Verena Faißt: „Ich mache mir keinen Druck“

Von am 26. Oktober 2010 – 8.50 Uhr

VfL Wolfsburgs Abwehrspielerin Verena Faißt erlebt in dieser Woche den vorläufigen Höhepunkt ihrer Karriere. Ausgerechnet in ihrer Wahlheimat steht sie beim Länderspiel gegen Australien (Donnerstag ab 18.15 Uhr live im ZDF) erstmals im Kader der A-Nationalmannschaft. Mit Womensoccer sprach sie über ihren WM-Traum, das Auf und Ab beim VfL Wolfsburg sowie den Zusammenhalt in ihrem Team.

Womensoccer: Herzlichen Glückwunsch zur Einladung in die Nationalmannschaft. Hat sich das denn abgezeichnet?

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Verena Faißt: Ich habe überhaupt nicht damit gerechnet, deswegen habe ich mich umso mehr darüber gefreut. Ich stand ja zuletzt im U23-Kader für das Spiel in England, jetzt kam dann auf einmal die Einladung für die A-Nationalmannschaft. Meine Teamkollegin Martina Müller hat mich angerufen und gefragt, ob ich schon meine Mails angeschaut hätte. So habe ich überhaupt erst davon erfahren.

Womensoccer: Damit sind Sie der Teilnahme an der WM 2011 im eigenen Land schon mal einen gutes Stück näher gekommen.

Faißt: Es wäre natürlich ein Traum, die WM im eigenen Land zu spielen, aber das entscheidet letztlich die Trainerin. Es wird nicht leicht, weil auf der Position erfahrene Spielerinnen spielen, wie Babett Peter, die in Potsdam national und international gute Spiele abliefert. Aber ich weiß, was ich kann und wenn ich jetzt schon die Chance bekomme, will ich mich natürlich auch zeigen. Aber ich mache mir keinen Druck, will mich im Training anbieten und versuchen, so gut es geht, mitzuspielen. Ich würde mich natürlich wahnsinnig freuen, wenn ich zu einem Kurzeinsatz käme, zumal meine ganzen Arbeitskolleginnen und auch meine Teamkolleginnen zuschauen werden.

Verena Faißt

Erstmals im Kader der Nationalmannschaft: Verena Faißt ©Sven-E. Hafft / girlsplay.de

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Womensoccer: Der Wechsel vom SC Freiburg zum VfL Wolfsburg hat sich also schon jetzt für Sie gelohnt.

Faißt: Ich wollte nach Wolfsburg, um den nächsten Schritt in meiner Karriere zu machen. Dass er richtig war, zeigt auch die Nominierung für die A-Nationalmannschaft. Durch den Freiburger Abstieg fiel mir der Schritt auch leichter. Ich will mich in Wolfsburg weiter gut entwickeln und dann wird man sehen, wie das mit der Nationalmannschaft weitergeht.

Womensoccer: Die Frauenfußball-Abteilungen namhafter Männervereine kämpfen oft mit Akzeptanzproblemen. Wie ist das in Wolfsburg?

Faißt: Ich mache ja in der Geschäftsstelle des VfL Wolfsburg eine Ausbildung, da merke ich schon, dass der Frauenfußball in Wolfsburg einen relativ hohen Stellenwert hat. Es wird viel für die Frauen gemacht, das war in Freiburg nicht so. Hier wird auch regelmäßig in den Medien über uns berichtet und richtig viel Werbung gemacht. Wir würden uns allerdings ein bisschen mehr Zuschauerzuspruch wünschen, aber auch hier arbeitet unsere Marketingabteilung bereits daran.

Womensoccer: In der Bundesliga erleben Sie derzeit eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Sie gewinnen gegen die Großen und verlieren gegen die Kleinen. Fällt es Ihnen schwer, sich gegen leichtere Gegner zu motivieren?

Faißt: Ich denke, dass es nicht an der Einstellung mangelt, nur das Spiel gegen Bad Neuenahr haben wir absolut verdient verloren. Uns liegt es einfach nicht so, wenn wir das Spiel selber machen und von hinten aufziehen müssen, wir spielen lieber auf Konter. Wir brauchen einfach noch ein bisschen Zeit, aber in der Rückrunde wird sich bereits zeigen, dass wir das auch können. Denn wir haben die Qualität im Team und eine gute Mischung zwischen erfahrenen und jungen Spielerinnen.

Verena Faißt

Kämpft verbissen um jeden Ball: Verena Faißt ©Sven-E. Hafft / girlsplay.de

Womensoccer: Denken Sie manchmal darüber nach, wo Sie in der Tabelle stehen könnten, wenn Sie gegen vermeintlich schwächere Gegner keine Punkte hätten liegen lassen?

Faißt: Wenn man mal die Punkte zusammenrechnet, die wir gegen die Kleinen abgegeben haben, ärgert man sich schon. Aber man hat daran auch gesehen, dass noch etwas fehlt. Wir müssen einfach noch die Lauf- und Passwege perfektionieren und sind noch nicht so eingespielt, es sind ja viele neue Spielerinnen dazu gekommen. Ein Verein wie Potsdam hat es da leichter, die sind schon länger zusammen und eingespielter. Ich denke aber, dass wir Platz 4 auf jeden Fall erreichen können. Wir sind schon nah dran an den Topteams, aber es fehlt schon noch etwas und wir müssen für jeden Sieg immer 100% investieren.

Womensoccer: In puncto Zusammenhalt im Team scheint der VfL aber bereits ganz vorne mitzuspielen.

Faißt: Die Stimmung ist richtig gut und einen solchen Zusammenhalt gibt es nicht in vielen Teams. Ein- bis zweimal pro Woche unternehmen wir auch privat etwas zusammen, gehen nach dem Training etwas essen oder trinken oder schauen auch schon mal ein Champions-League-Spiel zusammen an. Das passt einfach.

Womensoccer: Das klingt, als hätten Sie sich bereits gut eingelebt.

Faißt: Am Anfang hat es geholfen, dass Martina Moser mit mir zusammen aus Freiburg nach Wolfsburg gekommen ist. Da hatte man eine Bezugsperson und wir haben auch übergangsweise zusammen gewohnt. Aber mittlerweile kennt man ja die anderen Spielerinnen schon, das ist einem alles recht leicht gefallen.

Womensoccer: Woran fehlt es denn noch ganz persönlich, was lässt sich verbessern?

Faißt: Ich habe im Spielaufbau Defizite, muss ein weniger hektisch werden und auch noch an Muskelmasse zulegen, auch wenn ich schon jetzt zweikampfstärker geworden bin. Das fällt mir gar nicht so leicht, denn ich habe einfach einen guten Stoffwechsel. Ich kann soviel essen, wie ich will, ich nehme einfach nicht zu.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

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