars will sich etablieren

Von am 18. November 2010 – 15.28 Uhr 2 Kommentare

Der 1. FC Lübars ist eines der Überraschungsteams in der Zweiten Bundesliga Nord. Der Aufsteiger steht momentan auf dem fünften Tabellenplatz. Umso kurioser, dass die Mannschaft in der Hinrunde nur fünfzig Prozent des Potenzials gezeigt habe, wie Trainer Jürgen Franz im Womensoccer-Gespräch verrät.

Die Berlinerinnen sind nur als Vizemeister der Regionalliga in die Zweite Bundesliga aufgestiegen. Nach einer deutlichen 1:6-Auftaktniederlage gegen Tabellenführer Hamburger SV II erspielte sich der FC jedoch insgesamt 22 Punkte bislang.

Überraschung über eigene Leistung
„Wir sind natürlich überrascht“, so Trainer Jürgen Franz über den bisherigen Saisonverlauf, „geplant haben wir das nicht. Aber es ist schön zu sehen, wie sich die Mannschaft kontinuierlich nach vorne gespielt hat, obwohl wir einige Neuerungen vor Saisonbeginn eingeführt haben.“ Das Team hat auf eine Viererkette umgestellt und musste insgesamt zehn Neuzugänge integrieren – sieben davon kamen allein von Erstligaabsteiger und Lokalrivale TeBe Berlin. Darüber hinaus kam mit Franz ein absoluter Neuling im Frauenfußball zum FC.

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„Gutes Korsett“
Doch trotz der bisherigen Erfolge denkt Franz, dass noch mehr in der Mannschaft stecke. „Wir haben mit den Erstligaspielerinnen ein gutes Korsett, aber wir haben vielleicht fünfzig Prozent unseres Potenzials bislang zeigen können“, so der Trainer, der auf die Langzeitverletzten verweist. Jana Teodoridis und Katharina Merkle laborieren an einem Kreuzbandriss, Senem Özer konnte aus beruflichen Gründen kaum spielen – und momentan ist auch Torhüterin Cordula Busack verletzt.

Der Aufstieg käme zu früh
Angesichts der derzeitigen Tabellenposition und nur sechs Punkten Rückstand auf den 1. FC Lok Leipzig scheint der Blick nach oben legitim – Franz ist jedoch zurückhaltend. „Ich würde damit lieber noch warten, als dann hoffnungslos direkt wieder abzusteigen. Es ist schon ein Quantensprung in der zweiten Liga – verglichen zu Regionalligazeiten ist meine Mannschaft nicht wiederzuerkennen.“ Die Erstligalizenz würde der Verein als Rückversicherung wohl beantragen, so Franz, aber „ich würde lieber noch länger planen; die kontinuierliche Arbeit ist wichtiger. Erst mal müssen wir einen Aufwärtstrend zeigen; uns im technischen und taktischen Bereich verbessern, schneller umschalten und torgefährlicher werden.“

Logo des 1. FC Lübars

Logo des 1. FC Lübars © 1. FC Lübars

Kooperation mit Hertha BSC
Strukturell kooperiert der FC mit Hertha BSC Berlin, was sich in erster Linie bei der Ausstattung aller Mannschaften zeige, so Franz. Hinzu kommt die Verbindung zum Sponsor Deutsche Bahn sowie Unterstützung im Training. „Im Sommer sind in Berlin alle Rasenplätze gesperrt, durch Hertha konnten wir auf dem Olympiagelände arbeiten.“ Hauptamtlich als Trainer ist Franz allerdings nicht angestellt, er arbeitet bei den Bäderbetrieben.

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Glücklich im Frauenfußball
Das Engagement beim FC ist für ihn die erste Station im Frauenfußball – noch immer ist er überrascht und erfreut über die Andersartigkeit der Arbeit. „Der Ehrgeiz und die Disziplin – davon könnte man sich bei den Männern eine Scheibe abschneiden.“ Auch nach den ersten Monaten im Frauenfußball sehe er sich als Neuling, dennoch steht für ihn bereits fest: „Das ist bisher meine schönste Zeit als Trainer. Unabhängig von unserer Tabellensituation macht es einfach Spaß zu sehen, wie sich die Spielerinnen entwickeln, wie wir Fortschritte machen und sich dadurch Erfolge einstellen.“

Bis Weihnachten noch einen Platz klettern
Dementsprechend formuliert Franz auch seinen fußballerischen Weihnachtswunsch. „Ich möchte, dass der Aufwand, den die Mannschaft betreibt, belohnt wird und wir Weihnachten unter den ersten drei, vier Mannschaften stehen. Die anderen sollten dabei nicht allzu weit entfernt sein, damit immer noch ein Ansporn besteht, besser werden zu wollen.“

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2 Kommentare »

  • Antje aus London sagt:

    Endlich mal positive Fussball-Nachrichten aus der Hauptstadt!

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  • cath sagt:

    die bezeichnung „überraschungsteam“ halte ich für übertrieben. auch wenn lübars tiefstapelt, nominell hat man einen der bestbesetzten kader, hat ja quasi eine dreiviertel erstligaelf von tebe rübergeholt (die ohne die ganzen querelen auch erstligattauglich gewesen wäre). die rahmenbedingungen sind ebenfalls erste sahne und die zweite liga in diesem jahr ohne echte spitzenteams. kurzum, man durfte lübars ziemlich weit oben erwarten.

    und dass man angst vor dem aufstieg hat, fällt wohl auch eher unter understatement. sollte es tatsächlich hochgehen, würde hertha massiv aufrüsten und es gäbe ähnlich viele neuzugänge wie vor dieser saison.
    m.e. ist lübars absolut in der lage, eine gewichtige rolle um den aufstieg mitspielen.

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