Die Tops und Flops der Woche 40/2010

Von am 11. Oktober 2010 – 12.37 Uhr 8 Kommentare

Starke Bundesligisten und eine treffsichere Zweitligaschützin stehen in dieser Woche genauso im Brennpunkt unserer Tops und Flops wie derbe Niederlagen und die Qualifikation für die Frauenfußball-WM 2011.

Top 4

Gleich drei Teams der Stunde
1. FFC Frankfurt, Hamburger SV und SC 07 Bad Neuenahr heißen die Teams der Stunde in der Frauenfußball-Bundesliga. Die Hessinnen eilen nach dem holprigen Saisonstart inzwischen von Sieg zu Sieg und holten aus den vergangenen sechs Spielen die Maximalausbeute von 18 Punkten bei einem Torverhältnis von 28:4. Vorläufiger Höhepunkt war der 8:0-Auswärtssieg bei der SG Essen-Schönebeck. Doch auch der Hamburger SV macht von sich reden. Zu Buche stehen drei Siege aus den vergangenen drei Spielen, darunter Siege gegen namhafte Gegner wie den VfL Wolfsburg und den FC Bayern München. Und klammert man die Heimniederlage gegen den FCR 2001 Duisburg aus, läuft es auch beim SC 07 Bad Neuenahr derzeit wie aus einem Guss. 7:0 gewann man am Sonntag beim FF USV Jena, immerhin DFB-Pokalfinalist der vergangenen Saison.

Anzeige

Starke Kulisse in Wolfsburg
3 124 Zuschauer verfolgten dank Saisoneröffnungsfest den 4:3-Auftaktsieg gegen den 1. FFC Frankfurt, nun wurde bereits zum zweiten Mal bei einem Heimspiel die 3 000er-Marke geknackt. Beim 3:2-Sieg gegen Duisburg strömten diesmal sogar 3 187 Zuschauer ins Stadion. Verantwortlich war diesmal die Einladung der Teilnehmer des DFB-Wettbewerbs „Team2011“ aus den Kreisen Wolfsburg, Helmstedt und Gifhorn. Die Aktion stieß auf große Resonanz. „Die Kulisse war beeindruckend“, freute sich Wolfsburgs Trainer und Sportlicher Leiter Ralf Kellermann.

Bernhard im Torrausch
Ein Tag wie kein anderer war der Sonntag für Birgit Bernhart vom 1. FFC 08 Niederkirchen. Die Stürmerin und zugleich Co-Trainerin ihres Teams lag mit ihrem Team gegen den SC Sand zur Halbzeit verdient mit 0:1 im Rückstand. Doch dann schlug ihre große Stunde: Binnen 20 Minuten zerlegte sie mit vier Treffern (48., 52., 57., 68.) den Gegner im Alleingang, in der 89. Minute setzte sie dann mit ihrem fünften Treffer den krönenden Schlusspunkt beim 6:2-Sieg.

Respektables Remis für China
In der näheren Vergangenheit bestimmten meist Länder wie Japan, Nordkorea oder Südkorea die Schlagzeilen, wenn es um erfolgreiche asiatische Frauenfußball-Teams ging. Die einstige Frauenfußball-Großmacht China geriet ein wenig in Vergessenheit. Doch jetzt haben die „Steel Roses“ wieder einmal ein kräftiges Lebenszeichen von sich gegeben. In einem Testspiel gegen den Weltranglistenersten USA holte das Team in Chester/Pennsylvania ein respektables 1:1. Fast hätten die USA sogar nach sechs Jahren und 48 Spielen erstmals wieder eine Heimniederlage kassiert, doch Einwechselspielerin Alex Morgan gelang in der 83. Minute der späte Ausgleich, Ma Jun hatte die Chinesinnen mit einem sehenswerten Volleyschuss in der 37. Minute in Führung gebracht.

Flop 4

Schlagwörter:

Jena-Bad Neuenahr

Der FF USV Jena kam gegen Bad Neuenahr unter die Räder ©Lothar Weisner

Böse Klatschen für Essen und Jena
0:8 und 0:7 – für die SG Essen-Schönebeck und den FF USV Jena brachte der neunte Bundesliga-Spieltag bittere Niederlagen. Essens Melanie Hoffmann würde ihr 200. Bundesligaspiel wohl am liebsten gerne ungeschehen machen. Ein erbärmliches Bild habe das Team gegen den 1. FFC Frankfurt abgegeben, konstatierte die WAZ. Kaum Laufbereitschaft und ein katastrophales Spiel ohne Ball habe die Essener Elf ausgezeichnet. Doch nicht minder bedient war man beim FF USV Jena nach der Demütigung durch den SC 07 Bad Neuenahr. „Land unter im Paradies“ titelte der Verein seine eigene Pressemitteilung. Eine „zwar ersatzgeschwächte, aber dennoch charakterlose Jenaer Mannschaft hinterließ bei den Zuschauern blankes Entsetzen“, ging man mit dem eigenen Verein hart ins Gericht.

Dänemarks sang- und klangloses WM-Aus
Während die Schweiz weiter von der Frauenfußball-WM 2011 in Deutschland träumen darf, hat sich dies für Dänemark erledigt. Nach dem enttäuschenden Vorrunden-Aus bei der EM 2009 in Finnland musste sich der Favorit mit 1:3 und 0:0 gegen die Schweizerinnen geschlagen geben. Die mangelnde Konstanz ist seit Jahren ein Problem des Teams von Trainer Kenneth Heiner-Møller. „Wenn man keine Tore schießt, kann man auch nicht zur WM fahren“, so eine enttäuschte Katrine Pedersen.

Fragwürdiger Modus
Während sich in Europa einige Mannschaften derzeit einem wahren Playoff-Marathon stellen müssen, in der Hoffnung ein WM-Ticket zu ergattern, kann sich Neuseeland bereits genüsslich zurücklegen. Die sportliche Qualität ist den Neuseeländerinnen keineswegs abzusprechen, doch die WM-Qualifikation kam einem Freifahrtschein gleich. 14:0 gegen Vanuatu, 10:0 gegen die Cook-Inseln, 7:0 gegen Tahiti, 8:0 gegen die Salomon-Inseln und 11:0 gegen Papua Neuguinea hießen die Stolperstein auf dem Weg zur Teilnahme an der Frauenfußball-WM 2011.

Zweistellige Ohrfeigen
Auch in anderen europäischen Ländern musste einige Teams an diesem Wochenende bittere Niederlage einstecken. In der schottischen Premier League kamen die FC Kilmarnock Ladies zum wiederholten Male in dieser Saison unter die Räder. Auf eigenem Platz unterlag man Glasgow City FC mit 0:16. Immerhin besser als im Hinspiel, denn da gab es ein 0:29. Für Kilmarnock war es bereits die zehnte zweistellige Niederlage in dieser Saison. In Serbien erhielt der ŽFK Mačva beim ŽFK Mašinac eine 0:13-Abfuhr, in Dänemark unterlag Vejle BK bei Duisburgs nächstem Champions-League-Gegner Fortuna Hjørring mit 0:10.

Tags:

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

8 Kommentare »

  • luser sagt:

    2001 Duisburg auf dem Scheideweg, stimmt irgendetwas im Verein nicht. wo ist das Selbstbewustsein, wo bleiben die Zuschauer, was zeigt die Mannschaft. wo geht der Weg hin. Duisburg ins Mittelmaß, schade spielt das Geld eine Rolle ? ohne Moos nichts los, sagte einmal U.H. aus Süddeutschland…………….

    (0)
  • bneidror sagt:

    Am Scheideweg?
    Das man gegen Wolfsburg in dieser Saison verlieren kann ist nichts sonderbar unwahrscheinliches. Und bezogen auf ihre Verletztenmisere ist ein derzeit dritter Tabellenplatz eigentlich nicht schlecht.
    Und der derzeitge Zuschauerschnitt zeigt keine negative Tendenz, wenn ich mich nicht gänzlich irre.

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Sehe auch nichts Außergewöhnliches beim FCR, bloss weil man die Punkte in WOB gelassen hat! Nicht schön für die Mannschaft und die Fans, aber das ist anderen in dieser Saison auch schon widerfahren.
    Wer sich mit der FF-Materie befasst, weiß auch um die Verletzenmisere, mit der MVT zu kämpfen hat, Anlaß immer wieder neue Spielerinnen aus dem Hut zaubern zu müssen.

    (0)
  • Webcam sagt:

    Frankfurt mausert sich nach mäßigem Start so langsam zum Titelfavoriten!

    Duisburgs miserable Personalpolitik (s. die Diskussionen über die Abgänge) wird knallhart bestraft. Ehem. Topspielerinnen spielen allenfalls Mittelmaß – und daran, nur noch Mittelmaß zu sein, wird sich Duisburg gewöhnen müssen. Die Tendenz geht schon seit längerer Zeit langsam aber stetig nach unten.

    (0)
  • bneidror sagt:

    Wären alle Spielerinnen, die jetzt verletzt sind, dabei – niemand würde den Abgängen eine Träne nachweinen. Wieviele potentielle Stammkräfte haben sie denn abgegeben?
    Die Tendenz geht stetig nach unten? Wo?

    (0)
  • laasee sagt:

    FCR have many players missing but are still in a very good position in the Buli.
    The problem in Wolfsburg was that the fortune did not go for FCR – clear penalty denied and two headers against the post and bar. Also there were unusual defensive mistakes.This is football.
    There is now a good week with the CL and then Jena on Sunday. It gives time for some of the missing players to recover before the Saarbrucken game.
    Buli zuschauer schnitt for FCR = 1406 and that is good!

    This season FCR have much adversity with injuries but that also allows MVT and the players to strengthen character and resolve.

    (0)
  • FFFan sagt:

    Ganz so harmlos ist die Situation des FCR Duisburg nicht! Die Mannschaft spielt ja schon seit Wochen nicht gut, die schmeichelhaften Auswärtssiege gegen Bayern München und Bad Neuenahr haben das bislang kaschiert. Man laviert sich ein wenig durch, wie auch MVT zugibt.

    Dem Duisburger Kader fehlt es an ‚Breite‘ und ‚Tiefe‘, um die vielen Ausfälle zu kompensieren. Wenn sich dann noch die Mannschaft nicht als Einheit präsentiert (Inka Grings hat ja im Interview klare Worte gefunden), kann das für den FCR eine ganz bittere Saison werden!

    Es folgen jetzt zwei ‚leichte‘ Spiele gegen Almaty und Jena. Die muss das Team unbedingt nutzen, um sich wieder zu einer schlagkräftigen Einheit zusammenzuraufen. Denn schon am 24.Oktober steht das wichtige Pokalspiel in Wolfsburg an, und da sollten die ‚Löwinnen‘ zur Abwechslung mal die ‚Wölfinnen‘ wegbeißen! 😉

    (0)
  • bneidror sagt:

    Die derzeitige Situation ist sicherlich nicht harmlos und man ist diese Saison schon öfter mit einem blauen Auge davon gekommen. Aber bei einen solchen Verletztenmisere würde es so einige Mannschaften in der Bundesliga geben, ich denke besonders an Frankfurt, denen es dann ebenso an Alternativen im Kader fehlen würde.

    Ich denke das Duisburg diese Saison irgendwie überstehen muss leuchtet wohl jedem ein – und eventuell lernt man auch was dabei. Aber von einer stetigen absteigenden Tendenz zu reden finde ich dann doch überzogen.

    (0)