Team und Publikum noch nicht in WM-Form

Von am 29. Oktober 2010 – 11.14 Uhr 19 Kommentare

Der Sieg gegen Australien fiel mit 2:1 denkbar knapp aus. Das lag vor allem daran, dass sich die DFB-Elf im Aufbau, Abschluss und in der Abwehr noch nicht in WM-Form präsentierte. Noch fehlten die letzte Genauigkeit und Konzentration, doch Thema des Tages war ein anderes.

Der Zuschauerzuspruch in Wolfsburg war wie  die Leistung der DFB-Elf noch nicht WM-reif und sorgte für lange Gesichter.

Highlights der Partie auf DFB-TV anschauen

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Nur enttäuschende 7 229 Zuschauer verloren sich am Donnerstagabend in der Volkswagen Arena, wo im kommenden Jahr drei WM-Vorrundenpartien und ein Viertelfinale ausgetragen werden. Weniger Zuschauer registrierte man zuletzt im August 2007 beim 5:0-Sieg gegen die Tschechische Republik in Gera, als nicht einmal 5 000 Zuschauer den Weg ins Stadion fanden. Zumindest an den heimischen TV-Schirmen fand das Spiel ordentlich Beachtung, 3,53 Millionen Zuschauer verfolgten die Partie im Schnitt, das entspricht einem Marktanteil von 13,9 Prozent.

Wolfsburg keine Fußball-Hochburg
Während die einen die hohen Ticketpreise bis zu 35 Euro für den mangelnden Zulauf verantwortlich machten, versuchte Teammanagerin Doris Fitschen zu beschwichtigen: „An den Preisen liegt es nicht, die waren in Dresden nicht anders und dort kamen über 20 000. Es gibt halt Fußball-Hochburgen, wo die Stadien immer voll sind und andere, wo das nicht der Fall ist.“ Bleibt zu hoffen, dass man in Niedersachsen bis zur WM die Begeisterung für den Frauenfußball noch steigern kann. Die deutsche Mannschaft passte sich in ihrer Leistung dem Zuschauerzuspruch an.

Neid: „Das Ergebnis hat gezählt“
Ihr mangelte es in der temporeichen Partie gegen die athletischen und technisch versierten Australierinnen an der letzten Präzision im Spielaufbau und an der nötigen Konzentration im Abschluss vor dem Tor. Bundestrainerin Silvia Neid zog dennoch ein positives Fazit: „In erster Linie hat das Ergebnis gezählt, denn wir wollen die Spiele in diesem Jahr angehen wie WM-Qualifikationsspiele. Insgesamt haben alle ein gutes Länderspiel gemacht.“ Das Spiel lieferte einen Vorgeschmack darauf, wie sich die meisten Gegner der deutschen Elf auch bei der WM präsentieren werden – aus einer kompakten Abwehr mit gelegentlichen schnellen Vorstößen.

Saskia Bartusiak (re.) und Sally Shipard

Saskia Bartusiak (re.) im Zweikampf mit Sally Shipard ©Nora Kruse / ff-archiv.de

Innenverteidigung als Achillesferse
Über die größte Problemstelle in ihrem Team hüllte Neid den Mantel des Schweigens. Einmal mehr entpuppte sich die Innenverteidigung als der schwächste deutsche Mannschaftsteil. Schmerzlich vermisst wurde die auf der Tribüne zuschauende Annike Krahn, die wegen eines Kreuzbandrisses eine längere Pause einlegen muss. Der DFB-Elf fehlt die Abwehrchefin, eine die mit klaren Kommandos die Viererkette zusammenhält. Saskia Bartusiak und Lena Goeßling gelang es nicht, Ruhe und Abgeklärtheit auszustrahlen, Babett Peter hatte offensiv gute Momente, wirkte in der Defensive anders als gewohnt aber ebenfalls nicht sattelfest.

Australien mit zu vielen Freiheiten
Ein fataler Fehlpass in der Vorwärtsbewegung von Sonja Fuss leitete den Gegentreffer ein. Bartusiak und Peter ließen die gerade erst 17 Jahre alt gewordene Samantha Kerr in der Schnittstelle entwischen, die einen langen Ball von Collette McCallum aufnahm und den Ball eiskalt über Uschi Holl hinweg ins Netz setzte. Und auch in der zweiten Halbzeit hatten die Australierinnen gute Chancen auf weitere Treffer, etwa bei einem Kopfball von Kathryn Gill oder einem Schuss von Sally Shipard.

Grings und Müller drehen Partie
Doch zumindest auf die Treffsicherheit von Inka Grings war Verlass, die noch vor der Pause für den schnellen Ausgleich sorgte, kurz darauf aber eine hundertprozentige Torchance nicht verwerten konnte. Und so war es der eingewechselten Lokalmatadorin Martina Müller vorbehalten, den Siegtreffer zu erzielen. „Sie hat sich im Spiel sofort zurechtgefunden und man hat gemerkt, dass sie sich viel vorgenommen hatte“, so das Extralob von Neid. Nach der WM-Auslosung am 29. November werden Neid und ihre Schützlinge die Gruppengegner kennen. Dann beginnt bereits die heiße Pahse der Vorbereitung. „Dann können wir die Gegner besuchen, sie analysieren und unsere Trainingsinhalte planen.“

Tom Sermanni

Tom Sermanni: "Große Lücke zwischen Deutschland und Australien" ©Nora Kruse / ff-archiv.de

Sermanni freut sich über großartige Erfahrung
Australiens Trainer Tom Sermanni konnte dem Spiel seiner Elf ebenfalls viel Positives abgewinnen. „Es war eine großartige Erfahrung für uns, gegen das beste Team und die besten Spielerinnen antreten zu können. Ich bin sehr zufrieden mit dem Einsatz und der Hingabe meiner Spielerinnen.“

Doch er räumte auch ein, dass auf ihn und sein Team noch eine Menge Arbeit wartet. „Man hat gesehen, dass zwischen uns und den Deutschen noch eine große Lücke ist. Aber ich hoffe, dass wir die bis zur Weltmeisterschaft schließen können. Unsere Liga endet im Januar, ab Februar werden wir mit dem Nationalteam regelmäßig arbeiten können; bis zur Weltmeisterschaft mindestens zehn Tage in jedem Monat.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

19 Kommentare »

  • uwe sagt:

    Wenn es in Wolfsburg keine Freikarten gibt, bleibt das Stadion leer.
    12-35€ ist jetzt wirklich nicht zu teuer.

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  • laasee sagt:

    7,229 spectators is pathetic! It reflects negative on the DFB and Wolfsburg.

    It proves that FF needs its own independent organisation to promote and administer FF in all of Deutschland (and other nations need the same).

    The big men will demand to sit at the top table at the WM2011 party but they are not willing to help in the kitchen to prepare the banquet!

    Deutschland are reigning WM and EM Champions and the stadium should have been ausverkauft.

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  • Lucy sagt:

    Da sieht man mal, wieviel sonst so verschenkt wird… Hat man in und um WOB wohl auf die schnelle nicht genug Frauen und Kinder mobilisieren können, die dann meistens eh nur durch die Gegend laufen und am Rahmenprogramm interessiert sind ! Das Spiel verfogen tun die ja eh weniger. ;.)

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  • Marc sagt:

    @uwe..

    seh ich genauso..mit günstigen 12€ kann man dabei sein. das ist doch nun wirklich nicht teuer.

    Aber was soll man in WOB auch erwarten…schaut man mal auf den zuspruch in der BuLi(Topspiele gegen TP – 613 zuschauer;gegen Neuenahr – rund 300 Z.) ..und letztens im Pokal gegen FCR – 240 Z.

    Also das hat mich nicht wirklich überrascht gestern.

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  • Garrincha sagt:

    12-35 Euro als nicht teuer zu bezeichnen, finde ich realitätsfremd… Für ein FF-Freundschaftspiel zahle ich bestenfalls 5 Euro!

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  • Webcam sagt:

    Wieviele Karten werden denn sonst so verschenkt? …
    Wäre ja schon interessant herauszufinden, warum mal ein Zuschauerrekord von 45.000 erzielt wird, mal so ein Minusrekord (und WOB ist ja nicht Gera) …

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  • michael sagt:

    Wolfsburg ist Gera, ohne entsprechende Aktionen des dortigen Automobilkonzernes läuft nicht viel. Wer allerdings nur 5,- Euro für ein Länderspiel bezahlen möchte ist wohl realitätsfremd. Das liegt unter dem Preis einer normalen Kinokarte. Die Mehrzahl aller WM Städte ist für auswärtige Fans extrem gesichtslos. Eigentlich eine Fehlentscheidung des DFB. Aber man befriedigt wohl damit einige Verbandsfunktionäre. Spielorte wie Hamburg, Berlin, Dresden bieten einfach ein großstädtisches Umfeld was einen auch zu einer weiteren Anreise bewegt. In Wolfsburg kann man nicht mal vernünftig essen gehen, z.B. überzeugt der kolumbianische Pavillon am Allersee mit der „berühmten“ VW-Currywurst. Was soll den wirklich nächstes Jahr einen Fan nach Wolfsburg oder Leverkusen locken.

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  • Lucy sagt:

    Hinfahren-Spiel gucken-wegfahren 😉

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  • slartie sagt:

    Na ja, das spiel war ja nun wirklich so lala.
    Aber der DFB sollte sich auch ernsthaft überlegen,
    ob WOB auch der richtige Spielort für die WM ist.
    Mehr Zuschauerzuspruch hätte man sicherlich in Bielefeld
    gehabt, da dort die Euphorie größer wäre.
    Zum Thema Ticketpreise bei und rund um die WM:
    Ich werde mir wohl mal ein Vorrundenspiel anschauen,
    ansonsten sind mir die Preise dafür einfach zu hoch.
    Sie wollen doch volle Stadien, oder etwa nicht?
    Wenns ganz dumm läuft haste in WOB bei Spielen mit
    Nicht-Deutscher-Beteiligung gerade mal 3000- 5000
    Zuschauer, es sei denn, die FIFA gibt wieder unzählige
    Freikarten an Schulen und Vereine aus…

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  • uwe sagt:

    @ Webcam

    Beim Bundeligaspiel Wolfsburg-Duisburg waren über 3000 Zuschauer
    Zwei Wochen später im Pokal 241 Zuschauer. Grob geschätzt ca. 2500 Freikarten werden es schon gewesen sein.

    @Garrincha
    Wenn den Wolfsburgern schon 12€ zuviel sind werden die WM Spiele in Wolfsburg wohl vor leeren Rängen stattfinden.

    Mal im Ernst 5€ für ein Länderspiel, das bezahlst du in Duisburg wenn die „Zweite“ spielt.

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  • Jan sagt:

    Die Matildas haben’s 2010 gegen Deutschland besser gemacht als die Socceroos. Australien und Nigeria sind Teams, die unmittelbar nach Turnieren eingespielt sind, was die DFB11 nicht ist, und die zudem viel wechselt. Es gab 3 sehenswert rausgespielte Tore.

    Die geringe Zuschauerzahl war ein Schuss vor den Bug. Gründe gibt’s wohl mehrere – oft genannt: der Preis. Aber man muss auch sehen, dass z.B. Augsburg und Dresden 2-4x mehr Einwohner haben als Wolfsburg (oder Gera), und daher 2-4x mehr Zuschauer erwartet werden dürfen. Dann ist Wolfsburg auch gesättigt mit 1. Herren-Buli – in Augsburg und Dresden hingegen lechzt man nach großen Fußball-Events.

    Der Körpersprache nach wirkte Martina Müller bei ihrem Heimspiel hochkonzentriert und dabei nicht übermotiviert, als ob ein Film in ihr abliefe. Beim Siegtor verlor sie nicht überhastet die Nerven. Sonja Fuss und Saskia Bartusiak spielen elegant und kreativ – Mittelfeld… Warum gab’s vorm Anstoß eigtl. keine Schweigeminute für Paul?

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  • Meta sagt:

    Man sollte bitte nicht vergessen, dass viele Wolfsburger bei VW beschäftigt sind, und da haben viele Spät- oder Nachtschicht und können dann nicht. Zwar verlegt VW auch mal die Schichten, damit die Mitarbeiter zum Fussball gehen können, dass gilt jedoch nur für die Männer-BL.

    Zudem wurden hier nicht, wie sonst oftmals, sämtliche Schuleklassen im Umkreis von 50 km zum Spiel „gekarrt“

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  • Marc sagt:

    also den zuschauerminusrekord an der beschäftigung der Wolfsburger festzumachen…selten so gelacht.

    wie oben schon gesagt…WOB ist einfach ne Stadt wo nicht viel geht.
    Ich frag mich eh warum lediglich das Eröffnungsspiel in Berlin stattfindet. Berlin – da kommen sämtliche Fernverkehrsverbindungen zusammen..beste Anbindung…und verdammt – das ist unsere Hauptstadt.

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  • mrx sagt:

    Neh neh, die ganzen Wolfsburger standen sicherlich nicht am Fließband. Auf der Anfahrt zum Stadion waren die Straßen gut voll (Feierabendverkehr), aber nach der Kreuzung zur Berliner Brücke hat es schlagartig nachgelassen. Vorher dachte ich, die wollten alle zum Spiel – neh, nur nach hause… 😉

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  • Steffen sagt:

    Kann ich mir nicht vorstellen, dass Wolfsburg so tot wie Gera ist …

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  • Detlef sagt:

    Wolfsburg ist FF-Notstandsgebiet!!!

    Das es beim VfL auch ein Frauenteam gibt, weiß wahrscheinlich nicht einmal 1% der Wolfsburger Bevölkerung!!!

    Und das Wolfsburg ein „totes Nest“ ist, kann auch nicht als Ausrede gelten!!!

    Als Gegenbeispiel nehme ich mal Sinsheim!!!

    Dort kamen vor der letzten FF-EM viel mehr Leute ins Hoffenheimer Stadion, obwohl der Gegner (Holland) viel schwächer war!!!
    Und in Sinsheim ist nun nicht wirklich soooo viel mehr los, als in Wolfsburg oder Gera!!!

    Und es gab auch schon früher Freundschaftsspiele an Orten wie Aalen, Homburg und Cottbus, die nun wahrlich kaum bedeutungsvoller als Wolfsburg sind!!!
    Dort waren aber immer viel mehr Zuschauer, als jetzt in Wolfsburg!!!

    Und wenn Doris Fitschen weiß, daß Wolfsburg keine Fußball-Hochburg (wie zB Dresden)ist, dann frage ich mich, warum sie dies nicht schon ihren Chefs verklickert hat???

    Ich sehe mich immer mehr in meiner Annahme bestätigt, daß diese Weltmeisterschaft ein Riesenflop wird!!!

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  • Lucy sagt:

    Ich bleibe auch dabei:
    Da sieht man mal, wieviele FF-Fans/Vollzahler wirklich übrig bleiben, wenn der DFB mal nicht jede Menge Vereine, junge Mannschaften und Familien äußerst billig, bzw. kostenfrei ins Stadion „rekrutiert“… 😉

    Mag sein, das Wolfsburg eine nicht ganz so starke Gegend ist, aber mit jeder Menge Freikarten für Familien hätte man auch da bestimmt mehr rausholen können. Sei es auch aus der Braunschweiger, Magdeburger, Hildesheimer, Harzer… Gegend. 😉 Für die wäre es auch nicht weiter nach WOB gewesen, als z.B. für Mannheimer, Frankfurter, Karlsruher,… nach Sinsheim.

    Aber scheinbar ist es eher so, dass, wenn vom DFB nix kommt, die nicht ganz sooo Interessierten halt wegbleiben…

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  • Detlef sagt:

    Lucy schrieb;“Aber scheinbar ist es eher so, dass, wenn vom DFB nix kommt, die nicht ganz sooo Interessierten halt wegbleiben…“

    Das Einzige was vom DFB kommt, sind weitere, völlig lächerliche Repressionen in den FF-Bundesligastadien!!!

    So vergrault man auch noch die wenigen „echten Fans“ des FF, die dann auch irgendwann wegbleiben!!!

    Dann können die DFB-Verantwortlichen 2011 die Ränge mit Pappkameraden füllen, eine neue Art „Patjomkinscher Dörfer“!!!

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  • expert sagt:

    …….UWE bei FF muß man beim DFB kaufen, etwa einige Wochen vorher, im Stadion darf man die Tagespreise nicht kaufen.

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