Zittersieg von Turbine Potsdam – Gelb-Rot gegen Bajramaj

Von am 19. September 2010 – 16.05 Uhr 67 Kommentare

Am sechsten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga verteidigte der 1. FFC Turbine Potsdam zwar die Tabellenführung. Doch der glückliche Erfolg gegen den SC 07 Bad Neuenahr und die unnötige Gelb-Rote Karte gegen Fatmire Bajramaj verdarben die Freude und ließen die Emotionen hochkochen. Doch auch der VfL Wolfsburg hatte keinen Grund zur Freude.

Turbine gewinnt mit Glück
Vor 1 460 Zuschauern kam Tabellenführer 1. FFC Turbine Potsdam zu einem glücklichen 1:0 (0:0)-Sieg gegen den SC 07 Bad Neuenahr. Anja Mittag erzielte in der Schlussphase den Treffer des Tages (83.), nachdem Bad Neuenahrs Torhüterin Nadine Richter einen 30-Meter-Schuss von Jennifer Zietz nicht festhalten konnte. Zuvor hatte der Gast gut mitgespielt und selbst beste Tormöglichkeiten vergeben, oder war an der starken Turbine-Torhüterin Desirée Schumann gescheitert.

Anzeige

Gelb-Rote-Karte für Bajramaj
Doch so richtig freuen konnte sich die Gastgeberinnen über diesen Erfolg nicht, denn Fatmire Bajramaj sah wegen Meckerns nach dem Schlusspfiff von Schiedsrichterin Anja Kunick die Gelb-Rote Karte und wird somit ausgerechnet am kommenden Wochenende im Spitzenspiel beim FCR 2001 Duisburg fehlen.

Schröder erzürnt – Obliers enttäuscht
Ein erhitzter Trainer Bernd Schröder erklärte: „Ich nehme Bajramaj nicht in Schutz, aber dass eine Schiedsrichterin, die aus dem Osten kommt, so eine Osthasserin ist, kann ich mir nicht bieten lassen. Das Spiel ist beendet, da muss ich mich als Schiedsrichterin wegdrehen.“ Zum Spiel seiner Elf erklärte er: „Wir haben heute unverdient gewonnen.“

Bad Neuenahrs Trainer Thomas Obliers war enttäuscht: „Die über 90 Minuten bessere Mannschaft hat verloren, aber wir haben unsere Torchancen leichtfertig vergeben. Wir haben nur wenig zugelassen und müssten sogar 2:0 in Führung gehen und werden dann bitter bestraft, das ist schade für die Mannschaft, die gegen eine europäische Spitzenmannschaft ein richtig gutes Spiel gemacht hat.“

Duisburg ohne Probleme
Der FCR 2001 Duisburg kam ohne große Mühe zu einem ungefährdeten 5:0 (4:0)-Erfolg beim Herforder SV. Jennifer Oster (14.), Inka Grings (39.) sowie zwei Treffer von Alexandra Popp (40., 45.) sorgten noch vor der Pause für klare Verhältnisse. Die eingewechselte Mandy Islacker setzte den Schlusspunkt (81.).

Duisburgs Trainerin Martina Voss-Tecklenburg war entsprechend zufrieden: „Wir haben die richtigen Lehren aus dem Pokalspiel gezogen und von Anfang an konzentriert und engagiert nach vorne gespielt. Dass es meine Mannschaft nach der Pause hat ruhiger angehen lassen, ist absolut in Ordnung angesichts der vielen verletzten und angeschlagenen Spielerinnen.“

Erneute Auswärtspleite für Wolfsburg
Gegen die Großen kann der VfL Wolfsburg gewinnen, gegen die Kleinen verliert er regelmäßig Punkte. Bei der SG Essen-Schönebeck gab es beim 2:3 (1:2) die zweite Auswärtsniederlage in Folge. Wie schon in Leverkusen ging das Team von Trainer Ralf Kellermann auch diesmal in Führung, Selina Wagner traf zum 1:0 (10.). Doch Treffer von Sarah Freutel (20., 50.) und Michele Weissenhofer (33.) drehten die Partie, das Tor von Martina Müller (59.) brachte nichts mehr ein.

Frankfurt überrollt Jena
Der 1. FFC Frankfurt hat seine Erfolgsserie ausgebaut und den dritten Sieg in Folge gefeiert. Gegen den FF USV Jena gab es vor 1 510 Zuschauern einen ungefährdeten 5:0 (4:0)-Sieg. Dzsenifer Marozsan eröffnete nach einer guten Viertelstunden den Torreigen (17.), noch in der ersten halben Stunden sorgten Treffer von Kerstin Garefrekes (20.), Birgit Prinz (24.) und Sandra Smisek (28.) für die Entscheidung. Prinz stellte mit ihrem zweiten Treffer den Endstand her (73.).

Bachor schießt Bayern zum Sieg
Der FC Bayern München feierte im dritten Heimspiel der Saison den ersten Heimsieg. Gegen den 1. FC Saarbrücken gab es einen 4:0 (1:0)-Sieg. Drei Treffer vor 242 Zuschauern gingen auf das Konto von Isabell Bachor (15., 56., 78.), die bereits im Heimspiel gegen den FCR 2001 Duisburg aufsteigende Form bewiesen hatte, ehe Nina Aigner in der Schlussminute den vierten Bayern-Treffer erzielte (90.).

Erst traf Bachor nach Vorarbeit von Aigner per Kopf, dann verwertete sie nach Vorlage der eingewechselten Julia Simic allein vor Saarbrückens Torhüterin Romina Holz. Tor drei war die leichteste Übung, als sie nach einem langen Ball von Nicole Banecki die Kugel nur noch über die Linie drücken musste. Bayern-Trainer Thomas Wörle war zufrieden: „Man muss durch diese Saarbrücker Abwehr erstmal durchkommen. Und mit der aggressiven Spielweise zurechtkommen. Das gelang und heute gut.“

Doreen Meier

Für Bayer-Trainerin Doreen Meier und ihre Elf geht es nach vorn. (c) Nora Kruse, ff-archiv.de

Erneute Heimpleite für den HSV
Auch im dritten Heimspiel der Saison gelang dem Hamburger SV kein Erfolgserlebnis. Gegen Aufsteiger Bayer 04 Leverkusen gab es eine enttäuschende 0:1 (0:1)-Niederlage. Lena Steinbach erzielte aus kurzer Distanz nach einer scharf getretenen Ecke von Lisa Schwab bereits in der Anfangsphase den Treffer des Tages (3.). In der Folge beschränkten sich die Gäste auf die Defensive. Am Ende war es Torhüterin Lisa Schmitz zu verdanken, dass man die Hansestadt mit drei Punkten verlassen konnte. Denn sie vereitelte eine ganze Reihe guter HSV-Chancen, so etwa zehn Minuten vor Schluss, als sie einen Schuss von Kim Kulig parierte.

Eine zufriedene Trainerin Doreen Maier meinte: „Spielerisch haben wir gerade in der zweiten Halbzeit sicherlich nicht überzeugt, aber letztlich zählen heute nur die drei Punkte. Die Mädels haben gebissen – genau diese Einstellung brauchen wir, wenn wir in der Liga bestehen wollten.“

Tags: , ,

Markus Juchem (50) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

67 Kommentare »

  • Dirk sagt:

    bist Du nicht…

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Letztes Jahr hat Bernd Schröder verkündet, dass er seinem Managerkollegen Siegfried Dietrich aus Frankfurt moralisch um Lichtjahre überlegen sei.
    Das war auch so eine Entgleisung, wie sie sonst kaum mal jemandem passiert, und die mich als Frankfurt-Fan damals auch sehr geärgert hat.

    Wenn wir hier zusammentragen, kommt sicher noch einiges zusammen, was Schröder um Laufe der Jahre so rausgehauen hat, auch als es gegen seine ehemaligen Spielerinnen Conny Pohlers und Petra Wimbersky ging. Aber muss das sein? Ich halte Detlefs Einschätzung, dass Schröder im Eifer des Gefechts öfter mal was sagt, was er hinterher bereut, für zutreffend und auch für durchaus wohlwollend. Kann man das nicht einfach so stehen lassen?

    Er ist halt so und gut ist.

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Mal zur Richtigstellung, Tom, die Ex-Turbinen Pohlers und Wimbersky hatten nichts besseres zu tun, als das diese kaum den Verein gewechselt hatten, gegen Schröder vom Leder zu ziehen!
    Ergo, waren es wohl beide Spielerinnen, die Auslöser dieser Breitseite waren, nicht er.
    Ab und an auch mal die zeitliche Abfolge beachten.
    Weiterhin betone ich erneut, dass insbesondere ich als Pro-Schröder-Schreiber, dass es zu seinem aktuell diskutierten Verhalten keine zwei Meinungen gibt! (s. u.a. meinen Beitrag vom 21.09. 20:53 Uhr)
    Zu SiDi:Seine Beliebtheit bei Nicht-Frankfurtern ist vermutlich so groß wie ein Ameisenhügel, aber eben auch so bissig! Mit Geld mag er sich unbestritten auskennen, aber als der Hoeneß des FF, gilt es deswegen noch lange nicht. Sein Wildern in sämtlichen BL-Revieren stößt so manchem Verein bzw. dessen Trainern negativ aus, Schröder hat´s halt nur ausgesprochen – und es ist auch meine Meinung, obgleich ich davon erstmalig Kenntnis erhalte!

    (0)
  • Tom Schlimme sagt:

    Oh, das hatte ich vergessen. Schuld sind ja immer die anderen, wenn Schröder mal wieder vom Leder zieht. Die Schiedsrichterinnen, weil sie auch mal gegen Turbine entscheiden, die ehemaligen Spielerinnen sowieso, und natürlich die bösen Frankfurter, weil sie angeblich die halbe Liga zusammenkaufen.

    Soll ich dir mal eine Liste aufstellen, Schenschtschina, wen Schröder so innerhalb der letzten paar Jahre so alles eingekauft hat? Und wir schmerzlich diese Spielerinnen in den Vereinen, wo er sie her hatte, vermisst worden sind? Unter anderem seine halbe Meistermannschaft vom letzten Jahr hatte er gerade zu dieser Saison zusammengekauft:

    Nadine Keßler und Josephine Henning, aus Saarbrücken, Lira Bajramaj und Corinna Schröder aus Duisburg, Lena Hohlfeld von der SG Wattenscheid. Ich könnte die Liste um Einkäufen von Turbine aus den Jahren zuvor verlängern. Doch das wäre völliger Blödsinn, denn es ist normal im Fußball, dass Spielerinnen den Verein wechseln, und es ist nichts ehrenrühriges dabei, wenn ein Verein Spielerinnen von anderen Vereinen neu verpflichtete.

    Aber da sind nicht alle gleich. Bei Turbine Potsdam pflegen sie seit Jahren den Mythos, dass dieser Verein etwas besonderes wäre, so auf die eigene Jugendarbeit setzen würde. Und andere Vereine, insbesondere Franfurt würden es anders machen und das sei moralisch verwerflich.

    Das ist einfach Quark. Schaut euch die Wechselübersichten der vergangenen Jahre an und vergleicht die Bundesligavereine miteinander. Einfach mal Fakten gucken statt romantische Mythen predigen.

    Vielleicht kommt hier aber das Gift her, das gerade auch in dieser Saison so bei Turbine zu spüren ist. Dieses Gift, das eine an sich als ranz ruhig und lieb geschilderte Tabea Kemme ausflippen lässt, das Gift, das ein ganzes Publikum dazu bringt, eine verdiente Weltmeisterin 70 Minuten auszupfeifen, weil sie in einer Szene einfach mal nur einen Einwurf verzögern wollte, für das, was daraus wurde, konnte sie nichts.
    Das Gift, dass einen alterfahrenen und mit Fug und Recht erwachsen zu nennenden Trainer dazu brachte, derart auszurasten, wie es Schröder nach dem Spiel passiert ist.

    Vielleicht kommt dieses Gift einfach daher, dass man so fest an seine moralische und sonstige Überlegenheit glaubt, dass es nur mit unrechten Dingen zugehen kann, wenn es mal nicht so gut läuft, der Gegner mal gut spielt wie Frankfurt die ersten 70 Minuten oder jetzt Bad Neuenahr. Dann sind böse Mächte schuld, der DFB, die Hochfinanz, die Schiedsrichterinnen. Aus dem Glauben der moralischen und sonstigen Überlegenheit (beste Jugendarbeit, beste Mannschaft) heraus kann es einfach nicht hingenommen werden, dann andere auch mal besser sind.

    Es ist eine Sache, zu glauben, man sei moralisch überlegen. Das passiert manchen Menschen immer mal. Es auszusprechen, ist schon eine Dummheit, denn schon in diesem Moment löst sich eine moralische Überlegenheit, wenn sie denn jemals exisitiert hätte, in Luft auf. Geradezu grotesk wird es dann aber, wenn jemand, der eine so hohe moralische Überlegenheit für sich öffentlich beansprucht, wie Schröder es getan hat, dann später dermaßen ausrastet, wie jetzt geschehen. Sorry, dann muss man sich aber auch an seinen eigenen Ansprüchen messen lassen!

    Detlef hatte es eigentlich richtig auf den Punkt gebracht, so ist Schröder halt, am besten, man lässt es einfach so stehen. Aber das konnten mindestens zwei hier nicht auf sich sitzen lassen. Aber vielleicht hilft das jetzt wirklich mal, das Übel an der Wurzel zu packen.

    Diese Wurzel heißt meiner Meinung nach: Turbine ist gut, Turbine ist heilig, die anderen sind schlechter, Frankfurt ist ganz besonders schlecht und ganz besonders böse. Wer das glaubt, flippt halt auch mal aus, wenn es dann mal einen Moment mal nicht ganz so gut läuft für Turbine.

    Die ich übrigens nach wie vor als Meisterschaftsfavoriten Nummer 1 sehe, und die immer noch vom ersten Tabellenplatz aus grüßen!

    Ginge es nicht mal so für die Zukunft: Turbine ist ein ganz normaler Verein, Franfurt ist ein ganz normaler Verein, keiner ist irgendwie moralischer als der andere, und jedem passieren hin und wieder mal Fehler? Wir sind alle nur Menschen, keiner besser oder schlechter als der andere, wir hier sind alle Fans des Frauenfußballs, wir respektieren uns alle gegenseitig ebenso wie wir die Trainer, Manager, Spielerinnen der anderen Vereine respektieren? Wäre es nicht langsam Zeit, da mal hinzukommen?

    (0)
  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    @Tom
    Die beiden ersten Sätze weg, dann hast Du meine Zustimmung!
    Trotzdem nochmal für Dich zum Mitmeißeln:Es war zu keinem Zeitpunkt die Rede davon, dass an Schröder´s Offensivqualitäten die „Anderen“ Schuld haben – das ist Deine Wahrheit, nicht meine!

    (0)
  • Jennifer sagt:

    @SF: Meine Guete, get a life!

    (0)
  • Detlef sagt:

    @Tom,
    Richtig, leben und leben lassen!!!
    Schön, daß man von Dir auch mal wieder was ließt!!!

    @Frau Fußball,
    Geht doch!!!

    (0)