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DFB-Elf: Das Fundament stimmt

Von am 16. September 2010 – 12.56 Uhr 15 Kommentare

Den 5:0-Sieg der deutschen Frauenfußball-Nationalelf gegen Kanada darf und muss man sicherlich nicht überwerten. Doch Bundestrainerin Silvia Neid dürfte mit Genugtuung zur Kenntnis genommen haben, dass die Ausgangsposition für die Arbeit in den kommenden Monaten bis zur WM komfortabel ist.

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„Mit dem Ergebnis bin ich zufrieden, aber das Spiel ist noch ausbaufähig, es war nicht souverän“, so Neids Fazit nach dem Spiel. Doch dafür, dass die Frauenfußball-WM 2011 im eigenen Land noch neun Monate entfernt ist, das Team erstmals seit fast vier Monaten und der enttäuschenden 0:4-Niederlage in den USA wieder ein Länderspiel bestritt und die Bundesligasaison erst einige Spieltage alt ist, war die Qualität des deutschen Spiels bereits gut.

Kulig mit starker erster Halbzeit

Zu den Gewinnerinnen des Länderspiels durfte sich unter anderem Kim Kulig zählen, die vor allem in der ersten Halbzeit an zahlreichen gefährlichen Aktionen der DFB-Elf beteiligt war. Wenngleich es dem deutschen Offensivspiel gegen die kompakten Kanadierinnen oftmals noch an der Präzision und Kombinationssicherheit fehlte, war es doch beeindruckend, wie viele Chancen sich das Team erarbeitete, auch wenn die Chancenverwertung verbesserungswürdig war.

Mehr Tore waren möglich

So vergab allein das Frankfurter Duo Kerstin Garefrekes und Birgit Prinz einige gute Torchancen, beschäftigte aber die kanadische Defensive ein ums andere Mal. Die zur zweiten Halbzeit für die beiden eingewechselten Célia Okoyino da Mbabi und Melanie Behringer nutzen die nun immer größer werdenden Räume für schnelle Vorstöße. Beide wurden für ihre gute Leistung mit einem Treffer belohnt, jeweils unter gütiger Mithilfe der kanadischen Torhüterin Karina LeBlanc, die nach starker erster Halbzeit genau wie der Rest ihres Teams abbaute.

Defensive kaum beschäftigt

Torhüterin Nadine Angerer verbrachte einen nahezu beschäftigungslosen Abend. Auch die nach dem Ausfall von Annike Krahn neu formierte Viererabwehrkette stand nicht gerade unter Dauerdruck, löste die wenige Aufgaben aber zumeist gut, wenngleich es dem Innnenverteidigungs-Duo Lena Goeßling und Saskia Bartusiak gelegentlich an Souveränität mangelte. Im Sturm sorgte Inka Grings in der ersten Halbzeit für Unruhe und verwandelte früh den Foulelfmeter zur Führung, die Mitte der zweiten Halbzeit eingewechselte Alexandra Popp erzielte mit einem Flugkopfball den schönsten Treffer des Tages und empfahl sich einmal mehr nachdrücklich als Option für die WM.

Tempo und Athletik als Pluspunkte

Die zweite Halbzeit brachte vor allem zwei Erkenntnisse: Wer das Tempo der deutschen Elf nicht über 90 Minuten mitgehen kann, steht auf verlorenem Posten und wird gnadenlos bestraft. Das bekamen die Kanadierinnen vor allem in der Schlussviertelstunde zu spüren, als das DFB-Team mit dem Gegner nach Belieben Katz und Maus spielen konnte. Ist die deutsche Mannschaft fit, können ihr in puncto Tempo und Athletik nur wenige Teams das Wasser reichen.

Fatmire Bajramaj

Fatmire Bajramaj erzielte gegen Kanada das 2:0 ©Nora Kruse / FF-Archiv

Kader voller Optionen

Und es zeigte sich einmal mehr, dass die verschiedenen Spielerinnentypen im deutschen Kader das Spiel flexibler und für jeden Gegner unberechenbarer machen. Schnörkellose, geradlinige Spielerinnen wie Behringer oder Garefrekes stehen verspielte, quirlige Typen wie Fatmire Bajramaj oder Célia Okoyino da Mbabi gegenüber. Der deutsche Kader ist in der Breite gut aufgestellt, große Veränderungen dürfte es hier bis zur WM kaum noch geben.

Müdes Kanada ernüchtert

Kanadas Trainerin Carolina Morace musste wenige Wochen vor Beginn der WM-Qualifikation in Mexiko ernüchtert feststellen: „Mit unserer Spielweise sind wir einfach nicht auf einem Level mit den besten Teams wie Deutschland und den USA.“ Ihre Elf verstand es nicht, das Aufbauspiel der Deutschen zu unterbinden, das Pressing im Mittelfeld war über die gesamte Spielzeit mangelhaft. Doch Morace nahm ihre Spielerinnen auch in Schutz. „Nach drei Wochen Training waren meine Spielerinnen vermutlich auch müde, wobei das keine Entschuldigung sein soll. Christine Sinclair und Candice Chapman konnte ihre Leistung nicht abrufen, da waren die Reisestrapazen noch spürbar.“

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Markus Juchem (49) schreibt seit 2003 über Frauenfußball, für Medien wie Womensoccer.de, UEFA.com, FIFA.com, DFB.de, FAZ, NZZ und Kicker.

15 Kommentare »

  • laasee sagt:

    5:0 is a nice score with the same players (except Bresonik and Krahn) that lost 0:4 and 2:3 in the two previous games against USA. It is clear that some of the players are not good enough to compete with USA and therefore they should be replaced and not keep playing more games.

    Matina Muller has had a brilliant start to the Buli but does not get any playing time against Canada. Does this send out the correct message to other players in the Buli? Players should merit their inclusion in the team based on form and performance with their clubs.

    To win WM2011 will require Germany to be better than USA and Brazil. Recent results against both USA and Brazil have not been good for Germany. Therefore, it is obvious that changes need to be made.

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  • djane sagt:

    Hmmm- ich bin mit fast allem einverstanden, einzig Kulig fand ich jetzt nicht so bermerkenswert. Laudehr fand ich besser, weil sie viel gearbeitet hat, und immer mal wieder mit überraschenden Aktionen im Strafraum auftauchte- wenn schon sie auch physisch natürlich nicht so präsent ist wie Kulig. Die Abwehr warf ein paar Fragen auf, das Innenverteidiger-Duo hat mir auch nicht so besonders gefallen, und die Außenverteidiger hatten das Pech, nicht besonders gefordert zu sein- was dann auch die Spaziergänge von Fuss in die gegnerische Hälfte ermöglichten.

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  • Winter sagt:

    Also der Unterschied zwischen dem 0:4 gegen die USA und dem 5:0 ist schon gewaltig groß. Mit Sicherheit kann man Kanada nicht zur ersten Garde des Frauenfussballs zählen. Wie schnell man ins Hintertreffen geraten kann, hat das Spiel gegen die USA gezeigt.
    Die Tore gegen Kanada waren teilweise große Zufälle, die man im Normalfall halten muss (Mbabi, Behringer). Mit Sicherheit sollte man sich nicht von diesem Ergebnis täuschen lassen. In der Abwehr scheint mir insbesondere in der Konstellation Goeßling und Bartusiak noch viel zu wackeln. Eine andere Frage muss natürlich auch lauten, wann gibt es endlich mal Wettbewerb auf der Torhüterposition. Einige dicke Dinger waren auch bei Nadine Angerer in dieser Saison schon dabei. Die Leistung sollte bei allen zählen, nicht der Name der Vergangenheit!

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  • Marc sagt:

    @djane…
    da stimm ich zu…
    okay kulig war hat vielleicht ab und zu im strafraum „gewirbelt“,war aber oft auch zu eigensinnig..

    @winter..
    ich finds auch dämlich bei testspiel immer die gleiche TW zu haben…ich mein..warum nich da mal Holl oder die 3. spielen lassen..
    ich sehs nämlich genauso…Natze hin oder her…wenn Frau Neid nach der BuLi entscheiden würde,wäre Natze definitiv nicht erste Wahl bzw. nicht soo sicher Nr.1

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  • Schenschtschina Futbolista sagt:

    Ich gestehe, dass Lena, obwohl nicht bei meiner Lieblingsmannschaft spielend, eine meiner hoffnungsvollen, nachrückenden Innenverteidigerinnen darstellt! Daher war ich positiv überrascht als sie nicht nur im Kader des 2009er Algarve Cup-Teams stand, sondern, wenngleich viel zu wenig, auch spielte. Für die gestrige Einsatzzeit im A-Team schlug sie sich eigentlich ganz ordentlich und sie traut sich auch zu, den Ball mal spielerisch nach vorn zu bringen. Andere, und zwar arrivierte (Neben-)Spielerinnen haben sich auch Fehler geleistet.
    Ich hoffe, dass diese Aufstellung von Lena Wiederholung findet, ihr also Zeit gegeben wird, sich zu etablieren, denn ich bin zu 100% sicher, sie wird sie nutzen!
    Zu Kim Kulig möchte ich feststellen, dass ihr das A-Pflaster scheinbar besser steht, denn in der Tat war ihre vornehmlich in HZ 1 gezeigte Leistung deutlich besser als die zu Zeiten der U20-WM. Allerdings sollte sie so manches Abspiel eher und genauer tätigen, damit für ihre Mitspielerinnen Verwertbares rauskommt. Auch nicht jeder Ballbesitz in Tornähe sollte unbedingt zum Torschuß werden, wenn besser Postierte da sind.
    Anja brachte leider nur die Leistung erneut zustande, die sie dort mehrheitlich und auch in den BL-Spielen gegenwärtig bringt – schade.

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  • Steffen sagt:

    Lena Goeßling war nicht schlechter als Saskia Bartusiak! Meiner Meinung nach lernt Saskia Bartusiak es nicht mehr, wie man eine Weltklasseinnenverteidigerin wird. Sie ist immer die Schwachstelle. In dem Spiel war Ihr Problem, dass Sie keine Ariane Hingst oder Annike Krahn neben sich hatte, an der Sie sich anlehnen konnte. Aber muss man nicht langsam selbst mal der Fels in der Brandung sein, Saskia Bartusiak?

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  • eisbär sagt:

    Ich fand Laudehr stark und sehe sie auch eher in der Zentrale als auf der Außenbahn, da sie stark im Zweikampf ist. Auch zuletzt in Duisburg hat sie in der Mitte gespielt und ich fand sie dort besser als auf der Außenposition, da sie als Flügelspielerin nicht so viel nach hinten arbeitet. Goeßling und Bartusiak (noch mehr) leisteten sich einige kleinere Fehler, die gegen einen stärkeren Gegner schwerer ins Gewicht hätten fallen können. Bajramaj wurde meines Erachtens in der 1.HZ nicht so ins Spiel mit einbezogen und war in der 2.HZ, als sie in der Spitze spielte, deutlich auffälliger. Insgesamt war es ein guter Auftritt.

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  • Winter sagt:

    Ich will noch mal die Torhüter-Frage ansprechen. Meiner Meinung nach hält Nadine Angerer bis zum Sommer 2011 dort einen „Winterschlaf“. Wenn dort nicht endlich mal Wettbewerb entsteht, wird es zum Turnier „klingeln“ und erst dann wird man aufwachen-zu spät. Wenn ich sehe, wie bei den Männern (Adler, Neuer, Butt, Wiese) beim letzten Turnier mit dieser Thematik umgegangen wurde, ist mir dort einfach zu viel Sorglosigkeit enthalten.

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  • Frieda sagt:

    Zur Torwart-Frage: Wenn schon Beispiele aus dem Männerbereich angewendet werden, sollte man doch auch von Herrn Kahn sprechen. Auch der hatte, wie jeder Mensch, Leistungsschwankungen und war doch immer die Nummer 1. Und warum? Weil das auf der Torhüterposition nun mal so ist, da geht es nicht nur darum, Bälle zu halten, sondern eine Mannschaft von hinten zu lenken und zu führen. Außerdem ist Ausstrahlung wichtig. Dem Titan lief ein Ruf voraus und so ist es bei Angerer auch.

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  • Winter sagt:

    @ Frieda

    Trotzdem war er bei der WM 2006 nur die Nummer 2 hinter Jens Lehman und auch ein René Adler war gesetzt, hatte dann Verletzungspech und Manuel Neuer war dann die Nummer 1 bei der WM 2010. Aber ich stimme Dir zu, wir wollen Männer und Frauen nicht vergleichen!

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  • eisbär sagt:

    Angerer ist meiner Meinung nach zurecht die Nummer 1. Die anderen Kandidatinnen spielen auch nicht fehlerfrei und es drängt sich auch keine auf. Außerdem hat Angerer die meiste Erfahrung und das wird bei der Heim-WM wichtig werden.

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  • Jan sagt:

    Naja: Zum Glück hat Silvia Neid nicht d i e Sorgen, die Carolina Morace haben dürfte! 😉

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  • expert1 sagt:

    Eisbär, das stimmt, aber gegen einen drittklassige Gegnerinnen, kann man auch eine Halbzeit ohne Angerer spielen.

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  • expert1 sagt:

    Kulig mit starken ersten Halbzeit, wer im Stadion in Dresden life dabei war, und hat die nicht angekommenden Pässe von Kim mitgezählt. Dann kann man Kim nur eine Vier geben. und das gegen einen an diesen Tag Drittklassige Gegnerinn wie Kanada.

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  • till sagt:

    Also ich muss auch sagen, dass mir Kim Kulig deutlich zu eigensinnig war in ihren Aktionen. Simone Laudehr hatte da viel häufiger in der ersten Halbzeit auch Überblick und das Auge für ihre Mitspielerinnen bewiesen.
    Neben kleineren Fehlern (vor allem von Frau Bartusiak) viel vor allem auf, dass das Spiel über die Flügel durchgängig nicht so gut funktionierte, wie gewohnt.
    Auch eine Einwechslung von Frau Holl hätte ich sehr begrüsst, da es nun mal ein Testspiel ist und somit auch die Chance besteht die anderen Spielerinnen zu sehen … Wenn nicht da, wann dann? Es kann ja auch immer so passieren, wie mit Frau Rottenberg – ich hoff’s natürlich für keine Spielerin, aber dann muss eine Torhüterin ins Tor, die kaum Spielpraxis in der Nationalmannschaft hat …

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