Südkorea neuer U17-Weltmeister

Von am 26. September 2010 – 2.58 Uhr 14 Kommentare

Südkorea hat sich bei der U17-Weltmeisterschaft in Trinidad und Tobago den Titel gesichert. In einem spannenden Finale hatten die Südkoreanerinnen im Elfmeterschießen gegen Japan das Glück auf ihrer Seite. Dabei dominierten die Japanerinnen über weite Strecken das Spiel.

In einem unterhaltsamen Spiel, das von zahlreichen Patzern der Torhüterinnen geprägt war, setzte sich Südkorea mit 8:7 nach Elfmeterschießen durch, nach regulärer Spielzeit und anschließender Verlängerung hatte es 3:3 gestanden.

Trefferreiche Anfangsphase
Die Südkoreanerinnen gingen früh in Führung, Lee Jungeun nahm Maß und setzte einen Schuss aus 20 Metern in den Winkel (6.). Doch spielerisch gefälliger waren von Beginn an die Japanerinnen, die schnell durch einen Distanzschuss aus fast 30 Metern von Hikaru Naomoto ausglichen (11.), unter gütiger Mithilfe von Südkoreas Torhüterin Kim Minah, die den Ball durch die Finger gleiten ließ und einen schwarzen Tag erwischte.

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Ausgleich in der Nachspielzeit
Südkorea wirkte nun verunsichert, Japan schlug daraus eiskalt Kapital. Wieder sah Kim bei einem haltbaren Distanzschuss schlecht aus, Yoko Tanaka erzielte die Führung (17.). Beide Teams hatten in der Folge weitere gute Gelegenheiten, allerdings dominierte Japan das Geschehen. Doch es dauerte bis in die Nachspielzeit, ehe Südkorea durch  Kim Areum (45.+1) der schmeichelhafte Ausgleich gelang, eine Viertelstunde zuvor hatte noch die Latte einen Torerfolg der Kapitänin verhindert.

Südkoreanische Flagge

Erstmals geht der Titel an Südkorea.

Japan macht den Sack nicht zu
Als Chika Kato nach einer knappen Stunde zur 3:2-Führung Japans abstaubte (57.) – Südkoreas Torhüterin traf erneut eine Teilschuld -, schienen die Weichen für einen Sieg der Japanerinnen gestellt, die aber aus ihrer Dominanz keine weiteren Treffer erzielten. Das sollte sich rächen, denn in der Schlussphase waren die Südkoreanerinnen konditionell überlegen, die eingewechselte Lee So Dam traf bei ihrem ersten Ballkontakt mit einem harten Halbvolleyschuss zum Ausgleich (79.), so dass es in die Verlängerung ging.

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Südkorea mit glücklicherem Ende
In den anschließenden dreißig Minuten neutralisierten sich beide Teams, keiner wollte den entscheidenden Fehler begehen, zudem ließen die Kräfte sichtlich nach, so dass es ins Elfmeterschießen ging, nachdem Tanaka für Japan in der Nachspielzeit fast noch der Siegtreffer gelungen wäre, nach einem erneuten Fehler der nervösen Kim im südkoreanischen Tor. Jang Selgi verwandelte für die Südkoreanerinnen den entscheidenden Elfmeter.

Elfmeterschießen

0:1 Yoko Tanaka
0:1 Lee Jungeun verschießt
0:1 Naoko Wada verschießt
1:1 Yeo Min Ji
1:2 Ayu Nakada
2:2 Lee So Dam
2:3 Haruka Hamada
3:3 Kim Dahye
3:4 Hikaru Naomoto
4:4 Kim Areum
4:4 Tomoko Muramatsu an die Latte
5:4 Jang Selgi

Spanien holt Platz 3
Spanien sicherte sich mit einem 1:0 (0:0)-Erfolg gegen Nordkorea den dritten Platz. Raquel Pinel traf ich Nachsetzen aus fünf Metern zum Erfolg des Europameisters. Die Spanierinnen waren von Beginn an die Spiel bestimmende Mannschaft, so traf etwa Nagore Calderon in der Anfangsphase die Latte. Die Nordkoreanerinnen enttäuschten über weite Strecken, auch wenn sie in der Schlussphase noch einmal bemüht waren, denn Ausgleich zu erzielen.

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

14 Kommentare »

  • pinkpanther sagt:

    Ein tolles Finale mit einem glücklichen Sieger, U17-Frauenfußball vom Feinsten!
    Auch wenn die spielerisch klar besseren Japanerinnen den Sieg verdient gehabt hätten, muss den Koreannerinnen zugute gehalten werden, dass sie -zumindest wenn sie in Rückstand lagen- nie aufgegeben haben und ihre Chancen genutzt haben.
    Glückwunsch nach Südkorea: Nach Platz 3 bei der U20-WM jetzt den Titel bei den „Kleinen“! Da wird sich der nördliche Nachbar aber mächtig ärgern 😉
    Aber auch ein großes Lob an die Japanerinnen, die über das Gesamtturnier gesehen wohl den attraktivsten Fußball gespielt haben und sich erst in der 11m-Lotterie geschlagen geben mussten.
    Ach ja, und eines fand ich richtig sympathisch und irgendwie bewegend: Während die Koreanerinnen ihren Titel feierten, „verschwesterten“ sich die spanischen mit den japanischen Spielerinnen und freuten sich gemeinsam an ihren Bronze- und Silbermedaillen … schön 🙂

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Sehe ich auch so! 🙂
    Die in allen statistischen Belangen, wie Ballbesitz, Torschüsse, Eckenzahl etc. überlegenen japanischen Mädels mussten sich letztendlich den Südkoreanerinnen beim Elfmeterschiessen als unterlegen zeigen, da Hamada in der entscheidenden Phase nur die Querlatte traf.
    Damit löst Süd- Nordkorea als neuen U17-WM-Titelträger ab und Kim Jong-il wird vor Wut kochen, denn sein Lieblingskind ist „nur“ Vierter.
    Ein ganz schwacher Trost für unsere viertelfinalausgeschiedenen Mädels, dass diese behaupten können, die Einzigen gewesen zu sein, die Südkorea eine Niederlage beigebracht haben. Doch kaufen können sie sich dafür bekanntlich nichts… (bisher ist es ja nur Kristin Demann gelungen, sich erfolgreich den Frust mit ihrem 1. CL-Einsatz und 1. CL-Tor von der Seele zu schiessen, toi, toi, toi!)

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  • Fussi sagt:

    Glückwunsch an Südkorea. Das Trainerteam hat es geschafft die richtige Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt aufzustellen. Das ist dem deutschen Trainerteam nicht gelungen. 4 mal die gleiche Startelf. Im Viertelfinale war die Mannschaft ausgepumpt. Man muss mit den Kräften haushalten. Man bedenke die Witterungsbedingungen. Sehr schade. Die Mannschaft war stark genug um den Titel zu holen.

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  • Jan sagt:

    Südkorea ist scheint vllt. das Land mit dem größten Aufwärtstrend zu sein. Aber ab einschl. Achtelfinale endete kein Spiel mit mehr als 1 Tor Differenz. So eng ging das zu! Würde man all diese Partien noch 4mal erneut austragen, gäbe es bestimmt 5 verschiedene Weltmeister – während es bei der U20 WM wohl 5mal derselbe geworden wäre! 🙂

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  • Expert sagt:

    Über die DFB Auswahl, habe ich nichts mehr gehört, kann jemand berichten, wurde jemand geehrt, in den Vorrunden haben wir doch so gute Ergebnisse gehabt, und wurden hochgelobt. Gibt es irgendwo von TR Peter einen abschlußbericht. Hoffe auf INFO……

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  • Jan sagt:

    Unsrer U17 ist halt das widerfahren, was in Südafrika Deutschland gegen Serbien und Spanien gegen die Schweiz widerfahren ist – nur bedauerlicherweise NACH der Vorrunde. Von 10 solchen Spielen verliert man eben mal eines. Den Weltmeister haben sie ja beherrscht und 3:0 besiegt (wenn auch spät).

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich sehe das so, Jan, dass unsere U17 aus dem verlorengegangenen EM-Spiel gegen Irland nichts hinzugelernt hat. Es wurden die gleichen Fehler erneut gemacht. Nordkorea agierte wie Irland seinerzeit überwiegend, nämlich überwiegend defensiv und dazu fand die Mannschaft keinerlei Einstellung! Auch weil das Trainerteam keine Lösung wußte?
    Klar tun sich ganz andere Mannschaften in derartigen Situationen gleichfalls schwer, aber Spitzenmannschaften haben da ein Rezept und setzen sich letzendlich doch durch.
    Wenn man den Anspruch hat, WM-Champion werden zu wollen, darf man eben nicht nur mit leicht zu besiegenden Gegner rechnen, sondern auch welchen, die taktisch geschult sind und gegenhalten können. Die robusten Irinnen machten es den Nordkoreanerannien praktisch vor, wie es geht…

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  • expert sagt:

    Jan wir sind hier bei Frauenfußball ( Womensoccer) nichts für ungut.

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  • FFFan sagt:

    Es gibt im Juniorinnenbereich eben stärkere und schwächere Jahrgänge. Die Mannschaft, die 2008 in Neuseeland den dritten Platz belegte, war als souveräner Europameister angereist und hatte in ihren Reihen einige außergewöhnlich talentierte Spielerinnen, die bereits Stammspielerinnen in der Bundesliga waren. Bei der diesjährigen Mannschaft trifft das uneingeschränkt nur auf Wensing zu. Schon die Tatsache, dass man erstmals nicht Europameister wurde, reduzierte die Erwartungen. So gesehen hat sich das Team von Ralf Peter in der Karibik nicht schlecht verkauft. Ein großes Manko blieb: die Mädels sind an manchen Tagen trotz großer Überlegenheit (nach den Kriterien Ballbesitz und Torschüsse) nicht in der Lage, die Kugel im gegnerischen Tor unterzubringen. Das wurde ihnen bereits im EM-Halbfinale zum Verhängnis.

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  • laasee sagt:

    @SF

    I agree with your comments.
    Ireland and then Korea shows that the coach and the players struggle with solving problems during a match.
    That is the one area where improvement must be made.

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @laasee
    Your appraisal is correct. Tactics trainings are important to raise the flexibility in the play manner.

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  • Expert sagt:

    U17 leider keine Info;s, schade……………………..

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  • Jan sagt:

    Nicht nur im Sport siegt eben manchmal David gegen Goliath, und die passende Strategie über eine ansonsten überlegene Taktik. Mit welchen (ggf. anderen) Mitteln könnte man denn gegen eine totale Abwehr Tore erzielen? Immerhin haben es ja Nigeria, Japan u. Spanien gegen Nordkorea mit fast der gleichen drückenden Überlegenheit wie die dt. U17 mit etwas Glück bei Einzelaktionen knapp geschafft. Mh, dt. Eckbälle z.B. schienen mir die ganze WM über recht harmlos.

    @Expertschaftin: Gut, Bsp. aus dem Frauinnenfußball gegen starke Abwehrreihinnen:
    WM HF 2003 GER-USA: 3 Torinnen nach 1 Eckbällin u. 2 Konterinnen
    WM 2007 USA-PRK: 3 Fernschusstorinnen u. 1 Halbdistanz-Torin
    WM VF 2007 GER-PRK: 3 Torinnen per 1 Fernschüssin, 1 Doppelpässin+Fernschüssin u. 1 Eckin
    WM HF 2007 USA-BRA: 1 Eigentorin bei Eckin, 3 Torinnen durch 2 Konterinnen u. „1/2 Konterin“
    OS HF 2008 GER-BRA: wohl 2-3 bras. Torinnen durch Konterinnen
    Ger-USA 2009 (0:1): kein dt. Torinnen trotz häufigem dt. Kombinationswirbelin!
    U20 WM 2010 GER-PRK: 2 Torinnen nach 1 Standardin u. „1/2 Konterin“
    Und war nicht kürzlich Wolfsburgin vs spielbestimmende Turbininnen mit Konterinnen erfolgreich?
    Im OS-Finalin 2008 unterbanden die USA dann die bras. Konterinnen und kontert tlw. selbst.
    Gegen eine besonders kompakte Abwehrin scheint frau [[man]] mitunter schwer zu treffen, wenn frau [[man]] versucht sich durchzukombinieren. Ob es also gegen eine gut organisierte Abwehrin ggf. nicht manchmal ratsamer wäre, die Gegnerin mit ihren eigenen Mittelinnen zu schlagen? Eine Sieg-Garantie ist das aber nicht. Wo gibt’s die schon? (s. o.g. Gegenbeispielin: GER vs Weltmeisterin KOR 3:0!)

    Gruß, Jana 😉

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ist das jetzt ansteckend, oder was soll das? Jedenfalls mein Mitgefühl!

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