Gedränge an der Bundesliga-Spitze

Von am 27. September 2010 – 16.27 Uhr 3 Kommentare

Die Spannung in der Frauenfußball-Bundesliga hat sich nach dem siebten Spieltag zugespitzt. Das lag in erster Linie am Remis im Spitzenspiel, von dem vor allem die Verfolger profitierten.

Der 1. FFC Turbine Potsdam kam ohne die gesperrten Fatmire Bajramaj und Tabea Kemme zu einem 1:1 im Spitzenspiel beim FCR 2001 Duisburg. Punktgewinn oder Punktverlust?

Potsdam nutzt Chancen nicht
Trotz der selbstverschuldeten personellen Dezimierung fühlte sich das Remis am Ende für Potsdam weniger gut an als für Duisburg. „Beide Mannschaften können mit diesem Ergebnis leben“, so die Einschätzung von Turbine-Trainer Bernd Schröder nach dem Spiel. Seine Elf zeigte sich im Vergleich zu den vergangenen Spielen spielerisch verbessert, geärgert haben dürfte man sich dennoch, dass man nach der Führung durch Kapitänin Jennifer Zietz per verwandeltem Foulelfmeter eine kurze Phase der Überlegenheit nicht zu weiteren Treffern nutzte, was vor allem an Duisburgs Torhüterin Uschi Holl lag, die einen Schuss von Bianca Schmidt mit Bravour entschärfte und ihr Team im Spiel hielt.

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Duisburg zieht positives Fazit
Doch je länger die Partie dauerte, desto stärker wurde Duisburg. „Wir haben es in der zweiten Halbzeit besser geschafft, Druck nach vorne zu entwickeln“, so Trainerin Martina Voss-Tecklenburg. Und so fiel der Ausgleich durch Inka Grings zwar spät (86.), aber dennoch verdient. Unter anderem die Fehlpassquote auf beiden Seiten sorgte dafür, dass sich das Niveau im Spitzenspiel in Grenzen hielt, wohl auch ein Tribut an die Champions-League-Einsätze beider Teams unter der Woche verbunden mit entsprechenden Reisestrapazen. Alexandra Popp zog ein positives Fazit für die Gastgeberinnen, obwohl man auch das dritte Heimspiel in Folge nicht gewann: „Es war wichtig, dass wir nicht verloren haben, es bleibt weiterhin spannend für die Saison.“

Frankfurt träumt von Europa – Bayern pirscht sich ran
Das Remis in Duisburg hat man auch beim 1. FFC Frankfurt mit Wohlwollen zur Kenntnis genommen. Durch den 4:1-Auswärtssieg beim 1. FC Saarbrücken schob sich das Team auf den zweiten Tabellenplatz vor und rangiert erstmals seit fast zwei Jahren wieder auf einem Tabellenplatz, der in der kommenden Saison zur Teilnahme an einem internationalen Wettbewerb berechtigen würde. „Es ist ein traumhaftes Gefühl, wieder auf dem zweiten Platz zu sein. Und angesichts der Stärke der Mannschaft auch zu wissen, dass wir auf einem guten Weg sind, unsere Saisonziele vor der WM 2011 zu erreichen“, so FFC-Manager Siegfried Dietrich. Dabei wusste die Frankfurter Elf nach nervöser erster Halbzeit allerdings erst nach der Pause zu gefallen, wo ein konditionelles Plus zum Tragen kam. Punktgleich auf Platz 3 liegt der FC Bayern München, der seine Hausaufgaben derzeit fehlerfrei löst, gegen die Kleinen nicht patzt und beim 2:1-Erfolg in Leverkusen bereits den vierten Auswärtssieg der Saison feierte. Nur in den Heimspielen gegen Potsdam und Duisburg ließ man die Punkte liegen, heimlich, still und leise ist das Team von Trainer Thomas Wörle in der Tabelle nach oben geklettert.

Ralf Kellermann

Ralf Kellermann hadert mit der Leistung seiner Elf. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Wolfsburg im Formtief
Doch wie schnell sich Dinge ändern können, muss derzeit schmerzhaft der VfL Wolfsburg erfahren. Vor zwei Wochen noch schärfster Verfolger des 1. FFC Turbine Potsdam rangieren die Wölfinnen nach zwei bitteren Niederlagen in Essen und gegen Bad Neuenahr nur noch auf Rang 6. Positiv bleibt, dass der Abstand auf die Spitze dennoch nur vier Punkte beträgt, doch fast drei Gegentreffer pro Spiel belegen, dass es vor allem in der Defensivarbeit krankt. „Meine Mannschaft war heute nicht auf dem Platz. Es fehlte alles, was uns in den vergangenen Wochen auszeichnete. Wir haben heute keinen Fußball gespielt, keine Aggressivität gezeigt und zu viel zugelassen“, musste Trainer Ralf Kellermann einräumen. Deutlich nach oben zeigt die Formkurve hingegen beim Gegner von der Ahr. „Wir haben das gespielt, was wir bereits in den vergangenen Wochen spielten und haben lediglich die entscheidenden Tore gemacht. Ich bin hochzufrieden, dass diese junge Mannschaft sich so entwickelt“, freut sich Trainer Thomas Obliers.

Herford mit dem Rücken zur Wand
In der unteren Tabellenhälfte kristallisiert sich immer mehr heraus, dass der Herforder SV schon jetzt mit dem Rücken zur Wand steht. Das 1:2 beim FF USV Jena schmerzt gewaltig, denn nach sieben Spieltagen warten die Westfälinnen immer noch auf den ersten Punktgewinn. Schon jetzt fehlen sieben Punkte auf einen Nicht-Abstiegsplatz. Vor allem in der ersten Halbzeit agierte das Team von Trainerin Tanja Schulte zu zaghaft, in der zweiten Halbzeit kam trotz verbesserter Leistung bei einem nicht gegebenen Handelfmeter auch noch Pech hinzu. „Was haben wir nur verbrochen?“, klagt Schulte. Das Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken am kommenden Sonntag wird die Richtung weisen, in die es für die Herforderinnen im weiteren Saisonverlauf gehen wird. Doch punktet man wieder nicht, stehen die Zeichen für den Klassenerhalt ganz schlecht. In Jena durfte man sich nach dem hart erkämpften Heimsieg hingegen darüber freuen, sich etwas Luft in der Tabelle verschafft zu haben.

Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

3 Kommentare »

  • Expert sagt:

    Wer träumt von Europa, nach sechs Begegnungen wird kein 1.FFC Fan von Europa träumen. nur die Sogenannten Edelfans ohne Fußballverstand tun dies, das dürfen Sie. Der Weg dorthin ist steinig, das haben die Verfolger die letzten Jahre auch festgestellt. Nur bestimmte Leute dürfen weiter träumen………….

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Die Niederlagen der Wolfsburgerinnen zeigen eigentlich eher auf, was auch hier schon zu lesen war, der Erfolg gegen Turbinen war sehr schmeichelhaft, weil diese erneut sehr schludrig mit ihren Chancen umgingen, die Kreativität im Mittelfeld ein ums andere Mal abhanden gekommen war. So machte der VfL aus 2 Chancen 2 Tore und durch diesen Hype haben sich sich vermutlich selbst geschadet.
    Auch die absolut unnötige SC07-Niederlage in Potsdam bestätigte schlussendlich deren Mängel beim Torabschluss, was wiederum diese so wurmte, dass das prompt im WOB-Spiel gänzlich andersrum ausfiel. Die SC07-Mädels scheinen also erneut stark aufzukommen und die neuen Spielerinnen, geführt mit viel Übersicht von einer spielstarken Lena Goeßling, sich immer besser zu integrieren.
    Wenn diese neue Qualität der Breitbandigkeit in der Liga Schule macht, kann das nur von Vorteil sein und die Zahl derer, die die DFB-TV-Livestreams inhalieren, stetig steigen lassen.

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  • Pele sagt:

    @ expert
    Du kannst ja Deine „Meinungen“ gerne schreiben, aber vielleicht kannst Du diese dann zukünftig so formulieren, dass sie von anderen Lesern als Meinung erkennbar sind. Häufig ist es schwierig,
    aus diesen Satz-Fragmenten irgendeine Sinnhaftigkeit herauszulesen; eine Art Argumentation (für oder gegen den kommentierten Artikel) daraus abzuleiten ist m.E. in der Regel aussichtlos.

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